Grenzlandmuseum Eichsfeld

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Grenzlandmuseum: Wiedereröffnung am 20. August 2010 in Verbindung mit den Eichsfeldtagen.

Das Grenzlandmuseum Eichsfeld ist ein Museum in Teistungen bei Duderstadt. Es dokumentiert die Geschichte der deutschen Teilung an einem ehemaligen Grenzübergang. Neben den Ausstellungsräumen befindet sich auf dem Gelände ein Bildungszentrum.

Das Grenzlandmuseum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Veranstaltungen

  • Donnerstag, 28. Oktober 2010, 1900: Podiumdiskussion „Zur Rolle des katholischen Milieus im Ober- und Untereichsfeld“. Bildungsstätte des Grenzlandmuseums.

Ausstellungen

„Verdeckt und getarnt – Techniken und Methoden der geheimen Beobachtung“

Absurder Überwachungswahn: Verkleidungsanleitung für Observation im Freizeitlook.

Es wird gezeigt, mit welchem Einfallsreichtum und Erfindergeist das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) die eigene Bevölkerung observierte. Anhand eines freistehenden Ausstellungssystem, bestehend aus 20 Tafeln – integriert ist eine Vielzahl von Originalexponaten des MfS – erhalten die Besucher einen umfangreichen Einblick in die Arbeit des Ministeriums für Staatssicherheit. Behandelt werden acht Themenschwerpunkte: Postkontrolle, Telefonüberwachung, Geheime Beobachtung in öffentlichen und privaten Räumen, die Forschungsabteilung des MfS, Maskierungsvarianten für ausgewählte Beobachter, Fotomasken und Erfindungen von MfS-Mitarbeitern. Hingucker der Ausstellung sind unter anderem Fototechnik – eingebaut in Benzinkanister und Gießkannen, Infrarotblitzlichter – getarnt als Nebelscheinwerfer sowie Aufnahmegeräte und Wanzen.

„Fluchtschicksale“

Stellwand der Ausstellung "Fluchtschicksale"

Stelltafeln mit Fotos und Texten über Geschichten der Flucht von Menschen aus der ehemaligen DDR, ausßerdem Zahlen und Fakten über die Geschehnisse der innerdeutschen Teilung.

Presseschau

Grenzlandmuseum bekommt ein neues Gesicht

Das Grenzlandmuseum Eichsfeld wird komplett umgestaltet. Nach dem Beirat hat auch der Vorstand des Trägervereins grünes Licht für das von einem Berliner Ausstellungsbüro erstellte neue Museumskonzept gegeben.

Nach Sicherstellung der Finanzierung sind jetzt die Weichen für die neue Gestaltung des Museums gestellt worden. Eine Jury hat aus den Entwürfen mehrerer Fachbüros die Konzeption des Berliner Ausstellungsbüros Iglhaut & Partner ausgewählt, Beirat und Vorstand zugestimmt. Das Büro ist spezialisiert auf Konzepte und Designentwürfe für Museen, Ausstellungen und Kulturprojekte.

Schon seit geraumer Zeit plant das Team um Geschäftsführer Paul Schneegans die Modernisierung der Ausstellung inklusive baulicher Erweiterungen. Von einem völlig neuen Ansatz spricht Schneegans nach der jetzt getroffenen Entscheidung: „Das bisherige Konzept wird auf den Kopf gestellt.“ So soll die Präsentation in den drei Hauptgebäuden mit moderner Technik und auf die Besucher zugeschnittener Museumspädagogik auf neue Beine gestellt werden. Das ehemalige Zollverwaltungsgebäude erhält einen Anbau als Besucher- und Informationszentrum. Zudem sollen die Info- und Leitsysteme im Außenbereich überarbeitet und behindertengerechte Zugänge geschaffen werden. Details soll das Fachbüro noch mit dem Museumsteam klären. „Wir werden weniger Flachware haben, neue Medien und interaktive Exponate einsetzen, den Rundgang ändern, den Erlebnischarakter stärken und Anlass für Mehrfachbesuche zum Vertiefen einzelner Themen bieten“, sagt Schneegans. Insbesondere für jüngere Besucher werde es einen Attraktivitätssprung geben.

„Das Museum soll für die Zukunft fit gemacht werden, seine nationale Bedeutung gefestigt werden“, sagen Trägerverein-Vorsitzender Horst Dornieden und sein Stellvertreter Wolfgang Nolte. Der Startschuss für den Anbau soll bereits im Frühjahr dieses Jahres erfolgen. Wenn alles nach Plan läuft, kann sich das Museum dann im kommenden Jahr neu präsentieren. Einbezogen werden soll auch das Naturschutzgroßprojekt Grünes Band.

Eine institutionelle Förderung vor dem Hintergrund des Gedenkstättenkonzeptes des Bundes sei für Sicherung und Fortsetzung der qualifizierten Arbeit unbedingt notwendig, betont der Vorstand. Darüber hinaus bedürfe dieses „Leuchtturmprojekt“ im Eichsfeld weiterhin der regionalen Unterstützung durch Kommunen und Trägervereinsmitglieder.

In dem vor 14 Jahren gegründeten Museum ist kürzlich der 775000. Besucher begrüßt worden. Den Weg für die Neugestaltung geebnet haben finanzielle Zuwendungen, um die lange gerungen wurde. Der Bund, die Länder Niedersachsen und Thüringen sowie die Sparkassenstiftung unterstützen das Vorhaben mit 2,475 Millionen Euro.

Film zum Mauerfall

Im November ist es 20 Jahre her, seit die Mauer gefallen ist. Das Tageblatt sucht Film- und Bildmaterial von der Öffnung der Grenze in der Region. Daraus soll eine 45-minütige Dokumentation entstehen.

Quelle: Göttinger Tageblatt, 20. Februar 2009


Neubau am Museum eröffnet

Der Neubau am Grenzlandmuseum Eichsfeld ist fertig. Damit ist der erste Teil der Neukonzeption der Teistunger Einrichtung abgeschlossen. Für 2,4 Millionen Euro wird das Grenzlandmuseum fit gemacht für die rund 1000 Besucher pro Woche, behindertengerecht gestaltet und, nun in einem zweiten Schritt, zwanzige Jahre nach dem Fall der Mauer museumspädagogisch neu ausgerichtet.

Das Großprojekt sei zeitlich und finanziell „absolut im Plan“, zieht Paul Schneegans Zwischenbilanz. Der Geschäftsführer des Trägervereins berichtet, dass der Neubau nun als Anlaufstelle für Besucher des Museums zur Verfügung steht. Unter anderem seien schon die Infoterminals installiert, auf denen vielfältige Informationen über die Einrichtung selbst und die Umgebung abrufbar seien.

Der Altbau sei nun frei für die Umgestaltung der Dauerausstellung. Die Ausschreibungen dafür würden gerade erstellt. Es gehe dabei um Aufträge im Wert von 800 000 Euro. Einbezogen in die Maßnahmen sind der Mühlenturm, das Außengelände mit dem 4,5 Kilometer langen Grenzlandweg und das Nebengebäude, der ehemaligen Passkontrollstelle.

Im Altbau, dem ehemaligen Zollverwaltungsgebäude, ist derzeit schon die Ausstellung „Unter Druck“ zu sehen. Sie zeigt, wie sich Zeitungen mit dem Ereignis der friedlichen Revolution in der ehemaligen DDR auseinander gesetzt haben. Die Schau sei provisorisch im Altbau untergebracht, berichtet Schneegans.

Das Grenzlandmuseum Eichsfeld wurde 1995 eröffnet und ist sowohl Mahn- und Gedenkstätte, als auch touristischer Anziehungspunkt. Der Umbau wird von Bund, Thüringen, Niedersachsen und Sparkassenstiftung finanziert.


Quelle: Eichsfelder Tageblatt, 23. April 2010


Der 900.000 Besucher

Bis zur ersten Million ist es fast nur noch ein Katzensprung: Genau ein Jahr nach Umbau und Neukonzeptionierung des Grenzlandmuseums Eichsfeld ist Joris Niehoff aus Hannover gestern als 900 000. Besucher der Einrichtung begrüßt und mit einem Präsent überrascht worden.

Der 13-Jährige gehört zu einer über 80-köpfigen Schülergruppe der St.-Ursula-Schule Hannover. Drei 8. Klassen verbringen eine Woche im Eichsfeld und besuchen neben Sielmann Stiftung und Grenzlandmuseum auch das Ursulinen-Kloster in Duderstadt. „Seit acht Jahren ist die Klassenfahrt ins Eichsfeld fester Bestandteil unseres Schullebens. Wir genießen die Zeit in Duderstadt und des Aufenthalt im Jugendgästehaus, entdecken die Geschichte der Ursulinen und besuchen die regionalen Attraktionen. Das Grenzlandmuseum gehört immer dazu. Das ist wirklich eine fantastische Einrichtung“, lobt Klassenlehrerin Dagmar Zimmermann.

„Als wir am 11. November 1995 das Museum eröffnet haben, wagten wir kaum in der 500000er Kategorie zu denken, jetzt ist die erste Besucher-Million in greifbare Nähe gerückt“, freuten sich Wolfgang Nolte, Paul Schneegans, Horst Dornieden und Ben Thustek vom Trägerverein des Museums, als sie Joris ein Stück des ehemaligen Grenzzauns sowie einen Bildband überreichten. „Für junge Menschen, wie ihr es seid, ist das Museum gedacht – als Informationsstätte, aber auch als Symbol für Frieden und Freiheit. Tretet ihr für Frieden und Freiheit ein, das ist mein ganz persönliches Anliegen“, bat Nolte die jungen Besucher aus der Landeshauptstadt.

Die Besucherehrung nutzten die Vertreter des Trägervereins gleich für ein weiteres Vorhaben: Im Beisein der Gäste wurde am Eingang das neue Europäische Kulturerbe-Siegel enthüllt, das der Einrichtung vor einigen Wochen verliehen worden war. Mit dem Siegel werden Stätten in Europa ausgezeichnet, die symbol- und beispielhaft für die europäische Einigung sowie für die Ideale und die Geschichte Europas und der Union stehen. Deutschland ist mit „Stätten der Reformation“ sowie dem Netzwerk „Eiserner Vorhang“ vertreten. Darin sind acht solcher Orte und Stätten miteinander verbunden, die symbolisch für Entstehung, Existenz und Überwindung von Mauer und Stacheldraht stehen – darunter auch das Grenzlandmuseum. „Jahrzehnte nach dem Ende des Kalten Krieges ist die damalige Bedrohung gerade für jüngere Generationen ein kaum mehr fassbares Phänomen. Die mit dem Kulturerbe-Siegel ausgezeichneten Stätten des Eisernen Vorhangs helfen mit, dass die Erinnerung an die deutsch-deutsche und europäische Teilung, aber auch an ihre friedliche Überwindung wachgehalten wird“, hatte Niedersachsens Kultusminister und Präsident der Kultusministerkonferenz bei der Verleihung betont. Diese Aussage unterstrich auch Wolfgang Nolte gegenüber den Schülern: „Wir haben den Focus bei der Neukonzeptionierung des Museums absolut auf die nachfolgenden Generationen gelegt. Mit der modernen Präsentation haben wir unser Ziel erreicht. Da geht die Saat auf.“

Knapp 60 000 Gäste besuchen derzeit pro Jahr das Grenzlandmuseum. Spätestens in zwei Jahren wird dann auch die erste Besucher-Million geschafft sein.

Auszeichnungen

Konrad-Adenauer-Preis 2010

Mit dem Konrad-Adenauerpreis in Gold ist jetzt das Grenzlandmuseum Eichsfeld ausgezeichnet worden. Gewürdigt wurde damit „das jahrelange herausragende ehrenamtliche Engagement in der Mahn- und Erinnerungsarbeit der jüngsten deutschen Geschichte, aber in besonderer Weise auch die beispielhafte länderübergreifende Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden Duderstadt in Niedersachsen und Teistungen in Thüringen“. Durch eine kontinuierliche und intensiv betriebene Mahn- und Gedenkarbeit zum Thema innerdeutsche Teilung sei es gelungen, diesen bedrückenden Abschnitt der Geschichte deutlich zu machen und auch nachfolgenden Generationen an authentischem Ort nahe zu bringen.

Bis in die Gegenwart hinein habe sich die Zusammenarbeit lokaler, regionaler und nationaler Kräfte zum Wohl des Museums und seines Fördervereins als Erfolg erwiesen, was sich ebenfalls in der gelungenen Neukonzeption des Hauses dokumentiere.

Eine neunköpfige Jury von kommunalen Mandatsträgern unter Vorsitz von Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth setzte das Grenzlandmuseum Eichsfeld unter insgesamt 41 Bewerbern auf den ersten Platz.

  • Quelle: Eichsfelder Tageblatt, 29. November 2010, S. 7

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