Grünes Band

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Das Grüne Band Deutschland ist ein Naturschutzprojekt mehrerer Bundesländer, das vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. unterstützt wird. Es verläuft unter anderem durch das Eichsfeld.

Geschichte

Entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze besteht ein fast 1400 Kilometer langer Geländestreifen, der seit dem Jahr des Mauerbaus fast unberührt geblieben ist. Dadurch konnte sich dort ein Rückzugsgebiet für vom Aussterben bedrohte Tierarten entwickeln. Beim Grünen Band handelt es sich im Kern um den Bereich zwischen dem sogenannten Kolonnenweg und der ehemaligen Staatsgrenze zwischen Bundesrepublik Deutschland und Deutscher Demokratischer Republik, der zwischen 50 und 200 Metern breit ist. Der Geländestreifen reicht von Travemünde an der Ostsee bis zum Dreiländereck bei Hof.

Erste Ideen für das Grüne Band entstanden 1989 und wurden vor allem vom Bundesland Thüringen und dem Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) aufgegriffen.

2001/2002 wurden die Flächen und die dort lebenden Tiere erfasst, finanziell unterstützt vom Bundesamt für Naturschutz und vom Bundesumweltministerium. Die Untersuchung bestätigte die Ausnahmestellung des Grünen Bands als eine Kette besonders wertvoller Biotope.

Anlässlich einer Konferenz zu „Perspektiven des Grünen Bandes“ 2003 in Bonn übernahm Michail Gorbatschow die Schirmherrschaft für das Projekt. Dort wurde auch die über Deutschland hinaus gehende Idee des European Green Belt öffentlich bekannt gemacht.

Im Juni 2003 fand am Grünen Band in Zusammenarbeit mit dem Magazin Geo der „Tag der Artenvielfalt“ statt. Experten kartierten innerhalb eines Tages mehr als 5200 verschiedene Tier- und Pflanzenarten, darunter auch Arten, die als ausgestorben galten.

Ausstellung

Die Ausstellung, die die Heinz-Sielmann-Stiftung in der Sparkasse vorstellte, soll die Akzeptanz des geplanten Naturschutzgroßprojektes auf dem ehemaligen Todesstreifen fördern, betonten alle, von Sparkassen-Chef Alfons Wüstefeld über Inge Sielmann und Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) bis hin zu Michael Spielmann, Vorstand der Stiftung. Schließlich wolle man Reaktionen verhindern wie die einiger Waldbesitzer im Ohmgebirge, die sich gegen das Projekt stellen.

Auf zwei Stellwänden und einem etwas dürren interaktiven Teil wird über die Vorhaben der Sielmann-Stiftung in dem auf zehn Jahre angelegten Vorhaben informiert. Über 130 Kilometer Länge – ein Teil des Grünen Bands Deutschland – soll zwischen Bad Sachsa und Werratal ein zusammenhängender Biotopverbund als Refugium für Luchs, Rotmilan, Eibe oder Frauenschuh entstehen.

10,8 Millionen Euro kostet das Vorhaben. Die aktuelle Kartierung der Tier- und Pflanzenwelt dauert noch bis 2012 an, ab 2013 sollen dann konkrete Maßnahmen in Absprache mit den Besitzern der betreffenden Flurstücke beginnen, die gepachtet oder gekauft werden sollen.

Die Ausstellung selbst solle die Menschen bei den alltägliche Bankgeschäften abholen und Befürchtungen und Ängste mildern. „Der Naturschutz hat ein schlechtes Image. Das wollen wir wenden“, erklärte Spielmann. Ganz nebenbei hofft man natürlich auch auf Unterstützung aus der Bevölkerung – moralisch wie finanziell. Denn der Eigenanteil der Stiftung liegt bei einer Million Euro. Nolte erhofft sich für die Region auch weitere Vorteile. „Knüppelhart“ wolle man touristischen Nutzen aus dem „Zukunftsprojekt“ ziehen und Arbeitsplätze schaffen. Und vielleicht werden gar hochfliegenden Hoffnungen erfüllt: Nolte sprach bereits von der kursierenden Idee des Grünen Bands als Weltnaturerbe.

Flankiert wird diese Charmeoffensive von einem Bildungsprogramm und einem Wettbewerb für Schulen. Bei der „Spurensuche entlang der innerdeutschen Grenze“ können Schulklassen und Schülergruppen der Klassenstufen 5–13 teilnehmen. Genauere Informationen sind ab Januar 2011 unter www.sielmann-stiftung.de abrufbar. Die Ausstellung selbst kann auch für eine betreute 90-minütige Unterrichtseinheit zur biologischen Vielfalt entlang des Grünen Bands genutzt werden.

Im Rahmen der Feierstunde schaltete Sielmann auch eine Informationsplattform über das Projekt im Internet frei. Unter www.naturschutzgrossprojekt-eichsfeld-werratal.de sind Details verfügbar. Die Ausstellung ist bis zum 17. Januar in Duderstadt zu sehen und zieht dann weiter in Sparkassen in Herzberg, Osterode, Ellrich, Asbach-Sickenberg, Bad Sachsa, Worbis und Heiligenstadt.

Grünes Band bekommt seine eigenen vier Wände

Eigenes Haus für das Grüne Band: Zwischen Hubschrauber und Mühlenturm soll der wallartige Pavillon entstehen.

Die Verbindung von historischen mit ökologischen Fragen will der Trägerverein des Grenzlandmuseums Teistungen mit einem neuen Projekt im Bereich des Museumsgeländes zwischen Gerblingerode und Teistungen dokumentieren. Voraussichtlich noch in diesem Jahr soll zwischen Mühlenturm und Helicopter ein neuer Pavillon entstehen, der das Thema „Grünes Band“ von der Vergangenheit bis in die Zukunft beleuchtet. Wie Horst Dornieden und Wolfgang Nolte vom Trägerverein betonen, ist das Konzept in enger Zusammenarbeit mit der Heinz-Sielmann-Stiftung erarbeitet worden, derzeit werde die Finanzierung geklärt.

Für die Gestaltung des Pavillons hatte der Trägerverein einen Ideenwettbewerb gestartet. Das Rennen machte der Vorschlag des Berliner Architektur-Büros molitor. „Grundlage für uns war, dass der Pavillon nicht aus der Gesamtkonzeption heraussticht, sondern sich harmonisch in das Gesamtbild einfügt“, betonen Dornieden und Nolte. Mit der molitor-Lösung hat sich der Verein für eine Aufschüttung neben dem Mühlenturm entschieden, die sich wallartig, quasi als begehbarer Hügel, in Richtung Pferdeberg erhebt. „Der Neubau wirkt im positiven Sinn bunkerartig, was natürlich perfekt zum Konzept passt“, freut sich Nolte. Zur Pferdebergseite hin wird das neue Gebäude vom Fußboden bis zur Decke verglast, was den Besuchern später einen ungehinderten Blick auf den neuen Grenzlandweg und die noch erhaltenen Grenzanlagen ermöglicht.

Im Inneren sind interaktive Aktionspunkte geplant, die zeigen werden, was seit dem Mauerfall 1989 aus den Grenzbereichen geworden ist und wie sie sich entwickelt haben. „Damit vernetzen wir alle Ausstellungsbereiche miteinander“, beschreibt Nolte, der gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern hofft, besonders junge Besucher zu interessieren.

Literatur

BUND: Der Harz. Vom Todesstreifen zur Lebenslinie. Reihe Natur und Kultur am Grünen Band Deutschland. ISBN: 978-3-00-021190-4

Web

Informationsplattform der Sielmann Stiftung zum Projekt