Bildnisse der Familie von Bobers von Carl Oesterley im Städtischen Museum

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Im Januar 1980 wurde die Gemäldesammlung des Städtischen Museums um eine bedeutende Stiftung erweitert. Eine in Schweden lebende Nachfahrin der ehemals in Göttingen ansässigen Familie von Bobers überließ dem Museum sieben Bildnisse aus der genannten Familie von der Hand des Göttinger Malers Carl Wilhelm Oesterley (1805-1891).

Das erste der Bilder ist das Portrait des damaligen Geheimen Justizrats Friedrich Carl von Bobers, dass im Jahr 1839 gemalt wurde.

Friedrich Carl von Bobers wurde am 8. November 1799 in Hannover geboren. Zur Zeit des Bildnisses war er 40 Jahre alt. Sein Vater, Kanzleisekretär in Hannover, ließ ihn Rechte Studieren. Im Jahre 1820 wurde Friedrich Carl Bobers zum Auditor ernannt und war in dieser Eigenschaft in Stade und Northeim tätig. 1824 wurde er Assessor (Beisitzer, Gehilfe im Amt). Im Jahre 1825 wurde er Justizrat in Stade. Zum 29. Oktober 1832 wurde er nach Göttingen versetzt, wo er am 16. Juni 1833 in St. Jacobi die einzige Tochter des Professors der Philosophie der Georg-August-Universität Göttingen, Georg Sartorius Frh. von Waltershausen, Marianne Friederike Georgine Julie Sartorius Freiin von Waltershausen heiratete. 1852 wurde er zum Vizepräsidenten und fünf Jahre später, 1857, zum Gerichtspräsidenten ernannt. Schlussendlich führt er den Titel Obergerichtsdirektor. Am 5. November 1859 starb Friedrich Carl von Bobers an Tuberkulose.

In einem weiteren Bild findet man Friedrich Carl von Bobers wieder, aber diesmal zusammen mit seiner 1845 geborenen jüngsten Tochter Helene von Bobers. Das Bild entstand laut der Datierung 1850. Das dazugehörige Pendant (ein Pendant ist ein passendes Gegenstück) zeigt seine Ehefrau, Marianne, mit der 1840 geborenen Tochter Auguste von Bobers. Das Doppelbildnis ist weder signiert noch datiert, die unmittelbare formale und inhaltliche Bezogenheit macht es aber offenkundig, dass der Maler der Bilder beide von vornherein als Einheit betrachtet hat. Dadurch mag es für ihn ausgereicht haben Signatur und Datierung auf nur einem der zusammengehörigen Bilder anzubringen.

Die Signatur Oesterleys und das Datum 1850 befinden sich ebenfalls auf dem kleineren Bildniss der Marianne Louise von Bobers, der 1835 geborenen ältesten Tochter des Ehepaares von Bobers. Zugehörig zu dem Bild gibt es auch hier ein Gegenstück, welches den Sohn der Familie, Wilhelm Emil Wolfgang von Bobers, zeigt. Er wurde 1844 geboren.

Auffallend bei allen vier Bildern ist, dass die Kinder gemessen an ihren Geburtsdaten, wesentlich jünger aussehen als es das Datum der Bilder erwarten lässt. Es ist anzunehmen, dass Oesterley einige Jahre vorher mit der Ausführung begonnen und die gesamte Arbeit 1850 abgeschlossen hat. Ein Zitat aus Oesterleys Kassenbuch weißt darauf hin: „1848 die kleine Bobers“.

Das letzte Bild der Stiftung ist das Portrait der Marianne von Bobers in älteren Jahren. Laut dem Kassenbuch von Oesterley ist es 1873 gemalt worden und zeigt Marianne von Bobers in einem altern von 61 Jahren. Sie starb am 22. April 1897.

Carl Wilhelm Oesterley war der bedeutendste Künstler des 19. Jahrhunderts in Göttingen, Am 22. Juni 1805 wurde er als Sohn des Universitätsinspektors Georg Heinrich Oesterley und seiner Frau Christiane Oesterley in Göttingen geboren. Er besuchte das Gymnasium in Holzminden und immatrikulierte sich nach dem bestandenem Abitur 1822 an derGeorg-August-Universität Göttingen. Nach vier Semesterjahren erwarb Carl Oesterley schon 1824 in Kunstgeschichte. Um seine praktisch-künstlerische Ausbildung zu vervollständigen besuchte er die Akademie in Dresden. Im Jahre 1826, nach einem kurzen Besuch in Berlin, reiste er über München und Venedig nach Rom. Hier vermittelten ihm die Ansässigen Maler wichtige Anstöße für seine Arbeiten. Reisen nach Neapel und Perugia vervollständigten seine Kenntnisse Italiens und seiner Kunst. Seit dem Jahre 1828 hielt sich der Maler wieder in Göttingen auf. Carl Wilhelm Osterley habilitierte sich und wurde 1831 außerordentlicher und 1842 ordentlicher Professor für Kunstgeschichte an der Georg-August-Universität Göttingen. Neben dieser Universitätstätigkeit arbeitete er als Bildnismaler. Zudem malte er verschiedene religiöse und profane Historienbilder. 1845 wurde er zum „wirklichen Königlich Hannoverschen Hofmaler“ ernannt. Diese Ernennung verpflichtet ihn zehn Monate in Hannover zu leben und zu arbeiten. Bis zum Ende des Königreichs in Hannover wurde seine Arbeit von Portraitaufträgen aus den Kreisen des Hofes bestimmt. 1863 ließ er sich von seiner Professoren Tätikgeit in Göttingen entbinden. Nach dem Carl Wilhelm Oesterley in seinen letzten Lebensjahren kaum künstlerisch tätig war starb er am 29. April 1891 in Hannover.

Die sieben Bildnisse bedeuten in zweifacher Hinsicht eine Bereicherung für das Städtische Museum Göttingen: Sie können der bereits bestehenden Sammlung von Arbeiten Oesterleys als wichtige Beispiele hinzugefügt werden und sie geben Zeugnis von einer der wohlhabenderen Göttinger Familien, die Mitte des 19. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle in Göttingen gespielt hat.

Quelle: Göttinger Jahresblätter 1981