Biermösl Blosn

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Die Freude junger Elche: „Biermösl Blosn“, alias Christoph, Hans und Michael Well mit Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (von links).

Die oberbayerische Gruppe „Biermösl Blosn“ wurde 2008 mit dem Satirepreis Göttinger Elch ausgezeichnet.

Dieser Elch-Bestand blüht, wächst und gedeiht prächtig

Wenn die Population einer bedrohten Spezies deutlich anwächst, müssen die Begleitumstände besonders gut sein: Am Sonnabend wuchs der Bestand der „Göttinger Elche“ gleich um drei stattliche bayerische Vertreter an – der Göttinger Satirepreis 2008 für die „Anerkennung eines Lebenswerkes und/ oder eine Mulitibegabung satirischer Provenienz“ ging an Hans, Christoph und Michael Well alias die „Biermösl Blosn“. Bei der Verleihung anwesend waren die „Alt-Elche“ Harry Rowohlt, Marie Marcks, F.W. Bernstein, Hans Traxler und Ernst Kahl.

Während draußen Alt-Elch Harry Rowohlt noch rauchend über den Alten Markt schlenderte, füllte sich schon frühzeitig das Alte Rathaus mit Besuchern der Elchpreis-Verleihung. Drinnen flimmerte vorab eine ältere TV-Dokumentation („Göttingen, Stadt die Wissen schafft“!) über die Preisträger dieses Abends, die „Biermösl Blosn“ auf einer Leinwand. Könnte man den Namen der diesjährigen Elchpreis-Träger aus Oberbayern ins Hochdeutsche übersetzen, so käme wohl so etwas wie die „Beerenmoos Bande“ heraus. In etwa.

In ihrer Heimat schon kultisch zu nennender Verehrung ausgesetzt, sind die drei Brüder Hans, Christoph und Michael Well, die seit 1976 zusammen auftreten, im Außerbayerischen nur wenigen bekannt. Ihre Musik ist unverkennbar bairisch und in klarer Opposition zu allem Volkstümelnden, dabei tatsächlich traditionell, auch in ihrer geerdeten, frechen und frischen Art: „Mit einer musikalischen Virtuosität ohnegleichen, verwurzelt im Dialekt ihrer oberbayerischen Heimat und ausgerüstet mit der selbstverständlichen Aufmüpfigkeit wacher Zeitgenossen, knüpfen Christoph, Hans und Michael Well an die fast vergessene Überlieferung des respektlosen, derben und aktuelle Missstände attackierenden Volkslieds an und führen es zu neuen Höhen“, urteilte denn auch die Elch-Jury.

Zuviel Bajuwarisches für den Elch 2007, Ernst Kahl? Noch vor der Laudatio von Alt-Elch Hans Traxler sah er sich genötigt „mal dagegenzuhalten, damit das Süddeutsche nicht zu starke Präsenz bekommt“ und brachte in schönstem Platt eine Liebeserklärung an seine Heimat Schleswig-Holstein.

Nach Kahl auftreten zu müssen sei natürlich „Höchststrafe“ sagte Alt-Elch und Laudator Hans Traxler: „Doch egal, es muss gelobt werden.“ Und das tat der mit den Well-Brüdern befreundete Zeichner und „Titanic“-Mitbegründer dann vor allem, in dem er das Werk der Blosn in den Kontext der politisch-gesellschaftlichen Eigenheiten ihrer Heimat stellte – diesem kleinen Land „voller Hirten und Wirte“, in dem die CSU Wahlergebnisse erreicht, wie sie in Diktaturen wie Nordkorea nicht denkbar seien. Doch sei die Zusammenarbeit seinerzeit zwischen Stoiber und der Biermösl Blosn „reibungslos“ gewesen, dessen Nachfolger Huber und Beckstein aber „zu klein, zu blass und zu wenig humortauglich“ gewesen, sinnierte Traxler: Klar, dass sie deswegen weg mussten – „da hängen Arbeitsplätze dran“. Und in diesem Zusammenhang müsse auch der TV-Auftritt von Hans Well, dem „bayerischen Mastermind“ und „Königsmörder“, verstanden werden, bei dem dieser schon am Abend der Wahl andeutete, dass beide bald „wegstoibern“ würden. Zu spekulativ? „Sie kennen Bayern nicht“, sagte Traxler. Die Biermösl Blosn sei musikalisch, politisch-humoristisch Spitze. Und der Elch-Preis die einzige Chance, sie nach Göttingen zu locken. Eines ihrer Konzerte zu erleben, sei ein seltener Glücksfall, versicherte der Laudator.

Ein Bundesverdienstkreuz hätten sie nie genommen, scherzte Hans Well bei der Preisverleihung durch Göttingens Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) und Rainer Hald, dem Vorstandsvorsitzenden der Göttinger Sparkasse (die unter anderem das Preisgeld in Höhe von 3333,33 Euro zur Verfügung gestellt hatte). Neben Barem erhielten die Jung-Elche zudem echt-silberne Elch-Broschen und 99 Dosen feinster Elchrahm-Suppe – diese zumindest wollten sie aber mit ihren zwölft Geschwistern teilen, versprachen die Wells später.

In ihren Texten alles andere als zurückhaltend, gaben sich die neuen Elche aber erst einmal bescheiden: „Wir sind es nicht gewohnt, gelobt zu werden, weil wir so viele Geschwister haben“, sagte Hans Well. „Hochachtung und Respekt“ empfänden sie zudem für die fünf Alt-Elche, die dort vor der Bühne sitzen.

Das letzte mal seien sie wohl vor zwölf Jahren mit ihrem Freund und Mit-Elch Gerhard Polt im Apex aufgetreten, sagte Michael Well nach ihren anschließenden, umjubelten Auftritt, bei dem gar drei Alphörner zum Einsatz kamen. Es sei schön zu sehen, wie sehr sich die Stadt mit dem Preis identifiziere, wie freundlich sie aufgenommen worden seien. – Vergangenes Wochenende die Bayern-Wahl, dieses der Elch-Preis: Was kommt als Nächstes? „Ganz ehrlich?“ Michael Well lacht: „Seehofer!“