Genealogisch-Heraldische Gesellschaft Göttingen

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Die Genealogisch-Heraldische Gesellschaft ist ein vetein in Göttingen.Die Familienforscher helfen auch beim Lesen Alter Schriften.


Familienforscher: Lesen alter Schriften

Helfen beim Lesen alter Schriften: Hans-Heinrich Hillegeist und Maria Baalmann.

„Für Familienforscher ist es wichtig, alte Schriften zu beherrschen“, sagt Maria Baalmann von der Genealogisch-heraldischen Gesellschaft. „Jeder hat solche Schriften zu Hause“, ergänzt Hans-Heinrich Hillegeist. Sobald die Menschen Zeit dafür hätten – das sei meist ab ihrer Pensionierung – fingen sie an, sich damit zu beschäftigen und gingen den Verzweigungen ihrer Familie nach. Quellen wie Kirchenbücher und andere alte Dokumente, die für die Familienforschung wichtig seien, gebe es meist nur in alten Schriften zu lesen. Beim Studium der Kirchenbücher spiele aber nicht allein die Schriftart, sondern auch die Handschrift des Pastors eine Rolle. So gebe es Bücher, die die Varianten der einzelnen Buchstaben auflisteten. Sinnvoll beim Entziffern einer Schrift sei es oft, ein persönliches Alphabet des Schreibers zusammenzustellen. Denn auch damals habe nicht jeder Pastor leserlich geschrieben. „Es gab auch Schmierfinken darunter“, sagt Hillegeist. Internet hilft Schriften vom Sütterlin zurück bis ins 18. Jahrhundert werden in dem Kurs gelesen, beschreibt Hillegeist. Bei den Volkshochschulen Göttingen, Northeim und Duderstadt hätte die Gesellschaft schon ähnliche Kurse angeboten. Insbesondere bei älteren Menschen seien diese immer wieder auf großes Interesse gestoßen. Seit 1926 gibt es die Genealogisch-heraldische Gesellschaft. Für Südniedersachsen hat der Verein unter anderem ein Trauregister herausgegeben, die Arbeit daran sei noch nicht abgeschlossen. Die Gesellschaft habe sich vorgenommen, auch jüngere Menschen an die Forschung heranzuführen. Für diese könne es interessant sein, dass auch in der Familienforschung die Nutzung des Internets zugenommen habe.

„Mich interessiert meine Familiengeschichte“

Nachschlagewerk: Im „Leseschlüssel“ werden die Buchstaben im Wandel der Zeit gezeigt.

Nur das Kratzen von Bleistift auf Papier ist zu hören. Wie in der Schule sitzen sie an ihren Tischen und übersetzen die kopierten Texte. „Das ist ganz schrecklich geschrieben“, sagt Stefan Endler. Er hat Mühe die Handschrift zu entziffern. Die „Schüler“ übersetzen nicht von Englisch nach Deutsch. Sie übertragen deutsche Texte aus alten Zeiten. Unterricht im Lesen alter Schriften bietet die Genealogisch-heraldische Gesellschaft an. Hans-Heinrich Hillegeist teilt die nächsten Blätter aus. „Das kann ich“ sagt Margret Beinhorn sogleich und beginnt den Text laut vorzulesen. Auch Margitta König kommt zurecht. Und wieder nur leises Bleistiftkratzen, während die Texte eilfertig in lateinischer Schrift abgeschrieben werden.

„Unser Märchenbuch war in Sütterlin“, erinnert sich Beinhorn. Hillegeist ist 1935 geboren. Er habe die Sütterlin-Schrift nicht mehr gelernt. Von seinem Geburtsjahr bis 1941, ein Jahr vor seiner Einschulung, war sie Teil des offiziellen Lehrplans. In der Folge des Schrifterlasses hat die NSDAP 1941 die Verwendung der Sütterlinschrift verboten. Als Ausgangsschrift wurde ab 1942 nur noch die lateinische Schrift gelehrt. Wieder andere Buchstabenformen lernen mit der vereinfachten Ausgangsschrift heute Hillegeists Enkelkinder.

Eine ganze Tasche voll mit alten Dokumenten hat Margitta König (67) aus Klein Wiershausen mitgebracht. Ein Gästebuch interessiert sie besonders. Freunde des Vaters aus ganz Deutschland hätten sich hier eingetragen und geschildert, wo sie hergekommen seien und was sie auf der Fahrt alles erlebt hatten. „Jeder schreibt anders“, schildert König das Büchlein. Gerade die Zeilen der Schmierfinken könne sie nicht ohne Hilfe entziffern. Weitere Schriftstücke aus früheren Zeiten habe sie von ihrem Onkel aus der ehemaligen DDR übernommen. Weil sie auch davon vieles nicht auf Anhieb lesen könne und weil sie Hans-Heinrich Hillegeist gut kenne, sei sie heute hergekommen. „Mich interessiert meine Familiengeschichte“, sagt Stefan Endler (46). Im vergangenen Jahr habe er ein paar alte Verträge von seinem Großvater gefunden, sie seien handschriftlich abgefasst. „Bei manchen habe ich sehr große Schwierigkeiten, die einzelnen Wörter zu erkennen.“ Durch einen Artikel im Tageblatt sei er in den Kurs gekommen.

„Die Schwierigkeit ist, dass viele Kinder die Schrift ihrer Großeltern nicht mehr lesen können“, konstatiert Heinz Bielefeld (81) von der GHGG. Deshalb würden alte Schriften weggeworfen. Oft sei doch etwas Wertvolles dabei, weiß der ehemalige Leiter des Kirchenkreisarchivs. Er selbst musste verschiedene Schriften lernen. Als Heranwachsender habe er deutsche Schrift geschrieben. Aus beruflichen Gründen musste der Lehrer sich 1955 auf lateinische Schrift umstellen. Heute gibt er sein Wissen und seine Erfahrung beim Deuten alter Schriften an Menschen wie Beinhorn, König und Endler weiter.