Friedrich Christoph Dahlmann

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Friedrich Christoph Dahlmann, geboren am 13. Mai 1785 in Wismar, gestorben am 5. Dezember 1860 in Bonn. Sein Studium der Philolgie absolvierte er in Kopenhagen und in Halle. 1809 freundete er sich in Dresden mit Heinrich von Kleist an. Dahlmann promovierte 1810 mit einer Abhandlung über Ottokar von Böhmen in Wittenberg und habilitierte sich 1811 in Kopenhagen. Er zählt zu den Göttinger Sieben.

Zur Person

1829 nahm Dahlmann den Ruf der Universität Göttingen an und wurde dort Professor für deutsche Geschichte und Staatswissenschaften. Er war auch politisch engagiert und wurde 1831 als Deputierter der Göttinger Universität an den Generalgouverneur Herzog von Cambridge abgesandt und wurde innerhalb der Universität zum Vertreter der Zweiten Kammer. Er wohnte bis zu seiner Vertreibung aus Göttingen am Weender Tor, gegenüber dem Auditorium. Das Gebäude wurde allerdings im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Seinen Göttinger Wirkungskreis musste Dahlmann verlassen, als eine Protestation gegen den Verfassungsbruch könig Ernst Augusts I. verfasste, in dem er gegen die Aufhebung des Grundgesetzes protestierte und das Verfahren des Königs als "Staatsstreich" bezeichnete. Sechs Kollegen, Heinrich Georg August Ewald, Wilhelm Eduard Weber, Georg Gottfried Gervivnius, Wilhelm Eduard Albrecht sowie den Brüdern Wilhelm und Jacob Grimm unterstützten. Dahlmann wurde abgesetzt und des Landes verweisen. Allerdings fand er in Leipzig und Jena Zuflucht und erhielt 1842 einen Ruf an die Universität Bonn. Nach der Revolution 1848 wurde Dahlmann zum Frankfurter Bundestag als Vertrauensmann Preußens entsandt. Außerdem war er in der Nationalversammlung als Führer einer kleinen Partei vertreten, zog sich aber nach dem Scheitern der freiheitlichen Bestrebungen von 1848 aus der Politik zurück.


Nach ihm ist die Dahlmannstraße im Ostviertel benannt.

Literatur

Biographie

Dahlmanns Biograph und Berufskollege: Wilhelm Bleek

Der aus Bonn stammende Wissenschaftler und Professor für Politikwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum, Wilhelm Bleek, hat die Biographie über Dahlmann geschrieben.

Erhältlich ist das Buch von Wilhelm Bleek mit dem Titel „Friedrich Christoph Dahlmann. Eine Biographie“ beim Verlag C.H. Beck 2010, 491 Seiten mit 31 Abbildungen für 34,95 Euro.

In einem Vortrag, der auch gleichzeitig Vorstellung seines Buches war, sprach er in einer vom Seminar für Politikwissenschaft der Universität Göttingen und vom Geschichtsverein für Göttingen und Umgebung organisierten Veranstaltung vor etwa 40 Zuhörern im Zentralen Hörsaalgebäude am Platz der Göttinger Sieben.

Bleeks Darstellung begann mit Dahlmanns Berufung an die Göttinger Georg-August-Universität im Herbst 1829 als Professor für Deutsche Geschichte und Staatswissenschaften. Für den auch mal unbequemen und für diese Eigenschaft damals bereits abgestraften Dahlmann sei die Ankunft im „Paradies“ Göttingen wie eine „Erlösung“ gewesen. Doch auch hier steckte sich der sowohl introvertierte als auch konsequente Wächter der Demokratie ein hohes Ziel.

Bleek sprach mit den Worten Dahlmanns: „Wir müssen versuchen, die Universität aus dem vormärzlichen Mief nach den Karlsbader Beschlüssen zu befreien.“ Im primären Fokus des „kühlen Norddeutschen“ aus Wismar stand aber der unverhohlene Protest gegen die Enthebung des hannoverschen Staatsgrundgesetzes im Jahre 1837 durch den damals amtierenden König Ernst August. „Da war Dahlmann wie Luther. Er sagte: Hier stehe ich, ich kann nicht anders“, beschreibt Biograph Bleek den Historiker und Politikwissenschaftler.

Die Göttinger Sieben wurden 1737 des Landes verwiesen, weil sie gegen König Ernst August von Hannover und seinen Verfassungsbruch protestiert hatten. Dahlmann, der die Protestation verfasste, wurde von seinen studentischen Anhängern für seinen Mut bejubelt. Stationen in Leipzig und Jena folgten bis Dahlmann 1842 den Ruf der Universität Bonn annahm. Sein Ruhm brachte ihm auch die Mitgliedschaft bei der Frankfurter Nationalversammlung 1848 und die Beteiligung an der Entwicklung der Paulskirchenverfassung von 1849 ein. Der bekannte Dahlmann war auch Mitglied der Delegation, die dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. die deutsche Kaiserkrone anbot. Später war der einstige Göttingen gefragter Ratgeber der Regierung und galt als politische Autorität.

Doch nicht nur die starke und öffentliche Seite Dahlmanns zeigte Bleek. Oft genug gab er kleine Einblicke, die Dahlmanns private Seiten zeigten: „Aus seiner kümmerlichen Kindheit hat er die Lehre gezogen, dass eine gute Ordnung nicht nur auf Freiheit beruht, sondern auch auf Ordnung. Dahlmann war wie eine Teetasse, die einen Sprung hat und eben dadurch länger hält.“ Im Rahmen seiner intensiven Recherchearbeit war Bleek, der inzwischen in Toronto (Kanada) lebt, auch auf Artefakte gestoßen und brachte eine Zeichnung, die Dahlmann vor dem Weender Nebentor zeigt, aus den Händen von dessen Ururgroßenkelin mit.

  • Quelle: Göttinger Tageblatt, 01. Dezember 2010, S. 22