Feste Sitten und Gebräuche in Holzerode

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Feste, Sitten und Gebräuche

Feiertage in Holzerode: „Feste feiern, wie sie fallen

Volksfeste haben in unserem Dorf schon eine lange Tradition. So, wie wir heute den Jahresrhythmus am Kommen und Gehen der Feste erleben, so sind die traditionellen Feiern schon immer das Rückgrat der dörflichen Gemeinschaft gewesen. Leider wissen wir erst seit der Jahrhundertwende 1899/1900 etwas über die damit verbundenen alten Bräuche aus mündlichen Erzählungen und Überlieferungen. Allen Holzerödern, die bereitwillig auf unsere vielen Fragen antworteten, an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön. Sicher erscheint nur, dass die kirchlichen Feste – erst die katholischen, dann die evangelischen – einen größeren Anteil gehabt haben müssen. Dann waren vor allem die Vereine die Träger der Feste. Der älteste Verein Holzerodes, der MGV, wurde jedoch erst 1892 gegründet. In welcher Form die Feste vor dieser Zeit organisiert wurden, ist unbekannt; allein das „Schüttenhoff-Kleinod“ schon aus dem frühen 19. Jahrhundert verweist auf die lange Tradition der Feste und der damit verbundenen Sitten und Gebräuche. Nachfolgend eine Aufstellung der Feste, soweit sie bekannt sind, im Jahresverlauf:

Silvester

Silvestersingen der Kinder: Die Kinder zogen am Silvesternachmittag von Haus zu Haus, sangen („Witten Zwern, schwatten Zwern, düsse Luje chewen nich cheern“) und bekamen für ihre guten Wünsche zum neuen Jahr Süßigkeiten und Obst. Diesen Brauch gab es noch bis etwa 1987/88; danach schlief er ein und wurde teilweise durch den katholischen Brauch des Martinssingens ersetzt.

Februar

In diesem Monat – dem Faschingsmonat – fand immer der Sängerball des Männergesangvereins auf dem Saal der Gastwirtschaft Rühling statt – bis im September 1973 eine Gasexplosion die Gastwirtschaft „Zur Linde“ zerstörte. Es müssen sehr schöne Feste gewesen sein. Alle Befragten schwärmen noch heute von den Tanzvergnügen „bei Rühlings ob dem Saale“.

Ostern

Osterfeuer, so wie wir sie alle kennen, gibt es in Holzerode erst seit Mitte der 70-er Jahre. Zuerst wurden sie vom Rallye-Club organisiert, dann übernahm die Freiwillige Feuerwehr die Leitung und dann wieder der Rallye-Club. Zur Zeit veranstaltet das Feuer der Förderverein. Das lange Zeit parallel vom Rallye-Club angebotene Ostertanzvergnügen am Ostersonntag wurde schon vor einigen Jahren eingestellt.

Osterwasser

Vor Ostern zogen die Mädchen des Dorfes, jede mit einem Eimer, zu einer Quelle im Osterholz in Richtung Spanbeck gelegen. Dort schöpften sie von dem klaren Quellwasser, um dieses dann mit nach Hause zu nehmen. Wenn man sich dann am nächsten Morgen mit diesem Wasser wusch – so wird überliefert – wurde man schön. Das konnte allerdings nur dann eintreten, wenn die Mädchen auf dem Weg von der Quelle beim Wassertragen stumm blieben, nicht miteinander sprachen, kicherten oder sich von anderen zum Sprechen verleiten ließen. Sonst verlor das Wasser von seinem Zauber. Eine schwere Aufgabe. Die Jungen wussten natürlich von diesem Treiben und hatten großen Spaß, die Mädchen auf dem Weg nach Hause unterwegs aufzulauern, um sie mit allerlei Unfug zum Reden zu bewegen, damit das Wasser seine Kraft verlor.

Würstesammeln

Kurz vor den Osterfeiertagen zogen die jungen Männer, die Junggesellen des Dorfes, von Haus zu Haus und baten um eine Wurst. Wenn eine überreicht wurde, kam diese auf eine „Giffel“. Dies war ein Stock, an dessen Ende sich eine Astgabel befand, damit aufgehängte Würste nicht abrutschen konnten. Denn die Giffel wurde auf der Schulter getragen und die Würste hingen, je nach Erfolg, hinter dem Träger. Ostern wurden dann diese Würste zur Grundlage eines reichen Festschmauses. Dabei wurde auch das eine oder andere Gläschen geleert – wie zu vermuten steht, nicht nur zur Verbesserung der Bekömmlichkeit!?

Tanz in den Mai

Diese große Tanz-Veranstaltung bei „Rühlings ob dem Saale“ war in besten Zeiten der 50-er Jahre mit bis zu 700 Teilnehmern die größte Feier; sie wurde seit dem Ende des Ersten Weltkrieges bis etwa Mitte der 70-er Jahre – mit Ausnahme der NS-Zeit – vom SPD-Ortsverein veranstaltet.

Walpurgisnacht

Walpurgisnacht

Diese sehr beliebte Veranstaltung wird seit einigen Jahren von der Laienspielgruppe durchgeführt. Zuerst fand die Feier im Lauseberg, dann auf dem Pfadfindergelände statt; seit der Fertigstellung des Grillplatzes gehen dort die Hexen um.

Pfingsten

Seit etwa 1978 wurde Pfingsten geprägt durch das Grillen des Männergesangsvereins am 2. Feiertag. Vor der Fertigstellung des Grillplatzes wurde vor der „Alten Schule“ mitten im Dorf gegrillt. Leider findet das Fest seit zwei Jahren nicht mehr statt.

Sommer – Schüttenhoff

Dieses Traditionsfest aus dem 19. Jahrhundert wird seit 1969 wieder alle sieben Jahre gefeiert. Herzstück des Festes ist das Barrikadenstürmen – die Befreiung Holzerodes von einer räuberischen Bande. In diesem Jahr findet – gemeinsam mit der 950-Jahrfeier – der 6. Schüttenhof „neuer Art“ statt. Alle Beteiligten tragen historische Kostüme. Das Fest im Stile eines „Spiels ohne Grenzen“ ist ein großer Spaß für Jung und Alt und hat daher auch keinen Mangel an Teilnehmern.

Oktober

Die Kirmes mit Kirmesschießen wird seit vielen Jahren traditionell am 2. Wochenende im Oktober begangen. Früher wurde sie gemeinsam mit dem Erntedankfest gefeiert. Die älteren Befragten können sich noch erinnern, dass früher die Kirmes viel länger gefeiert wurde als heute. Am Sonnabend gab es zum Auftakt ein Tanzvergnügen, Sonntag wurde mit Kirchgang, Umzug und anschließendem Tanz gefeiert, am Montag folgte ein gemeinsames Frühstück mit dem Schießen auf die Königsscheibe. Seit vielen Jahren wird die Kirmes abwechselnd von einer Vereinsgemeinschaft organisiert.

November

Am ersten Wochenende im November findet der Königsball des Schützenvereins statt. Früher wurde bei diesem Ball, wie auch beim Kirmesball und anderen Tanzvergnügen, um 12 Uhr nachts eine Pause zum Kaffeetrinken und Brötchenessen eingelegt. Die Feiernden holten die mitgebrachten Kaffeepötte und belegten Brötchen heraus und tafelten gemeinsam. Mit frischen Kräften ging nach etwa 1 Stunde das Tanzvergnügen weiter. Heute gibt es diese mitternächtliche Kaffeepause wohl nur noch in dem Ort Sattenhausen.

Dezember

Dezemberzeit ist in Holzerode Theaterzeit. Erstmalig zu Weihnachten 1952 wurden von der Laienspielgruppe Holzerode mehrere Komödien dargeboten. Auch diese Veranstaltung fand zuerst in der Gaststätte Rühling statt. Seit einer Reihe von Jahren findet der Theaterabend jeweils schon Anfang Dezember statt; seit 1978 steht hierfür die Mehrzweckhalle zur Verfügung.

Autorin: Ulrike Libal. Aus: Festschrift 950 Jahre Holzerode, 2005

siehe auch:

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