Heinrich Sohnrey

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Sohnrey

Der Schriftsteller Heinrich Sohnrey wurde am 19. Juni 1859 in Jühnde geboren und wuchs dort auf. Obwohl er in Neuhaus/Solling am 26. Januar 1948 starb, befindet sich sein Grab auf dem Friedhof der Dorfkirche in Jühnde. Das Heinrich-Sohnrey-Archiv und die -Gedächtnisstätte befinden sich im über 1000-jährigen Turm des Schlosses.

2011 kam durch eine Studie des Göttinger Literaturwissenschaftlers Prof. Dr. Frank Möbus Sohnreys nationalsozialistisches Gedankengut ans Licht. Die "Heinrich-Sohnrey-Realschule" in Hann.Münden wurde deshalb mit Wirkung zum 1. Dezember 2011 zunächst übergangsweise in "Realschule II", dann endgültig in "Drei-Flüsse-Realschule" umbenannt; die ehemalige Sohnreystraße in Hann. Münden heißt seit April 2012 Quantzstraße. Auch die “Heinrich-Sohnrey-Schule“ in Boffzen erhielt einen neuen Namen; sie heißt jetzt “Grundschule am Sollingtor“. In Höxter, Hattorf am Harz und Springe bekamen nach Sohnrey benannte Straßen ebenfalls neue Namen.

Es existieren weiterhin: die Sohnreystraße in Rosdorf, Hardegsen, Northeim und Bovenden sowie die Heinrich-Sohnrey-Straße in Geismar, Dransfeld, Adelebsen und Osterode. (Stand: Juli 2012.)


/ Ausführlicher Artikel über Sohnrey auf wikipedia


Historiker empfiehlt Distanzierung: Artikel im Göttinger Tgabelatt

Thema Sohnrey: Auf dem Podium stehen Möbus, Böhme, Vogtherr, Otte, Busse und Schumann (v. l.).

Für die einen war er „völkisch-konservativ“, für die anderen „fremdenfeindlich und rassistisch“ im Fahrwasser der Nationalsozialisten. Sollten Straßen, die Heinrich Sohnrey im Namen tragen, umbenannt werden? Über den Schriftsteller ist oft kontrovers diskutiert worden.

So auch am Dienstag während einer Aufzeichnung der Radiosendung „Jetzt reicht’s“ von NDR 1 Niedersachsen mit Moderator Hans-Jürgen Otte. Der Historiker Dirk Schumann erklärte während der Diskussion, er habe der Universität Göttingen empfohlen, sich von ihrem 1934 ernannten Ehrenbürger Sohnrey zu distanzieren.

Neun Ehrenbürger und 26 Ehrendoktoren hat Schumann für die Uni hinsichtlich ihrer Nähe zum Nationalsozialismus überprüft. Sohnrey sei kein ausgewiesener Nationalsozialist gewesen. Dennoch zögen sich „fremdenfeindliche und rassistische Tendenzen“ durch sein Werk.

„So jemand sollte nicht in der Tradition der Ehrenbürger gesehen werden“, begründete Schumann seine Empfehlung. Entscheiden werde die Präsidentin.

Sohnreys maßgebliche Schaffensperiode

Sohnrey habe der „nationalsozialistischen Ideologie“ nahe gestanden, meinte auch der Literaturwissenschaftler Frank Möbus. Beispielsweise habe der Jühnder in seinen Werken für die „Reinheit des deutschen Blutes“ plädiert, „das ist rassistisch“.

Es sei problematisch, solche Aussagen mit seinen Verdiensten als Sozialreformer abzuwägen, sagte Möbus in Richtung des Sohnrey-Biografen Gerd Busse, der den Schriftsteller als bürgerlich-konservativ bezeichnet hatte.

Antisemitisches Gedankengut sei während des Kaiserreichs – Sohnreys maßgebliche Schaffensperiode – weit verbreitet gewesen, so Busse. Von den Nationalsozialisten habe er sich in Korrespondenzen abgegrenzt, „als arm geborener Mensch“ aber kooperiert, um seine Existenz zu erhalten.

Die ehemalige Heinrich-Sohnrey-Realschule in Hann. Münden hat sich im Zuge der Debatte in Drei-Flüsse-Realschule umbenannt. In Göttingen wird über einen neuen Namen für die Heinrich-Sohnrey-Straße in Geismar nachgedacht.

Geteilte Meinung

Die Stadtverwaltung ließ für eine Online-Publikation der Göttinger Straßennamen Sohnrey parallel zur Uni-Untersuchung überprüfen, „mit übereinstimmendem Ergebnis“, erklärte Ernst Böhme, Leiter des Stadtarchiv. Die Verwaltung werde daher empfehlen, die Straße umzutaufen.

„Entscheidendes Gremium ist der Ortsrat Geismar“. Thomas Vogtherr, von Otte als „niedersächsischer Oberhistoriker“ eingeführt, berichtete dass auch andere Städte Straßenumbenennungen prüften. „Die Frage, ob jemand es wert ist, dass so an ihn erinnert wird, ist völlig legitim“, sagte der Vorsitzende der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen.

Darüber herrschte im Publikum geteilte Meinung. Mehrfach wurde auf die „Gefahr des Vergessens“ hingewiesen. Vielleicht, so der Vorschlag einer Doktorandin zu einem ähnlichen Thema, sei in solchen Fällen möglich, Zusatztafeln anzubringen, „damit wir uns mit der Geschichte auseinandersetzen“.

Quelle: Artikel von Katharina Klocke im Göttinger Tageblatt vom 8. August 2013.

Foto: Swen Pförtner.


Heinrich-Sohnrey-Straße soll neuen Namen bekommen

Heinrich-Sohnrey-Straße in Göttingen: soll umbenannt werden.

Die Heinrich-Sohnrey-Straße soll einen neuen Namen bekommen. Eine entsprechende Umbenennung schlägt die Verwaltung nun dem Ortsrat vor.

Hintergrund ist eine Expertise des Göttinger Historikers Prof. Dirk Schumann zu dem Heimatdichter Sohnrey. Schumann war beauftragt, die Stellung des mit der Ehrenbürgerwürde der Universität ausgezeichneten Sohnrey zum Nationalsozialismus zu untersuchen.

In Sohnreys Werken fänden sich „zahlreiche fremdenfeindliche, rassistische und antisemitische Äußerungen“ und Sohnreys Mitunterzeichnung des „Gelöbnisses treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler“ zeige eine fehlende Bereitschaft zur Distanzierung gegenüber der nationalsozialistischen Ideologie, heißt es in einer Verwaltungsvorlage.

Expertise liegt noch nicht schriftlich vor

Schumann habe inzwischen der Universität empfohlen, sich von Sohnrey zu distanzieren und die 1934 verliehene Ehrenbürgerwürde der Universität abzuerkennen. Die Expertise liegt noch nicht schriftlich vor. Zur Vorbereitung einer Straßenumbenennung soll nun eine Anhörung der rund 80 Anwohner erfolgen. Deren Ergebnisse seien dann abzuwägen.

Mit der Straßenumbenennung befasst sich der Kulturausschuss am Donnerstag, 22. August, um 16.30 Uhr in Raum 126 des Neuen Rathauses, Hiroshimaplatz 1-4. Der Ortsrat Geismar tagt zu dem Thema am Donnerstag, 29. August, ab 19.30 Uhr in der Verwaltungsstelle Geismar, Kerllsgasse 2.

Quelle: Artikel von Michael Brakemeier im Göttinger Tageblatt vom 21. August 2013.

Foto von Peter Heller.