Berggasthaus zu Füßen des Gaußturms

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Otto Hahn kehrt in Bühres Ausflugslokal ein

Berggasthaus auf dem Hohen Hagen.

Die Menschenmengen, die nach Eröffnung des Gaußturms 1911 auf den Hohen Hagen gestürmt sind, waren riesig. Der einfache Schankbetrieb im Erfrischungszimmer des Turms vermochte sie nicht zu bewältigen. Dransfelds Stadtarchivar Friedrich Rehkop nennt dazu Zahlen: „Die Eisenbahn verkaufte 1912 auf der Strecke zwischen Göttingen und Dransfeld 8600 Fahrkarten mehr als 1911, auf der Strecke zwischen Münden und Dransfeld waren es 500 Karten zusätzlich, zwischen Dransfeld und Kassel 740.“ Vom Bahnhof in der Stadt aus wanderten Familien hinauf auf den Berg. Um die Ausflügler angemessen zu bewirten, entstand 1912 in Sichtweite des Turms das „Berggasthaus Zum Hohen Hagen“. Erster Wirt war Wilhlem Bühre senior, ein Maurer und Metzger, der zuvor als Bruchmeister im Steinbruch gearbeitet hatte. 1951 übernahm sein jüngster Sohn, der Elektroingenieur Wilhelm Bühre junior, die Leitung. Das Berggasthaus entwickelte sich zu einem beliebten Ausflugziel in der Region. Für die Kinder gab es eine besondere Aufgabe. Der Gasthof bewahrte den riesigen Schlüssel zum alten Gaußturm auf. Die Kinder durften ihn vom Lokal zum Turm tragen. Von einer anderen Attraktion berichtet die Tochter von Bühre junior, Christa Hellkötter, die seit 1960 in Dortmund lebt. Ihre Mutter, die aus der Jühnder Bäcker-Familie Kramer stammt, backte zahllose Bleche mit Schmand- und Zuckerkuchen. Von den riesigen Windbeuteln mit der leckeren Sahnefüllung schwärmt der Dransfelder Günter Grischke noch heute. Mit Windbeuteln ließ sich der kleine Grischke in den 50er Jahren dafür belohnen, dass er seine Eltern beim sonntäglichen Pflicht-Spaziergang zum Hohen Hagen begleitete. Dazu bekam er einen „Luwi“, eine Zitronenlimonade vom Hann. Mündener Getränkelieferanten Louis Winkelmann, serviert. Zu den berühmten Gästen des Berggasthauses gehörte der Physiker Otto Hahn. Sozialdemokrat Arno Hennig, der ab 1949 Göttingen im Bundestag vertrat und von 1953 bis 1959 hessischer Minister für Erziehung und Volksbildung war, wohnte sogar einige Zeit im Berggasthaus. Gerhard Utecht, der von 1948 bis 1962 im Basaltwerk arbeitete, sah oft Heinz Hilpert vom Deutschen Theater in Göttingen mit Schauspielerinnen im Berggasthaus sitzen. Um Gästen etwas zu bieten, legte sich Wirt als einer der ersten in Dransfeld einen Fernseher zu. 1954 zum Endspiel der Fußballweltmeisterschaft drängten sich hunderte Menschen um das große Gerät. Bis heute sind vielen Dransfeldern die Tanzvergnügen in Erinnerung geblieben, die das Gasthaus an Feiertagen ausrichtete. Günther Zamponi gehört zu jenen, die dort die Frau ihres Lebens kennenlernten. Die schummrigen Nischen des Lokals waren ideal für Rendezvous. Auch viele Jäger kehrten im Gasthof ein. Auf der Speisekarte standen Wildschwein- und Rehgerichte. Populär war das Lokal auch bei Göttinger Verbindungsstudenten. Es gab jährliche Sonnwendfeiern.

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