Billingshausen

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Billingshausen ist ein Ort in der Gemeinde Bovenden. Er erstreckt sich auf beiden Seiten des Rodebaches und wird begrenzt vom Nörtener Wald, den Lippbergen und dem Pleßforst.

Wirtschaftliche Schwerpunkte

Der Ort Billingshausen ist aus wirtschaftlicher Sicht stark landwirtschaftlich geprägt. Neben der Viehzucht und -haltung gewinnt die Pferdewirtschaft zunehmend an Bedeutung.

Personen und Organisationen

Kirche

Künftiger Ort für die normalen Gottesdienste der vereinten Gemeinde: die reformierte Kirche in Oberbillingshausen.
Soll durch eine Stiftung verwaltet werden: die lutherische Kirche in Unterbillingshausen.

Zu den Besonderheiten Billingshausens gehört es, dass die alteingesessenen Bewohner Oberbillingshausens evangelisch-reformiert sind, die Unterbillingshausens hingegen evangelisch-lutherisch. Nach jahrlangen Verhandlungen haben sich im Dezember 2009 Reformierte und Lutheraner zusmammen geschlossen.

Gemeindefusion in Billingshausen

Nach jahrelangen zähen Verhandlungen wird in Billingshausen nun ein gordischer Knoten durchschlagen: Die reformierte und die lutherische Gemeinde wollen dort nach dem Plesse-Modell zusammengehen. Damit wird ein historisches Kuriosum beseitigt: Nur wenige Minuten Fußweg voneinander entfernt liegen in dem kleinen Dorf die lutherische und die reformierte Kirche. Die Entstehung zweier Gemeinden hat historische Gründe. Oberbillingshausen gehörte zur Herrschaft Plesse, Unterbillingshausen befand sich in Hardenbergschem Besitz. Zunächst war die Pfarrkirche in Unterbillingshausen auch für Oberbillingshausen zuständig. Als in der Herrschaft Plesse das reformierte Bekenntnis eingeführt wurde, entwickelten sich die beiden Dörfer jedoch unterschiedlich. Erst durch die Gebietsreform 1973 wurden Ober- und Unterbillingshausen zur Ortschaft Billingshausen vereint – politisch. Kirchlich gibt es dagegen immer noch in Oberbillingshausen eine reformierte und in Unterbillingshausen eine lutherische Gemeinde. Doch das soll sich nun ab dem kommenden Jahr ändern. Dann wollen sich 110 Lutheraner und rund 330 Reformierte zur evangelischen Kirchengemeinde Billingshausen zusammenschließen. Die notwendigen Gremien auf beiden Seiten hätten der Fusion zugestimmt, so der Superintendent des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Leine-Solling, Heinz Behrends. Für ihn ist Unterbillingshausen eine Enklave, die von reformierten Gemeinden umgeben ist. Voraussetzung für die Fusion war, dass eine Lösung für den Friedhof der lutherischen Gemeinde gefunden wurde, den die reformierte Gemeinde nicht übernehmen wollte. Daher wird der Friedhof nun vom lutherischen Kirchenkreis verwaltet. Eine Lösung musste auch für die Nutzung der beiden Kirchen gefunden werden. Die 1739 entstandene Saalkirche der Reformierten soll künftig für das normale gottesdienstliche Leben genutzt werden, das von einem reformierten Pastor gestaltet wird. Die jüngere evangelische Kirche, die von 1889 bis 1902 aus Buntsandstein gebaut wurde, soll aber ebenfalls erhalten bleiben. Hierfür wurde eine Stiftung gegründet. Diese hat Pachteinnahmen aus Landbesitz, der von der lutherischen Kirchengemeinde an die Stiftung übergegangen ist. Diese soll mit den Einnahmen die Kirche unterhalten und zugleich mit Leben füllen, etwa durch die Veranstaltung von Konzerten. Zudem seien auch Hochzeiten oder Trauerfeiern für Beerdigungen auf dem lutherischen Friedhof möglich.Die Kirche sei saniert und werde nun eine Generation lang keine Kosten verursachen, so Behrends. Mindestens sechs Gottesdienste im Jahr sollen nach einem ausgehandelten Kompromiss in lutherischer Liturgie gefeiert werden. Für die Lutheraner gibt es im Prinzip eine Doppelmitgliedschaft: Sie behalten formell ihre Konfessionszugehörigkeit, gehören aber über die Gemeinde faktisch dem reformierten Synodalverband Plesse.

Geschichte

Billingshausen wurde erstmals 1262 in einer Urkunde erwähnt und gehört zu den wenigen Orten, die über zwei Wappen verfügen. Denn Unter- und Oberbillinshausen wurden erste bei der Gebietsreform 1973 vereint. Zur Spaltung kam es bereits 1305, 40 jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung des Dorfes: Oberbillingshausen gehörte zur Herrschaft der Plesse, Unterbillingshausen gelangte in Hardenbergischen Besitz.

Rundweg

Seit 1991 durchzieht der Billingshäuser Rundwanderweg die Feldmark.Im äußeren Ring ist man auf eimner Strecke von neun Kilometern unterwegs. An den verschiedenen Strecken sind Informationstafeln aufgebaut.

Dorferneuerung Billingshausen von 2010 bis 2014

Billingshausen soll von 2010 bis 2014 im Zuge der Dorferneuerung umgestaltet werden.

Dörfliche Charakterzüge gemeinsam herausarbeiten

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Es wuchsen zwei Ortschaften zu dem Gemeinwesen Billingshausen zusammen. Neben zwei Kirchen in Unter- und Oberbillingshausen gibt es deshalb zwei Ortszentren. Beide sollen im Zuge der Dorferneuerung umgestaltet werden. Mittel für Projekte gibt es nicht nur im öffentlichen Bereich. Auch private Hausbesitzer können mitmachen.

Rund 300 Seiten umfasst der Dorferneuerungsplan, den die Planer Hans Joachim Brudniok (Göttingen) und Thomas Fatscher (Lange-Puche, Northeim) unterstützt von einem Billingshäuser Arbeitskreis ausgearbeitet haben. Während einer gemeinsamen Sitzung des Bau- und Umweltausschuss des Flecken Bovenden sowie des Billingshäuser Ortsrates präsentierten Brudniok und Fatscher das bis ins Jahr 2014 reichende Vorhaben.

Rund 600 000 Euro stellt das Land in diesem Zeitraum zur Verfügung, 400 000 für Maßnahmen der Kommune, 200 000 für private Investitionen. 1,7 Millionen Euro müssten vom Flecken Bovenden und den Bauherren gegenfinanziert werden. Bei Bedarf, so Brudniok, könne der Topf aufgestockt werden. „Aber manche Gemeinden haben Probleme, ihren Eigenanteil aufzubringen.“ Durch das niedersächsische Dorferneuerungsprogramm werden in Billingshausen öffentliche und private Maßnahmen gefördert, die zur Dorfentwicklung beitragen. Der Zuschuss für öffentliche Projekte beträgt bis zu 50 Prozent, für private Maßnahmen etwa ein Drittel der Ausgaben, höchstens 25 000 Euro je Förderantrag. Die Entwicklungsziele im baulichen Bereich: Verbesserung der Lebensqualität, Wiederentdeckung der Dorfkerne als Wohn- und Arbeitsstandort unter Berücksichtigung der landwirtschaftlichen Strukturen. Die Identität der Dorfbereiche rund um die Zentren Am Rodebach und Am Thie soll erhalten und verstärkt werden.

Die Ortskerne, so Brudniok, zeichnteten sich durch Fachwerkbauten aus dem 19. Jahrhundert aus. Mehr als 40 seien erfasst. Einige ältere Häuser brächten es sogar auf ein Alter von mehr als 200 Jahren. Mithilfe der Dorferneuerung sei den Besitzern ortstypischer Bauten möglich, energetische mit äußerlichen Maßnahmen zur Förderung des einheitlichen Ortsbildes zu verbinden. „Etwa 13 Hausbesitzer haben schon Interesse angemeldet“. Wer im Zuge der Dorferneuerung einen Zuschuss beantragt, müsse sich bezüglich der Materialien und Standards an den Festlegungen des Dorferneuerungsplans orientieren. Das Verfahren bringe „einen Landschaftsplan für die Ortschaft“ mit sich, berichtete Planer Fatscher. Während Arbeitskreissitzungen und Ortsbegehungen hätten sich Plätze und andere Bereiche herauskristallisiert, deren Umgestaltung erwünscht sei. Daraus entstanden Skizzen, die bei der Planung herangezogen und überarbeitet werden können. Unter den Flächen sind die beiden sogenannten Dorfzentren. Im Bereich Am Rodebach sollen neben Sanierungsarbeiten am Dorfgemeinschafthaus, Kindergarten und Feuerwehrgerätehaus durch Pflasterung und Bepflanzung die Außenflächen aufgewertet werden. Ähnliches gilt für das Areal rund um den Thie, von den Planern „stille Mitte“ getauft. Gefördert werden im öffentlichen wie privaten Bereich Vorhaben zur Erhaltung des dörflichen, „ortbildprägenden“ Charakters:

• Umgestaltung von Grundmauern, Fassaden, Türen, Fenstern oder Dächern;

• Innenausbau, sofern er der Erhaltung des Gebäudes dient;

• Bau- und Erschließungsmaßnahmen zur Gestaltung des dörflichen Charakters wie die Verbesserung von Brunnen, Stützmauern, Zäunen sowie ortstypischen Bauwerken und Beleuchtungskörpern; Das Land fördert außerdem Projekte, die der Verbesserung des Wohnumfeldes und der Erschließung dienen:

• die Verbesserung des Wohnumfeldes durch den Ausbau oder die Gestaltung von Straßenräumen, Plätzen, Geh- und Radwegen sowie Hofanschlüssen;

• die naturnahe Gestaltung und Sanierung von Gewässern;

• die Gestaltung innerörtlicher Grünflächen;

• die „landschaftsgerechte“ Begrünung des Dorfes und seiner Umgebung;

• Maßnahmen zur Abwehr von Hochwassergefahren.

Dem Entwurf des Dorferneuerungsplans haben sowohl der Fachausschuss als auch der Ortsrat während der gemeinsamen Sitzung zugestimmt.

  • Quelle: "Dörfliche Charakterzüge gemeinsam herausarbeiten" von Katharina Klocke im Göttinger Tageblatt vom 4. Februar 2010.

Weblinks