Asphaltwerk Deiderode

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Im interkommunalen Gewerbegebiet an der Autobahnabfahrt Deiderode ist ein Asphaltwerk geplant.

Ortsrat einig gegen Asphalt

So würde es aussehen: Asphaltmischwerk aus Heiligenstadt, am Computer versetzt nach Deiderode
© Montage: Alexander Jühne

Der Widerstand gegen ein geplantes Asphaltwerk im interkommunalen Gewerbegebiet an der Autobahnabfahrt Deiderode wächst. Einstimmig hat sich der Ortsrat Klein Schneen gegen ein solches Werk ausgesprochen. In einem vierseitigen Brief an alle Ratsmitglieder appelliert der Ortsrat an die Politik, gegen die Pläne zu stimmen.

Gundula Gundelach, eine von 70 Zuhörerinnen der Ortsratssitzung, betonte: „Wir werden sämtliche Schritte, die uns möglich sind, gegen den Plan gehen, weil wir Angst haben.“

In einer wiederum emotionalen Bürgerfragerunde wiederholten die Asphaltwerk-Gegner ihre Befürchtungen, teils auch mit unbelegten Unterstellungen. Dass allerdings bereits erste Vermessungstrupps auf der Fläche unterhalb der stillgelegten Deponie und der Müllfabrik (MBA) gesehen wurden, trug für sie nicht zur Vertrauensbildung bei.

Erstmals sagte auch ein ehemaliger Anlieger der Anlage, die in Heiligenstadt steht und umgesetzt werden soll, über die von ihm erlebten Belastungen aus. Wolfgang Meier-Andres, inzwischen in Niedernjesa wohnend, sprach von „Braunkohlegestank“, der in einer „Rauchfahne von zwei, drei Kilometern“ wahrzunehmen sei.

In der Bauausschusssitzung, die heute, 18 Uhr, im Sporthaus Klein Schneen stattfindet, sollen Vertreter des Investors zu den Plänen vortragen.

Quelle: Andreas Fuhrmann, Göttinger Tageblatt, 18.02.2010

Asphaltwerk darf doch in reines Gewerbegebiet

Turbulent ging es zu, als sich der Bauausschuss mit den Asphaltwerk-Plänen befasste. Unzählige Anfragen von Gegnern des Projekts gab es – die Antworten der Vertreter des Investors, Firma Papenburg, wurden von ihnen nicht alle akzeptiert.

Neue Fakten sind diese: Das Mischwerk kann entgegen ersten Einschätzungen doch im interkommunalen Gewerbegebiet genehmigt werden, ohne Teile davon als Industriegebiet auszuweisen. Das gilt auch für die geplante Baustoffbrechanlage und ein Bitumenlager. Die Zweifel an der Summe der Arbeitsplätze beantwortete ein Firmenvertreter mit Zahlen: sieben bis acht Kräfte für das Mischwerk, 22 betriebszugehörige Kraftfahrer für die 19 Lastwagen, 30 bis 40 Kräfte für den Tiefbaubetrieb. Wie viele davon aus Heiligenstadt mitkommen, wo das Werk in dieser Personalstärke derzeit arbeitet, sei noch nicht zu sagen.

Gutachten über Schall und Luftschadstoffe werden erst am 9. März im Zuge der Öffentlichkeitsbeteiligung vorgelegt

Quelle: Göttinger Tageblatt, 20.02.2010

Mehr als 900 Unterschriften gegen Asphaltwerk

Der Plan, ein Asphaltmischwerk an der Autobahn 38 bei Deiderode anzusiedeln, stößt weiterhin auf massive Kritik in den umliegenden Orten. 836 Protest-Unterschriften wurden jetzt von Gegnern des Vorhabens während einer Informationsveranstaltung an den Vorsitzenden des Friedländer Gemeinderates, Lothar Zeuner (SPD), übergeben. Mittlerweile gibt es 100 weitere.

Rund 130 Besucher wurden während der sogenannten frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung in Klein Schneen von Verwaltung und Planungsbüro Lange/Puche über den Stand der Planungen unterrichtet. Die GP Baustoffe Thüringen GmbH, eine Tochter des norddeutschen Bau- und Baustoffunternehmens GP Günter Papenburg AG, möchte ihr Asphaltmischwerk in Heiligenstadt abbauen und im interkommunalen Gewerbegebiet Rosdorf-Friedland ansiedeln. Zur Spedition GP-Tochter gehören auch 18 Sattelzugkipper. Geheizt werden soll mit Braunkohlestaub, der, unter Gefahrgut eingestuft, derzeit nicht durch den A-38-Tunnel transportiert werden darf.

In den umliegenden Orten gibt es die Sorge, dass nicht nur das Mischwerk zu Staub-, Verkehrs- und weiteren Geruchsbelastungen führen würde, sondern dass es auch der Einstieg für weitere Industrieansiedlungen sein könnte. Im Gewerbegebiet Friedland-Rosdorf wäre es die erste Ansiedlung, ein möglicher „Anker für die weitere Entwicklung“, so die Friedländer Gemeindeverwaltung, Die Firma sucht ein „langfristiges Engagement“ und plant zunächst mit einer Fläche von 27 000 Quadratmetern, spätere Erweiterung nicht ausgeschlossen. Beantragt werden soll ein 24-Stunden-Betrieb, um auch in frühen Morgenstunden Baustellen beliefern zu können. Zu Hauptzeiten wird mit 20 Lastwagen je Stunde gerechnet.

Eine rechtliche Bewertung, die er dem Rat vorlegen müsse, sei eine Sache, die politische Bewertung eine andere, sagte Bürgermeister Andreas Friedrichs (SPD). „Noch gibt es keine Entscheidung.“ Viele Fragen seien noch offen.

Im Dezember hatte der Rat mit großer Mehrheit einen Aufstellungsbeschluss für den Vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Auf dem Mittelberge“ gefasst. Mit Entwurf und Stellungnahmen befasst sich am 15. April der Bauausschuss, am 29. April der Rat. Für den Bau eines Mischwerkes ist neben einem gültigen Bebauungsplan auch eine Genehmigung durch das Gewerbeaufsichtsamt nötig.

Einstimmig sprach sich bereits der Ortsrat Klein Schneen gegen ein solches Werk aus, ebenso Mollenfelde und der Ortsrat Deiderode, der sich gegen „jedwede industrielle Ansiedlung“ wendet. „Wir fordern Sie und den Rat der Gemeinde Friedland daher auf, die Zustimmung zur geplanten Ansiedlung zu verweigern“, heißt es in einem Schreiben an Bürgermeister Friedrichs.

Quelle: Göttinger Tageblatt, 13.03.2010