Deutsche Märchenstraße

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Heiligenstadt an der Märchenstraße

Die Deutsche Märchenstraße ist eine Einladung an alle, ihre Heimat besser kennen zu lernen. Alsfeld mit seinem berühmten Rathaus, Marburg, Fritzlar, Kassel mit dem Brüder-Grimm-Museum, die Burg Hanstein hoch über der Werra, das Heilbad Heiligenstadt im Eichsfeld, Hofgeismar, Hann. Münden, Bad Karlshafen, all diese Orte liegen an der fantastischen Route. Nicht zu vergessen Göttingen, wo Jacob und Wilhelm Grimm als Professoren wirkten.


Wollte man alle Stationen besuchen, alle Landstriche kennen lernen, man wäre Wochen, wenn nicht gar Monate unterwegs. Auf der Spur von Märchen, Sagen, Fabeln und Legenden schlängelt sich die Deutsche Märchenstraße auf über 600 Kilometern durch fünf Bundesländer - von Hanau im Süden, dem Geburtsort der Brüder Grimm, bis nach Bremen, wohin es Esel, Hund, Katze und Hahn einst als Stadtmusikanten zog. Quelle: Arbeitsgemeinschaft Deutsche Märchenstraße


Auf den Spuren von Prinzen, Hexen, Feen und Zauberern

Burg Hanstein liegt an der Märchenstraße
Max und Moritz sollen in der Wilhem-Busch-Mühle in Ebergötzen ihr Unwesen getrieben haben.
Schneeweißchen und Rosenrot sind in heiligenstadt angesiedelt

„Hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen...“, „Spieglein, Spieglein an der Wand...“, „Rapunzel, lass Dein Haar herunter!“ – wer kennt diese Zeilen nicht. Wer erinnert sich nicht an die Stunden auf Großmutters Schoß oder den gemeinsamen Blick mit den Eltern zur Abendstunde in die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm...

Wie reich der Märchenschatz in Deutschland ist, lässt sich auch entlang der Deutschen Märchenstraße nur schwer erahnen. Doch gibt die über 600 Kilometer lange, von Hanau bis nach Bremen führende Ferienroute einen guten Einblick in den Schatz deutscher Erzählkunst und Erzählforschung. Gegründet wurde die Deutsche Märchenstraße im Jahre 1975 im Historischen Rathaussaal der Gebrüder Grimm zu Hanau. Die Arbeitsgemeinschaft umfasst derzeit mehr als 70 Städte und Gemeinden. Die Deutsche Märchenstraße ist damit eine der ältesten und beliebtesten Ferienrouten in der Bundesrepublik. Sie reiht entlang des Mains, der Fulda, der Werra, der Leine und der Weser die Lebensstationen der Brüder Grimm (Grimm, Wilhelm und Jacob) aneinander sowie die Orte und Landschaften, in der die von dem Brüderpaar gesammelten Märchen beheimatet sind.

In der Blütezeit der mündlichen Überlieferung der Märchen wies das Volk ihren Märchenfiguren Orte zu. So ist das Dornröschen auf der Sababurg daheim, Aschenputtel ließ sich demnach bei Höxter von ihrem Prinzen den Schuh auf das zarte Füßchen stecken (obwohl „Aschenputtel/Cinderella“ ursprünglich aus Italien stammt), begegnete das Rotkäppchen bei Schwalmstadt dem bösen Wolf, fristete Rapunzel auf der Trendelburg ihr karges Dasein und schüttelt Frau Holle bei Hessisch-Lichtenau im Winter ihre Kissen über deb Berg Hoher Meißner aus. Das berühmteste Wahrzeichen allerdings ist am Ende der Deutschen Märchenstraße zu finden: die Bremer Stadtmusikanten. Entlang der deutschen Märchenstraße reiht sich natürlich ein Fest an das andere, locken Märchenbühnen, Marionettentheater, Freilichtspiele und Märchenwochen tausende Besucher zu romantischen Stunden und Zeitreisen in die Kindheit.

Weit brauchen wir Südniedersachsen und Nordthüringer gar nicht zu gehen oder zu fahren, um Bekanntschaft mit dem Vermächtnis der Brüder Grimm und ihrer „Kollegen“ zu machen. Nicht weit entfernt darf man den Rattenfänger von Hameln besuchen und seinen Flötenklängen lauschen oder aber der Wilhelm Busch-Mühle in Ebergötzen die Aufwartung machen. Busch selbst verbrachte einen großen Teil seiner Kindheit in Ebergötzen und dort trieben angeblich auch Max und Moritz ihre derben Späße – angelten die Hühner der Witwe Bolte aus dem Kamin, trieben Lehrer Lämpel in die Verzweiflung und steckten Onkel Fritze die Maikäfer ins Bett.

Doch zurück zu den Brüdern Grimm: Jacob und Wilhelm wurden 1863 bzw. 1859 in Hanau geboren. Sie besuchten in Kassel das Lyzeum und studierten in Marburg die Jurisprudenz. Schon früh beschäftigten sie sich mit dem Studium der altdeutschen Sprache und Literatur. Von 1812 bis 1822 sammelten sie ihre berühmten „Kinder- und Hausmärchen“. Im Jahre 1830 erfolgte für beide Grimms der Ruf als Professoren an die Göttinger Georg-August-Universität. In Göttingen selbst ist mit der „Enzyklopädie des Märchens“ eine der weltweit größten Foschungsinstutionen zum Thema beheimatet. Mehr als 600 Mitarbeiter aus über 50 Ländern arbeiten an einem Standardwerk zur Erzählforschung. In der südniedersächsischen Stadt ist die Redaktion der Edition ansässig, als interdisziplinäre Forschungsstätte an die Philosophische Fakultät der Universität angeschlossen. Natürlich wird auch im Institut für Volkskunde zu diesem Thema gelehrt. Das Gänseliesl – das meistgeküsste Mädchen der Welt – auf dem Göttinger Marktplatz gehört ebenfalls zu den Figuren und Wahrzeichen der Deutschen Märchenstraße.

Das historische Treffen nahm im Jahre 1992 Marie-Theres Nolte, Geschäftsführerin des Verkehrsverbandes Heiligenstadt/Eichsfeld zum Anlass, um Verbindung mit dem Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft „Deutsche Märchenstraße“ aufzunehmen und den Anschluss Heiligenstadts an die Deutsche Märchenstraße zu befürworten. Dem Antrag wurde 1993 stattgegeben. Nun verläuft die beliebte Ferienroute auf einer Länge von 56 Kilometern durch den benachbarten Landkreis und verbindet die „märchenhaften“ Bundesländer Niedersachsen, Hessen und Thüringen. Angsiedelt wurden im Eichsfeld die Märchen „Schneeweißchen und Rosenrot“, „Tischlein deck dich“ und „Rumpelstilzchen“. Natürlich wurde die schönste Burgruine Mitteldeutschlands, die Burg Hanstein, mit einem Nebenanschluss verbunden.

Für Heiligenstadt lag es abgesehen vom dem Grimm’schen Treffen, schon an sich nicht fern, sich an die zauberhafte Straße mit ihren geheimnisumwitterten Plätzen anbinden zu lassen. Das Eichsfeld kann auf einen reichen Sagenschatz verweisen und Heiligenstadt beherbergte von 1856 bis 1864 Theodor Storm als Amtsrichter in seinen Stadtmauern. Hier hatte er in den sanften Hügeln und dichten Wäldern seine Märchen „Die Regentrude“ und den „Pole Poppenspäler“ geschrieben.

Vom Main zum Meer: Deutsche Märchenstraße

Schlösser und Burgen, Berge und Flüsse, Fachwerk und Geschichte: Es ist eine märchenhafte Landschaft, in der zudem noch die Brüder Grimm gewirkt haben, an der die Deutsche Märchenstraße entlangführt. Sie wird nun in einem Buch von Eberhard Michael Iba porträtiert.

Über eine Strecke von 600 Kilometern Länge führt die Straße von Hanau, dem Geburtsort der Brüder Grimm, bis nach Bremerhaven und Buxtehude. Zur Märchenstraße gehören Orte wie Alsfeld, Marburg, Hameln oder Bremen. Das Herz der Märchenstraße schlägt aber in Nordhessen und Südniedersachsen: Hier ballt sich der größte Anteil der Orte, die sich zur Märchenstraße zählen, darunter die Dom- und Kaiserstadt Fritzlar, Waldeck mit Edersee und Burg sowie aus der unmittelbaren Region die Fachwerkstadt Hann. Münden, Ebergötzen mit der Wilhelm-Busch-Mühle und Bovenden mit der Burg Plesse.

Alle Orte entlang der Straße werden in dem reich bebilderten kleinen Buch auf einigen Seiten vorgestellt. Außerdem enthält das Buch einige bekannte Märchen wie zum Beispiel Aschenputtel, Frau Holle, Rotkäppchen, Schneewittchen und Dornröschen – diesem Märchen wird gerne die nahe gelegene Sababurg als Schauplatz zugewiesen. Bei den Darstellungen einzelner Orte sind darüber hinaus Sagen und Legenden beigegeben. Historisch sind die Bauten und Orte, an denen die Straße entlangführt. Sie selbst ist jüngeren Datums: Sie wurde 1975 von rund 40 Städten und Gemeinden gegründet, um eine bessere touristische Vermarktung zu ermöglichen.

Die Stadt Göttingen, wo die Brüder Grimm wirkten und von wo sie als zwei der Göttinger Sieben vertrieben wurden, sucht man in dem Buch vergeblich. Wegen jährlicher Kosten in Höhe von 8000 Euro war die Stadt 2009 aus dem Marketingverein zur Märchenstraße ausgetreten. Als Begründung für den Austritt hatte der Göttinger Tourismus-Verein genannt, dass es im Hinblick auf das Märchenstraßen-Marketing für Göttingen bisher kaum einen messbaren Erfolg gegeben habe. Ohne Göttingen zählt der Verein Deutsche Märchenstraße heute rund 60 Mitglieder.

Eberhard Michael Iba: Die Deutsche Märchenstraße. Eine sagenhafte Reise vom Main zum Meer, CW Niemeyer, 328 Seiten mit rund 500 Abbildungen, 14,90 Euro.


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