Grube Marie-Caroline

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Südniedersächsische Bergarbeiter aus Holtensen und Lenglern: (von links) E. Weber, W. Ahlborn, K. Wille, K. Hache, E. Schulz, W. Ahlborn, H. Kobold, G. Stolle und Gruppenleiter H. Hülz.
Erzgestein aus der Feldmark: Mit dem Bagger wurde das Material zutage gefördert.
Transport per Bahn: Der Bagger belud Loren, die kleine Lok zog das Erzgestein zur Bodenfelder Bahnstrecke.
Grube: Davon ist bei Holtensen heute nichts mehr zu sehen.

In der Grube Marie-Caroline zwischen Lenglern und Holtensen wurde von 1939 bis 1961 Eisenerz im Tageblau abgebaut.

Es geht auf eine Zeitreise nach Lenglern und Holtensen in die frühen 1950er Jahre: Die Männer auf dem großen Bild arbeiten im Bergbau – in der „kleinsten Erzgrube des Bundesgebietes“, heißt es in einem Zeitungsbericht. Fotografien und Texte aus der Grube Marie-Caroline bei Göttingen verwahren Ortsheimatpflegerin Elsa Vollmer und ihre Mitstreiter im Archiv Holtensen.

Auf Lenglerner Gemeindegebiet lag die von der Firma Mannesmann in Betrieb genommene Erzgrube. Auf fünf Hektar Fläche wurde zwischen 1939 und 1961 Eisenerz geschürft, auf die Loren einer Kleinbahn verladen und über ein eigens gebautes Anschlussgleis durch die Feldmark bis zur Bodenfelder Bahn gefahren und in Güterwagen der Bundesbahn geschüttet. Von dort aus wurde es zur Verhüttung nach Duisburg gebracht.

Die Jahresförderung betrug zwischen 18 000 und 20 000 Tonnen. Die Erzader war bis zu fünf Meter dick, das Gestein besaß einen Eisengehalt von rund 35 Prozent. Entdeckt wurde das Abbaugebiet bereits 1880, genutzt wurde es jedoch erst seit 1939, dem Jahr, in dem der Zweite Weltkrieg begann. Die ursprüngliche Schätzung lag bei einem Erzvorkommen von rund 200 000 Tonnen, tatsächlich gefördert wurde jedoch mehr als das Doppelte.

An der Grube arbeiteten Lenglerner und Holtenser sowie Arbeiter aus Adelebsen. Um 1950 waren elf Männer dort beschäftigt. Im Holtenser Archiv liegt die Niederschrift der Erinnerungen eines ehemaligen Grubenarbeiters, den nebst der schwierigen wirtschaftlichen Lage unter anderem eine „Schwerstarbeiterzulage“ (mehr Lebensmittel), gestellte Arbeitskleidung und eine Flasche Schnaps monatlich verlockt hatten, für Mannesmann Erz zu fördern.

Die Arbeit war nicht ungefährlich. Der Bagger musste vom wackeligen Grubenrand aus die erzhaltigen Gesteinsbrocken herausbrechen und in die Loren schütten. Der kleine Zug fuhr anschließend zur Verladerampe an der Bodenfelder Bahn. Dort wurde das Material gewogen und in Waggons gefüllt, die dann nach Duisburg rollten. Wenn zuvor Kohle in den Waggons transportiert worden war, konnte es sein, dass Reste davon noch zurückgeblieben waren – zur Freude der Kumpels von Marie-Caroline und ihrer Familien. Das wertvolle Brennmaterial landete in Handwagen und wurde über die einspurig gebaute, aber noch nicht freigegebene Autobahn nach Holtensen transportiert.

Die Wochenarbeitszeit betrug 48 Stunden, zwölf Urlaubstage standen den schwer arbeitenden Männern zu. Im Jahr 1955 gab es erste Stilllegungspläne, nur wenige der Mitarbeiter blieben, die meisten wurden entlassen. 1960 wurde mit vier Arbeitern zum letzten Mal geschürft. Bis zur Schließung der Grube im Jahr 1961 ließ das Unternehmen das Gelände zuschütten und rekultivieren. Die Flächen wurden an interessierte Landwirte und eine Baumschule verkauft. Letztere kultiviert dort nach wie vor Pflanzen – der Tagebau hingegen hat in der Feldmark wenig Spuren hinterlassen.