Gaußturm

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Der Gaußturm

Der Gausturm ist ein 51 m hoher Aussichtsturm auf dem Hohen Hagen im Dransfelder Stadtwald.

Die Bausumme von 51000 Goldmark war noch lange nicht zusammengebracht, da legte der Dransfelder Verschönerungsverein bereits den Grundstein für den Gaußturm. Zur Feierstunde am 29. Juli 1909 kamen auch die Kasseler Architekten Ludloff und Stiege. Mit einem Aussichtsturm auf dem Gipfel des Hohen Hagens wollte der 1904 gegründete Verein den Fremdenverkehr ankurbeln. Die ersten 100 Mark in den Turmbaufond hatte 1906 der Bruder des Dransfelder Pastors, der in Berlin lebende Ministerialdirektor August Gisecke, eingebracht. Als 15000 Mark zusammen waren, steuerte Kaiser Wilhelm II. 4000 Mark aus der Staatsschatulle bei. Die Sammelaktion ging unter dem unermüdlichen Einsatz von Fond-Verwalter Karl Forthmann weiter. Unterdessen wuchs der aus Basalt erbaute Turm auf 35 Meter Höhe an. Den Basalt bezogen die Handwerker aus dem angrenzenden Steinbruch. Die Stadt übereignete dem Verein das Grundstück kostenfrei.

Begleitet von mehr als 2000 Gästen fand die Eröffnung am 31. Juli 1911 statt. Benannt wurde der Turm nach dem Göttinger Professor Carl Friedrich Gauß, der von 1821 bis 1825 auf dem Hohen Hagen seine berühmten trigonometrischen Messungen vorgenommen hatte. Landrat von Stockhausen ehrte anlässlich der Turmeröffnung Forthmann für seine Verdienste mit dem vom Kaiser verliehenen Hausorden der Hohenzollern. Der Turm, der einen weiten Ausblick bis nach Thüringen, Hessen und zum Brocken bot, wurde schnell zum beliebten Ausflugsziel. Binnen weniger Wochen schauten 4500 Erwachsene, Jugendliche und Kinder, teils von weit her, auf dem Hohen Hagen vorbei. Auch die Eisenbahn profitierte davon: Sie verkaufte 1912 auf der Strecke zwischen Göttingen und Dransfeld 8600 Fahrkarten mehr als 1911, auf der Strecke zwischen Münden und Dransfeld waren es 500 Karten zusätzlich, zwischen Dransfeld und Kassel 740. Zur bekannten Persönlichkeit wurde Lina Eilers, die 25 Jahre lang als Turmwächterin wirkte. „Tante Eilers“, wie alle sie nannten, ging an jedem Wochenende und an den Feiertagen zu Fuß hinauf zum Hohen Hagen, um Eintrittskarten zu verkaufen und die Einrichtung des Gausszimmers zu erklären. Sie starb am 22. Mai 1950. Einige Tage voher hatte sie noch ihren Dienst versehen. 1962 fiel der Turm dem Basaltsteinbruch zum Opfer. Er hielt den immer näher kommenden Sprengungen nicht mehr stand. Der Verschönerungsverein klagte gegen das Steinbruchunternehmen. Die Stadt, die um ihre Pachteinnahmen fürchtete, sprang dem Basaltwerk bei. Es machte Besitzansprüche auf das Grundstück geltend. Ein halbes Jahrhundert zuvor war vergessen worden, die Übertragung beim Grundbuchamt anzuzeigen. Vor dem Oberlandesgericht Celle kam es zu einem Vergleich.


Der neue Turm, der im September 1964 nach elfmonatiger Bauzeit fertig wurde, gehört je zur Hälfte Stadt und Verschönerungsverein. Die Stadt ist seither verpflichtet, allein für den Unterhalt zu sorgen. Die Aussichtsplattform des neuen Bauwerks, die sich mit einem Fahrstuhl erreichen lässt, befindet sich auf gleicher Höhe wie die des alten Turms – auf 528 Meter über dem Meeresspiegel. Der Turm, der 51 Meter in die Höhe ragt, verfügt über ein sechs Meter tiefes Fundament. Eine eiserne Nottreppe mit 225 Stufen führt vom Kellerraum bis zur Aussichtsplattform. 23 Jahre lang ungenutzt blieb die untere Plattform. Stadt und Basaltwerk hatten sich zur Verärgerung des Verschönerungsvereins geeinigt, auf einen Zugang zu verzichten. Damit stand der Raum für eine Bewirtschaftung nicht zur Verfügung. Erst bei einem Ortstermin im Herbst 1986 regte der Landkreis an, mit Bodenaushub von Bundesbahn-Bauarbeiten doch noch einen Zugang zu schaffen. Mittlerweile war der Basaltabbau eingestellt worden.

Seit Ende Mai war der Antennenmast des Gaußturms nicht mehr sicher. Aus diesem Grund wird der Mast von einem Schwerlastkran an den Haken genommen. Im November 2009 installierten Arbeiter einen neuen Funkmasten. Für die 27 Meter hohe und 9,4 Tonnen schwere Stahlkonstruktion hat das Land Niedersachsen rund 130 000 Euro investiert.

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