1951

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Jubiläen

Ereignisse

Januar

  • 1. Januar 1951: Zum ersten Mal seit 1945 wurde die Silvesternacht wieder in der hier altgewohnten Weise mit Feuerwerks-Schüssen begangen, die das mitternächtliche Geläute der Kirchenglocken oft übertönten. Bisher war das Abfeuern solcher Schüsse von der britischen Besatzungsmacht verboten gewesen. Das Oberversicherungsamt Hildesheim hat mit Wirkung vom heutigen Tag die Vereinigung der Landeskrankenkasse für den Stadtkreis Göttingen mit der Allgemeinen Ortskrankenkasse für die Stadt Göttingen verfügt.
  • 2. Januar 1951: Das Stadtbadehaus, das aus Kohlenmangel seit längerem geschlossen war, ist von heute ab wieder geöffnet. Die Schwimmhalle muß wegen der sehr ernsten Kohlenknappheit allerdings auch weiterhin geschlossen bleiben. Im gesamten Bundesgebiet ist zur Einsparung von Kohle die Lichtreklame der Geschäfte bis zum 31. März verboten worden. Schaufenster und Schaukästen dürfen nur von einer halben Stunde vor Ladenöffnung an bis zu einer halben Stunde nach Ladenschluß beleuchtet sein. Die angespannte Lage auf dem Kohlenmarkt hat die Stadtverwaltung genötigt, die wegen der Kohlennot schon vom 15. Dezember bis zum 8. Januar ausgedehnten Weihnachtsferien der Schulen noch bis zum 20. Januar einschließlich zu verlängern und den vollen Unterricht erst am 22. Januar wieder zu beginnen. Während dieser "Kohlenferien" erhalten die Schüler und Schülerinnen Hausaufgaben gestellt.
  • 6. Januar 1951: Heute wurde das Richtefest des 92 Meter hohen Mastes des |Senders Göttingen auf der Höhe bei Nikolausberg begangen. Die schwierigen Bauarbeiten haben knapp sechs Wochen beansprucht. In Betrieb kommt der Sendemast erst in einigen Wochen, zur Zeit sendet Göttingen noch über eine Behelfsantenne.
  • 11. Januar 1951: Der Aufsichtsrat der Theater-Gesellschaft erklärte in einer Zuschrift an die Göttinger Zeitungen sich außerstande, das Orchester des Deutschen Theaters in der nächsten Spielzeit wieder zu verpflichten. Als Grund dieser folgenschweren Maßnahme wird nicht ausreichender Besuch der Symphonie-Konzerte des Orchesters angegeben. Wird das Orchester nicht wieder verpflichtet, so werden für die Zukunft in Göttingen Orchester-Konzerte nicht mehr stattfinden können. Diese Mitteilung hat in der ausgesprochen musikfreudigen Stadt große Bestürzung hervorgerufen, die sich in zahlreichen Zeitungs-Aufsätzen äußerte und Gegengründe zur Sprache brachte. Die seit jener Bekanntmachung veranstalteten Symphonie-Konzerte konnten sich ganz besonders guten Besuchen und demonstrativen Beifalls erfreuen.
  • 12. Januar 1951:Im 88. Lebensjahr verschied Kaufmann Friedrich Wedemeyer, der Senior der Göttinger Sozialdemokratie. In den Tagen der Revolution im November 1918 hat er sich als Leiter des Soldaten- und Volksrates um die Erhaltung von Ruhe und Ordnung hier verdient gemacht und ist von 1919 bis 1933 als ehrenamtlicher Senator seiner Vaterstadt Göttingen tätig gewesen.
  • 13. Januar 1951: Vor einer großen Zahl von Ehrengästen aus allen Teilen Deutschlands eröffnete der Landesinnungsmeister die neu begründete Schuhmacher-Fachschule in einem Block der ehemaligen Kasernen in der Geismar-Landstraße. Der Plan der Errichtung einer solchen Fachschule für Niedersachsen und Mitteldeutschland wurde bereits vor 13 Jahren gefaßt, konnte aber der durch Krieg und Nachkriegszeit bedingten Schwierigkeiten halber erst jetzt verwirklicht werden. Die neue Schule soll vor allem der Ausbildung orthopädischer Schuhmacher dienen.
  • 19. Januar 1951: Im Sitzungssaal des Rathauses begann heute eine Konferenz der Kulturminister der elf Länder der Bundesrepublik und West-Berlins, an der auch Vertreter der Bundesregierung teilnahmen.
  • 20. Januar 1951: Kurdirektoren und Verkehrsfachleute aus Westdeutschland traten hier zu einer vorbereitenden Satzungsversammlung für die Gründung eines Berufsverbandes der Bäder- und Fremdenverkehrs-Fachleute zusammen.
  • 24. Januar 1951: Eine Theatervorstellung besonderer Art veranstaltete das Arbeitsamt Göttingen. Es hatte 120 Erwerbslose zu einer Aufführung des Schauspiels "Die Vergessenen" eingeladen, die von den ebenfalls arbeitslosen Künstlern des "Intimen Theaters" in der Diele des Arbeitsamtes gegeben wurde.
  • 28. Januar 1951:Professor Dr. Karl Reitmüller verstarb im Alter von 86 Jahren. Er hat im Jahre 1894 ein zunächst privat betriebenes zahnärztliches Institut hier errichtet, das im Jahre 1900 dann von der Universität übernommen worden ist. Am gleichen Tag verschied 81 jährig Reichsbahn-Werkmeister außer Dienst Gustav Ickler, der von 1912 bis 1918 den Wahlkreis Göttingen-Münden-Duderstadt im Reichstag vertreten hat.
  • 30. Januar 1951: In Gegenwart zahlreicher Ehrengäste aus der Stadt, dem Kreis wie von weiter her beging die Kreissparkasse das Richtefest der neuen großen Kassenhalle auf ihrem Grundstück des einstigen Hotels "Zur Krone" in der Weender Straße. Der Bau war mit den Fahnen der Bundesrepublik, der Stadt und des Kreises geschmückt.

Februar

  • 2. Februar 1951: Zum Rektor der Knaben-Mittelschule (Voigt-Schule) wählte der Rat den Mittelschullehrer Helmut Grüter, der als Lehrer an der Mädchen-Mittelschule (Personn-Schule) seit 20 Jahren im städtischen Schuldienst steht. Gelegentlich der hiesigen Uraufführung des von der Göttinger Domnick-Produktion gedrehten Filmes "Unsterbliche Geliebte" (nach der Novelle "Aquis submersus" von Theodor Storm) kam es im Central-Theater zu einer Störung. Gegen eine Wiederbeschäftigung des Regisseurs dieses Filmes, Veit Harlan, im deutschen Filmwesen hat sich im Bundesgebiet eine heftige Opposition erhoben, die Harlan seinen antisemitischen Film "Jud Süß" zum Vorwurf macht, den der während des nationalsozialistischen Regimes gedreht hat. In Herborn hatte es bereits Störungen gegeben. Bei der hiesigen Uraufführung protestierten gleichfalls Zuschauer durch Zwischenrufe, so daß die Vorstellung unterbrochen werden mußte. Die Polizei hatte im Amtsgericht einer Bereitschaft untergebracht, die vor dem "Central-Theater" sich bildende Protest-Sprechchöre zerstreute und die Störer der Aufführung aus dem Theater entfernte. Auch die Vorstellungen der nächsten Tage fanden unter Polizeischutz statt, doch ereigneten sich keine Zwischenfälle mehr.
  • 8. Februar 1951:In einem Gebäude des ehemaligen Flugplatzes wurden heute die Räume für 5 Oberstufen-Klassen der Egelsberg-Schule in Benutzung genommen. Dadurch erfährt diese dringend erforderliche Entlastung. Sie ist derzeit die am höchsten belegte Volksschule der Stadt, anstatt 800 Kinder, für die sie vorgesehen war, werden jetzt 1480 dort unterrichtet.
  • 10. Februar 1951: Der Generaldirektor des Nordwestdeutschen Rundfunks, Kultusminister außer Dienst Dr. h.c. Grimme, nahm heute in Gegenwart vieler Ehrengäste den Sender Göttingen in Nikolausberg offiziell in Betrieb. Im Fridtjof-Nansen-Haus gab Generaldirektor Grimme danach einen Empfang.
  • 11. Februar 1951: Unter drei in engerer Wahl stehenden Bewerbern wählte die St. Johannisgemeinde Pastor Dr. theol., Dr. phil. Pallon in Artlenburg bei Lüneburg zum zweiten Geistlichen an St. Johannis und als Nachfolger des am 1. April aus dem Amt scheidenden Pastors Ködderitz.
  • 13. Februar 1951: Die Georg-August-Universität beging den heutigen dies academicus als "Europatag" mit einem großen Bekenntnis zum Gedanken eines geeinten Europas. Bei der akademischen Feier in der Aula sprach Professor Graf Robert d' Harcourt, Mitglied der académie française, über das Thema "Wie sind die deutsch-französischen Mißverständnisse zu überwinden?". Nachmittags fand vor dem Stadtpark einer Jugendkundgebung der Göttinger Volksschulen statt, ferner an verschiedenen Stellen Diskussionen über europäische Probleme, bei denen Professoren des In- und Auslandes, Parlamentsabgeordnete, Mitglieder der Europaorganisation und Studenten fremder Nationen sprachen. Abends veranstaltete die Studentenschaft im Stadtpark-Saal eine öffentliche Kundgebung "Europa ist Gegenwart" mit Abgesandten vieler europäischer Länder als Redner. Die Versammlung faßte folgende Resolutionen: 1. Sie unterstützt die von der "Aktion Junges Europa" erhobene Forderung nach einem europäischen Jugendpaß. Die europäischen Regierungen werden gebeten, mit diesem Paß der Jugend die Möglichkeit zu geben, kostenlos die staatlichen Grenzen zu überschreiten und Menschen und Länder ihrer europäischen Heimat kennen zu lernen. 2. Sie fordert von den europäischen Regierungen eine Förderung des übernationalen Austausches von Schülern, Studenten und Arbeitern. 3. Sie wendet sich gegen die zwischen Ost und West erzwungene Spaltung Europas und will sich dafür einsetzen, daß alle nach freiem Entschluß in einem geeinten Europa zusammenleben können. 4. Die Göttinger Studenten begrüßen den Gedanken eines europäischen Studentenparlaments und richten an alle Studentenvertretungen der europäischen Länder die Bitte, sich für schnelle Verwirklichung des "Heidelberger Planes" einzusetzen. Im Rathaussaal war eine Ausstellung "Internationale Jugendarbeit" geboten, und die "Studentischen Filmfreunde" zeigten Kulturfilme. Der Rat der Stadt Göttingen hat anläßlich dieses Europatages der Studentenschaft die folgende Entschließung gefaßt: "Voraussetzung für das Gedeihen eines friedlichen Europas und für Freiheit und Wohlfahrt seiner Völker ist vor allem eine internationale Begegnungsstätte der Jugend, gegenseitiges Kennenlernen zum Zwecke des Verstehens und der Duldung. Nur hieraus kann die Zusammenarbeit der europäischen Nationen im Sinne des Friedens und eine gerechten Sozialordnung erwachsen. Der Rat der Stadt Göttingen stellt sich hinter den Gedanken der Vereinigung eines freien Europas; er begrüßt und unterstützt aus diesen Grund den Europatag der Studentenschaft der Universität Göttingen.Der Rat der Stadt Göttingen erachtet es für eine Aufgabe der Städte, an diesem Gedanken mitzuarbeiten und auch von der kommunalen Ebene aus die Initiative zur Völkerverständigung zu ergreifen".
  • 14. Februar 1951: Frau Sophie Stölting, geborene Twele, konnte heute ihren 100. Geburtstag begehen. 1851 zu Alfeld geboren, vermählte sie sich mit dem Pastor, späteren Superintendenten Stölting und lebt seit 1938 in Göttingen. Die Greisin erfreut sich bester Gesundheit wie geistiger Frische und ist die älteste Einwohnerin der Stadt. Nach langwierigen Verhandlungen ist es gelungen, die Reithalle in der Weender Straße als akademisches Reitinstitut und damit eine 200 jährige Tradition zu erhalten. Es waren Pläne aufgetaucht, die Reithalle mit Hilfe eine große amerikanischen Spende zu einem Studentenhaus auszubauen. Alle am Reitsport interessierten Kreise wandten sich dagegen, eine Protest-Liste füllte sich mit über 1300 Unterschriften die sich für Erhaltung der Reithalle erklärten. Die maßgebenden Instanzen haben sich schließlich dementsprechend entschieden. Daher brachten die studentischen Reiter heute aus Dankbarkeit Rektor und Senat einen Fackelzug.
  • 17. Februar 1951: Der Fachkreis deutscher Landwirtschaftsstudenten hielt in Göttingen eine mehrtägige gesamtdeutsche Tagung ab, an der Vertreter der landwirtschaftlichen Fakultäten der westdeutschen Hochschulen, der Universität Jena sowie Gäste der Technischen Hochschule Zürich und der Landbauhochschule Wageningen in Holland teilnahmen.
  • 21. Februar 1951: Im Stadtpark fand ein Landvolk- und Kreis-Landfrauen-Tag statt, der aus allen südhannoverschen Kreisen zahlreich besucht war und bei dem auch der Präsident des Niedersächsischen Landvolkes sprach. Die Klasse 8 a der Felix-Klein-Oberschule erhielt von einer höheren Schule im Staat New York eine Geschenkkiste, die heute in der Aula der Schule feierlich übergeben und geöffnet wurde. Es soll dadurch die Arbeit einer Rote Kreuz-Jugendgruppe an der Felix-Klein-Oberschule gefördert werden, die heute begründet worden ist, gleichzeitig mit einer solchen an der Knaben-Mittelschule (Voigt-Schule). Anläßlich der heute in Köln stattfindenden Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen Ersten Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Dr. h.c. Hans Böckler, hatten die öffentlichen Gebäude Halbmast geflaggt. Wie in der gesamten Bundesrepublik, so trat auch in sämtlichen Göttinger Betrieben von 14 bis 14.02 Uhr Arbeitsruhe ein.
  • 24. Februar 1951:

Die erste Rechtspfleger-Tagung im Bezirk des Landgerichts Göttingen seit Wiedereröffnung der Gerichte wurde heute hier abgehalten. Sie diente hauptsächlich dazu, die Beamten des gehobenen Justizdienstes mit Veränderungen in verschiedenen Rechtsgebieten vertraut zu machen.

  • 25. Februar 1951: Die Göttinger Stadtkantorei gab unter ihrem Dirigenten, Kirchenmusikdirektor Ludwig Doormann, in der Markuskirche zu Hannover eine Geistliche Abendmusik mit zeitgenössischen Werken von Ernst Pepping.
  • 27. Februar 1951:Oberbürgermeister Föge, General außer Dienst Hoßbach, Stadtsuperintendent Wiesenfeldt und Dechant Marheinecke haben öffentliche Aufrufe an die Göttinger Bevölkerung erlassen, für den am 26. Oktober 1950 vor dem Militärgericht in Lille zum Tode verurteilten ehemaligen Oberstleutnant Kolrep (vor dem Krieg im Göttinger Grenadier-Regiment 82), dessen Frau und drei Töchter in Göttingen leben, durch Unterschriften-Sammlungen ein Gnadengesuch einzureichen. Dem früheren Oberstleutnant Kolrep wird zur Last gelegt, daß während des letzten Krieges ein französischer Zivilist, der auf deutsche Soldaten geschossen hatte, von einem Standgericht abgeurteilt und erschossen worden ist. In die an drei Stellen in der Stadt Tage lang ausgelegten Listen haben sich 17.000 Personen eingetragen. Diese Aktion ist in der britischen Öffentlichkeit viel beachtet worden. Der als alleinberechtigter Vertreter aller Luftsport-Interessen in Niedersachsen zugelassene Luftsport-Verband Niedersachsen wurde als ordentliches Mitglied des Deutschen Aero-Clubs aufgenommen. Der hat seinen Sitz in Göttingen.
  • 28. Februar 1951: In althergebrachter Weise ist heute das Richtefest der an der Bergen-Straße gelegenen neuen Nordschule begangen worden. Im Sommer vorigen Jahres beschloß der Rat den Bau, am 16. Oktober begannen die Erdarbeiten, und 14 Tage später konnte der Grundstein gelegt werden.

März

  • 1. März 1951: Heute begann im Fridtjof-Nansen-Haus in der Merkelstraße ein internationales Ferientreffen, das bis zum 30. April dauern wird. An ihm nehmen 35 Studentinnen und Studenten aus den Vereinigten Staaten von Nordamerika, England, Frankreich, der Schweiz, Holland, Island, Peru, Italien, Schweden, Norwegen, Finnland und der Türkei mit deutschen Kommilitonen teil.
  • 2. März 1951: Der Rat beschloß in seiner heutigen Sitzung, den südlichen Teil des Theaterplatzes in "Albaniplatz" umzubenennen.
  • 3. März 1951: Aus 43 Gemeinden des Landkreises und der Stadt Göttingen trafen sich die Vertreter der Freiwilligen Feuerwehren hier und gründeten den Kreis-Feuerwehrverband wieder. Der alte Verband war im Jahr 1934 seines Vereinscharakters verlustig gegangen und in Verbindung mit der von der nationalsozialistischen Regierung verfügten Betrauung der Feuerwehren mit Aufgaben einer Hilfspolizei in eine Körperschaft des öffentlichen Rechts umgewandelt worden. Der neugegründete Kreis-Feuerwehrverband soll die Förderung kameradschaftlicher Verbundenheit und sozialer Fürsorge sowie durch Veranstaltung von Wettbewerben einer Hebung des Ausbildungsstandes der Freiwilligen Feuerwehren im Kreise dienen.
  • 7. März 1951: Der letzte Kurator der Albertus-Universität Königsberg in Preußen, Dr. h.c. Regiomonotanus Friedrich Hoffmann, starb im 77. Lebensjahr in Lugano. Die Universität Göttingen, die die Pflege der Königsberger Tradition übernommen hat, ernannte Dr. Hoffmann anläßlich seines 75. Geburtstages zum Ehrenbürger der Georgia Augusta.
  • 9. März 1951: Im Alter von 85 Jahren verschied nach langem Leiden Färbereibesitzer Bernhard Schacke. Der Heimgegangene war von 1909 bis 1913 Bürgervorsteher und November 1913 des Oktober 1919 ehrenamtlicher Senator der Stadt Göttingen. Auch als Vorsitzender des Arbeitgeberausschusses der Allgemeinen Ortskrankenkasse und später als deren Zweiter Vorsitzender sowie in anderen Ehrenämtern hat er sich um Göttingen verdient gemacht, nicht zuletzt durch seine mehr als drei Jahrzehnte innegehabte Leitung des Fremdenverkehrsvereins.
  • 12. März 1951: Heute wurde hier eine internationale Tagung für Raum- und Bau-Akustik eröffnet.
  • 14. März 1951: Das Erdbeben, das heute Morgen gegen 10 Uhr in Westdeutschland, zumal in Euskirchen, erhebliche Schäden verursachte, ist auch in Göttingen verschiedentlich gespürt worden, nicht nur von den Seismographen des Geophysikalischen Instituts auf dem Hainberg, sondern auch von Privatpersonen in der Stadt. Die größte Bodenerhebung betrug hier 1,6 mm hin und her mit einer Periode von 4 Sekunden. Göttingen erlebt heute das seltene Schauspiel einer Zirkus-Taufe. Das neugegründete Schwesterunternehmen des hier seit Jahren beheimateten Zirkus "Apollo", Zirkus "Hansa", wurde bei seiner Abfahrt zur ersten Tournee auf dem hiesigen Güterbahnhof in Gegenwart einer großen Zuschauermenge getauft und verabschiedet.
  • 19. März 1951: Für die in den Nachkriegswirren zerstörte Orgel in der Mittelschule für Jungen (Voigt-Schule) wurde heute eine neue aus den Händen der Stadt in die Schule übergeben.
  • 20. März 1951: Nach 12 Jahren konnte der erste große Neubau der Universität: der erste Trakt der neuen Kinderklinik am Kirchweg seiner Bestimmung übergeben werden. Kurator Dr. Bojunga wies dabei auf die Vordringlichkeit der Renovierung, Erweiterung und Neubauten gerade der hiesigen Universitäts-Kliniken hin, die den hygienischen Anforderungen, den neuzeitlichen Heilmethoden wie auch der stark gewachsenen Bevölkerungszahl vielfach nicht mehr entsprechen.
  • 28. März 1951: In der "Phywe" (Physikalische Werkstätten) begann ein erster Fortbildungskurs für Naturwissenschaftler und Gewerbelehrer.
  • 31. März 1951: Vor geladenen Gästen eröffnete Landrat Fahlbusch als Vorsitzender des Vorstandes der Kreissparkasse das auf dem Grundstück des alten Hotels "Zur Krone" in der Weender Straße, der künftigen Kreissparkasse, erbaute Lichtspiel-Theater "Die Krone", das sechste in Göttingen.

April

  • 1. April 1951: Superintendent Wiesenfeldt führte im heutigen Gottesdienst in St. Johannis Pastor D. Dr. Pallon feierlich in sein Amt ein als Nachfolger des mit dem heutigen Tag nach über 40-jähriger Tätigkeit an der St. Johannis-Gemeinde in den Ruhestand tretenden Pastor Gerhard Ködderitz. Rektor Küchemann von der Mittelschule für Jungen (Voigt-Schule) trat mit Erreichung der Altersgrenze nach 43 jähriger Lehrtätigkeit in den Ruhestand. Dem Lehrkörper der Voigt-Schule hat der 29 Jahre angehört. Seit dem 1. Juli 1946 als deren Rektor.
  • 2. April 1951: Im Stadtarchiv hielt die Niedersächsische Landesstelle für Archivberatung unter Vorsitz von Staatsarchivs Professor Dr. Schnath-Hannover eine Arbeitstagung der Archivpfleger des Regierungsbezirks Hildesheim ab.
  • 4. April 1951: Vom 4. bis 6. April beherbergte Göttingen die Tagung des Fachnormen-Ausschusses Bauwesen im Deutschen Normenausschuß.
  • 5. April 1951: Am 5. und 6. April tagte die Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften hier. Gleichzeitig fand im Rathaussaal eine außerordentliche Hauptversammlung der Max-Planck-Gesellschaft und der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft statt. Es wurde der Beschluß gefaßt, die seit Kriegsende praktischen bereits erloschene Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft auch offiziell aufzulösen und ihr Vermögen auf die Max-Planck-Gesellschaft zu übertragen, die die große Tradition dieser weltberühmten, 1911 gegründeten wissenschaftlichen Gesellschaft weiterführt.
  • 9. April 1951: Heute bezogen 6 Schulklassen das vom Stadtbauamt zu einer kleinen Volksschule ausgebaute Haus Nikolausberger Weg 22, wodurch wieder eine dringend notwendige Entlastung der Schulen eingetreten ist. Im Anschluß an den Gynäkologen-Kongreß in Pyrmont fand aus Anlaß des 200 jährigen Bestehens der Göttinger Universitäts-Frauenklinik (der ersten ganz Deutschlands) vom 9. bis 11. April hier ein wissenschaftliches Treffen statt. Die Stadt gab den etwa 180 Gästen (darunter Ärzte aus fast allen westeuropäischen Ländern, aus Nordamerika, Venezuela, der Türkei und Persien) in der Rathaushalle einen Empfang. Der seltene Fall, daß ununterbrochen 150 Jahre hindurch auf dem selben Grundstück das gleiche Handwerk betrieben worden ist, findet sich im Haus Groner-Tor-Straße 20. Die dort um 1800 von Johann Andreas Grabenstein gegründete Bäckerei besteht heute noch, seit 25 Jahren im Besitz des Bäckermeisters Alwin Schröder.
  • 10. April 1951: Am 10. und 11. April war hier eine Fachtagung des Forstwirtschaftlichen Bewertungsbeirates des Bundes-Finanzministeriums.
  • 11. April 1951: Nach altem Brauch wurde heute an der neuen Wasserreinigungsanlage Stegemühle das Richtefest begangen. Die Anlage ist erforderlich geworden, weil sich die hygienischen Wasserverhältnisse Göttingens durch die zunehmende Verschmutzung des Leinewassers in den letzten Jahren stark verschlechtert haben. Der frühere "Schwänchenteich" vor dem Wall zwischen Goetheallee und Groner Tor, ein kleiner Rest des alten Stadtgrabens, ist in den letzten Wochen zugeschüttet worden.
  • 15. April 1951: Vom 15. bis 17. April hielt der Deutsche Kältetechnische Verein hier eine wissenschaftliche Tagung ab. In feierlichem Gottesdienst führte Stadtsuperintendent Wiesenfeldt Pastor Hans Helweg in sein Pfarramt an St. Marien ein. Der neue Geistliche übernimmt den Bezirk III, den westlichen Randbezirk der Mariengemeinde, der voraussichtlich bald eine selbständige Kirchengemeinde werden wird. Der Briefmarkensammler-Verein 1901 beging sein 50 jähriges Bestehen mit einer wertvollen Briefmarken-Ausstellung. Die Bundespost hatte aus diesem Anlaß in der Ausstellung ein Sonderpostamt eingerichtet, das die dort aufgegebenen Briefe und Postkarten mit einem Sonderstempel versah. Mehr als 500 Imker aus den Kreisen Göttingen, Northeim, Duderstadt, Hann. Münden, Osterode, Hildesheim, Einbeck und Holzminden waren heute in Göttingen zu einer großen südhannoverschen Imkertagung vereinigt.
  • 20. April 1951: In den letzten Nächten sind von über 30 Gräbern auf dem Zentralfriedhof Kupfer- und Bronzetafeln wie Emblems gestohlen worden. Es wurde auch versucht, die Bildnisplakette vom Stein für Oberbürgermeister Merkel im Molkengrund zu entfernen. Es ist dies eine Auswirkung der augenblicklicher Metallknappheit, die Altmetall-Sammlungen Notwendig werden ließ und von schlechten Elementen selbst zu Grabschändungen mißbraucht wird. Die Erregung in der Bürgerschaft ist groß. Der emeritierte Professor der Pathologie und pathologischen Anatomie an der Georgia Augusta, Dr. Georg-Benno Gruber, ist zum Ehrenmitglied des Brasilianischen Instituts für Medizin-Geschichte ernannt worden.
  • 22. April 1951: Im Sportinstitut der Universität fand vom 22. bis 29. April ein Sportärztekursus statt, an dem über 40 Ärzte und Ärztinnen teilnahmen, die nach dem Lehrgang ihre Anerkennung als Sportarzt erhielten. Nachdem das seit 40 Jahren bestehende frühere Städtische Orchester, das zur Zeit dem "Deutschen Theater" dient, zum 31. Juli dieses Jahres gekündigt worden war, bestand die große Gefahr, daß nach Auflösung dieses zumal von den Dirigenten Fritz Lehmann und Günther Weißenborn mustergültig geschulten und entwickelten Klangkörpers das musikfreudige Göttingen künftig ohne Symphonie-Konzerte sein würde. Alle Versuche, das Orchester auf der bisherigen Basis zu erhalten, sind fehlgeschlagen. Daher wurde unter dem heutigen Tag von einer Anzahl musikliebender Bürger eine Vereinigung "Göttinger Symphonie-Orchester e. V." ins Leben gerufen. Durch intensive, in der Bürgerschaft freudig aufgenommene Werbung ist es möglich geworden, daß Orchester zusammenzuhalten und als unabhängige Vereinigung zu führen. Das Orchester wird außer einer Dauermiete von 12 Konzerten in Göttingen auch in einigen südhannoverschen Nachbarstädten musizieren. Durch diese Lösung ist eine die bedeutende Musiktradition Göttingens schwerstens gefährdende Verkümmerung des künstlerischen Lebens glücklich vermieden worden.
  • 25. April 1951: In der Voigt-Schule fand die Einführung für Rektor Grüter statt.
  • 27. April 1951: Rektor Eggestein wurde in der 7. Volksschule (an der Geismar-Landstraße) eingewiesen.
  • 28. April 1951: Einweisung von Rektor Lenz in die Luther-Schule.
  • 30. April 1951: Stadtschulrat Buchheim führte an der 8. Volksschule (derzeit noch im Gebäude der Felix-Klein-Oberschule) Rektor Dörries ein.

Mai

  • 1. Mai 1951: Wie alljährlich, fand die Mai-Feier der Gewerkschaften wiederum auf dem Marktplatz statt. Die Ansprachen des Göttinger Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Schmalz, und des Rektors der Universität, Professor D. Dr. Trillhaas, umrahmte die Göttinger Chorgemeinschaft mit Chorgesängen.
  • 3. Mai 1951: Vom 3. bis 6. Mai hielt die Deutsche Bunsen-Gesellschaft ihre 50. Hauptversammlung in Göttingen ab. Der Geschichtsverein für Göttingen und Umgebung, die Göttinger Genealogisch-Heraldische Gesellschaft und der Göttinger Verschönerungsverein haben gemeinsam öffentliche Aufrufe erlassen zur Erhaltung der Gedenktafeln für berühmte Persönlichkeiten. Diese Gedenktafeln an den Häusern sind in ihrer Vielzahl eine Göttinger Besonderheit und lassen einen Gang durch die deutsche Geistesgeschichte werden. In den letzten Jahren sind bei Häuser-Erneuerungen viele dieser Tafeln verloren gegangen. Daher haben die genannten Vereine sich veranlaßt gesehen, vor weiterer Zerstörung zu warnen. Auf Vorschlag der Philosophischen Fakultät der Georg-August-Universität ist Oberstudiendirektor Dr. Erbe von der Oberschule für Mädchen ein Lehrauftrag für geisteswissenschaftliche Didaktik erteilt worden.
  • 4. Mai 1951: In einer Treue- und Protestkundgebung auf dem Albani-Friedhof mit Ansprachen führender Persönlichkeiten aus der Stadt forderten 2000 Teilnehmer die Rückkehr der in fremden Ländern widerrechtlich noch zurückgehaltenen deutschen Kriegsgefangenen.
  • 6. Mai 1951: Am heutigen Sonntag wählt das Land Niedersachsen die Abgeordneten zu seinem neuen Landtag. In Göttingen ist der vorausgegangene Wahlkampf ohne Störungen verlaufen. Regierungspräsident Backhaus-Hildesheim hatte zu Beginn des Wahlkampfes einen öffentlichen Aufruf zur Sachlichkeit erlassen. Von prominenten Persönlichkeiten der verschiedenen Parteien sprachen in Göttingen: von der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands: Frau Luise Schröder, ehemalige Oberbürgermeisterin von Berlin und der Vorsitzende der Partei, Dr. Schumacher, von der Freien Demokratischen Partei: Vizekanzler Blücher, von der durch die Christlich-Demokratische Union und die Deutsche Partei für den Wahlkampf gebildete Niederdeutsche Union: Bundesminister des Innern Dr. Lehr und der Fraktionsführer der Christlich-Demokratischen Union im Bundestag, Dr. von Merkatz. Die Stadt Göttingen war in 28 Stimmbezirke eingeteilt. Von 57.966 Wahlberechtigten erfüllten 39.111 Personen ihre Wahlpflicht. Davon erhielten:
   * Freie Demokratische Partei: 15.170 Stimmen
   * Sozialdemokratische Partei Deutschlands: 11.089 Stimmen
   * Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten: 4813 Stimmen
   * Niederdeutsche Union: 4573 Stimmen
   * Deutsche Rechts-Partei: 1048 Stimmen
   * Sozialistische Reichs-Partei: 1011 Stimmen
   * Kommunistische Partei Deutschlands: 597 Stimmen
   * Deutsche Zentrums-Partei: 252 Stimmen
   * Deutsche Soziale Partei: 161 Stimmen.

Nach diesem Ergebnis ist als Kandidat der stärksten Partei Rechtsanwalt und Notar Föge-Göttingen gewählt, der damit erneut in den Niedersächsischen Landtag einziehen wird. Im Landkreis erhielt Werkmeister Ernst Fahlbusch-Weende, der Kandidat der Sozialdemokratischen Partei, (derzeitig Landrat des Kreises Göttingen) die meisten Stimmen und wurde damit wieder zum Abgeordneten gewählt.

  • 7. Mai 1951: Auf Einladung des Ortsausschusses der Inneren Mission Göttingen sprach heute Landesbischof D. Dr. Lilje zu den führenden Kreisen der Wirtschaft des Stadt- und Landkreises über das Thema: "Staatliche Sozialpolitik und caritative Fürsorge".

Der Bund reformierter Kirchen Deutschlands hielt vom 7. bis 9. Mai hier eine Tagung ab.

  • 11. Mai 1951: In der heutigen vertraulichen Ratssitzung sollte endlich die Wahl des neuen Oberstadtdirektors stattfinden, da die ohnehin schon zweimal verlängerte Amtszeit Oberstadtdirektor Schmidts am 30. Juni ablaufen wird. Man konnte sich indessen auch heute noch nicht einigen, und so wurde beschlossen, die Stelle noch einmal auszuschreiben und die Dienstzeit Oberstadtdirektor Schmidts erneut bis zum 30. Dezember dieses Jahres zu verlängern.
  • 13. Mai 1951: Der 18 jährige Lehrling der hiesigen Opel-Autohallen Gisbert Knirre gewann im heutigen Fußball-Toto die Summe von 15.000 DM. Das Göttinger Opern- und Operetten-Theater, das sonst im Stadtpark-Saal zuhause ist, machte mit einer Freilicht-Aufführung der Johann Strauß-Operette "Der Zigeunerbaron" auf der Wiese vor dem Hainholzhof einen vielbeachteten und gelungenen Versuch. Mit einem Treffen der ehemaligen Schülerinnen beging die im Jahre 1926 von Geheimrat Reichenbach gegründete, seit 1936 nach ihm benannte Schule zur Ausbildung medizinisch-technischer Assistentinnen ihr 25 jähriges Bestehen.
  • 14. Mai 1951: Bei Tausenden von Zuschauern, die teilweise von weither gekommen waren, erlebte Göttingen heute den ersten Freiballon-Aufstieg nach dem Krieg. Sehr ungünstige Wetterverhältnisse, vor allem schwere Regenböen, verhinderten einen weiten Flug, so daß der Ballon gezwungen war, schon 500 Meter ostwärts vom Königsplatz in Geismar zu landen, nachdem er 22 Minuten in durchschnittlich 600 Meter Höhe geflogen war.
  • 16. Mai 1951: Gegen den Ratsbeschluß, die Hundesteuer von 40 auf 60 DM im Jahr zu erhöhen, haben die Hundebesitzer in einer Protestversammlung eine Eingabe an den Regierungspräsidenten in Hildesheim gerichtet.
  • 19. Mai 1951: Die sogenannte "Ostpreußische Ärztefamilie", eine Vereinigung ostpreußischer Ärzte und ihrer Familien, nahm mit über 350 Teilnehmern in Göttingen an der Feier des 100 jährigen Jubiläums des Vereins für wissenschaftliche Heilkunde Königsberg teil. Die Tagung fand hier statt, weil die Georg-August-Universität die Tradition der Universität Königsberg übernommen hat.
  • 23. Mai 1951: Nach gründlichen und kostspieligen Erneuerungs- und Verbesserungsarbeiten konnte heute das Städtische Freibad wieder eröffnet werden. Die Bayerische Akademie der schönen Künste wählte den Göttinger Architekten Professor Diez Brandi zum ordentlichen Mitglied.
  • 27. Mai 1951: Durch die verhängnisvolle Trennung Westdeutschlands von der sowjetisch besetzen Ostzone ist der Verkehr zwischen beiden Teilen Deutschlands sehr erschwert. Daher war ein sportliche Wettkampf aufrichtig zu begrüßen, der heute hier zwischen der Betriebssportgemeinschaft Stahl aus Erfurt und der Leichtathletik-Abteilung des Göttinger Sportclubs "05" ausgetragen wurde. Zum Zeichen der Freude über diesen Besuch aus der Ostzone waren die Erfurter Sportler gestern abend im Auftrag des Rates in der Rathaushalle offiziell willkommen geheißen worden. Bei strömenden Regen wurde in der Siedlung am Hagenberg der Grundstein zum Gemeindehaus der dort entstehenden evangelischen Kirchengemeinde gelegt. Später ist auch an ein eigenes Gotteshaus gedacht. Das vor einigen Jahren eröffnete "Haus Atlantic" (die früheren "Göttinger Festsäle" am Ritterplan), das hauptsächlich als Nachtlokal nach großstädtischem Muster diente und in dem sich eine zeitlang auch eine Spielbank befand, hat wegen finanzieller Schwierigkeiten seit einigen Tagen schließen müssen und geht in Konkurs. In den früher vom Reichsbahn-Zentralamt benutzten Hallen auf dem ehemaligen Flugplatzgelände ist jetzt eine Großgarage der Bundesbahn eingerichtet worden. Der Kraftwagenpark der Bundesbahn in Göttingen umfaßt derzeitig 56 Fahrzeuge, darunter 18 Omnibusse.
  • 30. Mai 1951: 12 Lehrer und 64 Schüler der Staats-Ackerbauschule Ettelbrück in Luxemburg trafen heute zur Besichtigung der Stadt Göttingen ein.

Juni

  • 1. Juni 1951: Am heutigen Tag eröffnete die Städtische Sparkasse im Haus Holtenser Landstraße 54 (in der Siedlung am Hagenberg) ihre dritte Haupt-Zweigstelle. In Lille wurde heute das von einem französischen Gericht verhängte Todesurteil an dem früheren deutschen Oberstleutnant Horst Kolrep vollstreckt, der vor dem letzten Krieg in Göttingen in Garnison gestanden hat. Für seine Begnadigung waren im Februar hier Unterschriftslisten ausgelegt und an den Französischen Hohen Kommissar auf dem Petersberg bei Bonn zur Weiterleitung an die französische Regierung gesandt worden.
  • 3. Juni 1951: 2000 Personen aus dem früheren Kreis Kreuzburg in Oberschlesien trafen sich hier zu einem zweitägigen Heimatabend. In einer öffentlichen Kundgebung auf dem Albaniplatz, bei der der Niedersächsische Flüchtlingsminister, Pfarrer Albertz, sprach, wurde das Recht auf die alte Heimat erneut gefordert.
  • 4. Juni 1951: Der "Foto-Club" der Volkshochschule Göttingen ist zur Teilnahme an der Weltausstellung der Photographie 1952 in der Schweiz eingeladen worden. Der Göttinger Klub ist nach Mitgliederzahl der größte des Bundesgebietes.
  • 7. Juni 1951: Aus Anlaß des offiziellen Geburtstages des Königs von Großbritannien fand vormittags vor dem Rathaus eine Parade des in Göttingen stationierten nordirischen Regiments statt, die der Kommandeur, Colonel Meynel, abnahm. Für Ausstellung von orthopädischen Arbeitsstücken der Meisterschule und der Schaftbauabteilung gelegentlich einer Großkundgebung des Schuhmacher-Handwerks Württemberg-Baden in Karlsruhe erhielt die Göttinger Schuhmacher-Fachschule (die größte Deutschlands) eine Goldmedaille.
  • 9. Juni 1951: Seit dem 11. Dezember 1950 mußte die Schwimmhalle wegen Kohlenmangels geschlossen bleiben. Erst heute konnte sie wieder eröffnet werden.
  • 10. Juni 1951: In feierlichem Gottesdienst wurde heute die als Ersatz für die im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmten drei neubeschafften Glocken der St. Albani-Kirche geweiht und zum ersten Mal beläutet. Das Geläut ist abgestimmt auf die Töne es' f' as'. Später soll noch eine vierte (c') Glocke beschafft werden.
  • 15. Juni 1951: Das Niedersächsische Kultusministerium veranstaltete in der Oberschule für Mädchen eine Tagung für die Lehrkräfte der höheren Schulen von Göttingen, Hann. Münden und Duderstadt.
  • 16. Juni 1951: Professor Dr. Robert von Hippel, von 1899 bis zu seiner Emeritierung Ordinarius für Strafrecht und einer der führenden Juristen der Georg-August-Universität, verstarb im Alter von 85 Jahren.
  • 17. Juni 1951: Dem seit 50 Jahren zum Symbol Göttingens gewordenen "Gänseliesel" am Rathaus brachten aus diesem Anlaß die wiedererstandenen studentischen Korporationen eine Huldigung dar durch Ansprachen, Bekränzung der Plastik und Schmückung des Brunnens mit den alten Korporationsfahnen sowie einen studentischen Frühschoppen auf dem Marktplatz unter Gesang alter Studentenlieder. Gegen dieses Wiederaufleben des seit 1935 in Deutschland verschwundenen Verbindungs-Studententums protestierten freie Studenten durch Gegenreden und einen gegen das Korporationswesen gerichteten satirischen Umzug. Vor zahlreichen Gästen weihte Oberbürgermeister Föge das vom Göttinger Paddlerklub durch seine Mitglieder selbst errichtete Bootshaus am Kiessee, im Südwesten der Stadt, ein. Durch Errichtung dieses Hauses ist nun auch in Göttingen Wassersport möglich geworden.
  • 18. Juni 1951: Die Studenten der medizinischen Fakultät brachten dem Ordinarius für Gynäkologie und Direktor der Universitäts-Frauenklinik, Professor Dr. Martius, aus Anlaß seines 25 jährigen Göttinger Jubiläums einen Fackelzug.
  • 19. Juni 1951: Aus der nach dem derzeitigen amerikanischen Hohen Kommissar für Deutschland, Mc Cloy, benannten amerikanischen Spende für deutsche Hochschulen entfällt auf Göttingen die Summe von 290.000 DM. Diese Betrag ist heute durch Scheck hier eingetroffen. Er war ursprünglich für den Umbau der Reithalle zu einem Studentenheim bestimmt. Nachdem diese Umbau aber wegen der Erhaltung des Reitinstitutes abgelehnt ist, wird die amerikanische Spende zum weiteren Ausbau der Akademischen Burse in der Goßlerstraße verwandt werden.
  • 22. Juni 1951: Die Städtische Sparkasse beging heute ihr 150 jähriges Bestehen. Dieses seltene Jubiläum ist dadurch noch besonders bemerkenswert, daß die Göttinger Anstalt die älteste kommunale Sparkasse Deutschlands ist, gegründet in Jahre 1801 durch die Initiative des Senators Justus Christoph Grünewald. Bei dem in der Hauptstelle stattfindenden Festakt überbrachten vor allem Vertreter der Ministerien, der Banken und Sparkassen sowie der Industrie- und Handelskammer Glückwünsche. Direktor Butschkau von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Sparkassen- und Giroverbände hielt die Festrede. Aus Anlaß des Jubiläums wurde eine vom Stadtarchivdirektor Dr. van Kempen verfaßte und von Professor Erich Murcken-Göttingen künstlerisch gestaltete Festschrift herausgegeben.
  • 23. Juni 1951: Die Wohnungsgenossenschaft Göttingen besteht jetzt 60 Jahre. Sie wurde als Spar- und Bauverein am 8. Juni 1891 von Personen des kleinen Mittelstandes gegründet und am 23. Juni des gleichen Jahres in das Genossenschaftsregister eingetragen. Im Jahre 1944 vereinigte sie sich mit dem Beamten-Wohnungsverein und nahm den neuen Namen "Wohnungsgenossenschaft, eingetragene Gesellschaft mit beschränkter Haftung Göttingen" an. Seit der Gründung sind 1893 Wohnungen gebaut worden, 342 weitere sollen noch in diesem Jahre bezugsfertig werden. Damit ist fast ein Sechstel des gesamten Göttinger Wohnraumes in ihrem Besitz. Als Ersatz für eine äußere Feier ist eine einmalige Mietermäßigung beschlossen worden, die den Wohnungsinhabern der Genossenschaft zugute kommt, die ein Monatseinkommen bis zu 100 DM haben. Für diesen Zweck stellte man einen Betrag in Höhe von 10.000 DM zur Verfügung.
  • 27. Juni 1951: Das Max-Planck-Gymnasium am Theaterplatz weihte seine seit der Verwendung des Gebäudes als Lazarett (während des Krieges) und als Krankenanstalt (in den Jahren danach) anderen Zwecken nutzbar gemachte Aula nach vollständiger baulicher Erneuerung heute durch einen Festakt wieder ein.
  • 29. Juni 1951: Vom 29. Juni bis 2. Juli fand in Göttingen der Deutsche Numismatikertag 1951 statt. Am Steinsgraben ist eine vorläufig noch kleine Kneippkuranstalt mit Wassertretbecken und Wiese eröffnet worden.

Juli

  • 1. Juli 1951:Am 1. und 2. Juli veranstalteten die evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden die "Göttinger Missionstage 1951", in die am 2. Juli die Jahrestagung des Südhannoverschen Missionsdienstes eingeschlossen war.
  • 4. Juli 1951: In der Nacht zum 28. Juni wurde auf der Fahrt nach Rittmarshausen der Göttinger Taxichauffeur Georg Czaja, ein Ostflüchtling, von dem 16 jährigen Joachim-Herbert Rzepka (auch ein Ostflüchtling) ermordet und beraubt, der das Auto in Göttingen zu einer Fahrt nach Rittmarshausen genommen hatte. Unter großer Beteiligung fand heute die Beerdigung des Ermordeten hier statt. Aus diesem Anlaß ruhte heute von 10.40 bis 12 Uhr der gesamte Taxi- und Mietwagenverkehr in Göttingen. Für die Witwe und unmündigen Kinder des Opfers dieses gemeinen Raubmordes erließen Oberbürgermeister Föge und Oberstadtdirektor Schmidt einen Spenden-Aufruf an die Bevölkerung.
  • 5. Juli 1951: Hochbetagt starb im Bremke die Tausenden von ehemaligen Göttinger Studenten als "Mutter Jütte" bestens bekannte Frau Anna Jütte, Inhaberin der zumal in früheren Jahrzehnten von der Göttinger Studentenschaft vielbesuchten Gastwirtschaft in Bremke.
  • 8. Juli 1951: Auch in diesem Jahr wurde auf dem Rohnsweg wieder das sogenannte "Seifenkisten-Rennen", ein Fahren mit motorlosen Kinder-Autos, ausgetragen. Sieger wurde - wie im Vorjahr - der 12 jährige Heinz Henning Marth. Die Voigt-Schule (Mittelschule für Jungen) beging ihr 75 jähriges Bestehen mit einem Fest in ihrem Waldheim am Warteberg.
  • 9. Juli 1951: Vier Mitglieder der Göttinger Sektion des Deutschen Alpen-Vereins verließen heute Göttingen zu einer viermonatigen Forschungsreise in das Atlasgebirge nach Nordafrika.
  • 14. Juli 1951: Im Rahmen der Politisch-Historischen Vorlesungsreihe der Universität sprach in der überfüllten Aula heute Abend der Regierenden Bürgermeister von Berlin, Professor Reuter, über das Thema "Die Wiedergewinnung der deutschen Einheit". Heute begann wieder das traditionelle Schützenfest der Göttinger Bürgerschützengesellschaft, die jetzt 559 Jahre besteht. Die als Volksfest allbeliebten Belustigungen werden bis zum 22. Juli dauern. Bei dem offiziellen Ausmarsch der Schützen zum Festplatz beteiligen sich zum ersten Mal der Oberbürgermeister und Oberstadtdirektor an der Spitze des Zuges. Der bisherige Leiter des Polizei-Abschnitts Göttingen-Stadt, Polizei-Oberinspektor Hilpert, ist auf Androhung des niedersächsischen Ministers des Innern nach Hannover versetzt worden.
  • 20. Juli 1951: In der heutigen Sitzung beschloß der Rat, die zwischen Reinhäuser Landstraße, der Kantstraße und Geismar Landstraße wie von dort zum Lohberg anzulegenden Straßen nach ostdeutschen, durch den Zusammenbruch 1945 verloren begangenen Städten zu benennen. Es wird daher dort eine Elbinger, Danziger, Tilsiter, Königsberger, Görlitzer und Breslauer Straße wie einen Allensteiner, Insterburger, Marienburger, Hirschberger, Liegnitzer und Gleiwitzer Weg geben. Durch diese Benennung der Straßen eines neuerstehenden Stadtviertels soll die Verbundenheit Göttingens mit dem deutschen Osten bezeugt werden.
  • 25. Juli 1951: Auf Anordnung des Niedersächsischen Ministers des Innern veranstalteten auswärtige Polizeikräfte in Göttingen Haussuchungen in studentischen Verbindungshäusern, Gaststätten und Studentenwohnungen, zur Feststellung, ob in Göttingen Mensuren geschlagen werden. Die Razzia geschah ohne Kenntnis der hiesigen Polizei, auch waren Rektor und Senat der Universität davon nicht benachrichtigt. Der Vorgang ist in der Universität, der Studentenschaft wie in der Bevölkerung lebhaft beachtet worden. Die Gegensätze zwischen Anhängern und Gegnern eines Wiederauflebens der alten studentischen Korporationen, zumal des Farbentragens und Mensurfechtens, sind Gegenstand vieler heftiger Diskussionen gewesen.
  • 28. Juli 1951: Aus Anlaß des 100. Stiftungsfestes der Göttinger Burschenschaft "Germania" hielten die früher im Schwarzburg-Bund zusammengeschlossenen und jetzt wiedererstandenen studentischen Verbindungen und Altherren-Verbände die erste Tagung seit Kriegsende ab, deren Aufgabe die Neugründung des Bundes war. Der neuerstandene Schwarzburg-Bund sucht nach neuen Wegen und Formen studentischer Gemeinschaft, er verwirft Duell, Mensur und Trinkzwang. Als beachtlich ist die Tatsache zu vermerken, daß an der Gründungsversammlung auch Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes teilnahmen.

August

  • 1. August 1951: Polizei-Inspektor Knigge in Helmstedt ist mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Leiters des Polizei-Abschnitts Göttingen-Stadt beauftragt worden.
  • 3. August 1951: Wie im vorigen Jahr, so führte auch heute die große Deutschlandfahrt für Radfahrer durch Göttingen. In diesem Jahr war Göttingen Etappenort der Fahrt (der dreizehnte). Die Bevölkerung, zumal die sportbegeisterte Jugend, säumte die durchfahrenen Straßen und das als Etappenziel dienende Universitäts-Sportfeld in dichten Reihen.
  • 5. August 1951: Der seit drei Jahren in der Bundesrepublik von den auf Ostdeutschland und anderen Ländern des Ostens vertriebenen Deutschen begangene "Tag der Heimat" ist auch in Göttingen wieder mit einem Marsch durch die Stadt, einer großen Kundgebung vor dem Rathaus, Gottesdiensten und landsmannschaftlicher Geselligkeit gefeiert worden, in denen immer wieder die unverbrüchliche Treue zur alten Heimat bekannt wurde. Am 1. August wohnten in Göttingen 5838 ehemalige Schlesier, 3136 Ostpreußen, 1841 Pommern, 1306 Westpreußen, 922 Sudetendeutsche, 679 aus dem ehemaligen Warthegau, 444 aus Ost-Brandenburg, 183 Östereicher, 40 aus Jugoslawien, 80 aus Rumänien und 710 aus sonstigen Ostgebieten, insgesamt 22.544 Flüchtlinge. Die Wohnungsnot ist daher hier trotz der regen Bautätigkeit immer noch sehr groß: 4891 Familien mit 16.347 Personen warten noch immer auf Zuweisung einer Wohnung.
  • 16. August 1951: 50 Lehrer englischer höherer Schulen und Schulräte weilen zur Zeit in Göttingen. Sie nehmen an einem bis zum 29. August dauernden Kursus teil, der ihnen Einblicke in deutsche Schulverhältnisse vermitteln soll. Göttingen wird auch künftig der ständige Ort dieser Tagungen sein. Die britischen Gäste wurden heute von Vertretern der Universität wie der Stadt in Rathaus begrüßt. In Erwiderung eines Göttinger Besuches in Holland kamen heute 33 niederländische Schüler und Schülerinnen für 10 Tage hierher. Auch sie bewillkommte die Stadt offiziell in der Rathaushalle.
  • 23. August 1951: Der erste Teil der von Stadtbaudirektor Grabenhorst entworfenen Nordschule wurde von vier Klassen bezogen.
  • 25. August 1951: Mehr als 1000 Jungkaufleute nahmen an der am 25. und 26. August stattfindenden "Spara"-Bundestagung, einer Spar- und Arbeitsgemeinschaft junger Kaufleute, in Göttingen teil.

September

  • 1. September 1951: Der Monat September brachte eine große Anzahl Tagungen. Zunächst stand die Stadt vom 1. bis 3. September in Zeichen der Feuerwehren. Das 95 jährige Stiftungsfest der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr war der Anlaß, daß hier der 1. Kreisverbandstag des Kreisfeuerwehrverbandes Göttingen und die feuerwehrtechnischen Wettkämpfe der Feuerwehren des Regierungsbezirks Hildesheim abgehalten wurden.
  • 2. September 1951: Die Kreisgemeinschaft Angerburg (Angehörige des ehemaligen Kreises Angerburg in Ostpreußen) trafen sich zu ihrem 2. Treffen heute in Göttingen.
  • 3. September 1951: Vom 3. bis 6. des Monats fand der Deutsche Pfarrertag 1951 hier statt, zu den 500 evangelische Geistliche aus ganz Deutschland, auch aus der sowjetischen Besatzungszone, erschienen waren. Im folgte vom 6. bis 7. September der 1. Deutsche Dorfkirchentag. Gleichzeitig wurde in der Zeit vom 6. bis 8. in Göttingen ein Revisorenkursus der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Sparkassen- und Giroverbände und Girozentralen durchgeführt.
  • 6. September 1951: Auf einer Deutschlandreise trafen heute englische Parlamentarier in Göttingen ein und waren Gäste der Stadt. Der Besuch bezweckte das gegenseitige Kennenlernen der Politiker untereinander sowie deutscher Einrichtungen. Daher wurden Industriebetriebe und Schulen besichtigt, auch nahmen die Parlamentarier an einer Ratssitzung teil.
  • 7. September 1951: Heute war die erste Umsiedlungskommission aus Württemberg hier zur Auswahl geeigneter Persönlichkeiten für die Umsiedlung von Ostvertriebenen aus den Kreisen Duderstadt, Hann. Münden, Göttingen-Stadt und Land. Aus der Stadt Göttingen wurden 26, aus dem Landkreis 8 Familien mit insgesamt 34 Personen angenommen. Durch die in der Bundesrepublik seit längerem systematisch betriebene Umsiedlung hofft man, mit der Zeit die gefährlichen Überfüllung gewisser Länder (unter ihnen besonders Niedersachsen) beheben zu können.
  • 8. September 1951: Am 8. und 9. des Monats trafen sich Angehörige des ehemaligen Göttinger Infanterie-Regiments 82 und seiner Nachfolge-Formationen zu einem großen "82er-Treffen" in der alten Garnisonsstadt. Zur gleichen Zeit waren baltische Gelehrte zum 4. Baltischen Historiker-Treffen hier versammelt.
  • 9. September 1951: Im 69. Lebensjahr verstarb Stadtbürodirektor im Ruhestand Hermann Rappe. Seit 1897 in der Stadtverwaltung Göttingen tätig, darunter jahrzehntelang in der Stellung des leitenden Bürobeamten, hat der Verstorbene sich um seine Vaterstadt hochverdient gemacht. Vom 9. bis 15. September fand im Institut für Sport und Sporterziehung der Universität ein Fortbildungslehrgang im Schulsport für Lehrer und Lehrerinnen aus dem Regierungsbezirk Hildesheim statt.
  • 16. September 1951: Das "Deutsche Theater" eröffnete seine Spielzeit 1951/52 mit den "Troerinnen des Eurypides" in der deutschen Bearbeitung von Franz Werfel. Am gleichen Tag begann das "Göttinger Opern- und Operetten-Theater" im Stadtpark-Saal seine neue Saison mit Millöckers Operette "Der Bettelstudent".
  • 18. September 1951: Auf dem nördlichen Turm der Johanniskirche ist ein Rundfunksender für die Polizei errichtet worden zur unmittelbaren Verbindung mit den Polizeidienststellen in Hildesheim. Auch sollen von hier aus die Funkstreifenwagen funklich gelenkt werden, die von der Polizei demnächst auch in Südhannover zu rascherer Eingriffsmöglichkeit eingesetzt werden sollen.
  • 19. September 1951: Heute beendete das Freibad die diesjährige Badezeit. Es hatte insgesamt 175.099 Badegäste zu verzeichnen.
  • 20. September 1951: Im "Intimen Theater" wurde mit der Uraufführung der Komödie "Casanova und Cleopatra" des in Göttingen lebenden Schriftstellers Bernd Schormann die neue Spielzeit eröffnet.
  • 23. September 1951: Das aus den Mitgliedern des einstigen Städtischen Orchesters gebildete "Göttinger Symphonie-Orchester" will nach der Aufgabe der Symphonie-Konzerte im Deutschen Theater aus eigener Kraft und ohne jeglichen behördlichen Zuschuß die Göttinger Tradition großer Konzerte weiter pflegen. Im Sommer dieses Jahres hat man einen Verein gegründet, der sich dieser Aufgabe widmen soll. Gestern und heute wurde eine Straßenlotterie zum Besten des Orchesters eingeleitet, die sich auf eine längere Zeit erstreckt hat und von erfreulichem Erfolg gekrönt war.
  • 25. September 1951:Der Fachnormenausschuß Farbe im Deutschen Normenausschuß war am 25. und 26. September zu seiner 5. Tagung in Göttingen versammelt.

Oktober

  • 1. Oktober 1951: Seit heute erscheint in Göttingen, zunächst monatlich einmal, eine neue Zeitung: "Mitteldeutsche Rundschau". Es ist dies eine Heimatzeitung für Sachsen und Thüringer, herausgegeben vom Mitteldeutschen Heimatverlag. Nach uraltem Brauch beging das Göttinger Handwerk heute wieder den Tag der Gildewahl mit der morgendlichen "Regimentspredigt" in St. Johannis, dem feierlichen Empfang der neuen Obermeister durch die Stadtverwaltung in der Rathaushalle sowie in verschiedenen geselligen Veranstaltungen.
  • 2. Oktober 1951: Auch im Monat Oktober war unsere Stadt noch mehrfach der Ort von Tagungen. So vom 2. bis 5. für die Abteilung Landbau der Deutschen Landwirtschaftlichen Gesellschaft vom 3. bis 8. für eine sozialpädagogische Arbeitstagung, am 13. Oktober hielt der Bezirksverein Hildesheim des Deutschen Verbandes der Lehrer an berufsbildenden Schulen seine Bezirkstagung hier ab. Am 15. war der 8. Göttinger Juristentag, dem sich vom 17. bis 19. des Monats eine Internationale Staatsrechtslehrer-Tagung anschloß. Am 27. und 28. waren die Chorleiter es Bezirks Göttingen im Deutschen Allgemeinen Sängerbund hier versammelt. Außerdem fanden während des Monats mehrere Lehrgänge statt: für Fernmeldewesen, für Desinfektoren und für Amtsärzte.
  • 14. Oktober 1951: Die Personn-Schule (Städtische Mittelschule für Mädchen) bestand am 1. April 1951 ein halbes Jahrhundert. Sie feierte diese Erinnerung heute, am Tag der 50 jährigen Wiederkehr der Einweihung des Schulgebäudes am Albanikirchhof, mit einem Festakt in ihrer Aula. Am 18. und 19. Oktober waren Schülerinnen und Freunde der Anstalt zu "Bunten Abenden" im Saal des Stadtparks vereinigt. Aus Anlaß des Jubiläums ist eine Festschrift herausgegeben worden.
  • 15. Oktober 1951: Nach 15 monatiger Bauzeit ist der Umbau des einstigen Hotels "Zur Krone" in der Weender Straße zur Kreissparkasse und als Bürohaus beendet worden. Leitender Architekt war Professor Diez Brandi-Göttingen. Nach dem Umzug aus ihrem alten Gebäude Wendenstraße 8 a und einer gestrigen Feier wurde heute die Kreissparkasse in ihren großzügigen Räumen in der Weender Straße eröffnet. In dem Gebäude hat auch der Kreistag einen würdigen Sitzungssaal erhalten.
  • 18. Oktober 1951: Das Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht, Abteilung Hochschule und Forschung, hielt am 18. und 19. Oktober in Göttingen die Jahrestagung der Hochschulfilmreferenten ab.
  • 24. Oktober 1951: Heute begann hier eine Tagung der Sparkassenleiter des Regierungsbezirks Hildesheim, an der auch Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet und Vertreter des Niedersächsischen Sparkassen- und Giroverbandes teilnahmen. Auf einer Informationsreise besuchten heute die Mitglieder der Europäischen Studienkommission für die Marshall-Hilfe Göttingen. Sie wurden von der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften empfangen. Der Kommission gehören Vertreter von Belgien, Frankreich, Groß-Britannien, Irland, Italien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Schweden und den Vereinigten Staaten von Nordamerika wie der Bundesrepublik Deutschland an. In der Nacht wurde auf dem Heimweg von dem Empfang in der Herzberger Landstraße auf den Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Nobelpreisträger Professor Dr. Otto Hahn, ein Überfall verübt. Ein junger Mann stach mit einem spitzen Instrument auf den Gelehrten ein. Glücklicherweise war die Verletzung nicht schwer. Der Täter stellte sich später selbst der Polizei. In der Göttinger Bevölkerung wie in weitesten wissenschaftlichen Kreisen hat dieser Überfall Empörung hervorgerufen.
  • 29. Oktober 1951: Das Kommando der Berufsfeuerwehr ist heute in die neue Hauptfeuerwache, Breslauer Straße 2/10, verlegt worden. Die alte Feuerwache, Ecke Burgstraße und Ritterplan, erhält die Bezeichnung "Feuerwache II" und bleibt mit einem Löschzug besetzt.
  • 31. Oktober 1951: Vor Jahresfrist waren in der ehemaligen Artillerie-Kaserne zu Weende die von der Inneren Mission getragenen Evangelischen Krankenanstalten eröffnet worden. Sie sind derzeitig mit 350 Kranken belegt. Heute fand dort die Einweihung des Diakonissen-Mutterhauses der Stanislauer Schwesternschaft statt. Die Anstalt ist 1896 von Pastor Zöckler zu Stanislau in Galizien errichtet worden, die Schwesternschaft wurde 1913 dort gegründet. Als Opfer des Zweiten Weltkrieges mußte sie 1939 nach Wolfshagen in Westpreußen verlegt werden, von wo der Zusammenbruch Deutschlands im Jahre 1945 die Diakonissen abermals vertrieb. Nach einigen Jahren Aufenthalt in Stade ist nun in Weende das Mutterhaus neu begründet worden. 70 Schwestern, 19 Krankenpflege- und 15 Vorschülerinnen sind neben sonstigem Personal dessen Insassen. Der Kreistag des Landkreises Göttingen wählte heute einstimmig den bisherigen Landrat Ernst Fahlbusch wieder, der damit zum fünften Mal an die Spitze der Kreisverwaltung gestellt ist. Im Rathaus entstand heute abend ein Schornsteinbrand. Durch schnelles Eingereifen der Feuerwehr, die fast eine Stunde zu tun hatte, konnte Schaden verhütet werden. Als eine besondere Leistung der Wehr verdient festgehalten zu werden, daß eine gleichzeitig in der Rathaushalle stattfindende Serenade des Göttinger Symphonie-Orchesters durch die Löscharbeiten nicht behelligt wurde. Die Konzertbesucher haben von dem Brand über ihnen nichts gemerkt.

November

  • 1. November 1951: Die in Westdeutschland bestehende ernste Kohlenknappheit, die sich in einer völlig unzureichenden Versorgung der Haushaltungen unliebsam bemerkbar macht, hat zu Einsparungen von elektrischem Strom für die Großindustrie geführt. Aber auch Schaufenster- und Reklame-Beleuchtung werden davon betroffen, die bis zum 31. März 1952 von 19.30 Uhr ab verboten ist. Mit einer schlichten Feier wurden auf dem Zentralfriedhof heute die Urnen von Professor Walther Nernst und seiner Gattin beigesetzt. Der große, 1941 verstorbene Physochemiker und Nobelpreisträger wirkte von 1890 bis 1904 an der Göttinger Universität und erfand hier das nach ihm benannte Nernst-Licht. Seine Urne war bisher auf dem St. Thomas-Friedhof zu Berlin-Neukölln, die seiner 1949 verstorbenen Gattin in London beigesetzt. Auf Wunsch der in Göttingen lebenden Angehörigen fanden beide Urnen nun hier eine würdige Heimstatt.
  • 2. November 1951: Stadtschulrat Buchheim führte in einer Feierstunde Rektor Willi Fehse in sein Amt als Leiter der neunten Volksschule (abend Nikolausberger Weg) ein. Im Hotel "Rheinischer Hof" in der Jüdenstraße hat seinen bis 1945 geführten alten nahmen "Central-Hotel" wieder angenommen.
  • 8. November 1951: Das Institut für Pflanzenpathologie an der Universität beging das Richtefest seines Neubaues am unteren Nikolausberger Weg.
  • 9. November 1951: Göttingen erlebte heute einen großen Tag. Aus Anlaß des 200 jährigen Bestehens der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen weilte Bundespräsident Professor Dr. Heuss hier. Der war gestern Abend eingetroffen, nahm im Hotel "Kaiser Wilhelm-Park" auf dem Hainberg Wohnung und stattete heute Morgen dem Max-Planck-Institut einen Besuch ab. Von dort fuhr der Präsident zum Rathaus, wo ihm die Stadt einen offiziellen Empfang bereitete. Oberbürgermeister Föge hieß das Staatsoberhaupt namens des Rates und der Bürgerschaft willkommen, worauf der Präsident in seiner schwäbisch-schlichten, auch humorvollen Weise dankte. Er fand auch gewichtige Worte über die Bedeutung Göttingens: "Es ist immer eine Weltbezüglichkeit in Göttingen gewesen" oder: "Göttingen ist eine kleine Stadt, durch die aber Ströme der Welt gehen". Nach der Ansprache trug sich der Bundespräsident in das "Goldene Buch" der Stadt ein. Seit Jahrhunderten ist heute zum ersten Mal wieder ein Staatsoberhaupt im Göttinger Rathaus empfangen worden. Ein zwangloses Gespräch mit einem kleinen Imbiß schloß sich an, dann verabschiedete sich der Bundespräsident und fuhr zum Max-Planck-Institut zurück. In den Straßen, die der Präsident durchfuhr, vor allem aber auf dem mit schwarz-rot-goldenen Fahnen der Bundesrepublik und der Europa-Fahne (dem weißen "E" im grünen Feld) geschmückten Marktplatz, auf dem Tausende versammelt waren, wurde Professor Heuss lebhaft begrüßt. Die Schulen hatten ein diesem Tag keinen Unterricht. Am Nachmittag nahm der Bundespräsident an einer wissenschaftlichen Sitzung der Akademie teil. Darauf brachte die Studentenschaft ihm und jubilierenden Akademie auf dem Wilhelmsplatz einen Fackelzug, der sich dann zum Theaterplatz bewegte und dort ein Spalier bildete, als der Bundespräsident zur Festvorstellung fuhr. Das "Deutsche Theater" gab Hugo von Hoffmannsthals Schauspiel "Der Turm".
  • 10. November 1951: Der heutige eigentliche Festtag der Akademie sah eine glänzende Versammlung europäischen Gelehrtentums, als der Bundespräsident, von dem derzeitigen Präsidenten der Akademie, Nobelpreisträger Professor Werner Heisenberg, in die Aula der Universität geleitet wurde. Der gastgebende Präsident konnte neben dem Staatsoberhaupt, Ministerpräsident Kopf, Kultusminister Vogt, Minister Schellhaus von der Niedersächsischen Landesregierung, die Vertreter der Alliierten Oberkommission und die stattliche Reihe der Abgesandten in- und ausländischer Akademien begrüßen. Darunter Vertreter der Wiener Akademie, das Institut de France in Paris, das drei Gelehrte entsandt hatte, der zwei Professoren der Dänischen Akademie in Kopenhagen, der Schwedischen in Stockholm, der Finnischen in Helsingfors, der Niederländischen in Amsterdam sowie der Schweizer Naturforschenden Gesellschaft in Bern. Die Royal Society in London hatte sich durch Professor Bohr von der Kopenhagener Akademie vertreten lassen. Die Rektoren der Universitäten des Bundesgebietes waren im Schmuck ihrer Amtsketten erschienen. Sonst fiel die äußere Schlichtheit der in- und ausländischen Gäste auf. Nur sie drei Vertreter des Instituts de France waren ordensgeschmückt in ihren bestickten Galauniformen mit Zweispitz und Galanteriedegen erschienen. In der stattlichen Reihe der Begrüßungsansprachen nahm die des Bundespräsident einen besonderen Platz ein, sie sich durch wissenschaftlichen Ernst wie ebenso den humorvollen Unterton auszeichnete. - Den Festvortrag über das Thema "Albrecht von Haller und die Physiologie" hielt der Präsident der Schweizer Naturforschenden Gesellschaft, Professor Dr. von Muralt-Bern, der ein glänzendes Bild von dem Gründer der Göttinger Akademie, dem Berner Albrecht von Haller, zeichnete. Auf dem "Rohns" vereinigte die Gäste der Akademie anschließend ein Festessen, bei dem Kultusminister Vogt den Trinkspruch auf das Staatsoberhaupt, "aber ebenso auch auf den gütigen Menschen Theodor Heuss" ausbrachte. Mit einem Beisammensein der Festgäste mit dem Lehrkörper der Universität auf dem "Rohns", an dem der Bundespräsident ebenfalls teilnahm, klang das Jubiläum der Akademie aus. Professor Heuss hatte am Nachmittag der Akademischen Burse in der Goßlerstraße einen Besuch abgestattet und verließ am folgenden Morgen Göttingen. Durch sein allem Pathos abholdes, freundliches und humorvolles Wesen hat der hohe Gast sich die Sympathien der Göttinger Bevölkerung im reichem Maße erworben.
  • 10. November 1951: Nach zweitägiger Verhandlung fällte heute die Jugendstrafkammer des Landgerichts Göttingen das Urteil über den 17 jährigen Joachim Herbert Rzepka, der am 27. Juni dieses Jahres bei Rittmarshausen den Göttinger Chauffeur Czaja ermordet hatte. In Anbetracht der Jugend des Verbrechers konnte nur auf die für Jugendliche festgesetzte Höchststrafe von 10 Jahren Gefängnis erkannt werden. In der Bevölkerung herrscht darüber starker Unwille.
  • 13. November 1951: Derzeitig schweben sowohl seitens der Stadt- wie der Kreisverwaltung Verhandlungen über den Anschluß der Stadt Göttingen und der Gemeinden des Landkreises an einer von der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft-Mitteldeutschland geplante Ferngas-Versorgungsgesellschaft. Das Ferngas wird von Salzgitter kommen, jetzt liegt die Leitung bereits bis Lenglern, das ihr schon angeschlossen ist. Die Kosten für eine Anschlußleitung von Lenglern nach Göttingen betragen allein etwa eine halbe Million Deutsche Mark. Die Verhandlungen schweben noch. Die Stadt Göttingen stellt an ihren Beitritt die Bedingung der Erhaltung ihrer eigenen Gasanstalt und will nur die Haupt-Verbrauchszeiten (morgens, mittags und abends) benötigte Mehr-Menge aus der Ferngasversorgung entnehmen.
  • 15. November 1951: Heute begann hier eine zweitägige Sitzung des Länder-Sachverständigen-Ausschusses für neue Baustoffe und Bauarten. Das Jugendwohnheim auf dem Egelsberg Göttingen das Richtefest. Das Heim wird mit Mitteln des Bundesjugendplanes von der Stadt erbaut, die das Gelände zur Verfügung gestellt hat. Auf der Ostseite des Wilhelmsplatzes wurde mit dem Ausschachtungen für eine unterirdische Transformatorenstation und eine ebensolche Bedürfnisanstalt begonnen, der zweiten in Göttingen. Stadtverwaltungsrat Dr. Ringe schied nach 14 jähriger Tätigkeit aus dem Dienst der Stadt Göttingen. Der wird am Landesverwaltungsgericht in Lüneburg die Stelle eines Verwaltungsrichters einnehmen.
  • 16. November 1951:In der Rathaushalle fand die Eröffnung einer von der Europa-Union eingerichteten Europa-Ausstellung statt. Sie soll durch Darstellung der Bedeutung unseres Erdteils dem Gedanken eines vereinigten Europas und damit der Zukunft der abendländischen Welt dienen.
  • 17. November 1951:785 neue Studenten nahm heute die Georg-August-Universität in feierlichem Immatrikulationsakt auf. Die Gesamtzahl der Studierenden des Winter-Semesters 1951/52 beträgt 4143 und hält damit im Wesentlichen den Stand des vorigen Semesters. Der derzeitige Rektor, Professor D. Dr. Trillhaas, bekannte sich in seiner Verpflichtungsrede zu der abendländischen Tradition, auch der auf die 214 jährige Geschichte der Göttinger Universität beruhe, aber ebenso auch zu einer leidenschaftlichen Absage an die Gelüste zu Restaurierungen vergangener Zeiten und Zustände, die in Westdeutschland gefährlich propagiert werden.
  • 18. November 1951: Vom 18. bis 24. November werden auch in diesem Jahr wieder in den evangelischen Kirchen der Stadt allabendlich Gebetsstunden für die in fremden Ländern noch zurückgehaltenen deutschen Kriegsgefangenen abgehalten. In der St. Albani-Gemeinde fand heute seit langen Zeiten (vielleicht zum ersten Mal überhaupt) eine Pfarrerwahl Stadt. Von den drei Geistlichen, die unter den Bewerbern in engere Wahl gezogen waren und die ein den letzten Sonntagen Gastpredigten gehalten hatten, wurde Pastor Leiskau aus Restorf mit 426 Stimmen gewählt. Insgesamt waren 574 Stimmen abgegeben worden, von denen zwei ungültig waren. Von den beiden anderen Bewerbern erhielt Pastor Schneidewind aus Wangenstedt 120, Pastor Hoffmann-Wirringen 26 Stimmen.
  • 23. November 1951: Die mit so vielen Schwierigkeiten verbundene und bisher aus mancherlei Veranlassung immer wieder hinausgeschobene Wahl des Oberstadtdirektors sollte heute vom Rat vorgenommen werden, nachdem sich abermals eine Reihe von Bewerbern vorgestellt hatte. Die Wahl konnte aber auch heute wieder nicht zustandegekommen. Der frühere Oberstadtdirektor Glahn hatte eine einstweilige Verfügung beim Oberverwaltungsgericht beantragt, der Stadt die Neuwahl eines Oberstadtdirektors zu untersagen. Das Gericht hat dies zwar kostenpflichtig abgelehnt, aber ausgeführt, es sei rechtlich zweifelhaft, ob ein Oberstadtdirektor nicht, abweichend von der Stellung der übrigen Beamten, auf Grund der Gemeindeordnung einen Anspruch auf Ausübung seines Amtes habe. Das Gericht hielt es daher für zweckmäßig, die Neuwahl erst dann vorzunehmen, nachdem entweder das Zwangspensionierungs-Verfahren oder das gegen den früheren Oberstadtdirektor laufende Dienststrafverfahren rechtskräftig entschieden ist. Infolgedessen haben sich die großen Fraktion im Rat entschlossen, die Wahl bis zu jenem Zeitpunkt auszusetzen. Unter der Leitung des Kommandeurs der 1. Landespolizei-Bereitschaft, Polizeirat Hilpert-Hannover (früher Polizeikommandant in Göttingen) führte die neuaufgestellte niedersächsische Landesbereitschaftspolizei mit drei Hundertschaften in Göttingen eine großangelegte Einsatzübung durch. Ein Marsch der Hundertschaften mit klingendem Spiel durch die Straßen schloß die Übung ab.
  • 25. November 1951: Am heutigen Ewigkeits-Sonntag wurde in der Felix-Klein-Oberschule für Jungen ein Ehrenmal für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen über 400 Lehrer und ehemaligen Schüler der Anstalt eingeweiht. Weit über die Hälfte der Kriegsopfer war bei Kriegsausbruch noch nicht 20 Jahre alt.
  • 27. November 1951: Mit einer Ansprache des Ordinarius für Kunstgeschichte, Professor Dr. Rosemann, eröffnete heute Abend die Gruppe Südhannover des Bundes bildender Künstler in den oberen Räumen der "Kammerspiele" in der Hospitalstraße ihre diesjährige Ausstellung. Sie vermittelt einen beachtlichen Überblick über das Schaffen einer großen Anzahl in der Stadt Göttingen und im weiteren Südhannover lebenden Künstler, die von der Allgemeinheit leider viel zu wenig beachtet und auch von amtlichen Stellen nicht genügend gefördert werden.

Dezember

  • 1. Dezember 1951: Im "Deutschen Theater" fand die Uraufführung der von Heinz Hilpert besorgten deutschen Fassung des französischen Schauspiels "Der Korsar" von M. Achard statt. Das Stück hat in der großen auswärtigen Presse keine gute Kritik gehabt und wurde auch vom hiesigen Publikum nur geteilt aufgenommen. Die Oberstadtdirektoren und Stadtkämmerer von 16 niedersächsischen Städten hielten ihre turnusmäßig alle vier Wochen stattfindende Sitzung im Göttinger Rathaus ab.
  • 2. Dezember 1951: Mit einer Festsitzung im großen Hörsaal des Physiologischen Instituts beging die Universitäts-Frauenklinik ihr 200 jähriges Bestehen. Zahlreiche Gynäkologen aus ganz Deutschland waren anwesend. Die Anstalt ist als erstes Entbindungsinstitut Deutschlands, wahrscheinlich sogar der ganzen Welt, am 6. Dezember 1751 von dem damaligen Professor der Gynäkologie, Johann Georg Roederer, gegründet worden. Zu dem Jubiläum erschien eine die Entwicklung der Frauenklinik wie der Gynäkologie in Göttingen darlegende wissenschaftliche Festschrift.
  • 5. Dezember 1951: Heute sind das Grundbuchamt und die Gerichtskasse vom Wilhelmsplatz in das frühere Gebäude der Kreissparkasse, Wendenstraße 8, umgezogen. Dadurch bessern sich die viel zu beengten Raumverhältnisse im Amtsgericht am Wilhelmsplatz etwas. An den Folgen eines Schlaganfalles verstarb im 67. Lebensjahr der Verlagsleiter der Göttinger Druckerei- und Verlagsgesellschaft, Franz Arnholdt. Am 1. Januar 1885 in Leipzig-Plagwitz geboren, kam er im Jahre 1907 als Optiker bei der Firma Winkel nach Göttingen. Von 1919 bis 1933 war der Verstorbene Vorsitzender des Deutschen Metallarbeiterverbandes in Göttingen und als solcher in der Gewerkschaftsbewegung sehr aktiv. Während der nationalsozialistischen Zeit politisch kaltgestellt, widmete er sich nach dem Zusammenbruch 1945 wieder der Kommunalpolitik und wurde schon im November dieses Jahres in dem von der britischen Besatzungsmacht ernannten Rat Ratsherr, dem er später als gewähltes Mitglied bis zu seinem Tod angehört hat. Im Jahre 1947/48 bekleidete er als Vertreter der damals stärksten Fraktion im Rat, der Sozialdemokratischen Partei, das Amt des Oberbürgermeisters. Der Heimgegangene erfreute sich seines bescheidenen, gerechten und pflichtbewußten Wesens halber weit über seine Partei hinaus größter Wertschätzung. Er hatte politische Gegner, doch keinen persönlichen Feind, war vielmehr allgemein geachtet. Das Rathaus hatte nach Bekanntwerden des Todes bis zur Beisetzung Franz Arnholdts am 10. Dezember zu seinem Gedächtnis die Stadtfahne mit Trauerflor gesetzt.
  • 7. Dezember 1951: In der heutigen öffentlichen Ratssitzung wurde der gesamte Vorstand des Rates einstimmig wiedergewählt. Für das Jahr 1952 bleibt also Rechtsanwalt Föge von der Freien Demokratischen Partei Oberbürgermeister, Ratsherr von der Sozialdemokratischen Partei erster und Ratsherr Berg (Christlich-Demokratische Union) zweiter Stellvertreter. Auch die Ratsausschüsse wurden einstimmig wiedergewählt. An diese nur fünf Minuten dauernde öffentliche Sitzung schloß sich eine vertrauliche an, in der die seit Monaten umstrittene Frage der Neubesetzung des Oberstadtdirektor-Postens für die nächste Zukunft entschieden werden sollte. Nach heftigen Debatten und mehrstündiger Dauer der Sitzung konnte jedoch wiederum keine Einigung erzielt werden. Der Antrag, die Amtszeit des bisherigen Oberstadtdirektors Schmidt noch einmal zu verlängern, wurde abgelehnt. Ebenso ein anderer Antrag, eine auswärtige Persönlichkeit zunächst kommissarisch einzusetzen. Da Oberstadtdirektor Schmidt am 31. Dezember aus seinem Amt scheiden wird, bleibt die Frage seiner Nachfolge weithin ungeklärt.
  • 8. Dezember 1951: Als Vertreter des amerikanischen Oberkommissars Mc Cloy übergab Professor Dr. Husserl dem Juristischen Seminar der Universität eine 1731 Bände umfassende Fachbibliothek über amerikanisches Recht. "Diese Bücher sind ein Geschenk des amerikanischen Volkes und sollen dazu beitragen, das wir von einander lernen" erklärte Professor Husserl. Eine gleiche Spende wurde an acht weitere westdeutsche Universitäten wie an das Bundesgericht in Karlsruhe überwiesen.
  • 14. Dezember 1951: Nach kurzer schwerer Krankheit starb, erst 45 Jahre alt, der Leiter des städtischen Verkehrsamtes, Heinz Waldheim. Seit 1934 im Dienste der Stadt, wird ihm der Aufbau und die lebendige Entwicklung des städtischen Verkehrsamtes verdankt, um das er sich bedeutende Verdienste erworben hat.
  • 16. Dezember 1951: Die St. Paulus-Kirche erhielt als Ersatz für die vier ihr 1942 für den Krieg fortgenommenen drei andere Glocken. Sie haben früher in Schlesien (Oppeln, Gröpnich und Friedeberg) gehangen und sind in den Jahren 1637, 1699 und 1702 gegossen worden. Während des Krieges von der Einschmelzung verschont geblieben, haben sie seither in dem großen Glockenlager in Hamburg gelegen, von wo sie jetzt als sogenannte "Patenglocken" hierher gekommen sind. In einer schlichten Feier übergab Dechant Marheinecke die Glocken an die Gemeinden. Gleichzeitig erhielt auch die St. Michaelis-Kirche zwei Patenglocken.
  • 19. Dezember 1951: Die reformierte Gemeinde konnte den Tag begehen, an dem vor 200 Jahren ihr erster Prediger (der von Bremen berufene Gerhard Hemessen) in dem im zweiten Stock der Universitäts-Apotheke gelegenen Gemeindesaal seiner Antrittspredigt hielt. Heute fand vor der Zweiten Strafkammer des Landgerichts Göttingen die Verhandlung gegen den Göttinger cand.med. von Studtnitz vom Corps "Bremensia" wegen Schlagens von Mensuren statt. Der Prozeß war weit über das Örtliche hinaus von grundsätzlicher Bedeutung. Es galt hier, erstmalig nach Wiederaufleben der alten studentischen Korporationen eine rechtliche Klärung zu erreichen, ob es sich bei der studentischen Mensur um Sportspiel oder um Zweikampf mit tödlicher Waffe handelt. Gegner wie Anhänger der studentischen Verbindungen und der Mensuren waren in gleicher Weise hieran interessiert. Infolgedessen war der Andrang des Publikums äußerst lebhaft, seit Tagen waren die Eintrittskarten ausverkauft, die große Presse war stark vertreten. Es kam zu einem Freispruch. Der Vorsitzende erklärte indessen in seiner Urteilsbegründung ausdrücklich, es sei damit nichts darüber gesagt, ob es in heutige Zeit angebracht sei, Mensuren zu schlagen. Viele, vor allem jene, die durch Krieg und Gefangenschaft gegangen sind, verneinen diese Frage. Gegen den Freispruch wird die Staatsanwaltschaft einlegen.
  • 21. Dezember 1951: Vor geladenen Gästen wurde heute die auf dem Grundstück des einstigen Hotels "Zur Krone" in der Weender Straße geschaffene Gaststätte "Alte Krone" eröffnet. Sie ist im Besitz der größten Braustätte Deutschlands, der Dortmunder Union-Brauerei. Den Umbau leitete Architekt Professor Diez Brandi-Göttingen.
  • 25. Dezember 1951: Auf Vorschlag des Niedersächsischen Ministerpräsidenten verlieh der Bundespräsident dem Hormonforscher und Nobelpreisträger Professor Dr. Adolf Windaus in Göttingen zum 75. Geburtstag das große Verdienstkreuz des Bundesverdienstordens. Neben der Ehrung des bedeutenden Gelehrten ist damit der erste Göttinger mit dem erst in diesem Jahr gestifteten Orden ausgezeichnet worden. In feierlichem Festgottesdienst wurde heute das Gemeindehaus der im Westen der Stadt, am Hagenberg, neue gegründeten evangelisch-lutherischen Friedensgemeinde seiner Bestimmung übergeben. Den gottesdienstlichen Raum, dessen wertvollster Schmuck ein von Superintendent Mirow geschenkter Kruzifixus aus dem 15. Jahrhundert ist, gestaltete Professor Diez Brandi-Göttingen.
  • 31. Dezember 1951: Oberstadtdirektor Schmidt vereidigte heute in der Rathaushalle die Beamtenschaft der Stadt auf das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und die Verfassung des Landes Niedersachsen. Es war dies die letzte Amtshandlung des mit dem heutigen Tag aus dem Dienst scheidenden Oberstadtdirektors.

Geburten

Detlef Meier


Todesfälle