Einbeck-Holtensen

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Holtensen ist ein Ort im Landkreis Northeim zwischen Harz uund Solling. Der Ort gehört zur Bierstadt Einbeck.

Wappen von Holtensen


Personen und Organisationen

Lexikonteil

Allgemein

  • Einwohner gesamt (01/2007): 662. Davon sind 321 männlich. 341 Einwohner sind weiblich.
  • Geographische Lage: 9° 48' Länge, 51° 48' Breite.

Lage und Geschichte

Die Gemeinde Holtensen liegt im Ilmetal, das Dorf jedoch an der Dieße und der Ortsteil Juliusmühle an der Ilme. Die Lage der Feldmark im Tale zweier Flüsse ist für den Ort von großer Bedeutung. An beiden Flußläufen liegen ausgedehnte Wiesen, die zum Teil durch Stauanlagen bewässert werden können, so dass es hier selbst in Dürrejahren ausgesprochene Fehlernten an Heu und Grummet nicht geben kann. Die 555 ha. große Ortsgemarkung, die weder Berge noch Ödländereien aufzuweisen hat, gehört zu den fruchtbarsten des Kreises.

Der Ort muss früher eine weiträumigere Ausdehnung als heute gehabt haben. Gärten und Ackerstücke mit besonderen Namen an der Peripherie des Dorfes berechtigen zu dieser Annahme. Im Süden liegen der Birkenhof, der Buchenhof, der Tiehof, auf dem im Jahre 1865 ein neuer Bauernhof errichtet wurde, und der Hessenhof, im Norden der Schraderhof, im Westen die Wurt. Mauerreste, die hin und wieder in diesen Grundstücken gefunden wurden, bestärken diese Annahme. So wurde in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts auf der Wurt, südwestlich der Mühle, beim Abtragen der hohen Böschung ein kleiner Keller bloßgelegt. In welchem Krieg diese verschwundenen Höfe zerstört worden sind, ist schwer zu sagen.

Am Westrande des Dorfes liegt an der Dieße die Holtenser Mühle. Dieser alte Betrieb bestand schon in der Stift - Hildesheimischen Zeit aus einer Säge-, Grütz-, Öl- und Bokemühle und war, wie die übrigen Mühlen des Amtes Hunnesrück, eine Zwangsmühle. Alle Einwohner des Hildesheimischen Teiles vom Dorfe und auch die unmittelbaren Nachbarn vor dem Dorfe mußten zu der Mühle gehen. Die Mahlgäste hatten 3 x 24 Stunden auf das Mahlen zu warten, und waren nur dann befugt, zu einer anderen Mühle zu gehen, wenn es an Wasser mangelte. Die Holtenser Mühle hatte früher 3 Gelinde, von denen das Ölgelinde unterschlägig, das Grütze- und Sägegelinde jedoch oberschlägig waren. Die ganze Mühle bestand aus einem Gebäude, in dem sich die Wohnung des Müllers und die Grütze- und Ölmühle befanden. Die Sägemühle war in einem Anbau untergebracht.

Die Sägemühle wurde im Jahre 1736 mit der Konzession der Hochfürstlichen Kammer angelegt unter der Bedingung, dass dafür ein Zins von 3 Reichsthalern gezahlt und das erforderliche Holz zur Reparatur und zum Hauptbau der Herrschaftlichen Mühle vor Markoldendorf, bei Verlust der Konzession im Falle der Weigerung, geschnitten wurde. Es wurde damals auch bestimmt, daß die Holtenser Mühle ohne die Einwilligung von Hildesheim nicht an einen anderen verkauft werden durfte.

Heute ist die Holtenser Mühle in dem Privatbesitz des Müllers Gustav Ahrens und hat den früheren Charakter einer Öl- und Bokemühle nicht mehr, sondern sie ist im wesentlichen eine Mahlmühle geworden.

Vormals bestand Holtensen aus 3 Teilen: aus dem Grubenhagener Teil, dem Stift´schen Teil und der Juliusmühle, und zwar gehörte östliche Teil des Dorfes zum Fürstentum Grubenhagen, der westliche dagegen zur alten Grafschaft Dassel. Die Grenze ging in einer geraden Nord-Südlinie durch das Dorf, entlang der heutigen Hannoverschen Straße. Infolge dieser Teilung gehörte auch später der östliche Teil nach Hullersen zur Kirche und nach Kohnsen zur Schule, da Hullersen selbst keine Schule hatte und die Kinder von Hullersen auch dort eingeschult wurden. Der westliche Teil von Holtensen ging nach Oldendorf zur Kirche, unterhielt aber eine eigene Schule. Solange Holtensen zu zwei Amtsbezirken gehörte, hatte es auch zwei Bauermeister (Gemeindevorsteher). Mit dem Jahre 1852 hörte das nun auf, und damit war die leidige Zweiteilung des Dorfes auf kommunalem Gebiet endlich beseitigt.

Im Jahre 1873 wurden dann beide Dorfhälften auch zu einer Schulgemeinde vereinigt. Im Jahre 1904 wurde für die Gemeinde ein gemeinsamer Friedhof angelegt, so daß sich bei Beerdigungen nunmehr der Weg nach Oldendorf oder Hullersen erübrigte. Im Jahre 1913 erfolgte dann endlich auch die kirchliche Zusammenlegung, indem der östliche Teil von Hullersen abgetrennt und auch dem Kirchspiel Oldendorf zugeteilt wurde.

Seine eigene Geschichte hat der zu Holtensen gehörende Ortsteil Juliusmühle. In früheren Zeiten hat man die Mühle zur Grubenhagener Seite gerechnet. Sie führt die Hausnummer 10, die im Dorfe fehlt. Juliusmühle bestand früher aus einer Mahlmühle als einzigem Bau. Mit dem Bau der Straße von Markoldendorf über Kohnsen kam im Jahre 1830 ein Wegehaus (heute Gastwirtschaft) hinzu. Über die Entstehung der Juliusmühle ist folgendes zu berichten:

Herzog Julius von Braunschweig - Wolfenbüttel reiste einst nach der Erichsburg. Er kam auf dieser Reise über die Ilme und bemerkte die bedeutende Wasserkraft derselben. Um diese auszunutzen, ließ er 1586 eine Mühle bauen, die nach ihm Juliusmühle genannt wurde. Sie war anfangs fiskalisch, später ist sie durch Verkauf in Privatbesitz übergegangen. Den Namen hat sie behalten. Er ist auch dem Ortsteil verblieben, obgleich die Mühle als Mahlmühle längst eingegangen ist. Im Jahre 1870 wurde sie zu einem Sägewerk umgebaut. Wegen angeblich schlechten Geschäftsganges wurde auch dieses im Jahre 1910 wieder abgebrochen. Dafür wurde eine Schweinemästerei großen Stils eingerichtet. Die Wasserkraft der Ilme wurde jetzt zum Antrieb einer Schrotmühle genutzt.

Eine unter dem Schweinebestand ausgebrochene Seuche brachte auch dieses Unternehmen zum Erliegen. Schließlich wurde Juliusmühle im Jahre 1920 für 410.000 Mark verkauft und zu einer Kettenfabrik umgebaut, die, je nach Konjunktur, 200 - 400 Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung Arbeit und Brot gibt. Der Bau der Ilmebahn war für Juliusmühle von großer Bedeutung. Ohne diese Bahn wäre die Kettenfabrik hier niemals errichtet worden. Im Jahre 1902 wurde auf Juliusmühle ein kleines Elektrizitätswerk angelegt, das den Strom auch nach Oldendorf abgab.

Verkehrsmäßig lag Holtensen vor der Chaussierung der Zufahrtswege überhaupt sehr unzugängig. Bei Tauwetter und Hochwasser war es von der Umwelt fast gänzlich abgeschnitten. So hat eine Frau, die am 1. Januar 1840 gestorben war, erst am 14. Januar in Oldendorf beerdigt werden können. Über die Dieße führte damals nur ein Steg für Fußgänger, die Brücke ist erst im Jahre 1883 gebaut worden. Die Feldmark in Richtung Juliusmühle war auch nur durch eine Furt zu erreichen. Die Brücke am Ende der Hildesheimer Straße wurde 1907 gebaut. Der Weg an der Südseite des Dorfes im Zuge der heutigen Kreisstraße Oldendorf - Einbeck wurde im Jahre 1898 / 99 befestigt und zwar mit verhältnismäßig geringen Kosten, weil die dabei anfallenden Hand- und Spanndienste von den Dorfbewohnern geleistet wurden. Der Weg nach Juliusmühle wurde 1949 straßenmäßig ausgebaut.

Das erste Schulhaus war das jetzt noch stehende Gebäude des Anbauers Müller auf der »Reihe«. Das zweite Schulhaus wird heute noch von der Familie Algermissen bewohnt. Das 1877 errichtete Schulhaus wurde 1952 von einem vierten abgelöst.

Das älteste Gebäude ist die im Jahre 1594 erbaute Kapelle auf der Stift`schen Seite. Der Turm mit Glocke und Uhr gehört der politischen Gemeinde. Da die alte Glocke aus dem Jahre 1779 gesprungen war, wurde 1909 eine neue angeschafft. Sie wiegt 120 kg. Die alte Glocke wurde von der Firma Radler, zum Metallwert von 90 Mark für 50 kg in Zahlung genommen. Die restlichen 176 Mark wurden von der Gemeinde aufgebracht. Die Glocke trägt die Inschrift: »Am Werktag arbeit´ alle Ding, am Sonntag höre, bet` und sing!«

  • Quelle: Erich Dietrich


Links

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