Comenius-Projekt

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Das Comenius-Projekt der EU fördert Schulen und Kitas beim Austausch mit anderen Ländern.

Das Projekt besteht seit 1995, seit 2007 ist es im Programm Lebenslanges Lernen integriert. Es werden bilaterale oder multilaterale Schulpartnerschaften gefördert. Die Projekte sind auf zwei Jahre befristet und werden pauschal bezuschusst. Namenspate des Programms ist der tschechische Philosoph Johann Amos Comenius, der im 17. Jahrhundert agierte. Viele Schulen in der Region haben bisher teilgenommen, unter anderem das Otto-Hahn-Gymnasium und die Förderschule am Tannenberg (2007-09), das Felix-Klein-Gymnasium war 2001 beteiligt, das Hainberg-Gynasium 2005, ebenso das Max-Planck-Gymnasium. In Northeim unterhielt beispielsweise die Thomas-Mann-Haupt- und Realschule ein Projekt mit spanischen und belgischen Partnern.

Aktuelle Projekte

Sportfest im Naturerlebnisbad Grone

Mehr als 400 Schüler sind Anfang September im Naturerlebnisbad Grone, beim Volleyball oder Schwimmwettkämpfen. Die Fünft- und Sechstklässler der Geschwister-Scholl-Gesamtschule (KGS) haben Spaß an ihrem ersten Schwimmfest. Betreut, organisiert und beobachtet werden einige Aktivitäten am heutigen Tag von Schülern, genauer: den Comenius-Schülern der KGS und ihren ungarischen Projektpartnern, die für zwei Wochen in Deutschland weilen. Schul- und Sportfeste sind das Projektthema, das das Petöfi–Gymnasium aus Kiskörös, 120 Kilometer südwestlich von Budapest, und die Göttinger Schule gemeinsam beackern. Im Februar waren die Oberstufenschüler aus der Leinestadt schon in dem pittoresken ungarischen Weinbaugebiet zu Gast.

Die Comenius-Vorgabe an die Schulen, an einem konkreten inhaltlichen Projekt zu arbeiten, ermöglicht eine viel intensivere Form des Austausches, bestätigt Wilf Holloway, verantwortlicher Lehrer auf Göttinger Seite. In Kleingruppen arbeiten die 30 Schüler auf beiden Seiten eng zusammen.

Man besucht gemeinsam Feste, analysiert das Gesehene, vergleicht, diskutiert und stellt die Erkenntnisse bei zwei Abschlussfesten vor: in Präsentationen, Theaterszenen, Videos – und das zweisprachig. Denn auch die Göttinger Schüler (die Ungarn lernen Deutsch seit neun Jahren) mussten sich vorab einem 20-stündigen Sprachkurs unterziehen – dabei gilt Ungarisch als äußerst schwierige Sprache. Vieles vom Kurs wird im Internet einsehbar sein – eine weitere Vorgabe.

Trotzdem gelingt die Kommunikation, schließlich müssen gemeinsam Ergebnisse vorgestellt werden, das gehört zu den Anforderungen. „Im Notfall auch per Zeichensprache“, meint der 17-jährige Göttinger Till Rummenhohl. Warum er eigentlich am Projekt teilnehme? „Osteuropa kannte ich bisher noch gar nicht“, erklärt der Schüler, der innerhalb des Projektes bereits einen Film gedreht hat. „Es ist wirklich ein super Angebot“. Auch Lennart Görk, ebenso wie seine ungarische Austauschpartnerin Réka Kis gehbehindert, schwärmt: „Das waren tolle Wochen. Ich bin so froh, dass ich das gemacht habe.“ Man habe eine zuvor fremde Kultur hautnah erleben können, loben Réka und ihre Mitschülerin Nikolett Rubos.

Neben der intensiveren Kommunikation hat Comenius aber auch einen weiteren Vorteil: Es steht schlicht mehr Geld zur Verfügung. Für deutsche, aber gerade auch die ungarischen Schüler sei die starke finanzielle Unterstützung eine große Hilfe, ist sich Betreuerin Eva Kincses sicher. Für das Projekt der beiden Schulen 16 000 Euro stehen zur Verfügung. „So können auch Kinder aus Familien mit geringerem Einkommen die Reise unternehmen.“ Kincses bestätigt die höhere Intensität des Austausches, seit dieser an Themen gebunden ist. Sie muss es wissen, denn die 50-Jährige Lehrerin begleitet die Schulpartnerschaft zwischen KGS und Petöfi–Gymnasium seit den Anfängen vor 15 Jahren. Im Laufe der Zeit haben sich Freundschaften gebildet, manche Beziehungen bestehen noch Jahren.


Das Göttinger Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) verfolgt einen anderen Ansatz. Hier steht nicht die moderne Fortführung des alten Ansatzes vom Austausch im Mittelpunkt, sondern ein kleines EU-Parlament mit dem gleichzeitigen Kontakt vieler Länder. Am Thema „Unsere Stadt und ihre Jugend – ein europäischer Vergleich“ arbeiten gleich drei weitere Schulen aus Bulgarien, Frankreich und Norwegen, erklärt Lehrer Stefan Melzer. Die Schüler der neunten Klassen an der Europaschule erarbeiten fächerübergreifend Hintergründe zum Leben Jugendlicher in Göttingen und den Angeboten, die für sie existieren. In einer kleineren AG werden diese Themen dann nochmals vertieft, um sie dann via Internet und in folgenden Treffen findet gegenseitig zu präsentieren. Das erste Treffen ist Anfang 2010 im französischen Lyon . „Amtssprache ist dabei Deutsch“, schildert Melzer. Der private Kontakt der Schüler rückt dabei eher in den Hintergrund, der Blick ist stärker gesamteuropäisch ausgerichtet. Doch auch dieses Projekt wäre ohne die Comenius-Gelder – 20 000 Euro – vor allem eines: unmöglich.

  • Quelle: Göttinger Tageblatt vom 17. September 2009. Von Erik Westermann.