Friedrich Gehrich

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Friedrich Gehrich (*24. April 1797 in Goslar, † 27. September 1861) war Theologe. Von 1848 bis 1861 war er als Pastor in Duderstadt tätig. Er war Mitglied der Goslarer Freimaurerloge "Hercynia zum flammenden Stern".

Friedrich Gehrich

Quellen

Aus dem Göttinger Tageblatt vom 20. Juni 2009

Der Johannistag (24. Juni) ist der höchste Feiertag der Freimaurer. Johannes der Täufer gilt als Patron der Bauleute. Am 24. Juni 1822 trat der spätere evangelische Pastor von Duderstadt, Friedrich Gehrich, der Goslarer Freimaurerloge „Hercynia zum flammenden Stern“ bei. Sie begeht 2009 den 200. Jahrestag ihrer Lichteinbringung (Tempelweihe).

Von Michael Caspar

Friedrich Gehrich war nicht mehr der Jüngste, als er 1848 von Goslar nach Duderstadt reiste. Der 52-Jährige übernahm das Amt des Pastors an der evangelischen Kirche St. Servatius. Er war der dritte lutherische Geistliche der Stadt, seit die Obrigkeit den Evangelischen die Unterkirche als Gotteshaus zugewiesen hatte. 200 Jahre hatten die Duderstädter Lutheraner ohne eigene Kirche auskommen müssen.

Gehrich war am 24. April 1797 als viertes von 14 Kindern zur Welt gekommen. Sein Vater Christian-Ernst Gehrich arbeitete in Goslar als Schuldirektor und Pastor der Kirche St. Stephanus. Sohn Friedrich besuchte das Gymnasium in Braunschweig und studierte anschließend in Göttingen Theologie. 1821 bekam er in Goslar eine Stelle als Lehrer an der höheren Schule. Seit 1840 war er als Hilfsprediger an St. Stephanus tätig. Gehrich, seit 1827 verheiratet, hatte zwei Töchter und einen Sohn.

Der Theologe engagierte sich in der Goslarer Freimaurerloge „Hercynia zum flammenden Stern“. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus hatte die Waldgebiete vom Alpenrand bis zum Harz Hercynia genannt. Auf Tageblatt-Anfrage teilt der Goslarer Logenarchivar Richard Müller bedauernd mit: „Bedingt durch die Beschlagnahme 1935 durch die Nationalsozialisten befinden sich die Unterlagen über unsere früheren Brüder nicht mehr in unserem Besitz. Wir können daher nur bedingt Auskunft geben.“ Gehrich sei 1822 aufgenommen worden und habe die Loge von 1831 bis 1848 als sogenannter Meister vom Stuhl geleitet, so Müller. Mehr Informationen finden sich in zwei Reden, die nach Gehrichs Tod 1861 im Rahmen einer Trauerloge, einer freimaurerischen Trauerfeier, gehalten wurden. Das schmale Heft, das als „Manuskript für Freimaurer“ ausgewiesen ist, findet sich in der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek in Göttingen. Danach war bereits Gehrichs Vater Mitglied des Goslarer Maurerbundes. Er leitete die Loge von 1814 bis 1824 und ist 1833 gestorben.

Sohn eingeführt

Sein Sohn erweiterte seine Kenntnisse in der „königlichen Kunst“ (Freimaurerei) ab 1831. Damals schloss er sich der Loge „Hermann zu den neun Sternen“ an, die mit der Hercynia verbunden war und nach dem sogenannten Hochgradsystem des Schottischen Ritus arbeitete. Es kennt – aufbauend auf den drei Freimaurergraden Lehrling, Geselle, Meister – weitere Grade. 1844 und 1846 ließ sich Gehrich in Magdeburg in den fünften und sechsten Grad einweihen. Nach Dienstantritt in Duderstadt besuchte der Freimaurer die Goslarer Loge nur noch dreimal. Am 24. Juni 1860, ein Jahr vor seinem Tod, führte er dort seinen einzigen Sohn dem Maurerbunde zu. Der junge Mann sei selbstständig im Baufach tätig, heißt es im Nachruf.

Über Gehrichs Zeit im Eichsfeld informiert Enno Haases Werk „Die Evangelischen in Duderstadt“ (Duderstadt: Mecke, 1984). Haase, der Gehrichs Logenzugehörigkeit nicht erwähnt, stützt sich auf das Tagebuch des Zeitzeugen Heinrich Julius Gebhardt. Danach reisten am 10. Februar 1848 angesehene evangelische Bürger Duderstadts dem neuen Pastor in sechs Wagen bis Obernfeld entgegen. Die Amtseinführung fand drei Tage später in der mit Kränzen und Girlanden geschmückten Kirche statt. Gehrich predigte über die Frage: „Was heißt Leben?“ Seine Antwort: genießen, würdig und göttlich leben. Tagebuchautor Gebhardt lobt den „musterhaften Probevortrag“. Während Gehrichs Amtszeit wurden 1858 die beiden Nebenaltäre der Kirche auf Anordnung des Konsistoriums in Hannover (heute Landeskirchenamt) entfernt. Nach Meinung der Hannoveraner wirkte St. Servatius immer noch wie ein katholisches Gotteshaus. Unter Gehrich wurden zudem alle in den Duderstädter Dörfern lebenden Lutheraner der Gemeinde zugeordnet. Das war zuvor strittig gewesen.

„Großer Wohltäter“

Der Pastor starb am 27. September 1861 im Alter von 64 Jahren. Tagebuchautor Gebhardt bezeichnet den Geistlichen als „einen großen Wohltäter“, der sich nicht nur um die evangelischen, sondern auch um die katholischen Armen gekümmert habe. Im Freimaurer-Nachruf wird hervorgehoben, dass bei Beerdigung des Pastoren auch die Glocken der katholischen Kirche geläutet hätten. Die Logenbrüder führen dies auf Gehrichs „von keinem dogmatischen Flitterwerke geblendeten Sinn“ sowie auf seine „opferwillige, nie zu ermüdende Menschenfreundlichkeit“ zurück. Der Trauerredner: „Darum erweckte sein Tod auch bei den Anhängern einer andern Konfession die lebhafteste, schmerzlichste Theilnahme.“