120 Jahre Telefon in Göttingen

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Göttinger Fernmeldeamt: Vermittlung von Hand (1962)

1876 meldete der Amerikaner Graham Bell sein von ihm entwickeltes elektromagnetisches Telefon als Patent an. Bereits 1861 hat indes der deutsche Physiker Philipp Reis eine Vorrichtung zur elektromagnetischen Tonübertragung gebaut. Bis heute wird kontrovers diskutiert, wer von beiden tatsächlich der Erfinder des Telefons ist. In der Chronik der Stadt ist hingegen belegt, dass heute vor genau 120 Jahren in Göttingen der Fernsprechverkehr eingeführt wurde.

Am 1. Juli 1890 waren es gerade einmal knapp 50 Anschlüsse. Die Nummern wurden entlang der Hauptleitung vergeben, die am damaligen Kaiserlichen Postamt am Bahnhof begann. Hier befand sich die Fernsprechvermittlung – die berühmten Fräuleins vom Amt stellten die Gesprächsverbindungen her. Teilnehmer mit der Rufnummer 1 (siehe Auszug aus Göttingens erstem Telefonbuch) war Hotelier Louis Gebhard in der Goetheallee. Das damalige Rathaus der Stadt hatte die Nummer 23, die städtische Brauerei am Brauweg war unter der Nummer 45 zu erreichen. Die meisten Anschlüsse ans städtische Telefonnetz gehörten, so heißt es in der Bauchronik der Göttinger Monatsblätter, „Banquiers oder Geschäftsleuten“.


Weil das Telefonieren in den ersten Jahren ausschließlich innerhalb der Stadt möglich war, hielt sich das Interesse an weiteren Anschlüssen zunächst in Grenzen. 1893 nennt das Adressbuch gerade einmal 76 Teilnehmer. 1939 steht im Göttinger Tageblatt, dass die Zahl der Fernsprechteilnehmer nunmehr 3000 betrage. „Jeder 13. hat Telefon – 40 000 Hauptanschlüsse beim Fernmeldeamt Göttingen“ lautet eine Tageblatt-Schlagzeile im April 1967, gut anderthalb Jahre später wird der 50000. Fernsprechteilnehmer vermeldet, 100000 waren 1972 erreicht.

1895 war erstmals Fernsprechverkehr mit Teilnehmern in Alfeld, Kassel, Einbeck, Elze, Hannover, Hann. Münden und Northeim möglich. Ein dreiminütiges Gespräch nach Hann. Münden kostete damals 25 Pfennig, deutlich kostspieliger war ein ebenso lang dauerndes Telefonat nach Hannover: eine Mark. In den Anfangsjahren war das Benutzen des Fernsprechers im Sommer von 7 bis 21 Uhr und im Winter von 8 bis 21 Uhr möglich. Wer nachts wichtige Mitteilungen zu machen hatte, war aufs Telegraphieren angewiesen.

1898 berichtete die Göttinger Zeitung über die Errichtung einer öffentlichen Fernsprechstelle im Postamt. Im Juni 1926 wurde auf Wählbetrieb umgestellt und das neue, automatische Fernsprechamt nahm seinen Betrieb auf. Der Tageblatt-Berichterstatter berichtete ausführlich über den Festakt, bei dem der mit 77 Jahren älteste Fernsprechteilnehmer Göttingens „mit großer Lebhaftigkeit“ von den damali-gen Widerständen in den „Kreisen der Bürgerschaft“ erzählte.

Heinrich von Stephan, 1897 von Georg Barlösius

„Es ist selbstverständlich, daß das Wunderwerk menschlicher Intelligenz das höchste Interesse der Gäste erweckte…“, heißt es in dem Bericht weiter. Die technischen Wunder bezüglich der Telekommunikation ließen sich auch in den folgenden Jahren nicht mehr aufhalten.

Heute hat fast jeder Mensch ein Mobiltelefon, und an das flotte Tasten-Tischmodell aus den 1970er Jahren oder das schicke orangefarbene Wählscheibentelefon aus den 1960ern können sich nur noch die Älteren erinnern.


Postminister Heinrich von Stephan

Heinrich von Stephan (1831-1897) war Deutschlands erster Postminister. Ihm ist zu verdanken, dass sich die Erfindung des Telefons durchgesetzt hat. Auf seine Initiative hin nahm bereits 1877 in Berlin die erste kleine Telegraphenanstalt mit Fernsprechbetrieb ihren Betrieb auf. Ihm zu Ehren hat der Rat der Stadt Göttingen auf Antrag der Deutschen Bundespost 1987 die Benennung einer Straße beschlossen – unweit des damaligen Post-Neubaus am Bahnhof.

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