Das 'Judenhaus' in der Weender Landstraße 26

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Eine Praxis der Nationalsozialisten war es, sogenannte ‚Judenhäuser‘ zu errichten, in denen systematisch jüdische Bürger zwangsweise einziehen mussten (vgl. Universität Göttingen 2016). Eines von mehreren in Göttingen zur Zeit der NS-Herrschaft bestehenden Judenhäusern befand sich in der Weender Landstraße 26, wo heute ein Parkplatz der Georg-August-Universität vorzufinden ist. 1934 wurde das Haus durch die jüdische Gemeinde erworben, die bereits große Schwierigkeiten hatte, passende Räumlichkeiten zu finden. Sie diente fortan für kulturelle Veranstaltungen, Konzerte, Vorträge und teilweise auch für religiöse Zwecke (vgl. Angermann et al. 2016: 6). Dass diese Handlungen bereits frühzeitig gestört und behindert wurden, zeigt sich darin, dass bspw. durchgehend Polizisten anwesend waren oder Veranstaltungen mit strengen Auflagen und Anmeldepflichten versehen waren (vgl. ebd: 6-7). Unterstützt durch das ‚Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden‘, dass zu fristlosen Kündigungen und Vertreibungen jüdischer BürgerInnen aus ihren Häusern führte, kam es ab 1940 dazu, dass etwa 42 Menschen unter Zwang hier leben mussten. So mussten diese unter schlechten hygienischen Zuständen, unzureichender Lebensmittelversorgung und unter ständiger Angst vor Deportation in ein Konzentrationslager leben (vgl. ebd.: 10-11). Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann ein langjähriger Gerichtsprozess um die Anspruchs-/Besitzrechte zwischen der Gauß-Weber Loge, der jüdischen Gemeinde und der Göttinger Stadtverwaltung, der mit einem Vergleich zwischen den beteiligten Parteien und einer Zahlung von 8000 DM an die jüdische Gemeinde endete. Anschließend residierte erneut die Gauß-Weber Loge in dem Gebäude, ehe es zwischen 1966-1968 abgerissen wurde (vgl. ebd: 18-21). Erst im Jahr 2016 wurde das hier vorzufindende Denkmal durch Göttinger Studierende in Kooperation mit der Georg-August-Universität erstellt. Dabei befindet sich auf der Vorderseite ein kurzer Informationstext und auf der Rückseite die Namen der 42 BewohnerInnen (vgl. Universität Göttingen 2016).

Stele Judenhaus.jpg

Quellenangaben: