1952

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Jubiläen

Ereignisse

Januar

  • 1. Januar 1952: In der Neujahrsnacht kam es am Flughafen und in der Johannis-Straße zu Massenschlägereien, bei denen es schwere Verletzungen gab, so daß die Polizei einschreiten mußte.
  • 3. Januar 1952: Die Spruchkammer des Oberversicherungsamtes fällte in der heutigen, in Göttingen stattfindenden Sitzung eine Entscheidung von grundsätzlicher Bedeutung. Nämlich die Aufhebung einer Verfügung des Landesarbeitsamtes vom 18. Juli vorigen Jahres, wonach den Mitgliedern des Göttinger Opern- und Operetten-Theaters, die ohne festes Engagement sind, die Arbeitslosenunterstützung entzogen worden war.
  • 4. Januar 1952: Oberstadtdirektor im Ruhestand Erich Schmidt, der mit kurzer Unterbrechung von der Kapitulation Göttingens im April 1945 bis zum 31. Dezember 1951 an verantwortlicher Stelle in der Verwaltung stand und sich in dieser schweren Zeit um die Stadt die größten Verdienste erworben hat, wurde heute zum Ehrenbürger der Stadt Göttingen ernannt. Die Ehrung fand im Rahmen einer eigens dazu anberaumten öffentlichen Ratssitzung in der Rathaushalle statt, an der auch Regierungspräsident Backhaus-Hildesheim teilnahm. Oberbürgermeister Föge überreichte die kunstvoll ausgeführte Urkunde dem Geehrten mit einer warmherzigen Ansprache. Der Fortgang des Bundesbahn-Zentralamtes von Göttingen nach Minden im vergangenen Jahr führt in den kommenden Monaten auch zur Verlegung des Chemischen Versuchsamtes der Bundesbahn, das bis spätestens 1. April nach Bückeburg gehen wird. Diese bedeutenden Ämter, die am Ende des Krieges hierher evakuiert worden waren, verlassen Göttingen, weil es nicht gelungen ist, ihnen Diensträume und Wohnungen in dem erforderlichen und gewünschten Ausmaß zur Verfügung zu stellen. Für Göttingen ist der Fortgang ein schwerer Verlust, prestigemäßig wie auch wirtschaftlich.Von den 15.608 derzeit in Göttingen wohnenden Ost-Flüchtlingen sind 5976 Schlesier, 3229 Ostpreußen, 1905 Pommern, 1334 Westpreußen, 932 Sudetendeutsche, 713 aus dem Warthegau, 454 aus Ost-Brandenburg, 188 aus Österreich, 82 aus Rumänien, 51 aus Jugoslawien, 8 aus Ungarn und 734 aus sonstigen Gebieten. Allein gegenüber dem Vormonat hat sich in Göttingen die Zahl der Flüchtlinge um 156 erhöht. Darin wirkt sich seine Lage und Eigenschaft als Grenzstadt an der sowjetischen Besatzungszone deutlich aus.
  • 8. Januar 1952: Heute starb der älteste Göttinger männliche Einwohner, Reichsbank-Oberzählmeister außer Dienst Wilhelm Banse, wenige Wochen vor seinem 99. Geburtstag.
  • 14. Januar 1952: Seit längerem wird - wie schon vor zwei Jahren - von Braunschweig aus der Versuch unternommen, das nur einen Landgerichts-Bezirk umfassende Oberlandesgericht Braunschweig dadurch lebensfähig zu halten, das ihm die Landgerichts-Bezirke Hildesheim und Göttingen angegliedert werden sollen. Wie in Hildesheim, so erfährt diese Plan auch in Göttingen lebhafteste Ablehnung. Der Hauptausschuß des Rates befaßte sich heute mit dieser Angelegenheiten und protestierte gegen eine Veränderung der altbewährten Verbindung der Stadt mit dem Oberlandesgericht Celle.
  • 15. Januar 1952: Anläßlich seines 70. Geburtstages ehrte die Studentenschaft den bedeutenden Staats- und Kirchenrechtler, Professor Dr. jur., Dr. theol. h.c. Rudolf Smend, heute durch einen Fackelzug. Die Göttinger Schuhmacher-Fachschule (die einzige ihrer Art in der Bundesrepublik) erhielt die Nachricht von der Verleihung eines "Grand Prix" und eines "Prix d'honneur" auf der internationalen Schuh-Ausstellung in Wien 1951. Seit ihrer Gründung im Jahre 1949 hat die Schule 6 Goldmedaillen, 2 Ehrenpreise der Städte Kassel und Mainz und 2 mal einen "Grand Prix" erhalten.
  • 18. Januar 1952: Die General-Versammlung der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften beschloß heute in Düsseldorf, Göttingen als Sitz ihrer Verwaltung beizubehalten, bis Berlin Bundeshauptstadt geworden ist. Göttingen schwebte in Gefahr die bedeutenden Institute an eine westdeutsche Großstadt zu verlieren. Auch der Rat der Stadt hatte sich in einer dringenden Entschließung für das Verbleiben in Göttingen eingesetzt. Durch den heutigen Entschluß der Gesellschaft ist die Stadt, wenigstens bis auf Weiteres, von einer schweren Sorge befreit.
  • 19. Januar 1952: Für das Studienjahr 1952/53 wählte der Senat der Universität mit großer Mehrheit heute den Ordinarius für physiologische Chemie, Professor Dr. med. Deuticke, zum Rektor der Georgia Augusta.
  • 20. Januar 1952: Superintendent Wiesenfeldt führte in feierlichem Gottesdienst den auf die zweite Pfarrstelle von St. Albani gewählten Pastor Johannes Leiskau aus Restorf (Kreis Dannenberg) ein.
  • 23. Januar 1952: Am Brauweg rammte heute Nachmittag ein Zug der Gartetalbahn einen Autobus der Linie 6. Es entstand nur Sachschaden, Personen wurden glücklicherweise nicht verletzt.
  • 25. Januar 1952: Wie in anderen Universitäts-Städten, vor allem Freiburg im Breisgau und Münster, kam es auch in Göttingen vor dem "Central-Theater" in der Barfüßerstraße nachmittags zu Kundgebung freiheitlicher Studenten gegen die Aufführung des Filmes "Hanna Amon" von Veit Harlan. Die Demonstrationen richteten sich gegen den Regisseur, der durch seinen Film "Jud Süß" in der Zeit des nationalsozialistischen Regimes dessen antisemitischen Tendenzen gefördert hat. Sie wiederholten damit die im Februar 1951 an der gleichen Stelle gegen den Harlan-Film "Die unsterbliche Geliebte" gewesenen Kundgebungen. Von den demonstrierenden Studenten wurden Transparenten mit der Aufschrift "Friede mit Israel" und "Wir wollen keine Harlans mehr" getragen, was von gegnerischer Seite mit lebhaften antisemitischen Äußerungen beantwortet wurde. Nachdem es in den Straßen zu Schlägereien gekommen und die dritte Vorstellung durch Stinkbomben gestört war, schritt die Polizei ein und verbot zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit die weitere Aufführung des Filmes. Diese Ereignisse sind in der Bürgerschaft tagelang lebhaftest für und wider diskutiert worden. 48 Professoren und Dozenten der Universität wie der Pädagogischen Hochschule billigten in einem Flugblatt unter dem 29. Januar öffentlich die Motive der Demonstrationen, die sie als Zeichen politischen Verantwortungsgefühls der akademischen Jugend gegenüber antisemitischen und undemokratischen Tendenzen anerkannten. Unter den Unterzeichnern der Erklärung befanden sich einige der bekanntesten Persönlichkeiten der Göttinger Wissenschaft, wie der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Professor Otto Hahn, der berühmte Atomphysiker, Professor Werner Heisenberg, der Staats- und Kirchenrechtler, Professor Rudolf Smend. Auch der Intendant des "Deutschen Theaters", Heinz Hilpert, gehörte dazu. Der Rektor der Universität, Professor D. Dr. Trillhaas, stellte sich in einer Sitzung des Studentenrates hinter diese Erklärung. Versuche Harlans, Anfang Februar in Göttingen mit Rektor und Studentenschaft zu verhandeln, schlugen fehl, da weder der Rektor, noch der Allgemeine Studenten-Ausschuß ihn empfing.

Februar

  • 3. Februar 1952: In der Kunstsammlung der Universität wurde eine in ihre Reichhaltigkeit und Seltenheit einmalige Ausstellung von Ikonen der orthodoxen Kirche eröffnet, die vorher in Hannover gezeigt war und von Göttingen nach Basel ging. Die Anregung zu dieser Ausstellung gab der Göttinger Kulturdezernent Dr. Karl Pfauter.
  • 4. Februar 1952: Die Göttinger Wirtschaft nahm heute in einer Protestversammlung zu den Versuchen eine Zersplitterung des Regierungsbezirks Hildesheim Stellung und wandte sich schärfstens gegen die Braunschweiger Bestrebungen, über den Weg einer sogenannten Justiz- und Verwaltungs-Reform lediglich Braunschweiger Interessen zu dienen. An die niedersächsische Landesregierung und den Landtag wurde eine entsprechende Resolution gesandt. An der Versammlung nahmen Vertreter der Industrie- und Handelskammer, der Kreishandwerkerschaft, des Niedersächsischen Landvolkes, des Großhandelsbundes, des Einzelhandelsverbandes, des Gaststätten- und Beherbergungs-Gewerbes sowie des Anwaltsvereins teil.
  • 9. Februar 1952: Gegen die Abtrennung der Landgerichts-Bezirke Göttingen und Hildesheim sprach sich in einer außergewöhnlichen Versammlung zu Hildesheim die Rechtsanwaltskammer des Oberlandesgerichts Celle aus. Für den Fall eine Angliederung an Braunschweig durch Ministerialerlaß wurde Klage beim Bundesverfassungsgericht und Verwaltungsklage bei den Verwaltungsgerichten sowie Herbeiführung einer Entscheidung der ordentlichen Gerichte angekündigt.
  • 17. Februar 1952: In festlichem Gottesdienst beging die Friedensgemeinde auf dem Hagenberg die Weihe ihrer Glocke. Diese ist eine der sogenannten "Patenglocken". Das sind Glocken, aus den jetzt abgetrennten deutschen Ostgebieten, die, während des letzten Krieges zur Einschmelzung abgeliefert, in Hamburg auf dem "Glockenfriedhof" seither lagerten und nun an Kirchen beider Konfessionen in der Bundesrepublik als Ersatz für abgegebene oder zerstörte Glocken entliehen werden. Die Glocke der Friedenskirche stammt aus der Gemeinde Friedland in Ostpreußen und ist 1746 in Königsberg gegossen worden.
  • 20. Februar 1952: Professor Dr. Karl Feist, der letzte Inhaber des 1938 aufgehobenen Lehrstuhls für Pharmazie an der Georgia Augusta, starb im 76. Lebensjahr.
  • 23. Februar 1952: Der Niedersächsische Kultusminister Voigt eröffnete heute in feierlichem akademischen Aktus in der Aula, dem auch der Niedersächsische Landwirtschaftsminister von Kessel beiwohnte, die mit 10 eigenen Lehrstühlen versehene neueste (siebte) Landwirtschaftliche Fakultät der Georg-August-Universität. Die Landwirtschaftlichen Disziplinen bildeten bisher eine Abteilung in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät. Erster Dekan der jungen Fakultät wurde der Ordinarius für Agrikulturchemie und Bodenkunde, Professor Dr. Fritz Scheffer, der auch die Festvorlesung hielt.

März

  • 7. März 1952: Der 2. Senat des Oberverwaltungsgerichtes für die Länder Niedersachsen und Schleswig Holstein hob in der heutigen, in Göttingen stattfindenden Verhandlung der Klage des früheren Oberstadtdirektors Glahn gegen die Stadt dessen Zwangspensionierung auf. Eine endgültige Entscheidung des Falles Glahn wird nun das von der Stadt anhängig gemachte Disziplinarverfahren zu bringen haben. Oberbürgermeister Föge wandte sich in einer öffentlichen Erklärung gegen das Urteil des Oberverwaltungsgerichtes.,Professor Dr. Heinrich Martius, Direktor der Universitäts-Frauenklinik, ist von der Italienischen Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie in Florenz zum Ehrenmitglied ernannt worden.

April

  • 1. April 1952: Der West-Berliner Senat berief Stadtmedizinalrat Professor Dr. Erich Schröder, seit 1948 Leiter des staatlichen Gesundheitsamtes sowie des städtischen Gesundheitswesens in Göttingen, zum Senatsdirektor für das Gesundheitswesen. Das Sportamt der Stadt Göttingen übernahm als Dezernent Herr Ernst Müller. Der behält sein bisheriges Dezernat des Wohnungsamtes bei. Zum Leiter des Städtischen Verkehrsamtes wurde Dr. Walther Hellige, Göttingen, ernannt. Im Rahmen organisatorischer Veränderungen ist mit Wirkung vom heutigen Tag die bisherige Verkehrspolizei ausgelöst worden. Sie wird der neu aufgebauten Verkehrsbereitschaft unterstellt, deren Leitung Polizei-Inspektor Schostak übernahm. Diese Verkehrsbereitschaft wird die gesamte Verkehrsüberwachung in einem von Göttingen bis zum Harz sich erstreckenden Raum regeln.
  • 18. April 1952: In Reckershausen, wo der seit 1937 lebte, starb in 90. Jahr Superintendent Carl Mirow. Der Verstorbene hat von 1910 bis 1928 als Superintendent und Pfarrer an St. Johannis in Göttingen segensreich gewirkt.
  • 21. April 1952: Heute fand in hiesigen Landgericht der 9. Göttinger Juristentag statt, an dem als Gäste unter anderem der Präsident und der Generalstaatsanwalt des Oberlandesgerichts Celle und Vertreter des Niedersächsischen Justizministeriums teilnahmen. Professor Dr. Ludwig Prandtl, der im Jahre 1909 den ersten Lehrauftrag für Flugwissenschaft an der Universität Göttingen erhielt, wurde auf einer Tragung der Flugwissenschaftlichen Gesellschaft in Braunschweig zum Ehrenmitglied ernannt.
  • 23. April 1952: Der Präsident der Industrie- und Handelskammer für Südhannover, Morsch-Hildesheim, vollzog heute die feierliche Übergabe der bisher von der Kammer getragenen Handelslehranstalten an die Stadt Göttingen. Der Rat hatte die Übernahme in seiner Sitzung vom 7. März 1952 bei einer Stimmenthaltung mit Wirkung vom 1. April dieses Jahres beschlossen. Oberbürgermeister Föge nahm die Anstalt in die Obhut der Stadt, die dadurch mit Ausnahme des Staatlichen Gymnasiums das gesamte Schulwesen Göttingens in ihrer Verwaltung hat. Aus Gründen der Tradition und in Rücksicht des von der Industrie- und Handelskammer geleisteten Zuschusses erhielt die Schule den Namen: "Handelslehranstalten der Stadt Göttingen und der Industrie- und Handelskammer für Südhannover".
  • 25. April 1952: Erstmalig wurde heute in der Bundesrepublik der "Tag des Baumes" begangen. Er soll künftig in jedem Jahr stattfinden und im Volk, zumal bei der Jugend, das Bewußtsein der gesundheitlichen, ästhetischen und wirtschaftlichen Bedeutung des Baumes wecken und stärken, das in den Notjahren der Kriegs- und Nachkriegszeit vielfach verloren gegangen ist. In Göttingen war der "Tag des Baumes" in erster Linie für die Jugend bestimmt, die sich am Hainberg zu einer Feierstunde versammelte. Symbolisch wurde dabei von Jungen und Mädchen, zusammen mit Oberbürgermeister Föge und Landrat Fahlbusch, ein Baum gepflanzt.
  • 26. April 1952: In einer Veranstaltung der Göttinger Gruppe der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft las der Dichter Rudolf Alexander Schröder seine Übersetzung von Shakespeares "Sturm" als Urlesung. Kurz nach seinem 63. Geburtstag verstarb der Erste Vorstandsbeamte der Hauptstelle Göttingen der Landeszentralbank von Niedersachsen (früher Reichsbank), Bankdirektor Bruno Koppe, der seit 1939 das Göttinger Institut geleitet hatte und sich allgemeiner Wertschätzung erfreute.

Mai

  • 1. Mai 1952: Die diesjährige Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes fand wieder vor dem Rathaus statt. Ansprachen hielten der Kreisausschuß-Sekretär Schmalz und traditionsmäßig der Rektor der Universität. Damit trat der neugewählte Rektor, Professor Dr. Deuticke, erstmalig als solcher an die Öffentlichkeit.
  • 4. Mai 1952: Auf dem Marktplatz taufte die Luftsportvereinigung Göttingen ihr erstes nach dem Krieg bebautes Segelflugzeug. Erst vor kurzem ist das Verbot deutscher Luftfahrt und deutschen Luftsportes von den Besatzungsmächten aufgehoben worden. Professor Dr. jur. Ludwig Raiser-Göttingen, bisher Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, wurde zu deren Präsidenten ernannt.
  • 10. Mai 1952: Die seit 1766 bestehende Dieterich'sche Universitäts-Buchhandlung war kürzlich in Konkurs geraten und am 2. April von dem der Buchhandlung Gerstung und Lehmann, Emil Lehmann, übernommen worden. Heute wurde sie in den bisherigen Geschäftsräumen, Theaterstraße 25, wiedereröffnet. An der Georgia Augusta fand heute im üblichen feierlichen Rahmen der Rektoratswechsel statt. Der scheidende Rektor, Professor D. Dr. Trillhaas, übergab das Amt an seinen Nachfolger, Professor Dr. med. Deuticke. Dem Arzt wohnten zahlreiche Ehrengäste bei, unter ihnen der Niedersächsische Kultusminister Voigt.
  • 14. Mai 1952: Das städtische Freibad ist heute wieder geöffnet worden. Es kann im Anfang Juni sein 25 jähriges Bestehen begehen.
  • 17. Mai 1952: An der Georg-August-Universität wurden heute 1008 Studenten für das Sommersemester immatrikuliert. Mit dem Sitz in Göttingen gründete sich eine "Union der Geistesarbeiter Deutschlands" zur Sicherung der weithin in Frage gestellten Existenz dieser Berufe. Durch Unterstützung öffentlicher Stellen ist die drohende Gefahr einer Einstellung des Betriebes der Gartetalbahn zur Zeit gebannt. Die Sektion Guben des Deutschen Alpenvereins beschloß die Verlegung ihres Sitzes nach Göttingen. Die Sektion betreut die im Zwieselbachtal (Tirol) in über 2000 Meter Höhe gelegene "Gubener Hütte".
  • 19. Mai 1952: Professor Dr. Otto Hahn, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, ist zum Ehrenmitglied der Gesellschaft deutscher Chemiker ernannt worden.
  • 26. Mai 1952: Im 83. Lebensjahr starb der langjährige Kurator der Georg-August-Universität, Geheimer Regierungsrat Ministerialdirektor außer Dienst, Dr. rer. pol. h.c., Dr. med. h.c., Dr. phil. h.c. Justus Theodor Valentiner. Wegen seiner hohen Verdienste verliehen ihm im Dezember 1932 auf einstimmigen Beschluß die städtischen Körperschaften das Ehrenbürgerrecht der Stadt. Die Georgia Augusta machte ihn bei ihrem 200 jährigen Jubiläum im Jahre 1937 zu ihrem Ehrenbürger. Die Trauerfeier fand am 30. Mai in der Universitätskirche statt.
  • 31. Mai 1952: Die drei letzten lebenden Träger der Friedensklasse des ehemaligen preußischen Ordens "pour le merite" haben den Orden erneuert. In der Reihe der mit Zustimmung des Bundespräsidenten neu gewählten Mitglieder befindet sich auch der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Professor Dr. Otto Hahn.

Juni

  • 1. Juni 1952: Heute führte der Radsportverein Möve zum 12. Mal das traditionelle Rundstrecken-Straßenrennen "Rund um das Finanzamt" über 84 Kilometer durch, das jährlich zu den wichtigsten sportlichen Ereignissen in Göttingen zählt.
  • 2. Juni 1952: Der Deutsche Neuphilologentag wurde vom 2. bis 5. Juni unter großer Teilnahme hier abgehalten. Die Stadtverwaltung gab den Gästen einen Empfang im Rathaus.
  • 5. Juni 1952: In einem Lagerschuppen des Aluminium-Werkes brach ein Schadenfeuer aus, dessen Bekämpfung mehrere Stunden erforderte.
  • 8. Juni 1952: Kürzlich beschloß der Rat die Wiedereinführung von sonntäglichen Platzkonzerten, wie sie bis in den letzten Krieg jahrzehntelang Tradition hier gewesen sind. Heute Mittag veranstaltete das Orchester des Opern- und Operetten-Theaters das erste dieser Konzerte auf dem Markt. Ein Nebenbüro der Max-Planck-Gesellschaft ist zur Erleichterung des Verkehrs mit der Bundesregierung in Düsseldorf geschaffen worden. Der Hauptsitz der Gesellschaft bleibt bis auf weiteres in Göttingen.
  • 15. Juni 1952: 28 Vereine (etwa 1500 Sängerinnen und Sänger) waren heute zu dem Sängerfest des Bezirks Südhannover des Deutschen Allgemeinen Sängerbundes hier.
  • 21. Juni 1952: In der Aula fand eine von den ehemaligen Dorpater deutschen Dozenten und den Deutsch-Baltischen Philisterverbänden veranstaltete Erinnerungsfeier an die Gründung der alma mater Dorpatensis vor 150 Jahren statt. Für den Erweiterungsbau der Personn-Schule begannen heute die Abbruchs- und Erdarbeiten am Albanikirchhof. Zu ihrem Ehrenmitglied ernannte die Göttinger Schützengesellschaft Oberstadtdirektor im Ruhestand Erich Schmidt. Die Würde des Schützenherrn ging auf Stadtdirektor Kuß über. In den Göttinger Max-Planck-Instituten wurde die erste deutsche elektronische Rechenmaschine hergestellt. Sie ist die erste ihrer Art in ganz Europa.
  • 30. Juni 1952: Der Landes-Innungsverband des niedersächsischen Schuhmacher-Handwerks hielt gestern und heute seine Verbandstagung hier ab.

Juli

  • 4. Juli 1952: An der Akademischen Burse in der Goßlerstraße konnte das Richtefest eines neuen Traktes begangen werden. Jetzt hat der Bau bereits 71 Bewohner, dazu 11 Gasträume, der neue Trakt wird weitere 30 Studenten aufnehmen.
  • 5. Juli 1952: Als Uraufführung brachte das "Göttinger Studio" in der "Brücke" (Schildweg 40) das nachgelassene Schauspiel "Die Finsternis. Ein Requiem" von Gerhart Hauptmann.
  • 6. Juli 1952: Der Kreissportbund veranstaltete auf dem Rohnsweg wieder das sogenannte "Seifenkisten-Rennen" für Jungen.
  • 8. Juli 1952: Konditormeister Otto Lipfert, Inhaber des Kaffeehauses Lipfert und früherer Ratsherr, in 60. Jahr gestorben. Zu Ehren des zum Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Bad Godesberg ernannten und daher von Göttingen scheidenden Professor Dr. jur. Ludwig Raiser brachte die Studentenschaft einen Fackelzug.
  • 9. Juli 1952: Im Rahmen eines Schulfestes wurde der 9. Volksschule (am Nikolausberger Weg) der Name "Höltyschule" gegeben. Die seit 1946 in Göttingen ansässige, am 9. Juli 1827 zu Gotha durch Ernst Wilhelm Arnoldi gegründete älteste deutsche Lebensversicherungsanstalt, die "Gothaer Lebensversicherung auf Gegenseitigkeit" beging ihr 125 jähriges Bestehen festlich. Der von ihren Gebäuden in der Geismar-Landstraße eingenommene Raum erhielt aus diesem Anlaß den Namen "Gothaer Platz".
  • 11. Juli 1952: An der Gutenbergstraße weihte die Universität den Neubau des Institutes für Landmaschinenbau ein.
  • 16. Juli 1952: 84 jährig verstarb der früherer langjährige Obermeister der Göttinger Schlachterinnung und Ehrenobermeister des Deutschen Handwerks, Edmund Kraft. Am gleichen Tag verschied Generaldirektor Reinhard Rube der Pergamentfabrik R. Rube & Co., Aktiengesellschaft zu Weende, kurz vor Vollendung des 75. Lebensjahres.
  • 19. Juli 1952: Das Mutterhaus der Schwesternschaft "Georgia Augusta" des Deutschen Roten Kreuzes, seit 1941 in Göttingen, beging sein 25 jähriges Bestehen. Die Schwesternschaft ist eine Fachschwesternschaft für Säuglings- und Kinderpflege.
  • 20. Juli 1952: Mit dem üblichen großen Festzug und dem gestern abend gewesenen Festkommers begann das diesjährige Schützenfest, in Göttingen seit 560 Jahren nachweisbar.
  • 26. Juli 1952: Zum fünften Mal tagen heute und morgen die Baltischen Historiker in Göttingen.
  • 27. Juli 1952: In der Rathaushalle wurde mit einem Empfang durch die Stadt und die Universität der diesjährige Internationale Ferienkursus der Georgia Augusta eröffnet. Der Geschäftsführer des Göttinger Hauses Karstadt, Emil Garloff, seit 1936 in Göttingen, starb im 71. Lebensjahr. Die wirtschaftlichen Verhältnisse an den Grenzen zur sowjetisch besetzten Zone haben sich derart verschlechtert, daß die Bundesregierung einen Sanierungsfond geschaffen hat. Stadt- und Landkreis Göttingen gehören zu den als "Grenzlandschaften" bezeichneten Gebieten im Sinne des im Bundeshaushalt vorgesehenen Sanierungsfonds.

August

  • 3. August 1952: Aus Anlaß des im ganzen Bundesgebiet von den Ostvertriebenen veranstalteten "Tages der Heimat" fand vor dem Rathaus eine große Kundgebung statt. Vom 3. bis 5. August hielt die Deutsche Pharmakologische Gesellschaft hier ihre 19. Tagung ab.
  • 8. August 1952: In vertraulicher Sitzung beschloß der Rat eine Verlängerung des Vertrages mit der "Deutschen Theater"-Gesellschaft auf weiterer drei Jahre. Das Landgericht Göttingen kam in dem Prozeß gegen Josef Kastner, der im Oktober vorigen Jahres ein Attentat auf den Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Professor Otto Hahn, unternommen hatte, zu einem Freispruch, ordnete jedoch Unterbringung in eine Heilanstalt an.
  • 15. August 1952: Von heute ab findet zur Erleichterung des Verkehrs die zollamtliche Abfertigung von Auslands-Postpaketen auf dem Hauptpostamt selbst statt. Auf der anläßlich des 550 jährigen Bestehens der Schuhmacher-Innung Kassel veranstalteten Fach-Ausstellung erzielte die Göttinger Schuhmacher-Fachschule die "Erste Jubiläums-Goldmedaille".
  • 22. August 1952: Beginn einer Segelflug-Woche, während der unter anderem Göttinger Segelflieger Passagier-Flüge über der Stadt machten.
  • 23. August 1952: Im Rahmen der Landestagung des Fachverbandes der Konditoren Niedersachsens wurde heute im "Stadtpark" eine Konditoren-Fachschau eröffnet. Tagung der Wirtschaftsvereinigung nordwestdeutscher Ärzte (bis 24. August).
  • 25. August 1952: Der 75. Ferienkursus zur Weiterbildung naturwissenschaftlicher Lehrer setzte im der "Phywe" (Physikalische Werkstätten) ein.
  • 25. August: Aberkennung der Ehrenbürgerrechte für Adolf Hitler, Bernhard Rust, Ludolf Haase, Wilhelm Frick
  • 26. August 1952: Seit Wochen ist auch Göttingen von einer Epidemie der spinalen Kinderlähmung befallen (bisher 28 Erkrankungen in Stadt- und Landkreis, darunter 2 Todesfälle). Daher wurden heute für die Dauer von 14 Tagen sämtliche Schulen geschlossen. Göttingen ist damit nach Salzgitter die zweite Stadt Niedersachsens, die diese Vorsichtsmaßnahme ergreift.
  • 28. August 1952: Kurz nach Vollendung des 85. Lebensjahres verstarb der langjährige Ordinarius für Geographie an der Georg-August-Universität, Professor Dr. Wilhelm Meinardus. Die starke Inanspruchnahme der Film-Ateliers hat dazu geführt, daß die Turnhalle des ehemaligen Fliegerhorstes an der Königsallee als Ausweich-Atelier hinzukommt.

September

  • 1. September 1952: Nach mehr als 51 jähriger Tätigkeit trat Stadtamtmann Bauer, der verdienstvolle büroleitende Beamte des Städtischen Betriebsamtes in den Ruhestand.In Gegenwart von Vertretern des Kultusministeriums, der Regierung, des Rates, der Verwaltung von Stadt- und Landkreis, der Justiz, Kirchen, Arbeitsamt und Wirtschaft wurde das in der Siedlung Egelsberg erbaute Jugendwohnheim seiner Bestimmung übergeben, das 50 eltern- und heimatlosen Jungen Wohnstatt bietet.
  • 8. September/9. September 1952: Hier fand eine Bundestagung des Zentralverbandes des Deutschen Milchhandels statt.
  • 11. September/12. September 1952: Im Rathaus hielt der Arbeitskreis der Rechnungshöfe des Bundes und der Länder eine Tagung ab.
  • 13. September 1952: Zu Ahausen im Kreis Rotenburg (Hannover), seinem Ruhesitz, starb im Alter von 71 Jahren Dr. Wilhelm Lueder, von 1928 bis 1947 Stadtsuperintendent und Pastor an St. Johannis zu Göttingen. Am 18. des Monats fand in der St. Johanniskirche eine Gedenkfeier für den Heimgegangenen statt.
  • 15. September 1952: Die seit Wochen währende nasse und kühle Witterung (10 Grad Celsius in der Luft, 16 im Wasser) veranlaßte die Stadtverwaltung zu vorzeitiger Schließung des Freibades.
  • 19. September 1952: Im Gebäude des ehemaligen Unteroffizier-Kasinos auf dem einstigen Fliegerhorst wurden die "Casino-Lichtspiele" eröffnet, das neunte Lichtspielhaus Göttingens.
  • 23. September 1952: In der Nordschule führte Regierungsdirektor Dr. Gläß-Hildesheim Rektor Halves in sein Amt ein.
  • 24. September 1952: Der Nestor der Göttinger Lehrerschaft, Mittelschullehrer im Ruhestand Georg Engelke, von 1885 bis 1926 an Göttinger Volks- und Mittelschulen sowie an der Vorschule tätig, starb im Alter von 92 Jahren.
  • 25. September 1952: Eine viertägige Arbeitstagung der Landwirtschaftslehrer Niedersachsens begann hier. Beginn der Neugestaltung des durch Grabstätten großer Persönlichkeiten, wie Gauß, Blumenbach, Herbart, Lotze, Osiander, Waitz, und mehrere wertvolle alte Grabdenkmäler ausgezeichneten Albani-Friedhofes, der dadurch vor weiterer Verwahrlosung geschützt werden soll.
  • 27. September 1952: Heute besteht der Städtische Kraftwagenbetrieb 25 Jahre. In diesem Zeitraum sind 11.800.000 Kilometer gefahren und 66.400.000 Personen befördert worden.
  • 28. September 1952: In der Siedlung Egelsberg fand die feierliche Grundsteinlegung der neuen evangelisch-lutherischen Christuskirche statt.

Oktober

  • 1. Oktober 1952: Durch einen Festakt in der Aula der Universität begingen die Amtsgerichte Göttingen und Reinhausen den Tag ihres hundertjährigen Bestehens. Professor Dr. jur. Ebel von der Georgia Augusta hielt den Festvortrag über "Einen Jahrtausend Gerichtswesen im Göttinger Land".
  • 2. Oktober/3. Oktober 1952: Die 1944 von Berlin nach Göttingen verlegte Werner-Schule vom Roten Kreuz beging ihr 25 jähriges Jubiläum mit einem Festgottesdienst in St. Albani (Predigt: Landesbischof D. Dr. Lilje) und einem Festakt im Deutschen Theater.
  • 3. Oktober/5. Oktober 1952: Vom Historischen Seminar der Universität und den höheren Schulen wurde eine Historische Studienwoche abgehalten, an der Lehrer aus 22 Städten des Landes teilnahmen.
  • 3. Oktober/6. Oktober 1952: Der Deutsche Akademikerinnenbund hielt seine Jahrestagung hier ab. Sie wurde durch einen Empfang in der Rathaushalle eröffnet.
  • 4. Oktober/5. Oktober 1952: Delegierte des Deutschen Feuerwehr-Ausschusses aus allen Teilen des Bundesgebietes trafen sich in Göttingen zu einer Arbeitstagung.
  • 6. Oktober 1952: In althergebrachter Weise (Regimentspredigt in St. Johannis, Empfang der Obermeister im Rathaus und Festlichkeiten der einzelnen Innungen) beging das Göttinger Handwerk wieder den Tag der Gildewahl. Göttingen hat als erste Stadt in Niedersachsen auf Anregung von Ratsherrin Dr. Hannah Vogt eine Jungbürgerfeier veranstaltet, zu der alle Göttinger geladenen waren, die jetzt das 21. Lebensjahr erreicht haben. In der Rathaushalle fand zunächst eine lebhafte Diskussion über politische Fragen allgemein, kommunalpolitische im Besonderen zwischen Ratsherren und Jungbürgern statt. Daran schloß sich später ein fröhliches Zusammensein im Haus "Atlantic" am Ritterplan. Es ist geplant, diese Feiern jährlich zu wiederholen, sie sollen die wahlberechtigt gewordene Jugend in das politische Leben einführen.
  • 7. Oktober 1952: An schweren, durch einen Unfall zugezogenen Verletzungen starb Stadtbaudirektor im Ruhestand Otto Frey zwei Tage vor Vollendung des 75. Lebensjahres. Von 1908 bis 1946 hat er das Stadtbauamt geleitet und die Gestaltung des Göttinger Stadtbildes beeinflußt.
  • 12. Oktober 1952: Das Opern- und Operette-Theater im "Stadtpark" eröffnete die Spielzeit 1952/53 mit Jean Gilberts Operette "Katja die Tänzerin".
  • 15. Oktober 1952: Die alle zwei Jahre tagende Synode des Bundes evangelisch-reformierter Kirchen Deutschlands wählte in Hamburg Pastor Kamlah-Göttingen wieder zum Präses des Bundes. Pastor Kamlah hat dieses Amt seit dem Jahre 1929 inne.
  • 18. Oktober/19. Oktober 1952: Jahresversammlung des Landesverband Niedersachsen der Buchhändler und Verleger.
  • 19. Oktober 1952: Landessuperintendent Wiebe-Northeim ordinierte den in die neugeschaffene Stelle des Zweiten Geistlichen an der in der Siedlung Hagenberg gelegenen jungen Friedensgemeinde berufenen Pastor Merker im heutigen Gottesdienst und führte ihn in sein Amt ein. Vertreter von 10 Vereinen aus Stadt- und Landkreis Göttingen schlossen sich heute zu einem Kreisschützenverband zusammen.
  • 25. Oktober 1952:Der fünfte Trakt der Akademischen Burse in der Goßlerstraße wurde eingeweiht.
  • 29. Oktober 1952: In Anwesenheit des amerikanischen Kulturoffiziers aus Hannover Eröffnung der von den Vereinigten Staaten der hiesigen Staats- und Universitäts-Bibliothek geschenkten, etwa 4000 Titel umfassenden Amerika-Abteilung als Freihand-Bibliothek. Als Sitz der kürzlich auf dem Orientalisten-Kongreß in Bonn gegründeten internationalen Societas Uralo-Altaica wurde Göttingen bestimmt. Die Ausgabe der Gesellschaft ist Pflege und Erforschung uralischer und altaischer Philologie. Vizepräsident der Gesellschaft ist Professor Dr. von Farkas-Göttingen.

November

  • 1. November 1952: Mit dem heutigen Tag mußte die am 16. Oktober versuchsweise eingeführte Linie 7 der städtischen Autobusse (Bahnhof - Markt - Bahnhof) wegen Unrentabilität wieder eingestellt werden. Dem Vorstandsmitglied der Gothaer Allgemeinen Versicherung auf Gegenseitigkeit in Göttingen, Kurt Jannott, verlieh die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät der Georgia Augusta die Würde eines Dr. jur. honoris causa.
  • 9. November 1952: Nach lebhaftem, doch ohne Zwischenfälle geführten Wahlkampf wählte Göttingen heute für die nächsten vier Jahre die Ratsvertretung. Mit 14 Sitze blieb die Freie Demokratische Partei Siegerin, zweitstärkste wurde die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (11 Sitze), Deutsche Reichs-Partei, Christlich-Demokratische Union und Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten errangen je vier Plätze. Erstmalig zieht der Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten in das Göttinger Stadtparlament ein.
  • 12. November 1952: Mit Einweihung der zweiten Fahrbahn auf der Brücke über die Werra bei Laubach ist die Autobahn Göttingen-Kassel in ihrem ganzen Verlauf wiederhergestellt. Die Brücke war im Krieg von deutscher Seite gesprengt worden.
  • 15. November 1952: Laut eine Entscheidung des Bundeskanzleramtes wird das Gebiet des ehemaligen Göttinger Fliegerhorstes als Militärflugplatz nicht mehr verwendet werden. Daher fallen die bisher dort geltenden Baubeschränkungen fort. Die Stadt Göttingen will auf dem einstigen Flugplatz-Gelände Industrie ansiedeln. Am Kreuzbergring weihte das Colloquium Historicum sein als Wohnheim für 30 Studierende bestimmtes Gebäude ein.
  • 17. November 1952: In der Hagenberg-Siedlung wurde im Haus Kesperhof 2 das dritte Göttinger Postamt eröffnet. Eine Kundgebung in der Aula der Felix-Klein-Oberschule leitete die diesjährige "Woche des Berufs" ein, die der beruflichen und sozialen Förderung der Jugend dienen sollen. Beginn der Aufforstung des im Norden Göttingens, hart an der Stadtgrenze auf Weender Flur gelegenen Moosberges. Sie ist ein Teil des Landschaftspflege-Planes, der von dem Zweckverband Stadt- und Landkreis Göttingen gemeinsam mit dem Stadtbauamt ausgearbeitet wurde.
  • 21. November 1952: Die Nord-Schule in der Robert-Koch-Straße beging heute das Richtefest des Mitteltraktes. In Anbetracht der hohen Baukosten (für den Südflügel betrugen sie mit Einrichtung allein 340.000 Deutsche Mark) wird der Schulbau nach und nach errichtet.
  • 22. November 1952: An der Universität fand die feierliche Immatrikulation von 775 neuen Studenten statt. Darunter sind 225 Anfänger. In diesem Semester studieren 163 Ausländer aus 30 europäischen und außereuropäischen Ländern an der Georgia Augusta. Der Iran hält mit 58 Vertretern immer noch die Spitze.
  • 30. November 1952: In der Rathaushalle wurde eine von allen Parteien unterstützte Kundgebung abgehalten gegen die Versuche, das Saargebiet völlig an Frankreich anzugliedern. Die Versammlung sollte auf dem Marktplatz stattfinden, mußte des schlechten Wetters halber aber in die Halle verlegt werden.

Dezember

  • 1. Dezember 1952: Heute trat der neue Rat zu seiner ersten Sitzung zusammen. Mit 34 von 37 Stimmen wurde der Kandidat der Freien Demokratischen Partei als der stärksten Fraktion, Rechtsanwalt und Notar Föge, wieder zum Oberbürgermeister gewählt, 1 Stimme erhielt Ratsherr Dr. Gonell, 2 Stimmen waren ungültig. Erster Stellvertreter des Oberbürgermeisters wurde mit 31 Stimmen gegen 6 ungültige Ratsherr Kraft von der Sozialdemokratischen Partei. Bei der Wahl des Zweiten Stellvertreters ergaben sich 21 Stimmen für Ratsherr von Thadden (Deutsche Reichs-Partei) gegen 16 Stimmen für Dr. Bretschneider (Christlich-Demokratische Union). Ratsherr von Thadden war damit gewählt, alle drei Herren nahmen die Wahl an. Die heutige erste Sitzung des neuen Kreistages brachte die Wiederwahl des bisherigen Landrats Fahlbusch-Weende (Sozialdemokratische Partei) mit 16 Stimmen. 14 entfielen auf Dr. Drechsel-Weende, für den die Freie Demokratische Partei, die Christlich-Demokratische-Union und die Deutsche Partei eintraten. 5 Kreistagsabgeordnete enthielten sich der Stimme. An der Pädagogischen Hochschule fand in Gegenwart von Vertretern des Kultusministeriums, der Universität, der Kirchen, der Stadt wie der Schulverwaltungen erstmalig der nach der neuen Satzungen vorgesehene Direktorwechsel statt. Das Amt ging von dem bisherigen Direktor Professor Dr. habil. Lehmensick auf den von dem Lehrkörper für drei Jahre gewählten Professor Dr. Stock über. Kriminalhauptkommissar Dr. Horn hat die Leitung der Landes-Kriminalpolizei-Außenstelle Göttingen übernommen.
  • 5. Dezember 1952: Nach monatelangem Umbau konnte heute der an der Stelle der früheren Schalterhalle geschaffene Wartesaal des Bahnhofs seiner Bestimmung übergeben werden.
  • 9. Dezember 1952: Durch einen das ganze Bundesgebiet umfassenden Streik im graphischen Gewerbe erschienen in Göttingen nur Notausgaben der Zeitungen.
  • 11. Dezember 1952: Die hiesigen Tagesblätter wurden wieder in volle Umfang gedruckt.
  • 12. Dezember 1952: An der Universität Lund in Schweden ereignet sich der seltene Fall, daß ein deutscher Professor bei einer öffentlichen Doktor-Disputation prüfte. Die Abhandlung hatte zum Thema die schwedische öffentliche Meinung über Deutschland 1856 bis 1872. Der deutsche Gast war Professor Dr. Hubatsch von der Universität Göttingen.
  • 18. Dezember 1952: Bei Gleisarbeiten auf dem Gelände des Güterbahnhofes fanden Arbeiter eine 6-Zentner-Fliegerbombe, die noch vom Krieg her dort lag. Das aus Hannover herbeigerufene Bombenräumkommando entschärfte den gefährlichen Blindgänger.
  • 24. Dezember 1952: In der Christmette der St. Jakobi-Kirche ist der uralte Brauch des sogenannten "Quempas-Singens" wieder eingeführt worden. Nobelpreisträger Professor Dr. Windaus erhielt den ihm verliehenen Orden pour le mérite der Friedensklasse durch den Rektor der Universität, Professor Dr. Deuticke, in Gegenwart von Oberbürgermeister Föge überreicht.
  • 31. Dezember 1952: Stadtamtmann Carl Wedemeyer, langjähriger, verdienter Leiter des Städtischen Sozial- und Jugendamts, trat nach Erreichung der gesetzlichen Altersgrenze in den Ruhestand und wurde in einer Feierstunde verabschiedet. Die Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung ernannte Stadtbaudirektor Grabenhorst zum Mitglied. Von der niedersächsischen Landesregierung ist das Reitinstitut der Universität Göttingen als Fachschule für Reit- und Fahrtausbildung staatlich anerkannt worden. Es ist damit die vierte derartige Anstalt in Niedersachsen. Die Anerkennung als stattliche Fachschule wird vor allem auch für die bäuerliche Bevölkerung Südhannovers wichtig werden.

Geburten

Todesfälle