Andreas Christoph Beinhorn

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„Eisenbergisches Nachrichtsblatt“: Bericht vom 4. November 1828.

Andreas Christoph Beinhorn ist der letzte Einwohner Göttingens, der hingerichtet wurde, in dem sein Körper auf ein Rad geflochten wurde.

Mit Keulen zerschlagen, den Körper aufs Rad geflochten

Die „Praxis des Zerstoßens der Glieder mit eisernen Keulen“ wurde in Niedersachsen noch bis 1828 angewandt. Der freie Journalist Matthias Blazek hat darüber im Septemberheft 2010 der Zeitschrift für Regionale Forschung und Heimatpflege „Südniedersachsen“ einen Beitrag geschrieben. Das Göttinger Tageblatt druckt Auszüge dieses historisch spannenden Textes, der sich auch mit einer Hinrichtung in Göttingen beschäftigt, die am 10. Oktober 1828 stattgefunden hat. Dabei wurde der Groner Bürger Andreas Christoph Beinhorn wegen des Mordes an Vater und Schwester öffentlich hingerichtet.

Das letzte bekannte Beispiel dieser Hinrichtungsmethode im Hannöverschen datiert vom 10. Oktober 1828. Als Vergeltung für den aus Habsucht begangenen Mord an Vater und Schwester wurde Andreas Christoph Beinhorn aus Grone auf einer Kuhhaut zum Richtplatz geschleift und dort, auf dem Leineberg in Göttingen, öffentlich von unten auf gerädert – wie es in einem zeitgenössischen Flugblatt heißt – „mit Keulen zerschlagen und nachher sein Körper auf das Rad geflochten“ (wenn auch nur für einen Tag).

Andreas Christoph Beinhorn wurde am 18. Januar 1794 in Grone geboren. Er hatte Catharine Magdalene Kruse am 17. April 1825 in Reckershausen geheiratet und wurde in Göttingen bestattet. Der Vater, Andreas Friedrich Beinhorn, am 16. Juni 1758 zu Grone geboren, starb am 18. März 1827. Die Schwester, Mar. Charlotte Elisabeth Beinhorn, am 25. Oktober 1796 in Grone geboren, verlor am gleichen Tag in Grone ihr Leben wie ihr Vater.

Das „Eisenbergische Nachrichtsblatt“ berichtete am 4. November 1828 über die Hinrichtung: „Am 10. October wurde zu Göttingen auf dem von einigen Speculanten für die schaulustige Menge gegen ein Entrée von 6 Gr. mit Bühnen amphitheatralisch eingeschlossenen Richtplatze der Vater- und Schwestermörder Beinhorn aus Grone schrecklich hingerichtet. Hingestreckt auf einen kreuzähnlichen Holzblock wurden dem Verbrecher mittelst eiserner Keulen durch 12 Schläge die Knochen zerschmettert, und er dann auf ein etwa 20 Fuß von der Erde erhobenes Rad geflochten.“

Die bei dieser Hinrichtung gebrauchten schweren eisernen Keulen befanden sich nach den Worten von Oberappellationsrat a. D. Johann Carl Ludwig Nöldeke, der im Künstlerverein zu Celle am 4. und 11. November 1895 zum Thema „Die Kriminalrechtspflege in Celle, insbesondere im 16. und 17. Jahrhundert“ referiert hatte, im Städtisches Museum Göttingen. Ihr Verbleib ist dort heute allerdings unbekannt.

Eine Hausinschrift von 1828 am Hause des Schuhmachers Justus Christoph Beinhorn, Greittor 7 in Grone, ist heute noch sichtbar: „JUSTUS BEINHORN / CHRISTINA BEINHORN GB. ALRUTZ / 31. MAI 1828. Im Nachbarhaus, Greittor 9, soll sich nach Familieninformationen früher die Inschrift „FRIEDRICH BEINHORN / CHRISTINA BEINHORN GB. SCHLIEPER, den 11. August 1827.“ befunden haben. Das sind kleine Hinweise am Rande zu den schlimmen Ereignissen von 1827 und 1828, die die Familie und die Dorfbewohner stark erschüttert haben müssen.

Mit dem Erlass des hannoverschen Kriminalgesetzbuchs vom 8. August 1840 wurde das Rädern mit eisernen Keulen im Lande abgeschafft.