Das neue Gaußzimmer

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„Echte Gauß-Raritäten“ im früheren Chefzimmer

Bauen das neue Museum auf: Friedrich-Georg Rehkop und Rüdiger Schild.

Ohne Kran wuchtete der Steinmetz die 500 Kilogramm schwere Büste von Carl Friedrich Gauß auf den mannshohen Marmorsockel. Nun schmückt die gewaltige Büste von Bildhauer Gustav Eberlein das einstige Chefzimmer der Volksbank in der Bachstraße. Hier verhandelte einst Direktor Horst Schrader mit Geschäftsleuten über die großen Kredite. In dem 40-Quadratmeter-Raum will der Verschönerungsverein in den kommenden Monaten die neue Gaußstube einrichten. Die ehemalige Schalterhalle wird bereits von der Samtgemeindebücherei genutzt. Die Volksbank hatte 1994/95 für umgerechnet sechs Millionen Euro in der Heinrich-Sohnrey-Straße neu gebaut. Der Altbau stand lange leer. Die mittlerweile fast 100 Jahre alten Nachbauten von Heliotrop und Telegaph, zwei Erfindungen von Gauß, stehen bereits im Chefzimmer. Aus Pappkartons schauen Bilder hervor. Sie warten darauf, aufgehängt zu werden. Das Konzept für die Ausstellung ist fertig. Axel Wittmann von der 1962 gegründeten Gauß-Gesellschaft Göttingen verfasste Kurzbiographien zu mehr als 20 Freunden und Bekannten von Gauß. Die kommen in die große Schrankwand des Chefzimmers. Um sie lesen zu können, müssen Besucher die Türen aufklappen. An einer Wand wird eine Zeittafel hängen mit den Lebensdaten des Göttinger Professors. Weitere Informationen gewährt eine Powerpointpräsentation am Computer. In den Schubladen von Kartentischen will der Verschönerungsverein Fotos und Pläne vom alten und neuen Turm zur Ansicht deponieren. Die Gesamtkosten für die Neugestaltung der Ausstellung werden auf 13000 Euro beziffert. Wittmann von der Gauß-Gesellschaft betont unterdes den Wert der Exponate. Die Eberlein-Büste sei sehr schön gearbeitet. Allerdings sehe sie Gauß nicht besonders ähnlich. Bildhauer Eberlein habe offenbar nur nach Skizzen gearbeitet, was aber den Wert der Büste nicht mindere. „Echte Gauß-Raritäten“ seien die Nachbauten des Telegrafen und des Heliotropen. Aus den Akten weiß Wittmann, dass der Verschönerungsverein während des Baus des alten Gaußturms die Sternwarte in Göttingen anschrieb. Gauß hatte sie viele Jahre geleitet. Der Verein fragte, ob er einen von deren drei Heliotropen haben könnte. Die Sternwarte signalisierte zunächst Zustimmung. Diese Freigebigkeit ging jedoch dem zuständigen Kuratorium zu weit. Der Verein wendete sich daraufhin an die Firma Sartorius. Die lieh sich bei der Sternwarte eins der Geräte aus und baute es nach. Firmenchef Florenz Sartorius schenkte die Kopie den Dransfelder Gaußfreunden. Und was ist aus den Heliotropen der Göttinger geworden? Das eine Heliotrop steht heute im Museum der Ersten Physik. Die beiden anderen befinden sich im Eigentum des Instituts für Geophysik. Ein besonderes Exponat ging dem Verschönerungsverein beim Einsturz des Gaußturms verloren: ein Stein, der einen der ehemaligen Vermessungspunkte des Göttinger Mathematikers markierte. Über Gauß-Sammlungen verfügen außerdem in Göttingen die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek und die Sternwarte. Ausstellungen gibt es noch im Städtischen Museum in Braunschweig, in der Stadt Zeven und in der Universität von Lousiana.

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