Gedichte aus Holzerode

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(von dem alten Holzeröder Karl Thiele in der Kriegsgefangenschaft am 7. Juli 1945 gedichtet und seinem Heimatort zur 900-Jahrfeier 1955 gewidmet)

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Hünenstollen, Heimatberge, stille Flur am Waldesrand

Trautes Dörflein auf der Erde, Ort, wo meine Wiege stand.

Dort, wo Bäche leise fließen, hoch vom Berg ins tiefe Tal:

Heimatland, ich lass Dich grüßen, sei gegrüßt viel tausendmal.


Mäuseturm, so alt und bieder, grüßt Du mich aus ferner Zeit,

Blüht im Frühling längst der Flieder, herrscht bei Dir noch Einsamkeit.

Deiner Mauern harte Reste hielten manchem Sturme stand,

doch dein Glockenklang zum Feste schallt schon lang nicht mehr ins Land.


Wenn des Tages Morgenstunde traumvoll steigt aus dunkler Nacht

und die Sonn’ aus gold’nen Mund’ strahlend hoch vom Himmel lacht,

wenn die bunten Blumen blühen, dort in Wiesen, Wald und Feld,

möcht“ mein Herz vor Freud“ erglühen; Heimat, du bist meine Welt.


Wo die hohen Berge ragen mit der Wälder dunklem Grün

Und die Felder Ähren tragen, Wolken in die Ferne ziehn,

da wo Vöglein Lieder singen, Menschen an die Arbeit geh“n

hör ich leis“ vom fern erklingen, Heimatland, wie bist du schön.

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Holzerode

Gedicht eines ausgewanderten „Flüchtlings“

Wo von Norden her der Brocken

Blau und ernst herübertäumt,

Dich, Du stilles Holzerode,

Wald und Weite sanft umsäumt.


Hünstollen und Lipp’sche Berge

Halten Dir die treue Wacht,

Wenn nach Tages Schweiß und Arbeit

Dich umfängt der Wälder Nacht.


Fröhlichkeit in dunklen Tagen,

Sangeslust im grünen Tann,

Und von uralt fernen Sagen

Mäuseturm erzählen kann.


Kann die große Welt in Sorgen

Sich nicht selber mehr versteh’n,

Wirst Du, Holzerode, morgen

Still und stark vor Dir besteh’n.


Verfasser: Familie Erdmann; Quelle: Ilse Linnemann. Aus: Festschrift 950 Jahre Holzerode, 2005