Eiserne Hochzeit

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Ehepaar Spielmann

2009 sind die beiden gebürtigen Jühnder, Anneliese und Friedrich Spielmann, 65 Jahre verheiratet. Am 18. Juni feiern sie ihre eiserne Hochzeit.

Ehepaar Spielmann

Da beide im heutigen Bioenergiedorf aufwuchsen, kannten sie sich seit Kindertagen. Die Heirat im Juni 1944 war eine Kriegshochzeit – zehn Tage Fronturlaub. Getraut wurde das Paar von Friedrich Spielmanns Vater – nach dem die Jühnder Mehrzweckhalle benannt ist – im ehemaligen Bauernhaus, in dem das Paar heute wieder wohnt. Nach dem Krieg musste sie allein den landwirtschaftlichen Betrieb am Laufen halten. Ihr Mann war in Jugoslawien als Soldat der Waffen-SS 1945 in russische Kriegsgefangenschaft geraten, bevor er nach drei Tagen fliehen konnte. Zu Fuß und auf Zügen kam er nach Jühnde zurück. Sein Eintritt in den Bundesgrenzschutz bedeutete für die Familie Umzüge, unter anderem nach Braunschweig und Goslar. Friedrich Spielmann war von 1979 bis zu seiner Pensionierung 1983 als Polizeidirektor Kommandeur der Grenzschutzabteilung in Duderstadt. Die Spielmanns haben vier Kinder, sechs Enkel und zwei Urenkel.



Ehepaar Scholz

In der Eingangshalle des Stiftes am Klausberg Gerdhilde und Bruno Scholz feiern am heutigen Montag eiserne Hochzeit. Der ehemalige Geschäftsführer des Göttinger Tageblatts und seine Frau blicken zurück auf 65 Ehejahre. Heute wohnen sie gemeinsam im Stift am Klausberg.

Ehepaar Scholz

Bruno Scholz

Der 87-jährige gebürtige Erfurter stammt aus einer Familie, die in der Papierindustrie tätig war. Also lag es nahe, dass er eine Ausbildung zum Druckerei-Fachkaufmann machte. 1939 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Nach einer Verwundung an der Ostfront kam er heim nach Erfurt. Gegen Ende des Krieges geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft – aus der er nach schwerer Krankheit schon bald entlassen wurde. Der gelernte Druckereifachkaufmann heuerte bei der Thüringischen Landeszeitung an. 1949 stieg Scholz in die Tiefbau-Firma seines Schwiegervaters als Geschäftsführer ein. Doch Mitte der 1950er Jahre wurde die Firma enteignet und er als vermeintlicher Spion der Amerikaner verhaftet. Er kam sechs Wochen in Dunkelhaft in der ‘Schwarzen Pumpe, später dann in ein Stasi-Lager bei Senftenberg.


Gerdhilde Scholz

Seine Frau Gerdhilde wird Gerti genannt.

Bei einem Besuch des Erfurter Theaters saß die junge Gerti zwei Reihen hinter Bruno. Ihre Hochzeit folgte bald. Gerti war damals noch geborene Neubauer. Er stand plötzlich vor ihrer Tür und wollte sofort heiraten. Denn am nächsten Tag sollte er zurück an die Front. Derselbe Pfarrer, der sie konfirmiert hatte, traute die beiden. Gerti trug ihr Konfirmationskleid. Zurück in Erfurt wurde Gerti Scholz bald schwanger – ein Junge. 1948 folgte das nächste Kind – Tochter Ingrid. Und noch im selben Jahr der jüngste Sohn Dieter. Gerti konnte ihren Mann erst nach zwei Monaten in Gefangenschaft besuchen. Mit Putzen hielt sie sich und die drei Kinder über Wasser, in ständiger Angst um ihren Mann. Nach zwei Jahren wurde ihr Mann entlassen. Wieder in Freiheit, entschloss sich die Familie zur Flucht in den Westen.

1962 gelangten sie so nach Göttingen, wo sie einen Neuanfang wagten. Der Familienvater erklomm rasch die Karriereleiter als Leiter der Geschäftsstelle der Göttinger Presse. 1973 wurde er zum Geschäftsführer des Göttinger Tageblattes berufen, eine Stelle, die er bis zu seiner Pensionierung 1983 ausfüllte.