Besamungsgenossenschaft Göttingen

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Das Kraftpaket bringt 200 Kilogramm auf die Waage: Johannes Graefe mit einem der 50 Göttinger Deck-Eber.

Porträt im Göttinger Tageblatt

Mit einem Stöckchen in der Hand dirigiert Johannes Graefe, Geschäftsführer der Besamungsgenossenschaft Göttingen, den Eber durch den Mittelgang des geräumigen Stalls. Dem 200 Kilogramm schweren Tier tropft der Schaum aus dem Maul. „Lassen Sie den Eber nicht zu dicht an sich herankommen“, rät Graefe.

Das Schwein sei zwar in Spielstimmung, aber mit einer unbedachten Bewegung des hauerbewehrten Kopfes könne es einem das Bein auf ganzer Höhe aufschlitzen. Habe der Allesfresser Blut geleckt, sei er kaum zu halten. Schwer zu bremsen ist der Eber auch dann, wenn er das sogenannte Phantom erblickt. Pro Decksprung gewinnt die Genossenschaft Sperma für 30 künstliche Befruchtungen. Insgesamt stehen im Stall im Burckhardtweg 2 rund 50 Tiere. Neugierig springen die Eber an den massiven Stalltüren empor, um das Geschehen auf dem Mittelgang zu verfolgen. Mit wachem Blick schauen die mächtigen Tiere den Besucher auf einer Augenhöhe an.

Sau zum Decken durchs Dorf getrieben

„Früher hat der Bauer die Sau zum Decken durchs Dorf getrieben“, berichtet Graefe. Weil es dabei zu Deckinfektionen (Geschlechtskrankheiten) gekommen sei, hätten sich die Landwirte für die künstliche Befruchtung entschieden. „1951 gründeten sie die Besamungsgenossenschaft“, weiß der Geschäftsführer. Das Unternehmen beliefere heute 300 Bauern mit Sperma und notwendigen Gerätschaften. Zudem biete es fachliche Beratung bei Fruchtbarkeitsproblemen. Die Zahl der Mitglieder beläuft sich auf 3800 Personen. Das lässt den Strukturwandel in der Tierhaltung erahnen. „Als ich vor elf Jahren mein Studium beendete, hatten Ferkelerzeuger durchschnittlich 60 Sauen, heute sind es 150 Tiere“, erzählt Graefe. Wer gegenwärtig einen Stall errichte, baue für 400 Sauen und halte sich die Option offen, die Tierzahl durch einen Anbau zu verdoppeln. Im nahen Nordhausen gebe es einen Betrieb mit 6000 Tieren. Ein Grund für die zunehmende Massentierhaltung seien immer neue Auflagen des Gesetzgebers. So müssten ab 2013 Sauen in Gruppen gehalten werden, was größere Ställe notwendig mache. Dann würden im Eichsfeld eine ganze Reihe kleiner Betriebe aufgeben.

Genossenschaft liefert auch Bullen-Sperma

Die Genossenschaft liefert auch Bullen-Sperma. Bis 2009 hatte das Unternehmen zwei, drei eigene Stiere im Stall stehen. „Das waren zwei Meter hohe Tiere mit ungeheurer Kraft“, erinnert sich Graefe. Sie seien am Nasenring zum Decken geführt worden. Pro Sprung hätten sie 300 Portionen für die künstliche Befruchtung geliefert. Aus wirtschaftlichen Gründen bezöge die Genossenschaft das Sperna heute gefroren. Es wird in einem eigenen Raum in flüssigem Stickstoff gelagert. Die Kunden sitzen zwischen Staufenberg im Süden und Hannover im Norden. Das Unternehmen beliefert auch Randgebiete in Thüringen. Graefe, der in Göttingen eine Fünftelstelle hat, arbeitet im Hauptberuf als landwirtschaftlicher Berater. Zudem gibt es zwei Halbtagskräfte im Büro. Um die Haltung der Eber kümmert sich die Universität Göttingen. Die Genossenschaft nutzt Räume des Tierärztlichen Instituts der Hochschule, mit dem es auch sonst kooperiert.