Blutige Ostern am Hünstollen

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Blutige Ostern am Hünstollen

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Naturwald

Den Forstleuten von Ebergötzen und Bovenden ist bekannt, dass es im 16. und 17. Jahrhundert um den Forstort „Streitforst“ – daher der Name – gewalttätige Auseinandersetzungen, Schießereien und Tote gegeben hat. Die Streitforst liegt südöstlich unterhalb des Hünstollens zwischen diesem und den Wiesen des Weißwassertals. Dieser Forstort wurde von den (hessischen) Plessern als auch von den calenbergischen Welfen beansprucht. Grund und Boden gehörte offenbar zu Calenberg. Aus einer Abschrift der Familienchronik Heinrich Degenhardt aus Holzerode heißt es:

1578 wird Heinrich Diekmann, Förster des calenbergischen Amtes Harste, im Anschluss eines Holzeinschlags in der Streitforst, von dem plessischen Oberförster und etwa 20 Schützen in einer wilden Schießerei erschossen. Die Plesser gehörten damals zu Hessen. Diekmann wird am nächsten Tag gefunden, nach Weende gebracht und dort begraben. Angeklagt des Mordes erschien jedoch von den Plessern niemand zum Gerichtstermin am 26. Mai 1578 auf dem Leineberg bei Göttingen. 1580 fallen der plessische Oberförster Hans von Lauenstein (hessisch) und der (calenbergische) Förster Jobst Balzer aus Weende in einer weiteren wilden Schießerei in der Streitforst. Die calenbergischen aus Harste sind „Sieger geblieben.“

Wortwörtlich schreibt Heinrich Degenhardt in der Familienchronik dann weiter unter „Blutige Ostern am Hünstollen“:

„Fröhlich ließen auch die Bewohner der plessischen Dörfer ihre Äxte nicht ruhen noch rosten. Zum Osterfeuer, das nach alter Sitte vom Hünstollen weit ins Ausland (womit ein benachbartes Amt der Calenberger oder sonstige „Gerichte“ gemeint ist) leuchtete, musste die Streitforst tüchtig herhalten. Als der erste Ostertag 1615 sich langsam zu Ende neigte, gingen 14 junge Männer aus Holzerode, alle mit Beilen, 4 aber auch mit Büchsen versehen, in das Streitholz. Auf einmal stand ein Trupp Hannoveraner, geführt von 2 Hannoverschen Förstern, Andreas Fuchs und Christoph Brandes, vor ihnen. Einer von den Förstern fragte die Holzeröder, was sie hier auf fremdem Grund und Boden zu hauen hätten, und forderte sie auf, ein Pfand herzugeben. Da springt der verwegenste der Holzeröder auf den Förster zu, legt sein Gewehr an und brennt los. Schleunigst ergreifen die Hannoveraner die Flucht, verfolgt von dem Feuer der Plesser. Endlich machen die Fliehenden halt und setzen sich mit ihren Gewehren kräftig zur Wehr. Durch die Feiertagsstille des Waldes klingt das Geknalle der Büchsen wohl eine halbe Stunde lang. Plötzlich schreit einer von den Schützen aus Holzerode laut auf. Der aus Renshausen stammende Knecht von Lips Müller hat einen Schuss in den Leib erhalten. Man kann ihm im Augenblick nicht helfen. Weiter knallen die Gewehre und übertönen das Schreien des Verwundeten, der bald seinen Geist aushauchte. Plötzlich horchen die Hannoveraner auf. Von Holzerode und Spanbeck her klingt das aufgeregte Wimmern der Sturmglocken herüber. Es kann also nicht mehr lange dauern, dann rücken die Plesser in großen Scharen heran, um ihren bedrängten Brüdern zu Hilfe zu eilen. Dazu lassen es beide Förster freilich nicht erst kommen. Sie brechen vielmehr das Gefecht rechtzeitig ab und ziehen sich zurück. Die Männer von Holzerode begaben sich gleichfalls auf den Heimweg. Fröhlich waren sie ausgezogen, traurig mit einem Toten kehrten sie heim. Aus dem Sturmgeläut ist Trauergeläut geworden. An das Osterfeuer denkt jetzt kein Mensch mehr.“