Adolf Besemann

Aus Wiki Göttingen
Wechseln zu: Navigation, Suche
Mögliches Selbstportrait


Adolf Besemann entstammte einer Göttinger Künstlerfamilie, deren bekannteste Mitglieder sein Vater Christian Andreas Besemann (1760-1818) und dessen ältester Sohn Friedrich Besemann (1796-1854) sind. Beide haben durch ihre kolorierten Radierungen und Lithographien mit Motiven Göttingens und seiner Umgebung einige Bekanntheit erreicht.

Adolf Besemann sei jedoch in Vergessenheit geraten, weil er nicht in Göttingen geblieben, sondern nach Russland gegangen sei. Zudem habe er ein unstetes Leben geführt und sei nur wenige Jahre an einem Ort geblieben. In Deutschland sei sein Werk daher nur schwer greifbar. In Russland habe sich sein zeichnerischer Nachlass dagegen komplett in Museumsbesitz erhalten. Adolf Besemann wurde am 19. Mai 1806 in Göttingen als sechstes von zehn Kindern des Kupferstechers und Zeichners Christian Andreas Besemann geboren. Dieser stammte aus ärmlichen Verhältnissen. Er war uneheliches Kind einer Wäscherin und vermutlich eines Soldaten. Trotz gelang es ihm, eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen. 1806 wurde er Universitätszeichenmeister. Als Pflanzenzeichner und Zeichner anatomischer Präparate war er jahrzehntelang für mehrere Professoren tätig. Der älteste Sohn Friedrich betätigte sich als Radierer und Lithograph, „wobei die innerstädtischen Motive und die großen Panoramaansichten Göttingens unschätzbare Dokumente, allerdings ohne großen künstlerischen Anspruch, für das Aussehen der Stadt um 1850 darstellen“.

Adolf Besemann lässt sich in Göttingen zum Maler ausbilden. 1823 geht er als 17-Jähriger nach Russland, wohin sein Bruder Friedrich schon 1820 gegangen war. Adolf Besemann lebt von 1823 bis 1835 in Russland und beschäftigt sich dort unter anderem als Porträtmaler und mit dem Kopieren von Bildern in der Eremitage. Durch seinen Russland-Aufenthalt entgeht er auch dem Militärdienst in Deutschland. 1835 kehrt er nach Göttingen zurück und schreibt sich für ein Semester an der Universität ein. Er strebte dabei keinen akademischen Abschluss an, sondern wollte sich eine umfassendere Allgemeinbildung aneignen. 1836 geht Besemann nach Bremen und arbeitet dort vorwiegend als Porträtmaler. 1841 reist er nach Hamburg und wirkt erneut als Porträtmaler, beschäftigt sich aber auch mit der Restaurierung alter Gemälde. Der große Brand der Stadt im Mai 1842 hinterließ eine Ruinenlandschaft, die viele Künstler anregte. An der Darstellung von Ruinen gotischer Kirche im Geiste der Romantik beteiligte sich auch Besemann. Seine aquarellierten Ruinenansichten verschaffenen ihm einen bescheidenen Bekanntheitsgrad.

1844 geht er erneut nach Russland. In St. Petersburg erhält er eine Stelle als Wappenmaler im Heroldamt. Da trotz eines Wettbewerbs keine geeigneten russischen Künstler gefunden werden konnten, wurde Besemann entgegen der gesetzlichen Bestimmungen als Ausländer eingestellt. Weiter reichende Ambitionen an der Kunstakademie zerschlagen sich jedoch offenbar. Er arbeitet bei eher bescheidenem Gehalt bis zu seinem Tod 1867 als Wappenmaler. Besemann war verheiratet, ein Sohn betätigte sich ebenfalls im künstlerischen Metier.

Das russische Museum in St. Petersburg ist im Besitz fast des kompletten zeichnerischen Werkes von Besemann, das fast 600 Blätter umfasst.

Ruine der Petri-Kirche in Hamburg: Werk des aus Göttingen stammenden Malers Adolf Besemann, 1842.