Alter Gaußturm fällt Basalt-Tagebau zum Opfer

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Der alte Gaußturm von 1911 steht auf der Kippe

Als Dransfelds Verschönerungsverein den Gaußturm in den Jahren von 1909 bis 1911 errichten ließ, verwandten die Arbeiter als Baumaterial Basalt aus dem benachbarten Steinbruch. Das Vulkangestein ist für den Straßenbau hervorragend geeignet, für Hochbau dagegen weniger. Anders als Ziegel geht der harte Stein mit Mörtel keine feste Bindung ein. Schon nach einem Jahr gab es Klagen über Feuchtigkeit im Turm, berichtet der Dransfelder Pfarrer Giesecke in einem Aufsatz aus dem Jahr 1912. Die Standfestigkeit war dagegen wahrscheinlich allein durch das Gewicht der Steine gegebe. Das Basaltwerk hatte sich im Pachtvertrag von 1924 verpflichtet, „die Betriebseinrichtungen so anzulegen, dass eine Störung des Fremdenverkehrs nach dem Gaußturm vermieden wird.“ Mit den Jahren rückte die Abbaugrenze jedoch immer näher an den Turm heran. Während des Zweiten Weltkriegs hatte die Bezirksregierung noch eine weitere Ausdehnung des Steinbruchs in Richtung Turm verboten. Am Turm habe den Behörden damals mehr gelegen als am kriegswichtigen Basalt. Nach dem Krieg hätten dann andere Prioritäten gegolten. Gerhard Utecht, der bis 1962 im Basaltwerk als Schlosser gearbeitet hat, erinnert sich an diese Zeit: Die Sprengungen hätten bereits in den 50er Jahren zu Rissen am Turm geführt. Im Auftrag von Werksdirektor Klaus Koch hätten sie diese verfüllt. Die Fenster mussten mit Gittern gegen Steinschlag geschützt werden. Bei den täglichen Sprengungen regnete es Basaltbrocken.

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Standsicherheit gefährdet: Sprengungen beschädigten den alten Gaußturm.

Archivar Rehkop behauptet, dass das Unternehmen in den folgenden Jahren gezielt auf die Zerstörung des Turms hingearbeitet hätte. Der ehemalige CDU-Ratsherr Günther Zamponi meint dagegen, dass der Turm auf Sand gebaut gewesen sei. Der Sand hätte mit der Zeit unter dem Gewicht nachgegeben. Er sei durch den Basaltabbau in Bewegung geraten. Tatsache ist, dass der Turm zunehmend in Richtung des Steinbruchs kippte. Am Turm und in der Vorhalle entstanden Risse. Im Boden bildeten sich Spalten. 1961, 50 Jahre nach der Eröffnung, musste das Bauwerk wegen Einsturzgefahr gesperrt werden. Der Verschönerungsverein zog vor Gericht.

Die Stadt stellte sich auf die Seite des Basaltwerks, weil die Einnahmen aus der Pacht und der Gewerbesteuer einen großen Teil ihres Budgets ausmachten. Zudem sei die Firma ein wichtiger Arbeitgeber gewesen. Sie hätte gerade in schweren Jahren die Arbeitslosenquote niedrig gehalten. Viele Dransfelder hätten zumindest zeitweise auf dem Hohen Hagen Beschäftigung gefunden. Im Pachtvertrag von 1924 heißt es: „Bei der Einstellung von Arbeitskräften ist in erster Linie die Dransfelder Arbeiterschaft zu berücksichtigen.“ Basaltwerk-Direktor Klaus Koch junior, der seinen Vater als Geschäftsführer ablöste, wird als „dominanten Mann“, der „forsch“ auftrat, beschrieben. Einer seiner Lieblingssätze sei gewesen: „Sie hören von meinen Rechtsanwälten.“ Koch habe bewusst Grenzen überschritten und sei trotzdem vom Rat unterstützt worden. Als der Verein vor Gericht ging, sah die Stadt noch einmal ihre Unterlagen durch. Dabei stellte sich heraus, dass die Übereignung des Grundstücks von der Stadt auf den Verein Anfang des Jahrhunderts beim Grundbuchamt nicht angezeigt worden war. Kantor Karl Forthmann hatte 1908 nur das Katasteramt in Hann. Münden informiert, nicht aber die eigentlich zuständige Instanz, das Grundbuchamt.

Die Stadt machte beim Verein ihr Grundstück geltend und verpachtete es dem Basaltwerk. Das untersagte den Vereinsmitgliedern dann den Zutritt. Diese hielten sich nicht daran. Darauf drohte Direktor Koch dem Verein im Juni 1962 schriftlich: „Mit jedem weiteren Übertreten werden wir Strafantrag wegen Hausfriedensbruch stellen.“ Der alte Turm stürzte am 14. November 1963 ein. Zwischen Verschönerungsverein und Basaltwerk kam es vor dem Oberlandesgericht Celle schließlich zu einem Vergleich. Das Unternehmen verpflichtete sich, die Kosten für die Errichtung eines neuen Turms zu übernehmen. Die Vereinbarung ermöglichte die vom Werk angestrebte Ausweitung des Abbaugebiets. 1987 endete der Tagebau. Klaus Koch wurde im Dezember 1961 aus dem Verschönerungsverein ausgeschlossen. Der Unternehmer habe sich danach im Schützenverein und im Tennisclub finanziell engagiert. Koch wurde nach seinem Tod 1989 auf dem Dransfelder Friedhof beigesetzt. Seine Frau Irene, eine Bauerntochter aus Knutbühren, starb 2006. Die Grabsteine und die Einfassung sind aus Basalt. Auf dem Friedhof befindet sich die Grabstätte von Werksdirektor Koch senior und dessen Angehörigen.

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