Andrea Benarab-Rube

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Lust auf die Architektur der alten Lokhalle: Cinemaxx-Chefin Andrea Benarab-Rube.

Andrea Benarab-Rube ist Geschäfsfüherin im Cinemaxx, Göttingen.

„Die colagetränkten Teppiche kommen raus“

Andrea Benarab-Rube ist eine eloquente Frau. Jura hat sie studiert, doch für ihren derzeitigen Job war das kein Einstellungskriterium. Während des Studiums jobte sie in einem Kino, seit Februar ist die 41-Jährige Geschäftsführerin des Göttinger Cinemaxx. Benarab-Rube arbeitet gerne in ihrem Kino. „Ich komme mit Menschen zusammen, ich mache eine Kasse auf, ich arbeite auch mal bis zwei Uhr nachts“, erklärt sie. Vielseitig und abwechslungsreich sei ihr Job. Das Göttinger Haus zählt zu den ältesten in der Cinemaxx-Gruppe, Benarab-Rube kennt es schon lange. Mit dem Gesamtbetriebsrat, in den Benarab-Rube damals gewählt war, besuchte sie die Baustelle vor der Eröffnung des Lichtspielhauses hinter dem Bahnhof. „Was für eine tolle Architektur“, sei ihr damals aufgefallen. Dass von dem ursprünglichen Gebäude, einer Reparaturhalle für Lokomotiven, wieder mehr zu sehen ist, dazu soll eine Renovierung des Kinos beitragen, die für einige Wochen ab September geplant ist.

„Die colagetränkten Teppiche in den Sälen kommen raus“, erklärt die Theaterleiterin, stattdessen werde hochwertiges PVC verlegt. Und für das kommende Jahr sind weitere Veränderungen geplant. Eine überarbeitete Farbgestaltung, ein Hightech-Estrich, Flatscreens und Beamerflächen im Foyer, weiße Theken und viel weniger bunte Elemente: „Wir bekommen einen komplett neuen Look“, sagt die Chefin und freut sich sichtlich darauf. „Und dann sehen wir sie wieder, die Stahlträger, die Backsteinelemente, die Glasbausteine“, die nach den historischen Originalen für das Kino angefertigt worden waren.

Zur Eröffnung im Dezember 1996 hatte der damalige Betreiber Joachim Flebbe den Schauspieler Heiner Lauterbach beordert. „Ich wäre schon gerne ins Bett gegangen“, hatte der damals mürrisch zu Protokoll gegeben, „aber Herrn Flebbe hat es gefallen, dass ich komme“. Stars und Sternchen machten in den Jahren danach eher einen Bogen um Göttingen. Daran wird sich wohl auch unter der Leitung von Benarab-Rube wenig ändern. Während ihrer Zeit im Bielefelder Cinemaxx seien zum Besuch von Darstellern des Films „Wilde Kerle“ „1000 kreischende Mädchen gekommen. Wir mussten das Gelände von der Polizei absperren lassen“, berichtet sie. Und: „Die Sachen, die so hoch hängen, hängen so hoch, dass sie nicht nach Göttingen kommen – die anderen kommen für mich nicht infrage.“ Beispielsweise die Schlümpfe-Tour sei ihr angeboten worden, die habe sie aber abgelehnt.

Die Universitätsstadt wollte Flebbe mit der Eröffnung des Cinemaxx zur „Filmstadt Nummer eins in Deutschland“ machen, bezogen auf die Zahl der Kinositze umgerechnet auf die Zahl der Einwohner. Ein Jahr nach dem Start sollte es vollbracht sein. Sogar eine Wette mit fünfstelligem Einsatz bot er 1996 an. Heute gibt es neben dem Cinemaxx nur noch das Lumière und das Studentenkino in Göttingen. „Es ist nicht so, dass wir uns über die Schließung von Cinema und Stern freuen“, sagt Benarab-Rube. Und von deren Verschwinden sei im Cinemaxx nichts zu spüren gewesen.

Ein Sommerloch gebe es im Kino übrigens nicht mehr. Warum? „Das macht die Angst vor Internetpiraterie“, sagt Benarab-Rube. Laufen Filme im Ausland an, sollen sie umgehend auch in Deutschland starten. Das Angebot in Göttinger Cinemaxx hält sie für „breit gefächert“. Benarab-Rube: „Wir sind ein Erstverwertungshaus.“ Das dennoch nicht alle Filme zum Bundesstart auch in Göttingen anlaufen, begründet die Kinochefin mit der Zahl von nur neun Sälen. In Berlin, Hamburg und Hannover gibt es jeweils zwei Cinemaxx-Häuser, „die können alles zeigen“. und Benarab-Rube verspricht: „Die relevanten Filme gehen an Göttingen nicht vorbei.“