Geschichte von Lenglern

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Aus Lenglerns älterer Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung Lenglerns fand am 17. Juli des Jahres 966 statt. In einer noch heute vorhandenen und im Staatsarchiv Münster aufbewahrten Urkunde ( s.o.)schenkte Kaiser Otto der Große dem Stift Enger in Westfalen, das seine Mutter, die Königin Mathilde, gegründet hatte, einen Hof. Gleichzeitig bestätigte der Kaiser die schon vorher geschehene Übertragung von 4 Hufen ( 1 Hufe= 30 Morgen) Land aus dem Besitz der Königin an das Stift. Eine dieser Hufe lag in "Lenglere", dem heutigen Lenglern.

Die ur- und frühgeschichtliche Zeit

Das Jahr 966 ist also nicht das Gründungsjahr unseres Ortes, sondern nur der Zeitpunkt an dem uns von seinem Vorhandensein erstmals berichtet wird. Denn bereits seit viel früherer Zeit siedelten Menschen hier, wie die in der Feldmark Lenglern zu Tage getretenen urgeschichtlichen Bodenfunde und Siedlungsreste beweisen. Sie reichen bis in die Jungsteinzeit, und zwar ungefähr 4.000 - 3.000 Jahre v. Chr. zurück. Es sind Siedlungen der Bandkeramiker gewesen, steinzeitlicher Bauern, die diesen Namen nach den typischen Verzierungen ihrer Töpferwaren erhalten haben. Ihre Wohnplätze lagen vornehmlich am Elliehäuser Weg, wo sie mit verhältnismäßig fortgeschrittenem Ackerbau die fruchtbaren Lößböden bewirtschafteten. Aus der anschließenden Bronzezeit wurde ein bronzener Halsring in der Lieth, innerhalb des Gebietes der ehem. Muna, geborgen. Er stammte aus einem zerstörtem Hügelgrab. Auch vom Oberen Holz bis in den Wellbusch liegen zahlreiche Hügelgräber der Bronzezeit im Wald, während Wohnplätze der damaligen Bevölkerung bei Lenglern noch nicht nachgewiesen werden konnten. Aus der frühen Eisenzeit sind einige Gefäße zwischen der Eisenbahn und dem Eingang zum Krankenhausgelände gefunden und vielleicht sind ebenso die aus dem Kalktuff am Glockenborn1 und an der Hölderlinstraße/Graseweg geborgenen Scherben in diesen Zeitabschnitt zu setzen. Noch um Christi Geburt war der Raum um Göttingen dicht besiedelt. Nach den Bodenfunden zu urteilen, verminderten sich die Siedlungen in der Völkerwanderung jedoch erheblich. So muß aufgrund der bisherigen Forschungsergebnisse offenbleiben, ob die in der Eisenzeit bei Lenglern vorhanden gewesenen Wohnstätten weiterbestanden haben oder ob nach einer zeitlich nicht bekannten Unterbrechung neue Siedler sich hier niederließen. Daß im 7./8. Jahrhundert Menschen hier wohnten, ist bisher allein aus den von ihnen hinterlassenen Reihengräbern zu schließen, die in dieser Zeit belegt wurden. Solche Reihengräberfriedhöfe aus der gleichen Zeit sind auch z.B. in den Orte Rosdorf, Göttingen, Grone, Elliehausen, Gladebeck und Bovenden gefunden worden.

Der Reihengräberfriedhof in Lenglern hat im Bereich des Graseweges gelegen. Hier wurden beim Bau der Kanalisation - wie auch schon früher - unter der Straße und auf den angrenzenden Grundstücken mehrere Gräber entdeckt. Die zugehörigen Wohnstätten sind nicht bekannt. Sie werden sich an der Stelle des heutigen Dorfes befunden haben und sind wahrscheinlich die Keimzellen der Ortschaft. Eine genaue Gründungszeit des Dorfes anzugeben, ist nach den vorliegenden Kenntnissen nicht möglich.

Die Namensforschung hat aus Form und Bedeutung der Ortsnamen eine zeitliche Gliederung der Dorfgründungen erarbeitet. Sie rechnet danach Namen mit den Grundwörtern -ithi, -aha, -lar und -tun zu den ältesten Orten unseres Raumes. Zu ihnen gehört auch Lenglern, dessen Name in den frühesten Urkunden "Lenglere", "Lengleron", "Langlere" lautet. Er enthält das Grundwort "_lar", das Weide oder Weideplatz bedeutet. Zusammen mit der ersten Silbe "lang" ergibt sich die Bedeutung: lange Weide. Mit diesem Namen bezeichneten die ersten Siedler zunächst die für sie wichtige Beschaffenheit des Geländes; später ging dieser Name auf das Dorf über.

Neben den Weideplätzen und dem fruchtbaren Lößboden wird auch die Verkehrslage einen wesentlichen Anreiz für die Anlage einer Siedlung gegeben haben. Die jungsteinzeitlichen Wohnplätze westlich der Leine liegen nämlich in einer Reihe von Klein Schneen über Rosdorf, Elliehausen, Lenglern, Harste und westlich Parensen. Diese Siedlunglinie entspricht vielleicht einem urgeschichtlichen Verbindungsweg. Noch im frühen Mittlealter war diese Trasse eine wichtige Verbindung zwischen den Königshöfen in Grone, Lenglern, Harste und Moringen. Der von der Pfalz Grona kommende Königsweg verlief in einem großen Bogen östlich der heutigen Landstraße auf Lenglern zu und führte weiter nach Harste. Wahrscheinlich gab es eine Abzweigung dieser Straße ab Lenglern durch das Schwülmetal nach Adelebsen und weiter nach Westen, die von den Kaisern benutzt wurde, wenn sie von der Pfalz Grona aus Paderborn und die Pfalzen am Niederrhein besuchten.

Für die Anlage der Höfe fanden die Gründer des heutigen Dorfes den besten Baugrund auf den mächtigen Kalktuffbänken, die von den ehem. Mergelkuhlen (westlich der Hölderlinstraße) bis über die Mittelstraße (früher: Steinfeld!) hinaus den Talgrund ausfüllen. Die in diesem Bereich entspringenden Quellen (Glockenborn, Gatzenborn, Hakenborn2) spendeten das notwendige Wasser für Menschen und Tiere in günstiger Nähe. Nach ältere Auffassung (Steinmetz) wurde anfänglich je ein Hof am Gatzenborn und am Hakenborn angelegt. Die überlieferte Bezeichnung "Hegemeier" für den Hakenbornhof weist wohl auf eine Umhegung und damit auf eine herausragende Stellung dieses Hofes hin. Die Ansiedlung weiterer Bauern, besonders Kötner, erfolgte an der Langen Straße. Nach neueren Forschungen (Nitz) ist Anlage des Dorfes mit einem Herrenhof an der heutigen Thiestraße (Nr.8) und mit 16 Bauernhöfen an der Langen Straße erfolgt, wie aus den ursprünglich einheitlichen Breiten der Grundstücke an der Langen Straße und der entsprechenden Anzahl der Ackeranteile in der Feldflur zu schließen ist. Der Hof an der Thiestraße, in späterer Zeit als "Burgsitzhof" bezeichnet und dann wirtschaftlicher Mittelpunkt der im Besitz des Landesherrn befindlichen Grundstücke, ist durch die günstige Lage am Wasser und eine große Hofstelle gekennzeichnet. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die "Tränke" hier nicht nur der Wasserversorgung, sondern auch dem Schutz des Hofes diente. Mit dem Burgsitzhof steht die Ansiedlung weiterer Bauern in Zusammenhang, die als Dienstpflichtige für dessen Bewirtschaftung erforderlich waren. Ihre Hofstellen lagen an der Langen Straße und am Graseweg und häufig schon nicht mehr so günstig zum Wasser, so daß besondere Zugänge zur Tränke, sog. Triften oder Tränkewege, für das Vieh erforderlich wurden. Das Weideland, sowie die auch zur Schweinemast genutzten Eichen- und Buchenwälder des Oberen Holzes und der Lieth, und die Äcker bildeten die Wirtschaftsfläche der ersten Siedlung. Die Äcker lagen auf dem schon in der Jungsteinzeit genutzten und noch heute ertragreichen Lößgebiet südlich des Ortes und wurden mit Weizen und Sommergerste bestellt. In späterer Zeit vergrößerte sich die kleine Ansiedlung durch Teilung der ersten Höfe und Anlage neuer Hofstellen. Mit dem Wachsen des Ortes war auch die Erweiterung der Anbaufläche erforderlich geworden. Dazu nahm man die weniger guten Lagen und Böden in Anspruch, die zuvor mit Axt und Btand gerödet wurden. Die Flurnamen Auf dem Rode, Gebrannte Eichen, Heißer Busch, Stockau usw. deuten auf diese Vorgänge hin. Mit den Veränderungen im Flurbild hing auch die Verbesserung der Ackerwirtschaft eng zusammen. An die Stelle der ungeregelten Körnerfolge trat die Dreifelderwirtschaft mit ihrem jährlichen Wechsel von Sommerfrucht, Winterfrucht und Brache. Die gesamte Feldflur gliederte sich in drei Großfelder (Hölter Feld, Oberes Feld und Harster Feld), die wiederum in einzelne Gewanne aufgeteilt waren. Die Anteile der einzelnen Grundbesitzer lagen in den Gewannen steifenförmig nebeneinander.

Der Grundbesitz

Die Bauern waren im Mittelalter nicht im freien Besitz ihrer Höfe, Äcker, Weiden und Wälder. Schon früh hatten mächtige Adelsgeschlechter Grund und Boden erworben. Davon erfahren wir in Lenglern erstmals durch jene Kaiserurkunde von 966, in welcher der Besitz eines der sächsichen Adelsgeschlechter (Immedinger) unter den Vorfahren Ottos des Großen teilweise in Erscheinung tritt. Die Hauptmasse des umfangreichen Familienbesitzes der Immedinger, der über mehrer Orte der Umgebung verteilt lag, gelangte nach dem Aussterben des Geschlechts um 1150 an die Edelherren von Plesse.

Ein weiterer Besitzkomplex, der aus dem Familien- und späteren Königsgut der Liudolfinger herrührte, wird in einer Urkunde des Kaisers Otto III. genannt. In dieser Urkunde schenkte der Kaiser im Jahre 990 seiner Schwester 60 Hufen in verschiedenen Orten des Lisgaus und des Leinegaus, darunter auch Lenglern. Dieses Königsgut gehörte zur Wirtschaftsgrundlage der Pfalz Grona und wurde zur Versorgung des Königs und Kaisers herangezogen, wenn er mit seinem Gefolge auf der Pfalz weilte.

Um 1150 beerbte Heinrich der Löwe die ausgestorbenen Grafengeschlechter von Northeim und Reinhausen/Winzenburg und kam dadurch in den Besitz jenes Landes, das die Grundlage für den Besitz der welfischen Landesherren in Lenglern bildete.

Schließlich erwarben auch andere Herren Grund und Boden, den sie - wie die Welfen und die Plesser - weiterverlehnten, so daß die zahlreich überlieferten Lehnsurkunden ein buntscheckiges und teilweise unklares Bild der Besitzverhältnisse in Lenglern geben. In dem ältesten erhaltenen Gesamtverzeichnis von 1418 sind folgende Grundherren und Lehninhaber aufgeführt: Der Landesherr, das Peterstift zu Nörten, das Kloster Pöhlde und die adeligeen Familien von Plesse, von Adelebsen, von Uslar und von Bodenhausen, ferner mehrere Göttinger Bürger, zumeist Ratsherren.

Die Größe der Besitzanteile gibt eine aus dem Jahre 1464/65 erhaltene Liste mit rund 65 Hufen (1 Hufe = 30 Morgen) an. Möglicherweise ist die Liste nicht vollständig, denn der umfangreiche Besitz der von Plesse (12 Hufen)ist hier nicht aufgeführt. Von den anderen oben genannten Grundherren hatten der Herzog (6 Hufen), das Stift Nörten (6 Hufen) und die Göttinger Familien (zusammen 18,5 Hufen) die größten Anteile. Dagegen besaßen die Bauern insgesamt nur etwa ein Viertel der Gesamtfläche.

Der Landerwerb der Göttinger Familien in Lenglern und in anderen Dörfern entsprang dem Bestreben der Stadt, im ländlichen Vorfeld verstärkten Einfluß zu gewinnen. Die zum Schutz des städtischen Grundbesitzes angelegten Warten und Landwehren berührten auch Lenglern an der Grenze nach Esebeck. An der Langen Reke wurde 1458/60 ein Wartturm, die sog. Backenbergswarte, gebaut, von der heute nur noch ein geringer Steinhügel übriggeblieben ist. Im Jahre 1500 legte der Herzog das Gericht auf dem Leineberge an den "bome to Lengelern", aber Göttingen verbot seinen Bürgern, vor diesem Gericht zu erscheinen. Als der Herzog darauf Zollhäuser in Weende und Lenglern errichten ließ, um die Stadt zu kontollieren, zerstörten die Göttinger die Zollhäuser. Die Gegenmaßnahmen des Herzogs bekamen außer den Göttinger Grundbesitzern auch die Bauern in Lenglern zu spüren: Der Herzog ließ die Harste am Kleinen Kramberg aufstauen, überflutete einen Teil der städtischen Ländereien und verwandelte sie in einen Fischteich. Erst in einem Vergleich von 1512 versprach der Herzog, den "Lenglerner Teich" zu beseitigen.

An der beschriebenen Besitzverteilung änderte sich in der folgenden Zeit kaum etwas. Nach dem Erbregister, das vom Amt Harste 1655 aufgestellt wurde, waren lediglich noch einige andere adelige Familien mehr beteiligt. Für den Plesser Besitz trat jetzt der Landgraf von Hessen auf, an den durch das Aussterben der Herrn von Plesse deren ganzer Besitz gefallen war. Auch die Göttinger sind weiterhin am Grundbesitz beteiligt. Der Anteil der Bauern wird mit rund 100 Morgen Eigenland und 40 Morgen Rodland angegeben. Unter ihnen liegen Cersten Clages mit zusammen 17 Morgen und Oswald Fricke mit 18 Morgen an der Spitze. Durch die jahrhundertelange Zugehörigkeit wurden vielen Ackerstücken die Namen der betreffenden Lehnsherren aufgeprägt. Sie sind aber zum größten Teil bei der Verkopplung verschwunden. Nur wenige sind heute noch bekannt, z.B. die Richelmsche Hecke und die Bassenköpfe (Vom-Stein-Straße), beide sind nach Göttinger Ratsfamilien benannt.

Auf Rodungen nach dem Dreißigjährigen Krieg scheint die Höfeliste von 1777 hinzudeuten. Sie verzeichnet 507 Morgen Meierland der Lehnsherren und 1309 3/4 Morgen Erbland und 45 Morgen Erbwiesen in bäuerlichem Besitz. In die Hände der Bauern kam der Grundbesitz vollends erst durch die Ablösung im 19. Jahrhundert, auf die später noch eingegangen wird.

Der Grundbesitz der Lehnsherren wurde zu Meierrecht oder zu Erbenzins an Bauern vergeben und von diesen bewirtschaftet. Einzelne Hofnamen (Adelebser Hof, Bassenhof, Mackenröder Hof, Pöhlder Hof) gehen auf die jeweiligen Lehnsherren zurück und lassen ebenso wie einige Flurnamen (Pöhldisch Land, Bassenköpfe, Papenwiese, Herrenbreite) die alte Besitz- und Bewirtschaftungsstruktur noch erkennen. Die Meier übernahmen das Land auf Pacht. Zu einem Vollmeierhof gehörten 4 Hufen. In Lenglern werden 1655 neben dem Herrenhof (Burgsitzhof) nur Halbmeier genannt, das sind Höfe zu 2 Hufen. Die Pachthöhe lag zwischen 1/2 und 1/3 des Ertrages. Erbzinsenland war in der Regel aus Rodungen und Brachlandkultivierungen hervorgegangen. Geeignete Landstücke hatten die Grundherren an rodungswillige Bauern, meist Kötner, ausgegeben und forderten dafür einen jährlichen Zins in Frucht oder Geld.

Die Höfe waren vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert neben Pacht und dem Erbzins auch zu Diensten, Abgeaben, Steuern und Zehnten belastet. Die Meier mußten mit Gespann und die Kötner mit der Hand bestimmte Arbeiten auf dem Amtshof in Harste und dessen Ländereien verrichten. 1655 dienten von Lenglern 6 Gespanne. Weil aber noch 2 Höfe abgebrannt und keine Meier vorhanden waren, zahlten diejenigen Kötner, die von ihren Höfen aus das Meierland bewirtschafteten, ein Dienstgeld, da sie keine Pferde hatten. Drei weitere Bauern mußten Fuhren nach Göttingen leisten und die gedroschene Zehntfrucht von Lenglern nach Harste fahren. Die 27 Vollkötner dienten 1 Tag pro Woche, 6 Halbkötner die Hälfte. Mehrere Kötnerstellen lagen vom Dreißigjährigen Krieg noch wüst. Im Jahre 1772 wurden die Dienste neu geregelt. Das Dorf Lenglern stellte nun 7 Gespanne, die wöchentlich einen Tag von 6 bis 18 Uhr mit Fuhrmann und einem Gehilfen Dienst leisten mußten. Die Fuhrpflicht erstreckte sich auf Korn-, Heu-, Holz- und Baumaterialtransporte; zur Pflügepflicht gehörte das Pflügen und Eggen von 209 Morgen Ackerland in den Harster Feldern. Die Vollkötner mußten an 61 Tagen im Jahr Getreide und Gras mähen, den Flachs ernten und brechen, Holz schlagen, Zäune anfertigen, Schafe scheren usw. Außer den Diensten wurden von den Häusern, von Mensch und Vieh, Abgaben und Steuern in Form von Erbzins, Rauchhühnern, Besthaupt, Schatz und Kopfsteuer gefordert. Später erhob man die Kontribution, von der hauptsächlich das Heer unterhalten wurde. Der Zehnte war ursprünglich als Einkommen der Kirche eingeführt. Er befand sich jedoch später häufig in den Händen weltlicher Herren. Die Zehntpflicht bedeutete für die Bauern eine große Behinderung beim Einbringen der Ernte, denn erst wenn der Zehntsammler den Zehntanteil abgezählt hatte, konnte eingefahren werden.

Nach der Reformation machte sich ein Wandel in der Sozialstruktur des Ortes bemerkbar. Bereits 1585 werden unter den 41 Kötnern 12 Leineweber, 5 Schneider, 1 Schmied, 1 Fenstermacher und 1 Drescher genannt. Dies zeigt, daß nicht alle Kötner von ihren geringen Anteilen an der landwirtschaflichen Nutzfläche leben konnten und einer gewerblichen Nebenbeschäftigung nachgehen mußten. In der Steuerbeschreibung des Jahres 1689 werden dann neben den Kötnern auch sog. Brinksitzer aufgeführt. das sind Anbauer, die sich zwischen den Höfen der Kötner und auch am Rand der bisherigen Siedlungfläche niederließen. Entsprechend ihrer späteren Ansiedlung hatten sie nur sehr geringe oder gar keine Ackeranteile mehr, so daß sie nun hauptberuflich die verschiedensten Gewerbe ausüben mußten.

An den Weiden und an der Holznutzung waren die neuen Anbauer wie die alten Dorfgenossen zunächst gleichrangig beteiligt. Dies führte aber in der Folge zu Spannungen mit der Bauernschaft, die fürchtete, mit der wachsenden Zahl der Berechtigten kein Auskommen mit ihren zunehmend kleiner werdenden Anteilen zu haben. So beschränkte man die Reihenberechtigten an Wald und Weide auf eine wirtschaftlich vertretbare Zahl, schloß die "Reihe" und gründete die sog. Realgemeinde, die fortan die Trägerin des alten Genossenschaftsrechtes war. Die ursprüngliche Dorfgemeinde war so in Real- und Wohngemeinde gespalten. Als dann in der Verkoppelung Änger und Weiden aufgeteilt wurden, blieb der Realgemeinde im wesentlichen nur noch der Wald mit der Holzberechtigung.

Kriegszeiten und Schicksalsschläge

Zu allen Zeiten hat die Bevölkerung Kriegsnot und Schicksalsschläge erleiden müssen, von denen oft nur wenig überliefert ist. Die Auswirkungen auf Lenglern in der Auseinandersetzung, die die Stadt Göttingen um 1500 mit dem Landesherren hatte, sind oben schon beschrieben worden.

Einen starken Rückschlag in der Entwicklung des Ortes, der zugleich mit schweren Leiden der Bevölkerung verbunden war, brachte der Dreißigjährige Krieg. Er begann sich ab 1623 in unserer Landschaft durch Plünderungen in Haus und Hof, an Korn und Vieh, die von den durchziehenden Truppen verursacht wurden, auszuwirken. Tillys Soldaten steckten Lenglern am 20. Februar und am 8. und 9. März 1627 in Brand. Unter den abgebrannten Gebäuden befand sich auch das Pfarrhaus, so daß der Pfarrer Witzenhausen bei seinem Amtsantritt 1627 in einem Hause im unteren Dorf wohnen mußte. Über das ganze Ausmaß der Schäden sind wir leider nicht unterrichtet. Auch für die folgenden Jahre des Krieges ist kaum etwas überliefert. Dagegen ist aktenmäßig belegt, daß das benachbarte Harste noch zahlreiche Plünderungen und Brandschatzungen erlitten hat, die sicher auch in ähnlicher Weise Lenglern betroffen haben. Mit dem Wiederaufbau hatte man schon kurz nach dem Brand begonnen, wie das Holzbuch der Realgemeinde zeigt, in dem ab 1629 das zu jedem Neubau gelieferte Bauholz aufgezeichnet ist. Trotzdem nennt das Erbregister 1655 noch 31 Brandstätten oder wüste Höfe. Für den vollständigen Aufbau bestand wohl auch wegen der stark gesunkenen Bevölkerungszahl wenig Veranlassung. So erklärt es sich, daß selbst 1730 noch 14 unbebaute Hausstellen im Dorf vorhanden waren.

Vom Siebenjährigen Krieg scheint Lenglern zunächst verschont geblieben zu sein, denn für mehrere Dörfer, unter denen auch unser Ort war, stellte 1757 der Herzog von Richelieu, General des französichen Heeres in Deutschland, einen Schutzbrief aus. Als Gegenleistung mußten allerdings täglich jedem Reiter 3 Franken und jedem Soldaten 40 Sols gezahlt werden. Als sie aber auf dem Rückzug waren, plünderten und ruinierten die Franzosen die Felder um Harste. Wegen Mangel an Pferden und Saatgut konnten sie 1760 nicht vollständig bestellt werden.

Noch ein anderes Ereignis hat später die Lenglerner Bauern hart getroffen: Am 16. Juli 1830 vernichtete noch wochenlanger Dürre ein schweres Hagelwetter die gesamte Ernte. Bis in die Gegenwart wurde seitdem in der Kirche in Lenglern alljährlich zu diesem Tag ein Bittgottesdienst, die "Hagelfeier", gehalten.


Lenglerner Familien, Einwohnerzahlen

Vom Beginn der ersten Ansiedlung bis in die Gegenwart haben zahlreiche Generationen und Geschlechter die Last der Kultivierung, die Krisen der Wirtschaft und die Schläge des Schicksals getragen, aber auch glückliche Zeiten verlebt. Zu den ältesten uns überlieferten Familiennamen, die 1966 noch in Lenglern vorkamen, zählen Klages, Ahlborn, von Böventer und Friedrichs. Ein Berthold Klages wird schon 1388 genannt.Der Name leitet sich von Klaus ab und wird in den älteren Urkunden Clawes, Clags geschrieben. Zahlreiche Flurnamen und Hofbeszeichnungen, heute leider meist nicht mehr unter den Einwohnern bekannt, gehen auf dieses Geschlecht zurück. Tile Clawes zählt 1418 zu den größten Bauern des Dorfes, und 1655 hat Cersten Clages nicht nur den größten Eigenbesitz (s.o.), sondern beackert insgesamt 5 Hufen Land, während die nächsten Bauern erst mit 2,5 Hufen folgen. Das Geschlecht tritt bereits 1418 mit mehreren Linien in Erscheinung, die durch die Jahrhunderte bis zur Gegenwar immer wieder genannt werden. Die Bezeichnung "Gatzemann" für Klages auf dem Gatzenbornhof ist schon seit 150 Jahen geläufig.

Das Geschlecht Ahlborn wird 1418 zum ersten Male in Lenglern erwähnt. Der Name leitet sich vielleicht von einer der alten Quellen ab. Die Ahlborns verbreiten sich in zahlreiche Linien und stellen heute den am meisten vorkommenden Familiennamen in Lenglern. Bereits 1550 werden 10 Haushalte diese Namens aufgeführt. Seit 1655 lassen sich mit Sicherheit für einige Zweige des Geschlechts Beinamen feststellen, durch die man versuchte, die große Schar der Ahlborns besser übersehen zu können. Möglicherweise stecken sie aber schon in den Listen von 1550 oder 1585 hinter den erst später unzweifelhaft als Beinamen geführten Bezeichnungen: Jürgen, Marcus oder Marks und Leveken. Ein Sippenverband Ahlborn wurde 1957 in Lenglern gegründet. Er umfaßt auch die in allen Teilen Deutschlands und Übersee verbreiteten Angehörigen des Geschlechts.

Träger des Familiennamens von Böventer (Früher von Boventen) und Friedrichs werden ebenfalls schon 1418 aufgeführt. Freidrichs sind 1551 mit 5 und von Böventer mit 3 Haushalten vertreten.

Außer Klages, Ahlborn, von Böventer und Friedrichs sind seit mindestens 300 Jahren folgende Familiennamen in Lenglern heimisch und begegnen uns in den Einwohnerlisten von 1550, 1586 und 1655: Molthan 1550, Fricke 1655, Hoffmeister 1655 und König 1655.

Hartwig, seit 1550 genannt, ist heute nur noch als Geburtsname von Lenglerner Ehefrauen vorhanden.

Die Einwohnerzahlen der Jahre 1550 bis 1885 zeigen Aufstieg und Rückschläge der Dorfentwicklung: 1550: 149 erwachsene Einwohner und 52 Haushalte, 1655: ca. 50 Familien, 1689: 299 Einwohner, 1780: 476 Einwohner, 1821: 502 Einwohner, 1848: 688 Einwohner, 1885: 657 Einwohner.

Aus der Schulgeschichte

Die Gründung der Schule geht auf eine Empfehlung der Kirchenvisitatoren aus dem Jahre 1588 zurück. Weil für die Kirche ein Küster vorhanden war, regten sie an, statt des einen Küsters einen Schulmeister anzustellen. Über den Unterricht ist nichts überliefert; er wird nach den 1650 und 1681 erlassenen Schulordnungen auch in Lenglern hauptsächlich aus Lesen und Katechismusunterricht bestanden haben.Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde der Schreib- und Rechenunterricht allgemein eingeführt. Ein Schulhaus wird nicht vorhanden gewesen sein, die Lehrer unterrichteten die Kinder meist in ihrer Wohnung. Erst 1752 wurde eine Schule gebaut (heute Thiestr. 1.), die gleichzeitig Wohnung, Stall und Scheune des Lehrers, Küsters und Organisten enthielt. Eine "Industrieschule" wurde im Jahr 1790 nach dem Muster der berühmten Göttinger Industrieschule eingerichtet. Hier erhielten die Kinder Unterricht im Flachs- Wolle- und Baumwollspinnen sowie im Stricken. Diese Einrichtung ist der Vorläufer des heutigen Nadelarbeitsunterrichts. Der Unterricht in der Industrieschule war kostenlos, während sonst bis 1888 Schulgeld gezahlt werden mußte. Im Jahre 1884 wurde dann eine neue Schule gebaut und 1885 eingeweiht. Hatte bisher ein Lehrer die oft zahlreiche Kinderschar allein unterrichtet, so wurde 1889 ein 2. Lehrer angestellt, der auch im Schulhaus wohnte. Die alte Schule diente von nun ab als Dienstwohnung für den 1. Lehrer.