Günter Grass

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Günter Grass

Günter Grass ist ein Schriftsteller und Nobelpreisträger. Er erhält den Nobelpreis für Literatur im Jahr 1999 mit der Begründung des Nobelpreiskomitees „ …für dessen munter-schwarze Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte zeichnen“.


Grass wird am 16. Oktober 1927 in Danzig geboren. Sein Vater ist ein aus dem Deutschen Reich stammender Protestant, die Mutter kommt aus einer katholisch-kaschubischen Familie der Danziger Gegend. Die Eltern betreiben einen Koloinalwarenladen im Vorort Langfuhr. Grass besucht die Volksschule und das Gymnasium Conradinum in Danzig; er meldet sich freiwillig als Luftwaffenhelfer und wird zum 10. November 1944 zur Waffen-SS eingezogen. Nach der Grundausbildung im Februar 1945 dient er bis Kriegsende als Ladeschütze in einer Panzerabteilung der 10. SS-Panzer-Division "Frunsberg". [1]. Bis 1946 bleibt er in amerikanischer Gefangenschaft.

Auf der Suche nach seiner Familie landet er 1946 in Göttingen, trifft am Bahnhof einen alten Schulkameraden und besucht hier zwei Stunden das Felix-Klein-Gymnasium – in Latein und Geschichte. Das Ergebnis: Grass packt sein Bündel und fährt weiter Richtung Hildesheim.

Es folgt die Arbeit im Kalibergwerk, ein Steinmetzpraktikum, ab 1947 die Steinmetzlehre in Düsseldorf und von 1948 bis 1952 das Studium der Graphik und Bildhauerei in Düsseldorf, von 1953 bis 1956 in Berlin. In Paris lebt er von 1956 bis 1959.

1955 veröffentlicht er erste Lyrik und Kurzprosa, wird von der Gruppe 47 eingeladen und gehört ihr bis zu derem Ende an. 1956 erscheint ein erstes Bändchen mit Gedichten, Zeichnungen und Prosa: „Die Vorzüge der Wildhühner“. 1958 spricht ihm die Gruppe 47 für das noch unfertige Manuskript „Die Blechtrommel“ ihren Preis zu. Der Roman erscheint ein Jahr später und macht Grass auf einen Schlag berühmt. Zusammen mit der Novelle „Katz und Maus“ (1961) und dem Roman „Hundejahre“ (1963) konzipiert Grass dies als Erzählzyklus „Danziger Trilogie“. Die Blechtrommel wird 1979 von Volker Schlöndorff erfolgreich verfilmt.

1960 ist Grass mit seiner Familie nach Berlin zurückgekehrt und engagiert sich in mehreren Wahlkämpfen für die SPD, der er aber erst 1982 beitritt. Es folgen Romane wie „Örtlich betäubt“ oder „Aus dem Tagebuch einer Schnecke“. 1972 zieht sich Grass einige Jahre aus der politischen Öffentlichkeit zurück, macht aber mit Zeichnungen, Gedichten, Grafiken und Kunstausstellungen von sich reden. Sein Wohnort ist jetzt Weselsfleth in Schleswig-Holstein. Seinen internationalen Ruhm als Epiker untermauert er 1977 mit dem Roman „Der Butt“.

In „Kopfgeburten Oder die Deutschen sterben aus“ beschäftigt er sich 1980 wieder stärker mit der Frage der westlichen Gesellschaften. 1986 legt er sein Prosawerk „Die Rättin“ vor – ein Feature über den Selbstmord der Menschheit. 1993 tritt Grass aus der SPD aus – als Protest gegen die Asylpolitik der Sozialdemokraten. Kritik und heftige Debatten gibt es, als er 1995 seinen Roman „Ein weites Feld“ herausgibt, der zwischen Mauerbau und Wiedervereinigung spielt.

1999 stellt Grass in München seine Aquarelle im Werk „Mein Jahrhundert“ vor. In diesem Jahr erhält er neben dem Nobelpreis den von den Partnerstädten Göttingen und Thorn gestifteten Bogumil-Linde-Preis. Mit „Im Krebsgang“ (2002) hat Grass die größte Katastrophe in der Geschichte der deutschen Seefahrt zum Thema gewählt: den Untergang der „Wilhelm Gustloff“ am 30. Januar 1945 mit 6100 Flüchtlingen an Bord.

Bereits seit 1986 arbeitet Grass eng mit dem Göttinger Steidl-Verlag zusammen, der seit 1993 die Weltrechte an all seinen Werken hält. Grass trifft sich hier in Göttingen auch regelmäßig mit den Übersetzern seiner Werke.

Seinen 75. Geburtstag am 16. Oktober wird er zusammen mit seiner Familie, sechs Kindern und 16 Enkelkindern feiern. Am 18. Oktober gibt es ihm zu Ehren in Göttingen eine große Veranstaltung im Deutschen Theater – im Rahmen des 11. Göttinger Literaturherbstes organisiert von Christoph Reisner und Grass-Verleger Gerhard Steidl. Ein dreistündiges Bühnenprogramm ist dafür geplant, musikalische Überraschungsgäste, Lesungen von Freunden, ein Gästebuch im Internet – sowie eine Geburtstagsrede von Bundespräsident Johannes Rau.

Einige Tage danach wird in Lübeck ein Haus eröffnet, wie Grass es sich gewünscht hat: Hier sollen Künstler vorgestellt werden, die wie er Bild und Wort kombiniert haben – von Gottfried Keller bis Dürrenmatt.

Die Enthüllung im Sommer 2006, er habe in der Waffen-SS gedient, entfachte eine leidenschaftliche öffentliche Debatte.


Literatur

Stein, Ilse: Mit einem Schlag berühmt. Göttinger Tageblatt, 5. Oktober 2002.