Heimatmuseum Duderstadt

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Heimatmuseum

Das Heimatmuseum ist ein Museum in Duderstadt. In thematisch gegliederten Räumen werden Exponate aus Tabakanbau im Eichsfeld, Wohnen oder Lernen gezeigt. Über drei Stockwerke wird im Museum die Geschichte der Region Eichsfeld anschaulich und informativ dargestellt. Während ein freigelegter Teil der alten Stadtmauer, deren Reste unter dem Museumsgebäude verlaufen, die Abteilung Archäologie im Eichsfeld wirkungsvoll ergänzt, erhalten Besucher im ersten Stock Einblick in das heimische Handwerk. Neben Metall- und Holzverarbeitung kommen auch das frühindustrielle Gewerbe in Form einer Schuhmacherwerkstatt und der Tabakanbau nicht zu kurz.

Abgerundet wird die Ausstellung durch Themenschwerpunkte wie bäuerliches und bürgerliches Wohnen, historische Kleidung, Schulwesen sowie Kirchenkunst und Kirchengeschichte.

Konzepte und Neueröffnung

Parallel zur Renovierung des Museums, das von 2008 an wegen eines Wasserschadens fast drei Jahre geschlossen war, wurde auch das Museumskonzept überarbeitet. Zunächst nur auf zwei Stockwerken geöffnet, wurde die inhaltliche und didaktische Konzeption erneuert und eine zeitgemäße Präsentation sichergestellt.

Vor der Wiedereröffnung des Heimatmuseums, die am 24. Juni 2012 mit großer öffentlicher Beteiligung und der Eröffnung einer Sonderausstellung im Museum gefeiert wurde, wurden unter der Federführung von Andrea Rechenberg vom Museumsverbund Südniedersachsen unterschiedliche Museumskonzepte diskutiert.

Die Duderstädter SPD regte an, einen Teil als Kinder- und Jugendmuseum zu gestalten. Über die kindgerechte Präsentation von Exponaten hinaus solle das Museum Raum zum spielerischen Experimentieren und Forschen bieten, meint Glahn, die stellv. Vorsitzende der SPD Duderstadt: „Die jungen Besucher könnten zum Beispiel in einem Kolonialwarenladen Lebensmittel abwiegen und kassieren, in der Druckerwerkstatt Buchstaben setzen und ein Schriftstück erstellen, naturwissenschaftliche Experimente durchführen oder eine Reise in die Steinzeit antreten.“ Kinder- und Jugendmuseen hätten sich bereits in vielen Städten als Erfolgsmodell erwiesen. Ein derartiges Konzept würde über die Region hinaus Besucher anziehen und auch zum Projekt „Schutzräume für Kinder“ im Bereich der Oberkirche passen. In Kombination mit dem herkömmlichen Heimatmuseum könne ein touristisches Highlight und ein Kulturort für Familien, Schulklassen und Kindergärten entstehen.

Andrea Rechenberg und Sandra Kästner vom Museumsverbund Südniedersachsen sorgten für die Komplettierung der Dauerausstellung. Während das Dachgeschoss wegen Auflagen für Brandschutz und Fluchtwegen nicht mehr zur Verfügung steht, sind so für das zweite Obergeschoss Kardinal Kopp, bürgerliches Wohnen, Gesundheitswesen und historischer Klassenraum die beherrschenden Themen geworden. Da für das Gebäude selbst keine Sanierung, sondern nur eine Renovierung mit Geld aus der Versicherungssumme möglich war, wurde schließlich statt eines zwischenzeitlich von der SPD geforderten Kindermuseums die alte Dauerausstellung modernisiert und um Aktivstationen ergänzt. „Kindermuseen sind eine feine Sache, aber etwas anderes als ein Museum mit einer historischen Sammlung, um deren Erhalt es hier ging“, sagt Rechenberg.

Was ist zu sehen?

Der Grundstock der Sammlung geht auf die Initiative Clara Gerlachs zurück, die 1931 in Duderstadt einen Museumsverein gründete. Mit Schließung der Schule wurde dann 1936 in dem heutigen Museumsgebäude eine Heimatstube geschaffen, das Museum 1986 neu eingerichtet. „Selbst für etwas Beständiges wie ein Museum sind 25 Jahre eine lange Zeit“, sagt Rechenberg. Als vor einem Vierteljahrhundert das Museumskonzept umgesetzt wurde, gab es noch keinen Digitaldruck. Für den Neustart wurden jetzt die Textafeln nicht nur graphisch neu gestaltet, sondern auch der Schreibweise nach der Rechtschreibreform angepasst. Auf Basis des bestehenden wissenschaftlichen Konzepts sei die Ausstellung entstaubt und besucherfreundlicher gestaltet worden, sagt Rechenberg. Statt einer altbackschen Ausstellung sei ein Erlebnisort entstanden.

Die Exponate einschließlich Schuhmacherwerkstatt sind größtenteils geblieben. Und sorgen nach wie vor für Alleinstellungsmerkmale, die das Duderstädter Museum von anderen Heimatmuseen unterscheiden – ob Wanderarbeit oder Tabakanbau- und Verarbeitung. Das Reff als Tragegestell für Händler gehört ebenso dazu wie in Heimarbeit gefertigter Schmuck aus Haaren oder die Wasserharfe als Utensil von Wandermusikanten. Immer wieder wird der Ortsbezug deutlich, die Zinngießerfamilie Küstner ist nicht die einzige Eichsfelder Familie, die sich wiederfindet. Ausgewählte Objekte schmücken als „Appetithappen“ den neu gestalteten, nunmehr barrierefreien Eingangsbereich, Blaudruck und Brandschutz haben ihren Platz im Außenbereich, unverändert ist der verglaste Fußboden im Erdgeschoss, der den Blick auf Teile der Stadtmauer freigibt.

Unverändert werden auch Eichsfelder Spezifika herausgearbeitet. „Vater macht fort“, heißt es auf einer Eichsfeldfibel von 1922, als Montage noch Wanderarbeit hieß. „Eichsfelder haben die Schornsteine und U-Bahnen im Ruhrpott mitgebaut“, berichtet Rechenberg. Problematischer waren die Versuche, im 19. Jahrhundert im ländlichen Eichsfeld Industrie anzusiedeln. Die Weberaufstände von 1848 finden ebenso Niederschlag wie der Streik der Handschuhmacher von 1905. Rechenberg kennt sonst kein Museum, das die Handschuhfabrikation thematisiert.

Glácehandschuhmacher und Zigarrenarbeiter legten auch die Wurzel für die Sozialdemokratie in Duderstadt – wegen des Bismarckschen Sozialistengesetzes als Arbeitergesangverein Germania getarnt. Der Tabak, der in Bilshausen zu Zigarren gedreht wurde, wurde übrigens aus Südamerika importiert. Der im Eichsfeld angebaute Tabak, erzählt Rechenberg, landete als Kau- und Schnupftabak in Mund und Nase oder in der Pfeife.


Vom Tabak-Anbau bis zur Mitmach-Aktion

Tabakverarbeitung: Die einst wichtige Einnahmequelle im Eichsfeld gibt es heute nicht mehr in der Region.

Abgepackte Fleischwurst im Heimatmuseum? Nicht die Hinterlassenschaften einer Schulklasse, sondern ein „Exponat“ im Rahmen der Sonderausstellung „Gegessen – Wie isst der Mensch?“ liegt in einer hölzernen Obstkiste neben Milch aus dem Tetrapack und Fisch in Dosen.


Und wenn der Besucher die glänzenden Chromhauben lüftet, erfährt er, was die Vorfahren auf dem Mittagstisch hatten:

Die Jäger und Sammler der Altsteinzeit begnügten sich mit Gegrilltem und gesammelten Beeren als Beilage, in der Jungsteinzeit erweiterte bereits kultiviertes Getreide den Speiseplan, und in der Neuzeit gibt es nicht nur den Dampfkochtopf für High-Tech-Gemüse, sondern eben auch Verpackungen, die besonders Kindern suggerieren, die Wurst käme sauber aus der Kühltheke.

„Unsere Museumspädagogin Sandra Kästner bietet viele Projekte für Kinder an“, erklärt Wigbert Wüstefeld. Dabei zieht er gleich das Faltblatt aus dem Info-Ständer am Eingang, das auf Mitmach-Aktionen, Ferienprogramme und Familienführungen hinweist. Wüstefeld kassiert nicht nur die Eintrittsgelder und führt Statistiken über Besucherzahlen, er gibt auch Auskünfte zu Fragen der Gäste, sortiert die Post und die Flyer, schafft Ordnung nach Besucheranstürmen oder wischt an Regentagen die Abdrücke der nassen Schuhe von den Fliesen.

Weil das Heimatmuseum mit Unterstützung der Lebenshilfe Eichsfeld und der Harz-Weser-Werkstätten Osterode nach dem verheerenden Wasserschaden wiedereröffnet werden konnte, hat Wüstefeld als ehemaliger Harz-Weser-Mitarbeiter hier eine neue Aufgabe gefunden. „Ich habe zuerst ein Praktikum im Heimatmuseum absolviert und dann die Stelle bekommen“, beschreibt der Gieboldehäuser seinen Werdegang.

Er selbst sei nun hauptamtlich im Eingangsbereich zuständig, werde aber von weiteren sieben Ehrenamtlichen unterstützt. Ja, Interesse an der Geschichte der Heimat habe er auch, gibt er zu, besonders die Exponate zum Thema Handwerk würden ihm gefallen.

Die sind in den oberen Räumen ausgestellt. Die komplette Schusterwerkstatt um 1900 ist neben Werkzeugen aus verschiedenen Branchen zu sehen. Auch die Landwirtschaft mit Schwerpunkt Tabakanbau, der im Eichsfeld bis nach dem zweiten Weltkrieg zu einer wichtigen Einnahmequelle zählte, wird in ihrer historischen Entwicklung gezeigt.

Und im Klassenzimmer aus dem 19. Jahrhundert steht auf der Tafel der Tagesablauf eines Schülers aus der damaligen Zeit: 4.30 Uhr aufstehen, dann Stallarbeit, Gottesdienst, Schule, nachmittags Holz hacken, Rüben stampfen und Gartenarbeit.

Neu sind im restaurierten Heimatmuseum die Stationen, wo besonders die jüngeren Besucher vieles ausprobieren können. Mehl mahlen mit Steinen, weben am Webstuhl, knüpfen, flechten – oder mit Föhn und Gummikappen den Effekt eines luftdichten Verschlusses beim Einkochen testen.

„Das Museum wird gut angenommen. Es gibt Tage, da kommen ganze Gruppen mit über 20 Leuten“, sagt Wüstefeld. Nur an den heißen Sommertagen würden die meisten wohl lieber ins Schwimmbad fahren, spekuliert der Gieboldehäuser. Aber wenn nichts los ist, kommt dennoch keine Langeweile auf. „Ich höre so gerne Opern, aber viele Menschen mögen das nicht. Wenn niemand hier ist, kann ich meine Musik hören“, zieht er auch aus ruhigen Tagen positive Bilanz.

Öffnungszeiten

Öffnungszeiten: Freitag - Sonntag 11.00 - 16.00 Uhr

Kontakt

Heimatmuseum Duderstadt
Bei der Oberkirche 3
37115 Duderstadt
Telefon: 05527 2539