Akademie Waldschlösschen

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Waldschlösschen.

Das "Waldschlösschen" liegt zwischen Reinhausen und Bremke in einem großen Waldgebiet. Foto: Christina Hinzmann (Ausschnitt).

Geographie und Geschichte

Das "Waldschlösschen" wurde 1904 von Heinrich Fascher als "Kurhotel Waldschlösschen" errichtet. Der anfängliche Erfolg des neuen Ziels für Göttinger und Eichsfelder Ausflügler hielt jedoch nicht lange an. Und die unüberwindbare Grenzziehung nach dem Zweiten Weltkrieg, die die Verbindung zwischen Göttingen und Heiligenstadt unterbrach, beschleunigte den Niedergang. Nach zeitweiligem Leerstand sicherte dem Haus die 1981 gegründete heutige Akademie Waldschlösschen eine Zukunft. 1990 und 2008 wurde der denkmalgeschützte Altbau um zwei weitere Seminar- und Unterkunftshäuser ergänzt. So ist eine moderne und leistungsfähige Bildungseinrichtung entstanden, deren Träger seit 2003 die von ihren Gründern Dr. Rainer Marbach und Ulli Klaum errichtete Stiftung Akademie Waldschlösschen ist.

Die Akademie

Das Seminar- und Veranstaltungsspektrum der staatlich anerkannten Heimvolkshochschule ist breit gefächert. Es gibt Angebote zu den Arbeitsbereichen gesellschafliches Engagement und Selbsthilfe, Lebensgestaltung und Gesundheit, Wissen, Kunst und Sprache, Weiterbildung im beruflichen Kontext. Das Bildungsprogramm richtet sich an Interessierte aus allen Bevölkerungsgruppen; es erhält sein besonderes Profil durch Seminare für Schwule und Lesben, für HIV-positive Menschen und ihre Angehörigen sowie Fortbildungsveranstaltungen zum Themenbereich Aids und Gesellschaft. Auch berufsbegleitende Fortbildung zu anderen Themen (wie z.B. Arbeit mit Behinderten, Pädagogik, Führungskompetenz, Ernährung) vor allem für Menschen in sozialen Berufen und Intensivsprachkurse in verschiedenen Sprachen weist das Programm auf.

Jährlich besuchen etwa 3500 TeilnehmerInnen mit über 11000 Übernachtungen die Seminare der Bildungsstätte, die neben dem Baudenkmal "Waldschlösschen" über zwei weitere Gästehäuser mit insgesamt 52 Zimmern verfügt.

Im Jahr 2009 werden rund 180 Seminare, Fortbildungen, Veranstaltungen und themenbezogene Treffen angeboten.

Neuerungen

Ende 2008 wurde ein drittes Gästehaus mit 20 Zimmern und einem zusätzlichen Seminarsaal in Betrieb genommen, so dass auch größere Seminare durchgeführt werden können.

Renovierungsarbeiten

In ihrem 30. Jahr wird die Akademie Waldschlösschen bei Bremke noch einmal renoviert und erweitert. 650 000 Euro investiert die Heimvolkshochschule zurzeit in 27 Einzelmaßnahmen in ihrem Altbau. Die Fassade wird saniert – jetzt mit rotem Fachwerk und grauen Gefachen.

Es entstehen zwei neue Seminarräume an der Ostflanke. Der Speisesaal wird vergrößert, die Küche modernisiert. Das Gebäude wird zusätzlich gedämmt, das Blockheizkraftwerk optimiert und der Keller saniert.

30 Jahre permanenter Ausbau und Umbau – „jetzt haben wir endlich alles abgeschlossen“, sagt Rainer Marbach, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes der Einrichtung. Das Haus sei optimal aufgestellt, Zimmer, Versorgung und Kursangebote stünden in einem optimalen Verhältnis. Weitere Anbauten seien „wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll“.

Zu den frühen Gründer- und Aufbaujahren (ab 1981) inklusive eines neuen Gästehauses (1990) im hinteren Grundstücksbereich hat Marbach keine Summen parat. 2002 aber hat die Bildungsstätte 750 000 Euro für moderne Zimmer und erste Sanierungsarbeiten im Altbau investiert, 2008 dann noch einmal 850 000 Euro für ein großes Gästehaus mit 20 Zimmern und großem Seminarraum. Das aktuelle Projekt (650 000 Euro) werde zur Hälfte aus dem europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert, so Marbach, im Rahmen der offenen Hochschule Niedersachsen. Denn die Heimvolkshochschule kooperiert mit der Uni Oldenburg.

„Die zweite Hälfte bringen wir ohne Kredite auf“, sagt Marbach. Die erforderlichen Gästezahlen und Einnahmen dafür seien gegeben. Die Akademie habe im vergangenen Jahr 259 Mehrtagesseminare mit 5167 Teilnehmern organisiert. Ihnen stehen inzwischen 52 Gästezimmer und 73 Betten zur Verfügung.

Eine Initiative mit Ehrenamtlichen hatte die Bildungseinrichtung vor 30 Jahren in dem früheren Hotel und Ausflugslokal im Reinhäuser Wald gegründet – und das marode Schlösschen auf Vordermann gebracht. Mit der Aids-Krise 1984 entwickelte sich der neue und bis heute prägende Schwerpunkt der Einrichtung heraus: Hier vernetzen sich Aids-Hilfen inklusive Aus- und Fortbildungen zur Beratung, Betreuung und anderer Themenbereiche, so Marbach. Und hier gründete sich 1986 auch der Bundesverband der Deutschen Aids-Hilfe.

1999 wurde die Seminareinrichtung staatlich anerkannte Heimvolkshochschule nach dem niedersächsischen Erwachsenenbildungsgesetz. 2003 gründete sich die gemeinnützige Stiftung Akademie Waldschlösschen – sie verwaltet die Immobilien und ist Träger der Einrichtung. Ihr Seminarangebot reicht von Hilfen zur Selbsthilfe über Gesundheit, Kunst und Sprache bis zur beruflichen Weiterbildung. Seminare zur schwulen, lesbischen und queeren Lebensweisen bilden ein besonderes Profil. Dies reicht inzwischen über die Landesgrenzen hinaus: Im September ist eine Tagung zum Thema „Out in Europe – Reflekting sexual biographies“ geplant – mit Teilnehmern aus elf EU-Staaten.

Mit einem Sonntagscafé will das Waldschlösschen-Team das Haus und sein Veranstaltungsprogramm vorstellen. Das Café und alle Bereiche sind am Sonntag, 28. August, von 15.30 bis 18 Uhr geöffnet.

Quelle: Göttinger Tageblatt, 26. August 2011, S.12.

Kooperation

Die Akedemie Waldschlösschen kooperiert jetzt eng mit der noch jungen Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Über erste Programmpunkte in diesem Jahr hinaus sind nach Angaben der Akademie für 2014 bereits 30 Fortbildungsveranstaltungen über eine zusätzlichen Stiftungsakademie geplant.

Dazu gehöre auch ein Projekt mit dem Titel „Fußball für Vielfalt“ für Funktionäre und Multiplikatoren. Es wurde nach der Berliner Erklärung „Gemeinsam gegen Homophobie. Für Vielfalt, Respekt und Akzeptanz im Sport“ initiiert.

Die Stiftung wurde im Oktober 2011 gegründet. Sie ist nach dem Arzt, Sexualforscher und Mitbegründer der deutschen Homosexuellenbewegung Magnus Hirschfeld benannt. Ihre Arbeit stützt sich auf drei Pfeiler: Forschung, Bildung und Erinnerung. Für den Bereich Forschung kooperiert die Stiftung mit verschiedenen Bildungsträgern.

Mit dem Waldschlösschen hat sie dafür einen mehrjährigen Vertrag abgeschlossen. Er sieht vor, dass die Akademie bei Bremke Fortbildungen und andere Projekte entwickelt – teilweise auf Anregung der Stiftung. Auf Antrag beteilige sich die Stiftung projektbezogen oder über Stipendiate auch finanziell, teilt das Waldschlösschen mit.

Noch in diesem Jahr gibt es neben anderen folgende Seminare: „Schwules Alter – neuere Forschungsergebnisse im Diskurs“ und eine Fachtagung zu „Konformitäten, Konfrontationen, Kompromisslosigkeiten - Homosexuelle in der DDR“.

Quelle: Artikel von Ulrich Schubert im Göttinger Tageblatt vom 17. August 2013.

Literatur

Rainer Marbach (Hg.), Waldschlösschen mittendrin. Ein Lesebuch, Hamburg 2006

Link

Akademie Waldschlösschenim Internet