Helmscherode

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Gut in Helmscherode

Helmscherode ist ein Ort im Landkreis Northeim zwischen Solling und Harz. Er gehört zur Stadt Bad Gandersheim.

Personen und Organisationen

  • Ortsvorsteher: Hiltrud Miehe
  • Wilhelm Keitel: Erbe des Gutes. Er arbeitete sich in Berlin bis an die Spitze der deutschen Wehrmacht vor, befolgte Hitlers Befehle und war in die Kriegsverbrechen des Naziregimes involviert, so dass er bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen zum Tode verurteilt und 1946 hingerichtet wurde. Er setzte sich für den Anschkuss seines Heimatdrofes an die Autobahn 7 ein. In den 50er Jahren wurde das Gut von den Erben Keitels verkauft, die Kapelle blieb jedoch in Familienbesitz.

Lexikonteil

  • 149 Einwohner/innen (Stand: Februar 2012)
  • Entfernung zur Stadtmitte: Ca. acht Kilometer

Lage

  • Süd-Ost-Niedersachsen, Regierungsbezirk Braunschweig, Landkreis Northeim, Stadt Bad Gandersheim
  • Am Nordostrand der nach dem Höhenzug Heber benannten Heberbörde findet man den kleinen Ort Helmscherode. Er liegt etwa 197m über dem Meeresspiegel und ist ein Bauern- und Handwerkerdorf welches noch heute einige landwirtschaftliche Familienbetriebe und eine Tischlerei mit über 150-jähriger Geschichte beheimatet. Der Dorfgemeinschaft steht das am Dorfrand gelegene Dorfgemeinschaftshaus für Veranstaltungen wie Versammlungen und das Dorffest zu Verfügung, welches durch unsere Feuerwehr organisiert wird. Nach Helmscherode gelangt man am besten mit dem Auto, doch es gibt auch eine Busverbindung nach Bad Gandersheim. Leute mit etwas Kondition kommen auch mit dem Fahrrad.

Geschichte

Helmscherode wurde, wie der Name schon erzählt, in der Rodezeit etwa um 900-1100 als Rodung eines Helmiko oder Hilmar, dem Namensgeber, gegründet. Noch heute lässt sich an der geradlinigen und winkeligen Randlinie des bewaldeten Hebers die Rodelinie als solche erkennen. Vom ursprünglichen Dorfbild ist außer alten Flurbezeichnungen heute nichts mehr zu erkennen. Es besteht die Annahme, dass das heutige Helmscherode nach den Zerstörungen des 30-jährigen Krieges (1618-1648) aus eigentlich zwei Dörfern zu einem zusammengewachsen ist, worauf die in der Gemarkung Helmscherode angewandte doppelte Dreifelderwirtschaft hinweist. Auch sind Helmscheröder Bauern beim Pflügen westlich des heutigen Dorfes auf die Fundamente der früheren Höfe des anderen Dorfes gestoßen. Die ältesten Gebäude des heutigen Dorfes befinden sich auf dem Gelände des alten Gutes Helmscherode. Teile von ihnen dürften, wie auch die ehemals zum Gut gehörende Kapelle, noch während des 30-jährigen Krieges um 1630 entstanden sein. Die ursprüngliche Hausform im Dorf ist rein oberdeutsch, so dass im Gegensatz zum Niedersachsenhaus, Wohnhaus, Stall und Scheune als gesonderte Gebäude den Hof umschließen. Die Häuser haben stets ein Erd- und Obergeschoß, während sich der Eingang nie an der Giebelseite befindet. Erste urkundliche Erwähnung fand Helmscherode spät, erst im Jahre 1401 wird erwähnt, dass Ebbrecht von Vreden das Dorf an die Brüder Hermann und Tile Freese verkaufte.

Nach der Gründung des Dorfes waren die Bauern zum Kriegsdienst verpflichtet und da diese deshalb oft jahrelang fern der Heimat kämpfen mussten verfielen daheim Haus und Hof. Damit die Bauern dieser Bedrängnis entkamen, gingen sie in den Schutz des Grundherren. Diesem waren sie fortan jedoch zu Dienstleistungen und Abgaben verpflichtet. Die Ablösung dieser Hand- und Spanndienste auf dem Gut Helmscherode erfolgte erst 1839. Als Folge der Steinschen Reformen galt zwar schon ab 1810 der §12: "Mit dem Martinistage 1810 hört alle Gutsuntertänigkeit auf, ... gibt es nur noch freie Menschen", jedoch wurde kurz darauf das alte Herzogtum Braunschweig wieder errichtet und erklärte die Gesetze für ungültig. Dies blieb so bis 1834 durch die Einwirkung der französischen Julirevolution diese Lebensfrage des Bauernstandes mit der Aufhebung der Feudallasten ihre endgültige Lösung fand. Am 23.Juni 1840 unterzeichneten der Helmscheröder Gutsbesitzer Julius Theodor von Reiche und fünf Helmscheröder Bauern die Vereinbarung. Es folgte das Zeitalter des technischen Fortschritts, das Kapital sammelte sich von nun an nicht nur bei Beamten und Adel sondern auch beim industriellen Bürgertum. Ein Zeichen dafür ist, dass der Glashüttenbesitzer Heinrich Ludwig Stender aus Lamspringe das Gut Helmscherode erwarb. Im Jahr der Reichsgründung wurde das Gut schließlich an die Familie Keitel aus Poppenburg verkauft, die auch aus politischen Gründen in das Herzogtum Braunschweig zogen.

Im Jahr 1900 drang mit dem Bau der Eisenbahnlinie Gandersheim-Bodenburg-Hildesheim (heute Rad- und Skulpturenweg) die Technik sogar bis in die Feldmark von Helmscherode vor. Aufgrund der relativ weiten Entfernung vom Dorf und vielleicht auch wegen der mangelnden Akzeptanz der technischen Neuerung, man sieht es an der Abgelegenheit des Bahnhofs Altgandersheim, bekam Helmscherode keinen Bahnhof. Gegen Ende der 20er Jahre bekam Helmscherode endlich seine eigene Dorfschule. Damit hatte der tägliche Fußmarsch der Kinder zur Schule im Nachbardorf Gehrenrode ein Ende.

Im Jahr 1935 wurde die Fernwasserleitung aus der Sösetalsperre durch die Feldmark des Gutes verlegt, die den Bewohnern des Dorfes den Wunsch nach fließendem Wasser erfüllte. Nach dem Krieg wurde die A7 jedoch, aus heutiger Sicht zum Glück, einige Kilometer weiter östlich gebaut.

Seit der Gebietsreform 1974 gibt es die selbständige Gemeinde Helmscherode nicht mehr. Sie ist als Ortsteil in der Stadt Bad Gandersheim aufgegangen wohin auch die Kinder per Bus zu den weiterführenden Schulen fahren. Nur die Grundschüler werden noch heute in den Außenstellen Altgandersheim und Dankelsheim unterrichtet, wohin auch der Bus fährt.

Links

Helmscherode im Internet