Bodenfelder Bahn

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Vom Leinetal durch das Harste- und Schwülmetal, durch den Solling und Bramwald führt die 36,5 Kilometer lange Bundesbahnstrecke der Bodenfelder Bahn bis ins Wesertal. Sie war für Göttingen ein Teil einer Verkehrslinie nach Westen, für Adelebsen eine wichtige Wirtschaftsanbindung. In Bodenfelde bestand der Anschluss an die Hauptbahn Ottbergen – Nordhausen, in Göttingen an die Hauptbahn Kassel – Hannover. Die Baukosten beliefen sich auf 3,6 Millionen Reichsmark.

An einem Montag, den 15. August 1910, wurde die Bundesbahn-Nebenstrecke Göttingen – Bodenfelde eingeweiht. Bis dahin war es ein langer Weg: Bereits 1869 ergriffen Adelebser eine erste Initiative, um eine Streckenverbindung nach Göttingen zu erhalten. Adelebsen befand sich damals in einer Grenzlage zwischen dem ehemaligen Königreich Hannover und dem Kurfürstentum Hessen und war wirtschaftlich und verkehrspolitisch im Abseits. Aber erst 1904 gab der preußische Landtag grünes Licht zum Bau der Nebenstrecke.

Während viele Grundstückbesitzer durch Verkauf vom Bau der Bahnstrecke profitierten, musste die Gemeinde Erbsen mit damals 208 Einwohnern (Volkszählung 1905) 6000 Mark für den Bau aufbringen. Das waren 125 Mark pro Einwohner, was drei bis vier Monatsgehältern entsprach. Und Erbsen war der einzige Ort ohne direkten Bahnanschluss. Denn die Großbauern hatten hier nur Interesse an einem Güterumschlagplatz. Sie stellten Grundstücke zur Verfügung, die für ihre Transportbedürfnisse günstig lagen. Daraus resultierte die ungünstige Lage des Bahnhofs Lödingsen und die Verlagerung der Haltestelle nach Emmenhausen.

Nach all den Jahren des Kampfes um die Zugverbindung wurde die Bodenfelder Bahn eher sang- und klanglos eingeweiht: Von der „Casseler Eisenbahn-Direction“ wurden Feierlichkeiten als Geldvergeudung angesehen. So war der Frühzug um 4.39 Uhr ab Göttingen der erste auf der neuen Strecke – aber immerhin mit einem Kranz auf der Lokomotive. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 Kilometern pro Stunde dauerte die Fahrt 75 Minuten. Das Bahnhofssterben begann bereits in den 1960er Jahren: Offensen und Lödigsen verloren ihren Bahnhofstatus und wurden in Haltepunkte umgewandelt. 1973 wurde der Haltepunkt Eberhausen aufgegeben. Drei Jahre später wurde der Haltepunkt Weende geschlossen. Am 28. Mai 1988 wurde Lenglern mit Trauermusik und „Totengräbern“ mit schwarzem Zylinder geschlossen. Vor wenigen Jahren dann die Wende: Seit Sonntag, 11. Dezember 2005, halten wieder Züge in Lenglern.

Das Steckentempo der „Bodenfelder“ wurde trotz vielfältiger Ankündigungen nicht auf 80 Kilometern pro Stunde erhöht, aber seit Anfang dieses Jahres werden durchgreifende Modernisierungen in der Leit- und Sicherungstechnik durchgeführt. Die Bodenfelder Bahn fährt jetzt überwiegend in einem Ein-Stunden-Takt und ist nicht zuletzt für Tagesausflüge an die Weser oder nach Göttingen eine Alternative zum Auto. Denn in allen Zügen kann auch das Fahrrad mitgenommen werden.


100 Jahre Bodenfelder Bahn: Ausstellung in Adelebsen

Als der Bahnhof noch außerhalb des Ortes lag: Historische colorierte Aufnahme von Adelebsen

100 Jahre Bodenfelder Bahn – das ist der Anlass für eine kleine Sonderausstellung im Adelebser Steinarbeitermuseum zu diesem Thema.

Zu sehen gibt es in der Schau unter anderem Exponate wie einen alten Fahrkartenentwerter oder eine Zugschlusslaterne. Darüber hinaus sind Modellzüge und Waggons im Maßstab 1:87 zu sehen, darunter etwa auch ein Bodenfelder Zug um 1950.

Außerdem werden Fotos präsentiert, sowohl historische als auch relativ aktuelle, beispielsweise aus den 1990er Jahren oder von 2008. Präsentiert werden auch Zeitungsausschnitte, die wichtige Themen im Zusammenhang mit der Bodenfelder Bahn dokumentieren. Auf diese Weise wird unter anderem an Horrorunfälle an den unbeschrankten Bahnübergängen entlang der Strecke erinnert.

Es gibt jedoch auch erfreulichere Ereignisse aus der Geschichte der Bodenfelder Bahn. So diente der Adelebser Bahnhof 1955 als Kulisse für den von Regisseur Carl Boese gedrehten Film „Die spanische Fliege“. Doch es war ein langer Weg zur Bodenfelder Bahn: Fast 50 Jahre kämpften die Ortschaften zwischen Göttingen und Bodenfelde, allen voran der Flecken Adelebsen, für eine Bahnverbindung. Denn die Menschen im Flecken fühlten sich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts verkehrspolitisch abgehängt. Fast vier Jahrzehnte lang waren die Initiativen für den Anschluss ans Schienennetz erfolglos. Bahn und Staat verweigerten den Streckenbau zumeist aus finanziellen Erwägungen. 1910 wurde die Strecke endlich gebaut. Schon der Streckenbau brachte den Dörfern bescheidenen wirtschaftlichen Aufschwung. Am 15. August 1910 startete um 4.39 Uhr der erste Zug in Göttingen.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 18. April 2010, um 14 Uhr im Steinarbeitermuseum Adelebsen, Kirchweg 8, eröffnet. Geöffnet ist an diesem Tag bis 17 Uhr, ansonsten bis Oktober sonntags von 15 bis 17.30 Uhr. Gruppenbesuche sind ganzjährig nach Vereinbarung möglich, Telefon 0 55 06 / 89 70 und 0 55 06 / 78 01.

Von Jörn Barke, Göttinger Tageblatt am 17.04.2010

Bodenfelder Bahn fährt künftig bis Paderborn durch

Ab Dezember 2013 gibt es ein verbessertes Zugangebot im Stundentakt auf der Bodenfelder Bahn von Göttingen über Bodenfelde nach Ottbergen. Ab 2016 werden sogar durchgehende Züge bis Paderborn fahren, Reisende müssen nicht mehr umsteigen.

Das teilte die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) auf Anfrage mit. Künftig wird statt der Deutschen Bahn die private Nord-West-Bahn die Verbindung Paderborn-Göttingen bedienen, ebenso die Linie Paderborn-Ottbergen-Kreiensen. Die Vergabe der sogenannten Dieselnetze in Westfalen erfolgte für zwölf Jahre. Auf den Linien kommen moderne Triebwagen zum Einsatz, die unter anderem mit Videoüberwachung, Informationsdisplays und vergrößerten Sitzabständen ausgestattet sein werden, teilte der bei der Vergabe federführende Nahverkehrsverband Westfalen-Lippe (NWL) mit.

Die niedersächsische Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) vergibt demnächst weitere Verkehrsleistungen auf der Schiene von 2014 bis 2029 im sogenannten Dieselnetz Südost, unter anderem auf den Verbindungen Bodenfelde-Northeim-Nordhausen und Göttingen-Kreiensen-Bad Harzburg. Im Harz-Weser-Raum fährt bislang die Deutsche Bahn, die sich am Wettbewerb beteiligen will.

Für drei Netze mit zwölf regionalen Buslinien im Zweckverbandsbereich Verkehrsverbund Südniedersachsen (ZVSN) interessiert sich nur ein Unternehmen, das die Linien eigenwirtschaftlich ohne öffentlichen Zuschuss betreiben will. Das Angebot werde derzeit daraufhin geprüft, ob es den im Nahverkehrsplan geforderten Standards entspreche, so LNVG-Sprecher Rainer Peters. Die Linien werden derzeit von der RBB, ein Tochterunternehmen der Bahn, bedient.

Von Gerald Kräft, Göttinger Tageblatt am 07.01.2012