Helmut Schwarz

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Helmut Schwarz

Nach Humboldts Beispiel Personen fördern

Auf dem Gebiet der Molekularchemie zählt Helmut Schwarz zu den international führenden Wissenschaftlern. Und auch auf dem Gebiet der Wissenschaftspolitik ist der Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung ein ausgewiesener Experte und gefragter Ratgeber.

Für beide Tätigkeitsfelder, hat der 1943 geborene Chemieprofessor der TU Berlin viele Auszeichnungen erhalten: Ein Goldstück ist nun mit der Lichtenberg-Medaille 2012 der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen dazu gekommen.

Diesmal ging es nicht um katalytische Prozesse wie beim Xlab Science Festival 2009 oder um Fullerene wie in der Ringvorlesung „Bilderwelten“. Das waren die Themen des Wissenschaftlers Schwarz bei seinen bisherigen Terminen in Göttingen.

In der Sommersitzung der Akademie ging es Schwarz um das Wirken von Alexander von Humboldt (1769-1859) und die Wirkung von dessen Wissenschaftsförderung bis in die Gegenwart, um damit zu erläutern, „warum es ohne Personenförderung keine erstklassige Grundlagenforschung geben kann“.

Zeitlos gültige Forschungsmaßstäbe

Der Kosmpolit und Humanist Humboldt hat nach Ansicht von Schwarz „zeitlos gültige Maßstäbe gesetzt für die Forschung“. Dem Beispiel Humboldts folgend hänge die 1953 gegründete Stiftung „keiner Strömung an, lässt sich weder beeinflussen, noch instrumentalisieren“.

Wie es sich für Humboldt zutrug, sei es auch heute noch: die Begegnung mit Menschen könne entscheidend für die Zukunft und zum Glücksfall werden, führte Schwarz aus. Humboldt hatte mit 16 Jahren im Salon des Berliner Arztes Marcus Herz die Literatur, Physik und andere Naturwissenschaften für sich entdeckt. Während seines Studiums in Göttingen begeisterten ihn die Experimentalphysik von Georg Christoph Lichtenberg, die Forschung von Johann Friedrich Blumenbach und der Naturforscher Georg Forster, der mit James Cook die Südsee bereist hatte.

Humboldt machte sich weltweit einen Namen als Naturforscher und als einer der Mitbegründer der Geographie als empirischer Wissenschaft. Seine Förderung junger Forscher setzt die Humboldt-Stiftung heute fort.

640 Stipendien und 100 Preise

25     000 Humboldtianer aus 135 Ländern gibt es in aller Welt. Pro Jahr vergibt die Stiftung 640 Forschungsstipendien und 100 Forschungspreise. „Das Auswahlkriterium ist allein die individuelle Qualifikation. Und die Kandidaten müssen einfach exzellent sein“, sagte Schwarz, der betonte, dass die Förderung, die Person in den Mittelpunkt stelle und kein Projekt.

Für Deutschland, dessen Universitäten es nicht erreichten im Ausland als attraktiv wahrgenommen zu werden, bringe der Aufenthalt der von der Humboldt-Stiftung geförderten Gastwissenschaftler den Vorteil, stärker in die globale Wissens- und Wissenschaftsgesellschaft eingebunden zu sein. Mit dem vor vier Jahren gestarteten Programm der Alexander von Humboldt-Professur werde dieses Ziel noch besser verfolgt, weil es ausländische Spitzenwissenschaftler an deutsche Universitäten binde. 27 solcher Professuren, darunter die für Physikalische Chemie von Alec M. Wodtke an der Universität Göttingen und dem Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, gebe es inzwischen. Schwarz, der selber zur Aufklärung grundlegender Vorgänge bei chemischen Reaktionen beigetragen hat und zur Fortentwicklung der Massenspektroskopie, forderte mehr Verständnis für die Grundlagenforschung, „die Geld kostet, aber nicht auf Knopfdruck liefern kann.“


  • Quelle: Artikel von Angela Brünjes im Göttinger Tageblatt vom 15. Mai 2012.
  • Foto von Theodoro da Silva.