Göttinger Synagoge

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Vom 9. auf den 10. November 1938 von den Nazis angezündet und ausgebrannt: die Göttinger Synagoge. © Städtisches Museum

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die jüdische Gemeinde Göttingens so groß geworden, dass sie sich von der alten Synagoge an der Prinzenstraße verabschieden. Ein Neubau an der Oberen Maschstraße wurde errichtet. Zwischen 1869 und 1874 entstand das Bauwerk ohne öffentliche Zuschüsse aus eigener finanzieller Kraft. Am 10.11.1938 wurde die Synagoge von Nationalsozialisten abgebrannt.


Vor 74 Jahren in Flammen aufgegangen

In der vergangenen Nacht wurde als Vergeltung für den jüdischen Mord in Paris die Synagoge, Untere Masch 13, bis auf die Grundmauern niedergebrannt.“ Diesen einzigen Satz widmete vor 74 Jahren ein Göttinger Stadtchronist der Zerstörung der Synagoge am 10. November 1938 während der nationalsozialistischen November-Pogrome.


Jüdische Befölkerung in Göttingen

Nach einer Erweiterung 1890 bot die Synagoge Platz für 450 Gemeindemitglieder. Die Juden in Göttingen, darunter viele Geschäftsleute, waren fest in die Göttinger Bevölkerung assimiliert: Viele von ihnen trugen deutsche Vornamen. Die Kinder gingen in normale Göttinger Schulen. Viele Männer meldeten sich bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum freiwilligen Kriegseinsatz.

1933 lebten rund 500 jüdischen Bürger in der Stadt. Schon seit Beginn der 30er Jahre, vor Beginn des nationalsozialistischen Terrors, waren sie jedoch antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt. Viele Angehörige der jüdischen Glaubensgemeinschaft emigrierten, rund 200 bis Ende des Jahres 1938.


Als SA- und SS-Angehörige in Göttingen brandschatzend durch die Stadt zogen

Am 9. November, zwei Tage nach den Schüssen eines polnischen Juden auf den in Paris lebenden Botschaftssekretär Ernst Eduard von Rath, zogen SA- und SS-Angehörige auch in Göttingen brandschatzend und prügelnd durch die Straßen. „Die Göttinger gedachten in einer nächtlichen Feierstunde der Blutzeugen der nationalsozialistischen Bewegung, die vor 15 Jahren in München starben“, schrieb der Stadtarchivar damals in die städtische Chronik und hielt am 10. November fest, dass die Synagoge „in der vergangenen Nacht“ in Flammen aufgegangen sei.


Erinnerungen von Göttinger Rabbiner Hermann Ostfeld

An das imposante Bauwerk erinnert sich der wenige Tage vor der Brandstiftung ausgewanderte Göttinger Rabbiner Hermann Ostfeld, dessen Aufzeichnungen seit 2007 im Stadtarchiv aufbewahrt werden, so: „Die Göttinger Synagoge, die in der Kristallnacht im November 1938 völlig zerstört wurde, war eine schöne Synagoge gewesen, mit Holz ausgetäfelt und mit vielen Schnitzereien geschmückt…Ich erlebte Stunden tiefer Ergriffenheit, wenn ich die Menschen meiner Gemeinde vor mir sah, die spürten, daß der Boden, auf dem sie lebten, unter ihren Füßen zitterte und immer mehr zu versinken drohte.“


1945 die Jüdische Bevölkerung verschwand aus Göttingen

Was auch geschah: Göttinger Juden wurden entrechtet, aus den öffentlichen Einrichtungen, dem Arbeits- und Geschäftsleben gedrängt und schließlich um ihren Besitz gebracht. Bis 1942 versuchten weitere jüdische Göttinger, durch Flucht ihr Leben zu retten. Viele starben in Konzentrationslagern. Wer zurückblieb, wurde deportiert und getötet. Im Februar 1945 war nicht nur die Synagoge, sondern die gesamte jüdische Bevölkerung aus Göttingen verschwunden.

  • Quelle: Göttinger Tgaeblatt 09.11.2012


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