Fleischer-Einkauf Hannover-Göttingen eG

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8500 Artikel hat der Fleischer-Einkauf Hannover-Göttingen im Sortiment: Stefan Penz und Andre Weider im Hochregallager in der Rosdorfer Götzenbreite 16.

Porträt im Göttinger Tageblatt

„Wir liefern alles: vom Pfefferkorn über die Gerätschaften zur Fleischverarbeitung bis zur kompletten Ladeneinrichtung“, sagt Stefan Penz, geschäftsführender Vorstand der Genossenschaft Fleischer-Einkauf Hannover-Göttingen. 8500 Artikel hat das Unternehmen im Sortiment. Durch die Bündelung des Einkaufs erzielt die Genossenschaft bessere Konditionen, als sie die einzelnen Mitglieder bei den Lieferanten durchsetzen könnten. Im Einkauf ist das Unternehmen seit 1950 tätig. Seit 1997 befasst sich die Genossenschaft ausschließlich damit. Damals endete die Zusammenarbeit mit dem Göttinger Schlachthof, der seit Ende der 1980er Jahre mit roten Zahlen kämpfte und schließlich zahlungsunfähig wurde.

Der eigentliche Grund für die Gründung der Genossenschaft war 1923 nicht der Einkauf, sondern die Vermarktung von Tierhäuten. Die Fleischer kauften damals lebende Tiere, die sie auf eigene Rechnung schlachten ließen. Das Fleisch benötigten sie selbst. Die Häute vertrieb das gemeinsame Unternehmen. Das war die Idee des Fleischer-Obermeisters August Hemmerich. 27 Fleischer gehörten zu den Gründern. Weitere neun schlossen sich im ersten Monat an. Die enge Zusammenarbeit mit der Innung hat sich bis heute gehalten. Der derzeitige Obermeister Ansgar Nachtwey gehört dem Vorstand an.

Häute, Felle und Därme

1940 übernahm die Genossenschaft auch die Reinigung und Bearbeitung der beim Schlachten anfallenden Viehdärme. Dafür war bis zu diesem Zeitpunkt ein eigener Verein der Fleischer zuständig gewesen. Eine weitreichende Veränderung war mit der Eröffnung des Göttinger Schlachthofes 1972 verbunden. Seither kaufen die Betriebe überwiegend Fleisch bereits geschlachteter Tiere. Die am Schlachthof tätigen Fleischagenturen ließen allerdings weiterhin Häute, Felle und Därme von der Genossenschaft vermarkten.

Der Wandel im Fleischerhandwerk macht sich in vielfältiger Weise bei der Genossenschaft bemerkbar. Seit den 1980er Jahren ist das Partyservicegeschäft immer wichtiger geworden. Die Fleischer müssen nun andere Waren zukaufen: etwa Käse, Feinkost oder Tiefkühlware. Um die Nachfrage zu befriedigen, richtete der Fleischer-Einkauf 1986 einen eigenen Tiefkühlraum ein. 450 Quadratmeter war er groß. Derzeit investiert die Genossenschaft 1,6 Mio. Euro in einen Anbau am Unternehmenssitz in der Rosdorfer Götzenbreite 16. Sie verdoppelt so ihre Lagerfläche und verringert gleichzeitig durch neue Technik und bessere Dämmung die Energiekosten.

„Der Wettbewerb mit den Supermärkten und die kostenintensiven Auflagen des Gesetzgebers hat die Zahl der Fleischereien in der Region schrumpfen lassen“, berichtet Geschäftsführer Penz. Dafür nahm die Zahlen der Filialen zu. Der größte Kunde der Genossenschaft kommt auf 72 Stück. Trotz seiner Größe ist er Mitglied geblieben. „Er schätzt unsere Logistik“, erklärt Penz. Der Fleischer-Einkauf liefere die Waren pünktlich an. So könnten sich Mitglieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Zentrale bleibt in Rosdorf

Die Genossenschaft reagierte auf die sinkende Zahl der Mitglieder mit einer Ausdehnung ihres Geschäftsgebietes. 1993 erfolgte die Fusion mit einer Genossenschaft in Eisleben, mit der der Fleischer-Einkauf seit 1991 zusammenarbeitete. 2001 kam es zu einer Verschmelzung mit der Genossenschaft Fleischerdienst Hannover, die bereits seit 1897 bestand. Die Zentrale blieb in Rosdorf, wo 1994 ein Neubau errichtet wurde. Heute hat die Genossenschaft 460 Mitglieder, die sich über Niedersachsen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen verteilen. Die Göttinger sind in einem Radius von 200 Kilometern aktiv.

Seit 1990 hat die Genossenschaft einen Außendienst, der Bestellungen bei den Mitgliedern vor Ort aufnimmt. Heute sind zehn Verkäufer für die Genossenschaft im Einsatz. Über mobile Rechner stellen sie Aufträge sofort der Zentrale zu, wo sie umgehend bearbeitet werden, so Penz. Die Fleischer bekommen die Ware geliefert. Auch das war eine der großen Neuerungen des Jahres 1990. Neun eigene Lkw hat das Unternehmen im Einsatz. Auf Nachfrage der Mitglieder betreibt die Genossenschaft seit Kurzem eine eigene Werbeagentur, die ihre Dienste auch anderen Handwerksbetrieben zur Verfügung stellt.

Im Jahr 2011 machten die Rosdorfer mit ihren 55 Mitarbeitern an insgesamt drei Standorten, auch in Hannover und Eisleben sind sie präsent, einen Umsatz von 22,2 Mio. Euro. Die Zahlen für das Geschäftsjahr 2012 liegen noch nicht vor.