Haus des Wissens

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Haus des Wissens

Das Haus des Wissens soll nach Plänen von Universität und Stadt 2013 eingerichtet werden und im Auditorium am Weender Tor entstehen.


Erste Überlegungen

Eher als in der Stadt selbst könnte in Weende ein „Haus des Wissens“ entstehen. Das glaubt jedenfalls Ortsbürgermeister Hans Otto Arnold (CDU). Für nicht genutzte Räume in der Verwaltungsstelle in der Hennebergstraße interessiert sich nämlich die Genealogisch-Heraldische Gesellschaft Göttingen, die derzeit obdachlos ist.

Die jahrelange Zusammenarbeit mit der Universitäts-Bibliothek im Papendiek wurde wegen Eigenbedarfs aufgekündigt.

Mit der Stadtteilbibliothek im Erdgeschoss und Räumen im ersten Stock als Domizil der Gesellschaft könnte ein kleines Haus des Wissens entstehen, so Arnold in der jüngsten Ortsratssitzung. Vorsitzender Tilo Rumann stellte die derzeit prekäre Lage der Gesellschaft dar.

Die umfangreiche Bibliothek mit Nachlässen, 300 Ahnentafeln und 110 Meter Regalen ist bei einer Groner Spedition eingelagert. Die bislang regelmäßigen Sprechstunden für an Familiengeschichte Interessierte können ohne Raum auch nicht mehr angeboten werden. Die wissenschaftliche Arbeit sei außerordentlich behindert, so Rumann. „Es wäre verheerend, wenn die Genealogisch-Heraldische Gesellschaft die Arbeit in Göttingen einstellen müsste.“

Neben Sitzungssaal und Büros der Stadtverwaltung gibt es in der Verwaltungsstelle noch zwei Räume, die die Gesellschaft nutzen könnte. Sie reichen vermutlich nicht für den ganzen Buchbestand und sind derzeit auch noch von der Stadtverwaltung als Aktenlager genutzt, was den Ortsrat schon lange stört. Im Keller ist theoretisch noch Platz, aber Verwaltungsstellenleiter Martin Wolf riet, sich erst einmal die „muffigen“ Räume anzuschauen.

Zumindest für die lange geforderte Modernisierung der drei Verwaltungsstellen in Weende, Geismar und Grone gibt es jetzt offenbar doch noch Geld. Da der Stadtrat im Etat für 2010 keine 51 000 Euro für die technische Ausstattung genehmigte, konnten die Außenstellen bislang nicht auf die Ausstellung neuer Pässe vorbereitet werden.

Um ab Herbst auch neue Pässe mit biometrischen Erkennungsmerkmalen ausstellen zu können, soll jetzt Geld im Etat umgeschichtet und Vorhaben verschoben werden. So jedenfalls der Vorschlag der Verwaltung. Nötig sind zumindest spezielle Drucker und Safes.

  • Quelle: Gerald Kräft, "Familienforscher suchen neue Bleibe ", Artikel im Göttinger Tageblatt vom 17. August 2010.


Erste Pläne

Mit der Unterzeichnung einer Absichterklärung, einem sogenannten letter of intent, wollen Stadt und Universität ihre Bemühungen unterstreichen, gemeinsam ein Wissenshaus einzurichten (Tageblatt berichtete). Inzwischen liegt der Entwurf der Absichtserklärung vor.

„Die Stiftungsuniversität Göttingen und die Stadt Göttingen sind gemeinsam bestrebt, ein Forster Forum – Haus des Wissens (Arbeitstitel) als Ort der dauerhaften und überregional wahrgenommenen Präsentation der Geschichte und Gegenwart des Wissenschaftsstandortes und der gesellschaftlichen Bedeutung von Wissenschaft zu realisieren“, heißt es in dem Entwurf, der vom Kulturausschuss des Rates in der kommenden Sitzung beraten werden soll.

In diesem Haus, so der Plan, soll es eine Dauerausstellung zur „Geschichte, Gegenwart und gesellschaftlichen Bedeutung von Wissenschaft“ geben. Die Stadt- und Wissenschaftsgeschichte Göttingens, aber auch die Geschichte der Uni sollen dargestellt werden. Mit Ausstellungsstücken aus den 30 wertvollen, akademischen Sammlungen der Uni und aus dem Städtischen Museum soll das künftige Museum dauerhaft bestückt werden.

Dieses Wissenshaus ist Teil eines Zukunftskonzeptes, mit dem sich die Stiftungsuniversität Göttingen in der derzeitigen Runde der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern bewirbt. Die Stadt verfolgt ihrerseits seit 2009 die Idee eines Wissenhauses mit einer Ausstellung zur Geschichte und Gegenwart der Wissenschaft und Forschung in Göttingen.

„Durch die Bündelung von Potenzialen und Kompetenzen der Universität und der Stadt erhöhen sich die Realisierungschancen des Projekts Forster Forum als Portal zu den akademischen Lehr- und Forschungssammlungen der Universität und zur Göttinger Wissenschafts- und Stadtgeschichte des neu zu konzeptionierenden Städtischen Museums“, urteilt die Verwaltung in einer Vorlage für den Ausschuss. Beide Seiten strebten daher an, das Haus gemeinsam zu konzeptionieren, einzurichten und zu betreiben.

Als Standort ist das Auditorium am Weender Tor vorgesehen. „Die Planungs- und Aufbauphase wird im Fall des Erfolges der Stiftungsuniversität Göttingen in der Exzellenzinitiative im Sommer 2012 beginnen und voraussichtlich zwei Jahre dauern, so dass mit einer Eröffnung des Hauses ab Sommer 2014 zu rechnen ist“, heißt es im letter of intent zum derzeitigen Zeitplan.

Die Sitzung des Kulturausschusses beginnt am Donnerstag, 25. August, um 16.30 Uhr in der Musa, Hagenweg 2a. Weiteres Thema ist die Verlängerung der Zuschussverträge für die Göttinger Kultureinrichtungen um ein Jahr.

  • Quelle: Michael Brakemeier,"Haus des Wissens von Stadt und Universität", Artikel im Göttinger Tageblatt vom 23. August 2011.


Unterzeichnung der Absichtserklärung

Am Dienstag, 25. Oktober 2011, wollen die Stadt und die Universität Göttingen die Absichtserklärung zur Einrichtung eines geplanten „Haus des Wissens“ (Tageblatt berichtete) unterzeichnen. In dem Haus, so die Idee, sollen künftig Teile der rund 30 wissenschaftlichen Sammlungen der Georgia Augusta zu sehen sein.

Im Zukunftskonzept der Universität Göttingen spielten die akademischen Sammlungen der Hochschule eine wesentliche Rolle, heißt es in einer Mitteilung der Universität. Und weiter: „Neben der Bewahrung und verbesserten Nutzung in Forschung und Lehre möchte die Universität Teile der Sammlungen dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich machen.“

Als Standort für das Museum zur Göttinger Wissenschaftsgeschichte haben sich Stadt und Uni auf das Alte Auditorium am Weender Tor verständigt. Das Projekt solle „in enger Abstimmung mit dem Städtischen Museum“ entstehen und die Bedeutung und Entwicklung von Wissen und Wissenschaft mit besonderem Bezug auf die Göttinger Sammlungen thematisieren.

Eine Hürde für die Zusammenarbeit gilt es aber zu nehmen: Die Bewerbung der Uni in der zweiten Programmphase der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern muss erfolgreich sein. Dann könnte die voraussichtlich zweijährige Planungs- und Aufbauphase im Sommer 2012 beginnen, heißt es in der Mitteilung.

Die Göttinger Verwaltung und Politik begrüßen diese gemeinsame Initiative. Die Stadt hat mit den Göttinger Wissenshäusern schon länger ein Konzept für die Neuausrichtung des Städtischen Museums in der Schublade. Die Wissenschaftsgeschichte ist auch darin wichtiger Bestandteil. Bisher fehlt der Stadt aber das Geld, dieses Konzept alleine umzusetzen.

  • Quelle: Michael Brakemeier, "Stadt und Universität wollen 'Haus des Wissens'", Artikel im Göttinger Tageblatt vom 22. Oktober 2011.


Protest von Professoren und Studenten

Die Planungen zum Haus des Wissens haben namhafte Göttinger Professorinnen und Professoren zu einer öffentlichen Erklärung veranlasst. In der Print-Ausgabe des Göttinger Tageblatts von Dienstag zeigen die 43 Unterzeichner auf, warum sie gegen die Pläne der Georg-August-Universität sind, das Auditorium an der Weender Landstraße als Museum zu nutzen.

Mangelnde Dialogbereitschaft, ein „Schwebezustand“ seit einem Jahr und die Ansicht, dass für ein Museum Gelder aus dem Budget für Forschung und Lehre abgezogen werden - das sind Teile der vorgebrachten Kritik. Initiiert wurde die Aktion von den im Audimax seit 2005 untergebrachten juristischen Instituten. Diese sollen an verschiedenen Standorten untergebracht werden, wenn aus dem Auditorium ein Haus des Wissens wird. Das will die Universität mit der Stadt Göttingen einrichten, um die Sammlungen der Fakultäten zentral zu präsentieren. Das Konzept war Teil der Bewerbung um die Fördergelder der Exzellenzinitiative II. Im Juni aber scheiterte die Göttinger Bewerbung.

Dennoch sollen die Institute ausziehen. Das hat Juraprofessorin Eva Schumann vor einer Woche erfahren und, so die Ansage von Universitätspräsidentin Prof. Ulrike Beisiegel: Das Wissenshaus kommt. Dem Protest der Professoren aus verschiedenen Fakultäten haben sich die Studierenden der Juristischen Fakultät angeschlossen. Auch sie vermissen den Dialog mit der Universitätsleitung über den Nutzen eines Wissenshauses. „Bisher haben wir keinen Termin erhalten. September wurde als möglich genannt“, sagt Laura Sue, Vertreterin der Fachschaft. Die sammelt inzwischen Unterschriften gegen die Umzugspläne. Denn für die Studierenden gibt „es keine Alternative zur Nutzung des Auditoriums“, erklärt Konstantin Thielecke. Er ist Mitglied im Fakultätsrat und befürchtet, dass sich die Arbeitsbedingungen für Studenten, Doktoranden und Wissenschaftler verschlechtern, wenn die Institute drei Standorte erhalten: Kleinere Bibliotheken, kürzere Öffnungszeiten seien die Konsequenz.

Für und Wider eines Wissenshauses

Die sachliche Diskussion über das Für und Wider eines Wissenshauses, fordert Prof. Frank Schorkopf. Der künftige Dekan der Juristischen Fakultät will sowohl die Zweckmäßigkeit eines Museums als auch den Standort in universitären Gremien erörtert wissen. Aber „nun stellen viele fest, dass die Universitätsleitung durchregieren will“, kritisiert Schorkopf und betont: „Nicht in diesem Stil“. Der Juraprofessor will auch eine Diskussion darüber, was nach dem Scheitern in der Exzellenzinitiative mit den verbleibenden Mitteln finanziert werden kann, um das gute Niveau zu halten. Er ist der Meinung: „Es ist keine Zeit für Denkmäler“, wie es ein Museum seiner Ansicht nach darstellt. Zudem hält er ein Mitspracherecht der Fakultäten für berechtigt: Es gehe um ihre Sammlungen und das Wissenshaus werde über die Etats der Fakultäten querfinanziert werden – „ein versteckter Lastenausgleich“. Die öffentliche Erklärung der Professoren sei eine Form, die Argumente gegen das Museum in die Öffentlichkeit zu bringen und die akademische Gemeinschaft über die Folgen der Einrichtung zu informieren, so Schorkopf.

Schumann, Direktorin des Instituts für Rechtsgeschichte, will „mit der Erklärung erreichen, dass es einen Dialog gibt, der der Angelegenheit angemessen ist“. Das wollten auch die Unterzeichner. Darunter sind aktive und emeritierte Professoren der Disziplinen Jura, Chemie, Geowissenschaften, Germanistik, Medizin, Physik, Theologie, Geschichte, Slawistik oder Orientalistik. Diese und weitere fragten sich, ob ein Museum gebraucht wird und, wenn ja, an welchem Standort, berichtet Schumann.

Haus des Wissens für 3,2 Millionen Euro

Am Mittwoch tagt der Senat der Universität. Dann kann Universitätspräsidentin Beisiegel sich zu dem Vorhaben Haus des Wissens äußern. Ihr Pressesprecher Thomas Richter erklärte am Montag: „Wir halten an der Sache fest“. Abwarten will die Universität die für Mitte Juli angekündigte Post vom Wissenschaftsrat. Der teilt dann seine Gründe mit, weshalb Göttingen in dem Exzellenzwettbewerb nicht zum Zuge kam. Sollte die Bewertung des Wissenshauses positiv ausgefallen sein, so Richter, könnte das Konzept andere Drittmittelgeber überzeugen. Und auch für die interne Diskussion sei dann noch Zeit.

  • Quelle: Angela Brünjes, "Professoren protestieren gegen Museumspläne", Artikel im Göttinger Tageblatt vom 10. Juli 2012.


Protest vom Fachschaftsrat

Der Fachschaftsrat Jura der Universität Göttingen bezeichnet die Pläne, das Auditorium zum Haus des Wissens umzubauen als kostenintensives und wenig Erfolg versprechendes Prestigeobjekt. Es diene weder Forschung und Lehre noch den Studenten, heißt es in der Erklärung zu einer Unterschriftenaktion der Fachschaft.

Diese ist sich mit den 43 Professoren einig, die mit einer öffentlichen Erklärung gegen die Pläne der Universitätsleitung, im Auditorium an der Weender Landstraße ein Museum einzurichten, protestiert haben (Tageblatt berichtete).

Der Fachschaftsrat hält die für die beiden im Auditorium seit 2005 untergebrachten Jura-Institute angebotenen Ausweichquartiere in der Herzberger Landstraße und in der Geiststraße für ungeeignet. Zudem sei die Renovierung teuer und die Häuser schlecht erreichbar.

Die Unsicherheit über den künftigen Standort hat nach Angaben der Fachschaft für die Rechtsgeschichte-Institute schon Nachteile: Professoren sagten deshalb Bleibe- und Berufungsverhandlungen ab und entschieden sich für andere Hochschulen zum Nachteil der Forschung und Lehre an der Universität Göttingen.

  • Quelle: "Fachschaft gegen 'Prestigeobjekt'", Artikel von Angela Brünjes, erschienen im Göttinger Tageblatt am 11. Juli 2012.


  • Foto von Peter Heller, erschienen im Göttinger Tageblatt vom 23. August 2011.