Der Hünstollen

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Der Hünstollen ist ein etwa 425 m hoher Berg im Nordosten des Göttinger Walds im Landkreis Göttingen.

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Lage

Zusammen mit dem Mäuseturm steht der Hünstollen mit seinem Aussichtsturm als ein Wahrzeichen weit über dem Dorf Holzerode; er ist sozusagen sein „Hausberg“.

Geografie

Der Hünstollen (altdeutsch: Hünenstuhl) bildet das östliche Ende eines Höhenrückens, einem Ausläufer des Göttinger Waldes, der sich von der Burg Plesse im Westen bis zu dem sich 423 m über den Meeresspiegel erhebenden Bergsporn erstreckt. Dieser Bergsporn, der bis auf seinen Zugang vom Westen her nach allen Seiten steil abstürzt und damit eine strategisch günstigen Rückzugsraum bildet, hatte wohl niemals eine länger dauernde Besiedlung. Unterhalb des Hünstollens erstrecken sich nach Norden hin die Lippbergwiesen und es öffnet sich das kleine Hochplateau, auf dem Holzerode liegt. Nach Osten hin geben die dichten Wälder um den Hünstollen herum einen Blick frei auf das Untereichsfeld mit „seinem Auge“, dem „Seeburger See“.

Geschichte

Archäologische Ausgrabungen haben jedoch Spuren einer Art Fluchtburg schon aus der Zeit ca. 500 v.Chr. nachgewiesen. Eine solche Befestigungsanlage ist auch noch für die Zeit des frühen und hohen Mittelalters festzustellen. Offensichtlich war der Hünstollen ein Rückzugs- und Verteidigungsraum für die in seinem Umfeld siedelnde Bevölkerung immer dann, wenn Gefahr drohte.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist der Hünstollen zunehmend auch ein beliebtes

Ziel für Wanderungen aus der Stadt Göttingen heraus, weshalb vom Göttinger Verschönerungsverein hier schon 1882 ein kleines Schutzhäuschen errichtet wurde. Aber auch für die Holzeröder wurde „ihr“ Berg zunehmend ein beliebtes Wanderziel, vor allem an Festtagen im Frühsommer wie z.B. zu Pfingsten. Von Holzerode aus erfolgte deshalb auch bis in die Nachkriegszeit nach 1945 im Sommer eine kontinuierliche Bewirtschaftung an Sonntagen. Der erste Holzeröder Wirt war der Gastwirt Finke vom Struthkrug, der hier 1883 direkt neben der Schutzhütte ein kleines Häuschen errichtete.

Aussichtsturm

1913 bekam der Hünstollen dann eine besondere Attraktion, als durch den Göttinger Verschönerungsverein auf der Spornspitze die Errichtung eines Aussichtsturmes veranlasst wurde. Am Bau beteiligte sich auch der jetzt den Ausschankbetrieb übernehmende Gastwirt Heinrich („Fernanz“) Degenhardt aus Holzerode. Er übernahm auch die Kosten für die Fundamentierung des Sockels. Die bauausführende Firma war die Zimmerei Heinrich Kolle aus Holzerode.

Tourismus

Die Kriegsjahre bis 1918 und die folgenden Nachkriegsjahre mit ihrer wirtschaftlichen Not ließen den Wochenendtourismus wieder etwas zurückgehen. Für die Holzeröder blieb es aber quasi eine Pflicht, mindestens einmal im Jahr, im Sommer auch öfter, auf den Berg zu marschieren. Inzwischen war das Ausschankgeschäft auch fest in den Händen des Gastwirtes Heinrich Degenhardt, der es mit großer persönlicher Leidenschaft betrieb und für Musik und Unterhaltung dort oben insbesondere für das „junge Volk“ sorgte. Er übernahm nach Renovierungen der Schutzhütte und des Turmes 1924 und 1934 (wieder durch die Holzeröder Zimmerei Kolle) auch die Pflege der baulichen Einrichtungen auf dem Hünstollen.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg war das beliebte Wanderziel angesichts der allgemeinen Notlage und anderer Sorgen der Bevölkerung zunächst nur noch seltener besucht. 1950 wurden jedoch neuerlich Renovierungsarbeiten am Turm und der Hütte durchgeführt, und der Berg wurde nun auch wieder häufiger besucht. Mitte der 60-er Jahre wurde noch einmal kräftig in den Turm investiert. Zum einen bekam er ein Dach und zum anderen wurde er um sieben Meter erhöht, damit er wieder einen freien Blick über die hochgewachsenen Baumgipfel ermöglichte. Die Arbeiten wurden jetzt schon beinahe traditionell wiederum von der Zimmerei Kolle (jetzt in Nachfolge Fa. Heiner Degenhardt) durchgeführt. Inzwischen hatte jedoch die Familie Degenhardt schon längst den Gastwirtschaftsbetrieb aufgegeben, und es erfolgte keine Bewirtschaftung mehr. Mit der Zeit verfiel dann auch die Schutzhütte, so dass heute nur noch der Aussichtsturm als besondere Attraktion geblieben ist. Noch immer aber lohnt sich die Halbtagswanderung vom Dorf hinauf zum Hünstollen. Und wer in Holzerode sich niederlässt, ist hier eigentlich erst so richtig heimisch geworden, wenn er auch einmal zu Fuß auf dem Hünstollen war.

Autor: Wolfgang Buss. Aus: Festschrift 950 Jahre Holzerode, 2005

siehe auch:

Holzerode