Gaußstube wandert von Notquartier zu Notquartier

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Gaußstube wandert von Notquartier zu Notquartier

Immer auf der Suche nach Räumen für die Gaußausstellung: Friedrich Rehkop 1998.

Bilder des Südpolarschiffes Gauß vor dem antarktischen Gaußberg stellte 1911 der Münchner Professor Erich von Drygalski zur Verfügung. Der Verschönerungsverein suchte für die Gaußgedächtnisstätte im alten Gaußturm Ausstellungsstücke. Carl Friedrich Gauß hatte mit seinen Arbeiten über den Magnetismus des Planeten Anregungen zur Erforschung der Südpolargebiete gegeben. Ihm zu Ehren hatte von Drygalski, der 1901/03 eine Antarktisexpedition leitete, einen Berg nach Gauß benannt. Die Firma Sartorius stiftete zur Eröffnung von Turm und Gedächtnisstätte einen Heliotropen (griechisch Sonnenwender). Gauß hatte dieses Instrument entwickelt, als er das Land des Königreichs Hannover vermaß. Ein Heliotrop reflektiert mit einem Spiegel Sonnenlicht, damit der Messstandort in weiter Entfernung wahrgenommen und anvisiert werden kann. Für den Göttinger Professor kam die Erfindung des Heliotropen gleich nach der Entdeckung Amerikas. Außerdem gab es in der Ausstellung einen Nachbau des elektromagnetischen Telegrafen zu sehen, den Gauß zusammen mit einem anderen Göttinger Professoren, Wilhelm Weber, erfand. Auf einem kleinem Messingschild hat sich der Sponsor verewigt: „gestiftet von seiner Excellenz dem Herrn Staatssekretär des Reichs-Postamts Kraetke”. Der war 1911 bei der Eröffnung zugegen. Als der Turm 1962 nach einer schweren Sprengung wegen Einsturzgefahr gesperrt werden musste, bargen Mündener Pioniere die Ausstellungsstücke. Sie sollten in einem kleinen Gebäude untergebracht werden, das in der Nähe des zwei Jahre später erbauten neuen Gaußturms entstand. Das Haus war allerdings so schlecht isoliert, dass die Exponate innerhalb kürzester Zeit klitschnass waren und Schaden litten. Daraufhin verschwanden die Ausstellungsstücke für mehr als zehn Jahre in Kellnern und Privatwohnungen. Erst im September 1977 eröffnete der Verein mit fachlicher Unterstützung von Seiten der Gauß-Gesellschaft Göttingen in der unteren Plattform des zweiten Gausturms erneut eine Gedenkstätte. Die Nutzung der Plattform war eigentlich verboten, da ein zweiter Fluchtweg fehlte. Der Landkreis habe aber ein Auge zugedrückt. 1988/89 wurden dann neben dem Turm 14000 Kubikmeter Erdreich aufgeschüttet. Die waren beim Bau des Jühnder Tunnels angefallen, der für die ICE-Strecke Hannover-Würzburg benötigt wurde. Eine Gangway entstand, die seither den Hügel mit der unteren Plattform verbindet. Die ließ der Verschönerungsverein zur Gaststätte ausbauen. Umgerechnet 100 000 Euro kosteten die Bauarbeiten. Die Ausstellung zog in den kleinen Raum auf der unteren Plattform. Bald beanspruchte der Wirt auch dieses Zimmer. Die Ausstellungsstücke kamen nun größtenteils ins Stadtarchiv der Stadt Dransfeld. Nur die marmorne Gaußbüste des Bildhauers Gustav Eberlein sowie einige Fotos und Zeichnungen durften auf dem Hohen Hagen bleiben. Wieder kämpfte der Verein jahrelang für einen Raum. Die Stadt stellte ihm schließlich einen Raum im Dachgeschoss des Dransfelder Sport Clubs Am Bleichanger zur Verfügung. Hier wurde eine Ausstellung eingerichtet. Im Juni 2001 fand die Eröffnung statt. Allerdings erwies sich der Standort als nicht zukunftsfähig. 2007 wurde er geschlossen.

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