Adolf Friedrich Johann Butenandt

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Adolf Friedrich Johann Butenandt

Adolf Friedrich Johann Butenandt (19031995) erhielt im Jahre 1939 den Nobelpreis für Chemie, zusammen mit Leopold Ruzicka. Die Begründung der Preisvergabe durch die Nobel-Kommission lautete: „…for his works on sex hormons“ (…für seine Arbeit über Sexualhormone).

Als Sohn eines Kaufmanns wird Butenandt am 24. März 1903 in Bremerhaven-Lehe geboren. Schon in der Schule interessiert er sich leidenschaftlich für Chemie und Biologie. 1921 beginnt er sein Studium von Chemie, Biologie und Physik in Marburg, das er 1924 bis 1927 in Göttingen fortsetzt. Dort habe er seinen eigentlichen Lehrer Adolf Windaus getroffen, berichtet Butenandt später: Windaus habe in ihm den Wunsch geweckt, selbst zu forschen, „die Geheimnisse des Lebens und die Methoden der Chemie zu ergründen“.

1927 promoviert er bei Windaus mit einer biochemischen Arbeit über das Rotenon: „Über die chemische Konstitution des Rotenons, des physiologisch wirksamen Bestandteiles der Derris elliptica“. 1927 isolierte Butenandt als Assistent bei Windaus aus Schwangerenharn das für die weibliche Geschlechtsentwicklung wichtige Hormon Östrogen in reiner, kristalliner Form und konnte dessen chemische Konstitution ermitteln nach 1090 Parallelversuchen.

Butenandts wissenschaftliche Arbeiten liegen hauptsächlich auf dem Gebiet der Steroidhormone, auf dem er einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der chemischen Struktur der Sexualhormone geleistet hat. In den zwanziger und dreißiger Jahren sind er und seine Mitarbeiter entscheidend an der Isolierung und Konstitutionsermittlung der weiblichen und männlichen Sexualhormone beteiligt gewesen.

1931 habilitiert er sich in Göttingen und wird bis 1933 Privatdozent für organische Chemie in Göttingen. Dann wechselt er an die TU Danzig, wo es ihm zusätzlich gelingt, das männliche Sexualhormon Testosteron in kristalliner Form sowie das für die Schwangerschaft wichtige Progesteron zu isolieren, das die Gebärmutter für die Eiaufnahme nach der Befruchtung vorbereitet und schwangerschaftserhaltend wirkt. Nur acht Jahre später, im Jahr 1939, kann Butenandt das Schwangerschaftshormon Progesteron aus Cholesterin künstlich herstellen.

Sammlung von Hormonpräparat-Packungen der Schering AG Berlin: Präparate Butenandts.

Butenandts Arbeiten auf dem Gebiet der Geschlechtshormone bilden die Voraussetzung für die Entwicklung der Anti-Baby-Pille und schaffen die Basis für die Herstellung des Nebennierenrindenhormons Cortison in großen Mengen.

1936 wird Butenandt zum Direktor des Kaiser-Wilhelm-Institutes für Biochemie in Berlin-Dahlem berufen. Die Auszeichnung durch den Nobelpreis muss er auf Geheiß der Nationalsozialisten ablehnen. Seit 1938 ist er korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Erst 1949 kann er Medaille und Urkunde entgegennehmen – das Preisgeld ist inzwischen verfallen.

1944 war Butenandts Institut nach Tübingen verlegt worden, wo er 1946 Ordinarius für Physiologische Chemie wird. 1953 wechselt er nach München, wo er drei Jahre später die Leitung des Max-Planck-Institutes für Biochemie übernimmt. 1954 gelingt ihm die Isolierung und Kristallisation des Verpuppungs- und Häutungshormons des Seidenspinners. 1959 stellt er erstmals den Sexuallockstoff des Seidenspinners in reiner Form dar und erklärt den chemischen Aufbau. Damit legt er die Basis für die Entwicklung von Methoden der biologischen Schädlingsbekämpfung. Es folgen Arbeiten zur Virusforschung, zur Biochemie des Krebses, Untersuchungen zur Genwirkkette anhand der Augenpigmentbildung bei Insekten.

Von 1960 bis 1970 ist Butenandt Nachfolger Otto Hahns als Präsident der Max-Planck-Gesellschaft. In dieser Zeit werden zwölf neue Institute gegründet. 1972 ernennt ihn die Gesellschaft zum Ehrenpräsidenten auf Lebenszeit. Am 18. Januar 1995 stirbt Adolf Butenandt in München.


Literatur

Stein, Ilse: Basis für Anti-Baby-Pille, Göttinger Tageblatt, 7. August 2002.