Kloster Bursfelde

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Das Kloster Bursfelde wurde im Jahr 1093 von Graf Heinrich dem Fetten von Northeim als Benediktinerabtei gegründet. Im 15. Jh. stand sie im Zentrum der klösterlichen Reformbewegung. Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 wurde das Kloster Bursfelde endgültig evangelisch. Bis zur Säkularisierung 1672 lebte eine Mönchsgemeinschaft mit ihrem Abt in Bursfelde. Bereits seit 1828 wird der Titel "Abt von Bursfelde" einem Professor der Theologischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen verliehen. Derzeitiger Abt von Bursfelde ist Prof. Joachim Ringleben.


Geschichte

Westfenster der romanischen Klosterkirche

Der Landesherr Graf Heinrich der Fette, geboren um 1055, stiftete acht Jahre vor seinem Tod in der Nieme-Aue an der Weser das Kloster Bursfelde. Besetzt wurde es mit Mönchen aus Corvey. Das Jahr der Klostergründung 1093 ist zugleich das Entstehungsjahr der Westkirche, einer romanischen Basilika, deren Portal auf die Weser blickt. In dieser Kirche mit den Namenspatronen St. Thomas und Nikolaus steht ein Grabdenkmal des Stifters, der 1101 von den Friesen erschlagen wurde. Wo sein Leichnam ruht, ist unbekannt.

Nur etwa 40 Jahre nach dem Kirchenbau stiftete Kaiserin Richenza, die Tochter Heinrichs des Fetten, die Ostkirche, deren Schiff sich unmittelbar an die Westkirche anschließt. Türme erhielt die Kirche um 1180. Die heutigen Türme an der Westfassade allerdings wurden erst 1903 in historisierendem Stil errichtet, die alten Türme waren nach dem 30-jährigen Krieg abgetragen worden.

Die Ausmalung der Westkirche stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Zur selben Zeit erhielt die Ostkirche gotische Maßwerk-Fenster.

Die weitere Geschichte des Benediktinerklosters ist sehr wechselvoll. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wird Bursfelde Ausgangspunkt eines Netzwerks von Reform-klöstern, der sogenannten Bursfelder Kongregation, die weit über 100 Klöster im mitteleuropäischen Raum, darunter Maria Laach und Alpirsbach, unter sich vereinigt.

Rund hundert Jahre später, als die Reformation von Herzogin Elisabeth von Calenberg-Göttingen eingeführt wird, erlischt nach und nach das Klosterleben. Nach dem Westfälischen Frieden 1648 wird das Kloster endgültig evangelisch.

1722 lässt Landgraf Carl zu Hessen (der Gründer Karlshafens) den Westflügel des Klosters zu einem Gutshaus umbauen.

1828 wird erstmals der Titel „Abt von Bursfelde“ an einen Göttinger Professor der evangelischen Theologie verliehen.


  • Quelle: Göttinger Tageblatt, 12.10.2010

Glocken

Die Glocke der Klosterkirche Bursfelde, hinten die Königsberger Glocke

Über der Westempore der Kirche hängen zwei Glocken. Die eine ist uralt. Sie stammt aus dem Dom von Königsberg, gegossen 1470 von Joachim Grytte in Danzig. Bei Kriegsende 1945 lag sie auf dem Glockenfriedhof im Hamburger Freihafengelände und wurde dort 1952 von Prof. Carl Stange, dem damaligen Abt von Bursfelde, entdeckt. Stange, ein gebürtiger Königsberger, veranlasste die Anbringung in Bursfelde. Diese kleine, nur 100 Kilogramm schwere Glocke hat schon der Philosoph Immanuel Kant gehört. Ihres hohen Alters wegen wird sie in Bursfelde nur an hohen kirchlichen Feiertagen geläutet.

Die zweite Bursfelder Glocke mit dem Schlagton d’ ist so alt wie das Deutsche Reich: Sie wurde 1871 von dem Glockengießer C. Isermann in Eber­götzen gegossen. Isermann hat zur selben Zeit auch Glocken für die Kirchen in Westerode und Lerbach bei Osterode gefertigt. Geläutet wird in Bursfelde täglich dreimal: um 8, um 12 und um 18 Uhr, entsprechend den Zeiten der Stundengebete Laudes, Sext und Vesper.


  • Quelle: Göttinger Tageblatt, 12.10.2010

Gegenwart

Vom Kloster Bursfelde sind bis heute die romanische Basilika und der Westflügel erhalten, der 1722 in ein Gutshaus umgebaut wurde. 1978 wurde es in ein evangelisches Tagungshaus umgestaltet und bis 2004 entwickelte es sich zu einem geistlichen Zentrum. Eine Besonderheit ist die Kirchenglocke des Klosters. Diese stammt aus dem Königsberger Dom, wo sie bereits Immanuel Kant hören konnte. Im Jahr 1993 erschien zum 900-jährigen Bestehen des Klosters eine Sonderbriefmarke der Deutschen Post mit Abbildungen der Klosterkirchen Bursfelde und Maria Laach. 2011 entschied man sich dazu, im Kloster Bursfelde eine Jugendherberge zu schaffen.

Kontakt

Kloster Bursfelde
34346 Hann. Münden
Klosterhof 5
Tel.: 05544/1688
Fax: 05544/1758
Email: Kloster.Bursfelde@t-online.de
Webseite des Klosters