Denkmal für Kantor Forthmann: Unterschied zwischen den Versionen

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Ohne das unermüdliche Einwerben von Sponsorengeldern durch Lehrer Karl Forthmann (1871-1964) hätte der [[Dransfelder Verschönerungsverein]] den alten, [[1911]] fertiggestellten [[Gaußturm]] wahrscheinlich nicht finanzieren können. Der aus [[Göttingen]] gebürtige Pädagoge gehörte [[1904]] zu den Gründungsmitgliedern des Vereins. 57 Jahre lang diente er ihm als Schriftführer und Kassenwart. Im Juni [[1961]] legte der mittlerweile 90-Jährige sein Amt nieder. Damals zeichnete sich bereits ab, dass der Turm dem Basaltabbau geopfert werden würde.
 
Ohne das unermüdliche Einwerben von Sponsorengeldern durch Lehrer Karl Forthmann (1871-1964) hätte der [[Dransfelder Verschönerungsverein]] den alten, [[1911]] fertiggestellten [[Gaußturm]] wahrscheinlich nicht finanzieren können. Der aus [[Göttingen]] gebürtige Pädagoge gehörte [[1904]] zu den Gründungsmitgliedern des Vereins. 57 Jahre lang diente er ihm als Schriftführer und Kassenwart. Im Juni [[1961]] legte der mittlerweile 90-Jährige sein Amt nieder. Damals zeichnete sich bereits ab, dass der Turm dem Basaltabbau geopfert werden würde.
In [[Dransfeld]] war Forthmann als „der Kantor“ bekannt. Er spielte sonntags in der evangelischen [[St.-Martini-Kirche]] Orgel. Außerdem leitete er den Männerchor Harmonia und den gemischten Chor Lyra. Bei Festlichkeiten schlug er mit dem Löffel ans Glas, um Tischreden zu halten. Er gehörte zu den regelmäßigen Gästen eines Honoratioren-Stammtisches, der sich in der Gaststätte am Bahnhof traf. Politisch kann er als „alter Deutschen“ eingestuft. Im Geburtsjahr des Kantors wurde das Kaiserreich gegründet. Die unter preußischer Führung geeinten Kleinstaaten stiegen zur Großmacht auf.  
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In [[Dransfeld]] war Forthmann als „der Kantor“ bekannt. Er spielte sonntags in der evangelischen St.-Martini-Kirche Orgel. Außerdem leitete er den Männerchor Harmonia und den gemischten Chor Lyra. Bei Festlichkeiten schlug er mit dem Löffel ans Glas, um Tischreden zu halten. Er gehörte zu den regelmäßigen Gästen eines Honoratioren-Stammtisches, der sich in der Gaststätte am Bahnhof traf. Politisch kann er als „alter Deutschen“ eingestuft. Im Geburtsjahr des Kantors wurde das Kaiserreich gegründet. Die unter preußischer Führung geeinten Kleinstaaten stiegen zur Großmacht auf.  
  
 
Als Nazideutschland [[1939]] den Zweiten Weltkrieg begann, wurde Forthmann, der zwischenzeitlich in Ruhestand gegangen war, reaktiviert. Junge Männer mussten an die Front. Der Kantor verlor einen seiner Söhne im Krieg. Sein ältester Sohn wurde Lehrer in [[Duderstadt]]. Die  älteste Tochter war [[1936]] mit ihrem Mann in die USA ausgewandert. Die zweite Tochter heiratete einen Postbeamten. Die dritte Tochter versorgte Forthmann nach dem Tod von dessen Frau.  
 
Als Nazideutschland [[1939]] den Zweiten Weltkrieg begann, wurde Forthmann, der zwischenzeitlich in Ruhestand gegangen war, reaktiviert. Junge Männer mussten an die Front. Der Kantor verlor einen seiner Söhne im Krieg. Sein ältester Sohn wurde Lehrer in [[Duderstadt]]. Die  älteste Tochter war [[1936]] mit ihrem Mann in die USA ausgewandert. Die zweite Tochter heiratete einen Postbeamten. Die dritte Tochter versorgte Forthmann nach dem Tod von dessen Frau.  
 
Die Nazis ehrten Forthmann [[1943]] mit der Ernst-Rudorff-Plakette für seine praktische Volkskulturarbeit. [[1952]] bekam er das Verdienstkreuz am Bandes des Verdienstordens der Bundesrepublik. [[1956]] ernannte ihn Dransfeld zum Ehrenbürger. Der Einsturz des alten Gaußturms [[1963]] muss ihn hart getroffen haben. Der Lehrer starb ein Jahr später am 29. Dezember [[1964]].  
 
Die Nazis ehrten Forthmann [[1943]] mit der Ernst-Rudorff-Plakette für seine praktische Volkskulturarbeit. [[1952]] bekam er das Verdienstkreuz am Bandes des Verdienstordens der Bundesrepublik. [[1956]] ernannte ihn Dransfeld zum Ehrenbürger. Der Einsturz des alten Gaußturms [[1963]] muss ihn hart getroffen haben. Der Lehrer starb ein Jahr später am 29. Dezember [[1964]].  
 
[[1987]] wurde auf dem Dransfelder Rathausvorplatz die Kantor-Forthmann-Linde gepflanzt. Auf dem [[Hoher Hagen|Hohen Hagen]] ist ein Weg nach ihm benannt.
 
[[1987]] wurde auf dem Dransfelder Rathausvorplatz die Kantor-Forthmann-Linde gepflanzt. Auf dem [[Hoher Hagen|Hohen Hagen]] ist ein Weg nach ihm benannt.

Version vom 4. Februar 2009, 13:31 Uhr

Des Kantors Flut an Bitt- und Bettelbriefen

Karl Forthmann

Ohne das unermüdliche Einwerben von Sponsorengeldern durch Lehrer Karl Forthmann (1871-1964) hätte der Dransfelder Verschönerungsverein den alten, 1911 fertiggestellten Gaußturm wahrscheinlich nicht finanzieren können. Der aus Göttingen gebürtige Pädagoge gehörte 1904 zu den Gründungsmitgliedern des Vereins. 57 Jahre lang diente er ihm als Schriftführer und Kassenwart. Im Juni 1961 legte der mittlerweile 90-Jährige sein Amt nieder. Damals zeichnete sich bereits ab, dass der Turm dem Basaltabbau geopfert werden würde. In Dransfeld war Forthmann als „der Kantor“ bekannt. Er spielte sonntags in der evangelischen St.-Martini-Kirche Orgel. Außerdem leitete er den Männerchor Harmonia und den gemischten Chor Lyra. Bei Festlichkeiten schlug er mit dem Löffel ans Glas, um Tischreden zu halten. Er gehörte zu den regelmäßigen Gästen eines Honoratioren-Stammtisches, der sich in der Gaststätte am Bahnhof traf. Politisch kann er als „alter Deutschen“ eingestuft. Im Geburtsjahr des Kantors wurde das Kaiserreich gegründet. Die unter preußischer Führung geeinten Kleinstaaten stiegen zur Großmacht auf.

Als Nazideutschland 1939 den Zweiten Weltkrieg begann, wurde Forthmann, der zwischenzeitlich in Ruhestand gegangen war, reaktiviert. Junge Männer mussten an die Front. Der Kantor verlor einen seiner Söhne im Krieg. Sein ältester Sohn wurde Lehrer in Duderstadt. Die älteste Tochter war 1936 mit ihrem Mann in die USA ausgewandert. Die zweite Tochter heiratete einen Postbeamten. Die dritte Tochter versorgte Forthmann nach dem Tod von dessen Frau. Die Nazis ehrten Forthmann 1943 mit der Ernst-Rudorff-Plakette für seine praktische Volkskulturarbeit. 1952 bekam er das Verdienstkreuz am Bandes des Verdienstordens der Bundesrepublik. 1956 ernannte ihn Dransfeld zum Ehrenbürger. Der Einsturz des alten Gaußturms 1963 muss ihn hart getroffen haben. Der Lehrer starb ein Jahr später am 29. Dezember 1964. 1987 wurde auf dem Dransfelder Rathausvorplatz die Kantor-Forthmann-Linde gepflanzt. Auf dem Hohen Hagen ist ein Weg nach ihm benannt.