Georg-August-Universität Göttingen

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Georg-August-Universität
Die Aula der Georg-August-Universität am Wilhelmsplatz
Weender Landstr. Georg-August-Universität
Georg-August-Universität

Die 1737 eröffnete Georg-August-Universität Göttingen ist die traditionsreichste Universität in Niedersachsen. Die 'Georgia-Augusta' war von 2007 bis 2012 eine der neun "Exzellenz-Universitäten" in Deutschland. Sie steht in der Trägerschaft einer eigenständigen Universitätsstiftung und hat im Sommersemester 2008 etwa 24.000 Studierende. Einschließlich der Universitätsmedizin ist die Universität die größte Arbeitgeberin Südniedersachsens.

Bis Anfang der 1930er Jahre gehörte Göttingen in der Physik zu den weltweit führenden Universitäten. Besonderen nationalen Rang hat auch die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek, die mit etwa 4,1 Millionen Bänden eine der größten Bibliotheken in Deutschland ist.

Rechtliche Struktur

Seit dem 01.01.2003 befindet sich die Georg-August-Universität Göttingen in der Trägerschaft einer Stiftung des öffentlichen Rechts. Der Name der Trägerstiftung lautet Georg-August-Universität Göttingen Stiftung Öffentlichen Rechts. Die Rechtsform der Universität selbst hat sich damit nicht geändert, sondern sie ist von einer Trägerschaft des Landes Niedersachsen in die Trägerschaft der Trägerstiftung übergewechselt. In den geschäftsführenden Funktionen besteht weitgehende Personalunion zwischen Universität und Trägerstiftung. So ist das Präsidium der Stiftung (= der Stiftungsvorstand) identisch mit dem fünf-köpfigen Präsidium der Universität, d.h. der Hochschulleitung. Die Geschäftsstelle der Stiftung wird weiterhin in Personalunion geführt vom Leiter der Abteilung Wissenschaftsrecht und Trägerstiftung der Universitätsverwaltung.

Eine Besonderheit ist die Universitätsmedizin der Georg-August-Universität. Unter dem Dach der Universitätsmedizin sind die Medizinische Fakultät - als integraler Teil der Universität - und das Universitätsklinikum - als Krankenhausbetrieb - unter der gemeinsamen Leitung des drei-köpfigen Vorstand Universitätsmedizin Göttingen zusammengefasst. Der Vorstand tritt in den Angelegenheiten der Universitätsmedizin an die Stelle des Universitätspräsidiums.

Ein mit dem Übergang der Trägerschaft neu eingerichtetes Gremium ist der Stiftungsrat. Der Stiftungsrat berät die Universität in Angelegenheiten, die die ganze Universität einschließlich Universitätsmedizin betreffen. Er beschließt auch über Angelegenheiten der Stiftung von grundsätzlicher Bedeutung. Die eigenständige Rolle der Universitätsmedizin spiegelt sich in den zwei Auschüssen des Stiftungsrats:

  • Stiftungsausschuss Universität, der die Universität berät und über Angelegenheiten der Stiftung von grundsätzlicher Bedeutung, die ausschließlich die Universität betreffen, beschließt. Er übernimmt Aufsichtsfunktion gegenüber dem Präsidium der Universität.
  • Stiftungsausschuss Universitätsmedizin, der die Universitätsmedizin berät und über Angelegenheiten der Stiftung von grundsätzlicher Bedeutung, die ausschließlich die Universitätsmedizin betreffen, beschließt. Er übernimmt Aufsichtsfunktion gegenüber dem Vorstand Universitätsmedizin.

Geschichte

Auditorium

Gerlach Adolph Freiherr von Münchhausen trieb die Planungen zur Erschaffung einer Universität in den 30er Jahren des 18. Jahrhunderts voran. Die Initiative ging dmals von Georg I. Ludwig aus, dem damaligen Welfenfürsten. Den aufstrebenden Welfen fehlte eine Universität in ihrem Land Hannover. Durch Münchhausens ANstrengungen stellte Kaiser Karl VI. 13. Januar 1733 das Privileg zum Bau einer Universität aus.

Ende des Jahres 1734 nahm die nach dem Kurfürsten von Hannover, Georg II. August, benannte Universität den Betrieb auf. Zu diesem Zeitpunkt war Georg II. August als Georg II. gleichzeitig König von Großbritannien. Die offizielle Einweihung fand am 17. September 1737 statt. 1733 lebten in der Stadt ca. 4700 Menschen; Durch den Zuzug von 50 Gelehrten (u.a. Albrecht von Haller) und ungefähr 600 Studenten veränderte sich Göttingen stark. Beispielsweise wurde im Jahre 1734 der Reitstall und im Jahre 1737 die später Goetheallee genannte Straße gebaut. Obwohl das mit Preußen verbündete Kurfürstentum Hannover und das Königreich Großbritannien in Siebenjährige Krieg (1756 bis 1763) gegen Österreich, Frankreich und Russland kämpften, war der Universitätsbetrieb in diesen Jahren nicht ernsthaft gefährdet.

In den darauffolgenden Jahren wurde die Georgia Augusta zu einer in Europa hoch angesehen Universität, denn Münchhausen verfolgte das Ziel einer "Universität neuen Types". Nach der Universität Halle, war Göttingen die zweite "Reform-"Universität in Deutschland, in der die Veröffentlichungen von der Zensur der Theologischen Fakultät befreit waren. Die Bibliothek stand nicht mehr nur den Lehrenden, sondern auch den Studierenden offen. Ende des 18. Jahrhunderts war eine Blütezeit der Universität Göttingen, in der hier hochangesehene Gelehrte wie Georg Christoph Lichtenberg, Christian Gottlob Heyne, und August Ludwig von Schlözer lehrten.

Im Jahre 1790 zogen die Studenten aus der Stadt aus und zogen aufs Kerstlingeröder Feld. Grund dafür waren Ehrenstreitigkeiten zwischen Studenten und Handwerkern.

Trotz wissenschaftlich bedeutender Entwicklungen wie der Erfindung des Telegraphen 1837 durch Carl Friedrich Gauß und Wilhelm Eduard Weber wanderten Mitte des 19. Jahrhunderts viele Studenten ab. In München und Berlin waren in diesem Zeitraum neue Universitäten gegründet worden. Zum 100. Geburtstag der Georgia Augusta schenkte König Wilhelm IV. eine Aula. Der Platz am Neuen Markt wurde ihm zu Ehren in Wilhelmsplatz umbenannt.

Im gleichen Jahr wurde Ernst August neuer König. Sein erster Akt war, die hannoversche Verfassung aufzuheben. 7 prominente Göttinger Gelehrte, die Göttinger Sieben, protestierten gegen diesen Willkürakt. Sie waren allerdings unterlegen und wurden ihrer Lehrtätigkeit enthoben. Der Ruf der Universität verschlechterte sich und die Studentenzahlen erreichten historische Tiefststände. Im Wintersemester 1847/1848 immatrikulierten sich so nur rund 550 Studenten.

Durch die Annektion des Landes Hannover im Jahre 1866 durch Preußen stieg die Universität aufgrund intensiver Förderung durch die preußische Regierung rasch wieder auf. Ein berühmter Gelehrter zu dieser Zeit war der Mathematiker Felix Klein. Damit wurde der Grundstein gelegt für die erneute Weltgeltung der Georg-August-Universität im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts in Mathematik und Physik (siehe "Göttinger Nobelpreis-Wunder").

Festakt zum Universitäts-Jubiläum 1937: Am Rednerpult Uni-Rektor Neumann

Zu Beginn der Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunders galt Göttingen als sozial elitäre „Arbeitsuniversität“ mit hohen wissenschaftlichen Ansprüchen und einem überwiegend deutschnational-konservativ gesinnten Lehrkörper. Ab 1931 hatte der Nationalsozialistische Deutschen Studentenbund die Mehrheit in der studentischen Vertretung. Die Gleichschaltung der Universität erfolgte gegen nur sehr vereinzelten Widerstand. Zu den Opfern der rassistischen und politischen Säuberungen (über 50 Dozenten und Dozentinnen) gehörten u.a. Max Born, James Franck, Richard Courant, Emmy Noether, Hermann Nohl, Nikolaus Pevsner, Wolfgang Stechow und Gerhard Leibholz. Der Weltrang, den die Göttinger Mathematik und die Naturwissenschaften bis dahin besessen hatte, ging mit ihnen für Göttingen verloren.

Nur wenige Monate nach Ende des 2. Weltkriegs konnte die Universität aufgrund der geringen Zerstörung von Stadt und Universitätsgebäuden den Lehrbetrieb wieder aufnehmen. 1948 wurden hier die Max-Planck-Gesellschaft und das Max-Planck-Institut für Physik gegründet. Beide Institutionen wanderten jedoch nach München ab - ein weiterer schwerer Schlag für den Wissenschaftsstandort Göttingen.

Seit den 1960er Jahren wandelte sich das beschauliche Göttinger Universitätsleben hin zu einer Massenuniversität. Heute kommen auf 130.000 Einwohner zusätzlich über 2.500 Wissenschaftler und knapp 9.000 weitere Mitarbeiter, davon allein 5.000 im Universitätsklinikum.

Die politische Orientierung der Studenten veränderte sich von bürgerlich zu links. Die 68er-Bewegungen rüttelten Stadt und Universität aus ihrem Schlaf. Während die Aufbruchstimmung der 1970er Jahre an der Universität in einer Mischung aus Bürokratie und Finanzknappheit zusehends verebbte, stehen seit den 1990er Jahren erneute Reformbemühungen an. Diese Reformansätze sind den den Leitbildern wissenschaftlicher Hochleistung in der Forschung, der Autonomie der Hochschule vom Staat sowie in der zunehmenden Einführung betriebswirtschaftlicher Steuerungsmethoden zu sehen. Sichtbarster Ausdruck dieser Bemühungen ist der Wechsel der Tragerschaft der Universität vom Land Niedersachsen zu einer unabhängigen Trägertiftung 2003 und der Erfolg bei der bundesweiten Exzellenzinitiative für Universitäten in Jahr 2007.

Eine offizielle Übersicht der Geschichte der Georgia Augusta hindet sich hier.

Fakultäten

Lageplan des GWZ-Campus

Fakultät für Agrarwissenschaften

Biologische Fakultät (inklusive Psychologie)

Fakultät für Chemie

Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie

Fakultät für Geowissenschaften und Geographie

Mathematische Fakultät inklusive Informatik

Fakultät für Physik

Theologische Fakultät

Philosophische Fakultät

Juristische Fakultät

Sozialwissenschaftliche Fakultät

Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät

Medizinische Fakultät

Universitätsklinikum

Institute und Departments

Archäologisches Institut mit der Göttinger Sammlung von Gipsabgüssen antiker Skulpturen

Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung

Drittes Physikalisches Institut, Georg-August-Universität

Mathematisches Institut der Georg-August-Universität

Geographisches Institut

Soziologisches Forschungsinstitut (SOFI) an der Georg-August-Universität

Tierärztlichen Institut der Georg-August-Universität -Contact Us. II. Physikalisches Institut

Institut für Geophysik in Göttingen

Institut für Mikrobiologie und Genetik

Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie

Institute for Mathematical Stochastics Georgia Augusta

Albrecht-von-Haller-Institut für Pflanzenwissenschaften der Georg-August-Universität

Institut für Materialphysik

Institut für Bioanalytik

Institut für Humangenetik der Universität Göttingen

Volkswirtschaftliche Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen

Institut für Holzbiologie und Holztechnologie

Institut für Organische und Biomolekulare Chemie Tammannstr.

Institut für Betriebswirtschaftliche Geldwirtschaft

Institut für Forstökonomie der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie

IMSF Institut für Multiple-Sklerose-Forschung des Bereichs Humanmedizin

Institut für Wirtschaftsinformatik

Lou Andreas Salomé Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie

Institut für Regionalforschung (IFR)

Institut für Zuckerrübenforschung (IFZ)

Max-Planck-Institute

Die sechs derzeit in Göttingen und Umgebung angesiedelten Max-Planck-Institute (MPI) betreiben Grundlagenforschung. Sie gehören der [Max-Planck-Gesellschaft] an und sind trotz vielfältiger Kooperationsbeziehungen kein Bestandteil der Georg-August-Universität Göttingen.

Hier geht es zu den Göttinger Max-Planck Instituten.

Interdiziplinäre Einrichtungen

In der folgenden, noch ungeordneten Liste finden sich die meisten der in Göttingen und Umgebung angesiedelten interdisziplinären [Forschungsreinrichtungen]. Nicht alle sind Bestandteil (oder nur rechtlich verbunden) mit der Georg-August-Universität.

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

Göttinger Zentrum für Biodiversitätsforschung und Ökologie (GCBE)

Zentrum für empirische Unterrichts- und Schulforschung (ZeUS)

Zentrum für Informatik (ZFI)

Zentrum für komparatistische Studien

Zentrum für Mittelalter- und Neuzeitforschungen (ZMF)

DFG Forschungszentrumg für Molekularphysiologie des Gehirns (CMPB)

Göttinger Zentrum für Molekulare Biowissenschaften (GZMB)

Laser-Laboratorium Göttingen

X-Lab

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) (unabhängig von der Georg-August-Universität)

IWF Wissen und Medien gGmbH (unabhängig von der Georg-August-Universität)

Centrum Orbis Orientalis CORO - Zentrum für semitische und verwandte Studien

Zentrum für die Kulturen Europas und des Mittelmeerraums in der Antike (KEMA)

Zentrum für Interdiziplinäre Sprachforschung

Zentrum für Theorie und Methodik der Kulturwissenschaften (ZTMK) Homepage des Zentrums für Theorie und Methodik der Kulturwissenschaften

Bernstein Center for Computational Neuroscience Göttingen (BCCN)

European Neuroscience Institute (ENI)

Zentrum für Neurobiologie des Verhaltens (ZVN)

Forschungs- und Studienzentrum Landwirtschaft und Umwelt (ZLU)

Zentrum für Veredelungwirtschaft Weser-Ems (FOSWE)

Forschungszentrum Waldökösysteme (FZW)

Geowissenschaftliches Zentrum

Zentrum für Naturschutz

Zentrum für Statistik

Zentrum für Interdiziplinäre Medienwissenschaft (ZIM)

Akademie der Wissenschaften

Agrarsoziale Gesellschaft (ASG) (unabhängig von der Georg-August-Universität)

Akademie für Ethik in der Medizin

Deutsches Primatenzentrum (DPZ) (unabhängig von der Georg-August-Universität)

Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung (GWDG)

Nordwestdeutsche forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) (unabhängig von der Georg-August-Universität)

Zentrum für Funktionswerkstoffe (ZFW)

Bibliothek

Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek

Gebäude

Die "Göttinger Sieben" und andere bekannte Wissenschaftler

Göttingens Georgia Augusta hat einige bekannte Namen vorzuweisen. So auch die der "Göttinger Sieben", die sich im Jahre 1837 gegen die Verfassungsänderung durch Ernst August I. von Hannover aussprachen. Mit einer Protestaktion zeigten sie ihre oppositionelle Haltung in Bezug auf die Aufhebung der Verfassung im Königreich Hannover. Friedrich Christoph Dahlmann (der an der Ausarbeitung des ursprünglichen "Staatsgrundgesetzes" von 1833 beteiligt gewesen ist), Wilhelm und Jacob Grimm, Wilhelm Eduard Albrecht, Georg Gottfried Gervinius, Wilhelm Eduard Weber und Heinrich Geog August Ewald unteschrieben die Protestation. Die Straße "Platz der Göttinger Sieben", in der sich auch der Hauptcampus der Universität befindet, erinnert heute an die Protestler.

Eine Liste anderer bedeutender Wissenschaftler/Wissenschaftlerinnen ist verfügbar.

Das Göttinger Nobelpreiswunder

An der Universiät lehrten und forschten auch viele Nobelpreisträger/innen wie zum Beispiel Otto Hahn, Max Born, Maria Goeppert-Mayer, James Franck und Wolfgang Paul.

Skandal an der Universität

Teil des Göttinger Forschungsprojekt in Indonesien wird beendet: Kakaopflanzung auf der Insel Sulawesi.

Anfang Mai 2009 kam es zum Skandal an der Georg-August-Universität: Dazu Angela Brünjes im Göttinger Tageblatt vom 2. Mai:

Wissenschaftliches Fehlverhalten in 16 Fällen untersucht eine Kommission der Georg-August-Universität. In allen Fällen ist der Sonderforschungsbereich 552 betroffen, der seit dem Jahr 2000 besteht und aufgrund der belegten Falschangaben zu Publikationen in diesem Jahr beendet wird. „Die Universität ist schockiert“, sagt der Präsident. Die externen Gutachter waren mit den wissenschaftlichen Zielen und bisherigen Ergebnissen zur Erforschung der „Stabilität von Randzonen tropischer Regenwälder in Indonesien“ (Storma) zufrieden. Eine Bewilligung zur Fortsetzung des Sonderforschungsbereiches 552 (SFB) bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für die letzten drei Jahre bis 2012 schien im Februar aussichtsreich. Zudem hatten die beteiligten Wissenschaftler auch reichlich Publikationen in einer Kategorie ihres Antrags aufgelistet, die ihre wissenschaftliche Qualität untermauern sollten. Dann stellte sich heraus, dass einige der angegebenen Veröffentlichungen ein falsches oder kein Datum aufwiesen; für andere, die als „bei Fachjournalen eingereicht“ bezeichnet wurden, waren gar keine Manuskripte vorhanden.

Diese Erkenntnisse führten dazu, den Förderantrag an die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zurückzuziehen, keine Auslauffinanzierung vorzusehen. Die verantwortlichen Leiter der Forschungsgruppen haben ihre Ämter sofort zur Verfügung gestellt. Sofort habe auch die Universität reagiert, erklärt deren Präsident Prof. Kurt von Figura, und ihre eigene Ombudskommission eingeschaltet. Deren Prüfung hat in 16 Fällen wissenschaftliches Fehlverhalten ergeben. Noch während der Prüfung wurde sie beauftragt, das dem SFB nahestehende Graduiertenkolleg 1086 zu überprüfen. Dieses Verfahren läuft noch. Die 16 SFB-Fälle liegen nun der nächsten Instanz vor: Dabei handelt es sich um eine Untersuchungskommission mit einer „externen Person, die zum Richteramt befähigt ist“ als Leiter. Außerdem hat auch die interne Revision der Universität mit der der DFG die Überprüfung der Mittelbewirtschaftung des SFB begonnen: Weil dieser Abgrenzungsregeln verletzt und DFG-Gelder nicht nach den Vorgaben ausgegeben haben soll. „Umfangreiche Prüfverfahren“, die zwei Förderperioden betreffen, sind nach Angaben von Figura vorgesehen. Dabei wird auch die Verwaltung des SFB in Indonesien durchleuchtet werden müssen. Kommt es zu berechtigten Beanstandungen, kann die DFG Geld zurückfordern. Zu den beteiligten Personen will das Präsidium der Universität keine Angaben machen: „Für alle gilt die Unschuldsvermutung“ bis zum Ende der Untersuchungen, so Figura. Er stellt aber auch klar: „Die Universität ist schockiert über das wissenschaftliche Fehlverhalten, und das kann ich auch für die DFG sagen.“ Die Quantität der Falschangaben sei „neu für uns und die DFG“, erklärt der Universitätspräsident.

Weil das Präsidium sich darüber im Klaren ist, dass Fälle wie dieser der Universität Schaden zufügen, soll alles getan werden, Wiederholungen zu vermeiden. Neben der umfassenden Aufklärung werden neue interne Instanzen geschaffen, die bei der Mittelbewirtschaftung von Forschungsverbünden wie es auch Sonderforschungsbereiche sind, das Management übernehmen. Und Anträge der Universität Göttingen dürfen jetzt nur bereits veröffentlichte oder zur Publikation angenommene Veröffentlichungen beinhalten.

Für den Sonderforschungsbereich, dessen Sprecher bisher der Göttinger Agrarökologe Prof. Teja Tscharntke war und derzeit der Ökonom Prof. Stephan Klasen ist, kommen diese Sicherheitsmaßnahmen zu spät. Er wird abgewickelt. „Personen sind betroffen, die sich nichts haben zu Schulden kommen lassen“, betont Figura. Ebenso wie dieser Fall die Universität trifft. Aus Sicht der Präsidiums heißt es dazu: „Unabhängig von den Ergebnissen der Prüfverfahren ist die Reputation der Universität Göttingen erheblich beschädigt worden.“

Streit ums Studienzentrum

Das neue Studienzentrum. Hier ein erster Entwurf der "Reiner Becker Architekten".

Göttingen. Die Ziele waren ehrgeizig, jetzt mussten sie korrigiert werden: Der Bau des neuen Lern- und Studienzentrums für Studenten der Universität Göttingen auf dem Parkplatz zwischen Weender Straße und Zentralmensa wird sich verzögern. Im Herbst 2010 war die Uni noch von einer Fertigstellung Ende dieses Jahres ausgegangen (Tageblatt berichtete).

Jetzt sei dafür der Beginn des Wintersemesters 2012/2013 anvisiert, sagte der Leiter des Gebäudemanagements der Georgia Augusta, Rainer Bolli, gegenüber dem Tageblatt. Die Bauarbeiten sollen noch im Sommer beginnen. Erste Arbeiten im Bereich der Versorgungsleitungen laufen.

Für die Verzögerungen gibt es laut Bolli mehrere Gründe. Einmal seien „umfangreiche Vorarbeiten“ für die Änderung des Bebauungsplans notwendig gewesen. Zudem stecke man mit der Stadt immer noch in Diskussionen über die „Architektur der Außenhülle“ des Studienzentrums. Ziel aller Beteiligten sei es, „einen transparenten Durchgang von Westen (Weender Landstraße) mit Blick auf das dahinterliegende Reitstalltor zum Zentralcampus erlebbar zu machen“. So solle das Gebäude „zu einem der Hauptzugänge zum Campusgelände aufgewertet, von der Weender Landstraße etwas abgerückt und mit Bepflanzung und einem verglasten Eingangsportal ausgestattet werden“, erklärte Bolli.

In der Vergangenheit hatte die Stadt die fehlende Transparenz des Studienzentrums bemängelt und die Universität gebeten nachzubessern. „Der Entwurf zur Öffnung des Gebäudes ist gut“, sagte Stadtbaurat Thomas Dienberg jetzt während einer Diskussion zur Baukultur im Alten Rathaus. Die U-Form des Studienzentrums halte er aber weiterhin für „sehr geschlossen“.

Unterdessen weist die Universität Vorwürfe zurück, sie habe sich bereits vor einer Umfrage unter den Studenten, ob sie ein Studienzentrum überhaupt wollen, auf den Bau desselben festgelegt. Durchaus sei nach Vorgesprächen mit den Studenten bereits vor der Befragung festgelegt worden, „dass unabhängig von dem Ergebnis eine Architektenfindung erfolgen sollte“, räumte Bolli ein. Diese Ausschreibung habe jedoch nur dem Zweck gedient, „ein geeignetes Architekturbüro für die spätere Planung zu gewinnen und ist bei Baumaßnahmen über fünf Millionen Euro nach dem EU-Recht zwingend notwendig“.

Nur so sei es ferner möglich gewesen, „nach dem positiven Votum durch die Studierenden“ und der zentralen Kommission für Lehre und Studium „unverzüglich in die Umsetzung des angedachten Raumprogramms einzusteigen“. Das Architektenfindungsverfahren hätte man aber auch jederzeit abbrechen können, sagte Bolli. Vertragliche Verpflichtungen sei man nicht eingegangen.

  • Quelle: Göttinger Tageblatt, 16. Mai 2011, S. 7

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