Harzhorn

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Mit Pionieraxt: Landrat Michael Wickmann (3.v.l.), Kulturministerin Johanna Wanka (5.v.l). und Kreisarchäologin Lönne (2.v.r.).

Am Harzhorn, einem Waldstück im Landkreis Northeim zwischen Harriehausen und Wiershausen, wurde 2008 ein römisch-germanischen Schlachtfeldes aus dem 3. Jahrhundert nach Christus entdeckt.

Römische Legion aus Serbien am Harzhorn

Allein die Entdeckung des römisch-germanischen Schlachtfeldes am Harzhorn im Landkreis Northeim im Jahr 2008 war eine Sensation: Belegte sie doch erstmals, dass römische Truppen noch im 3. Jahrhundert nach Christus im Norden Germaniens Krieg führten. Das bewaldete Areal gab in der Folgezeit eine Fülle von Funden frei. Jetzt konnte daraus eine ganz besondere Erkenntnis gewonnen werden: Ein Jahr nach der Bergung eines vollständigen römischen Wurfspeeres, Beschlägen vom Joch eines Zugtieres und zweier eiserner Äxte, wurde eine Inschrift entziffert, die eine Teilnahme einer bestimmten römischen Kampfeinheit an der Schlacht belegt und eine genaue Datierung der Schlacht ermöglicht.

Die eiserne Axt wurde etwa drei Kilometer vom bisher bekannten Schlachtfeld gefunden. Bei der Ausgrabung der Funde war schnell klar: Es handelte sich um die Relikte eines erbitterten Kampfes Mann gegen Mann. Erst bei der Restaurierung wurde die Inschrift auf der größeren der Äxte, einer sogenannten Dolabra, sichtbar: In großen Lettern war dort „LEG IIII“ zu lesen – für die Archäologen ein eindeutiger Beweis, dass die vierte Legion des römischen Heeres dort kämpfte.

Die Inschrift auf der in Hannover vorgestellten Axt, weiß die Northeimer Kreisarchäologin Petra Lönne, geht weiter, ist aber in den folgenden Teilen nur schwer zu entziffern. Die Fachleute glauben, dass zwei sich überlagernde Buchstabenfolgen den Beinamen der vierten Legion, „flavia Severiana alexandriana“ nach dem im März 235 ermordeten Kaiser Severus Alexander, darstellen.

Der Schriftzug macht es möglich, das Schlachtfeld zweifelsfrei mit einem historisch überlieferten Ereignis zu verbinden. Bisher konnte die Auseinandersetzung am Harzhorn nur durch Münzfunde zeitlich eingegrenzt werden. Aus historischen Quellen ist bekannt, dass die vierte Legion im 3. Jahrhundert in Singidunum, dem heutigen Belgrad in Serbien, stationiert war. Die Wissenschaftler sind sich jetzt sicher, dass die Schlacht am Harzhorn Teil eines Feldzuges des damaligen römischen Kaisers Maximus Thrax, Severus‘ Nachfolger, im Jahre 235 war. Diese Datierung deckt sich auch mit den Untersuchungsergebnissen anderer Funde, insbesondere der Jahreszahlen der auf dem Kampfgelände gefundenen Münzen.

Das heute im Wald versteckte Schlachtfeld am Harzhorn wurde vor gut drei Jahren entdeckt. Weil vorher unbekannt war, dass sich römische Truppen noch im 3. Jahrhundert so weit in den Norden Germaniens vorgewagt hatten, gilt die Entdeckung unter Archäologen und Historikern international als Sensation. Voraussichtlich 2013 sollen die vielfältigen Funde in einer Landesausstellung in Braunschweig gezeigt werden.

Infozentrum

Aus Eichenholz und Metall: Spitze Formen und enge Gänge sollen das Kampfgeschehen symbolisieren.

Direkt am historischen Harzhorn-Schlachtfeld, wo sich vor knapp 1800 Jahren Römer und Germanen bekämpften, soll ein höchst futuristisches Info-Zentrum entstehen. Gestern stellten die Northeimer Kreisverwaltung und ein Uslarer Architektenbüro erste Pläne vor.

2008 wurde das Schlachtfeld im Wald des Harzhorns nordöstlich von Kalefeld im Landkreis Northeim entdeckt. Der Fund war eine Sensation, war doch zuvor nicht bekannt, dass sich römische Truppen im 3. Jahrhundert in Germanien noch nördlich des Limes aufhielten. Nach den Wissenschaftlern sollen jetzt auch andere Besucher den Ort des Geschehens kennenlernen.

Plan: Fertigstellung noch vor Beginn der Landesausstellung

Dazu soll noch vor dem Beginn der großen Landesausstellung „Roms vergessener Feldzug. Die Schlacht am Harzhorn“ im Landesmuseum Braunschweig ein Informationsgebäude fertiggestellt werden – in gut vier Monaten also.

Der futuristische Bau auf dem Feld oberhalb der Bundesstraße 248, entworfen von dem Uslarer Architektenbüro K 17 – Steingräber, soll aus Eichenholz und goldfarbenem Metall bestehen. Die Gestaltung setze Motive aus Schlacht, Gewalt und Krieg in Architektur um, erläutert K-17-Architekt Tim Grimme.

Stromversorgung bereitet noch Probleme

Aufeinander zulaufende Wände und extrem spitz aufragende Formen sollen an die Beengtheit einer im Wald mit Speeren und Pfeilbolzen ausgetragenen Schlacht erinnern. Metall und Holz repräsentierten dabei die unterschiedliche Materialkultur von Römern und Germanen. Eine Aussichtsplattform eröffne den Blick ins Tal, von wo aus die Römer vermutlich heranzogen.

Für Petra Lönne, Entdeckerin des Harzhorn-Schlachtfelds, ist der K17-Entwurf „absolut gelungen und faszinierend“. Mit etwa 600 000 Euro wollen die Planer auskommen, erläuterte Northeims Landrat Michael Wickmann gestern. Die niedersächsische Kultur- und Denkmalpflege steuert 200 000 Euro bei.

100 000 Euro sollen vom Wissenschaftsministerium kommen, weitere Beträge von Sparkassen und der Bingo-Stiftung.

Größtes derzeit noch ungelöstes Problem sei die Stromversorgung, erklärte Ralf Buberti, Leiter des Fachbereichs Bauen und Umwelt in der Northeimer Kreisverwaltung. Das Projekt ist Teil eines Drei-Stufen-Plans. Das jetzt vorgestellte Info-Zentrum werde aber auch ohne die beiden weiteren Ausbaustufen dauerhaft funktionieren.

Quelle: Artikel von Matthias Heinzel im Göttinger Tageblatt vom 12. April 2013.

Foto: PID.

Reste eines Kettenhemdes gefunden

Fünf Jahre nach der Entdeckung des römischen Schlachtfeldes am Harzhorn bei Kalefeld im Kreis Northeim haben Archäologen erneut einen spektakulären Fund gemacht. Eine studentische Forschergruppe des Instituts für Prähistorische Archäologie der Freien Universität Berlin stieß auf Fragmente eines Kettenhemdes, das bis ins dritte Jahrhundert zur Standardausstattung römischer Soldaten gehörte.

Grabungsleiter Professor Michael Meyer präsentierte den neuen Fund am Donnerstagnachmittag bei einer Pressekonferenz in dem Waldgebiet unweit der Autobahn 7.

Forschung seit Ende Juli

Seit Ende Juli erforscht dort eine Gruppe von Archäologiestudenten die Randbereiche eines Hauptkampfgebietes der Schlacht zwischen Römern und Germanen. Nachdem sie drei Wochen keinen einzigen Fund gemacht hatten, wollten sie in dieser Woche nur noch in einem kleinen Areal die Bodenverhältnisse untersuchen.

Dort stießen sie dann auf die Teile des Kettenhemdes. Er sei angesichts des Fundes zunächst sprachlos gewesen, bekannte Professor Meyer: „Das war so ein Moment, wo man zwei, drei Sekunden nicht weiß, was man sagen soll.“ Röntgenaufnahmen lieferten dann die Gewissheit, dass es sich tatsächlich um ein antikes Kettenhemd handelte.

Drei Zentimeter tief im Waldboden

Für die Archäologen ist schon die Tatsache, dass sich der Körperpanzer über 1800 Jahre im Boden hat erhalten können, eine kleine Sensation. Das Kettenhemd habe lediglich drei Zentimeter tief im Waldboden gelegen, sagte Meyer. Für den Laien sieht das antike Relikt wie ein Rostklumpen aus.

Das aus vielen tausenden von Kettengliedern zusammengesetzte Kettenhemd sei jedoch „wunderbar erhalten“, erklärte der Archäologe. Zwar sei das Eisen in den Kettengliedern weitgehend zersetzt, doch die „Haut“ sei erhalten. Diese Hohlkorrosion, wie die Archäologen diesen speziellen Erhaltungszustand nennen, stelle eine besondere Herausforderung für den Restaurator dar.

Pfeilspitzen, Katapultbolzen und andere Geschosse

Bislang hatten die Forscher bei ihren Untersuchungen vor allem jede Menge Pfeilspitzen und Katapultbolzen und andere Geschosse entdeckt. Jetzt habe man erstmals einen Gegenstand gefunden, den ein Teilnehmer der damaligen Schlacht direkt am Körper getragen habe, sagte Meyer. Damit sei man gewissermaßen auf eine „individuelle Geschichte innerhalb des Kampfgeschehens“ gestoßen.

Der Fundort befindet sich am Fuße des Hanges, auf dem sich Germanen und Römer die blutigen Kämpfe lieferten. Möglicherweise hätten römische Soldaten einen verwundeten Kameraden aus dem Kampfbereich herausgezogen und ihm dann das Kettenhemd ausgezogen, um seine Wunden versorgen zu können. Denkbar sei auch, dass Germanen es nach den Kämpfen gezielt dort niedergelegt hätten.

Quelle: Artikel von pid im Göttinger Tageblatt vom 16. August 2013.