Herzberg am Harz

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Infobox

Herzberg
Herzberg.gif
Wappen von Herzberg
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Osterode
Schulen: alle Schulformen
Einwohner: 14.209 (31. Dez. 2008)
Postleitzahl: 37412
Vorwahl: 05521, 05585
Kfz-Kennzeichen: OHA
Bürgermeister: Gerhard Walter (CDU)
Website: Herzberg im Internet

Herzberg am Harz ist eine Stadt im Süden von Niedersachsen, am Südrand des Harzes.

Geografie

Geografische Lage

Die Stadt Herzberg am Harz liegt am Austritt des kleinen Flusses Sieber aus dem Mittelgebirge Harz. Von Göttingen liegt Herzberg 32 km in nordöstlicher Richtung, von Hannover 90 km in südöstlicher Richtung. Oberhalb des Ortskerns liegt das Schloss Herzberg.

Stadtgliederung

Zu Herzberg gehören die Ortschaften

Geschichte

Das Schloss Herzberg wird erstmals in einer Schenkungsurkunde Heinrichs des Löwen aus dem Jahre 1154 erwähnt. Seither blieb es im Besitz der Welfen. Der Ort selbst erscheint erst 1337 urkundlich als landesherrliches Gut unterhalb des Schlosses. Von einem wesentlich früheren Siedlungsbeginn ist auszugehen. Der Ortsname lautete im Mittelalter Hircesberg, Hirzberch, Hertsberg. Das Grundwort -berg weist auf eine Entstehungszeit in der hochmittelalterlichen Ausbauperiode zwischen 800 und 1350 hin. Der Ortsnamensteil Herz- könnte von Hirsch stammen, da im 12. Jahrhundert der Stammvokal -i- zu -e- abgeschwächt wurde. Verwaltungsmäßig bestand seit 1315 das Amt Herzberg, das 1859 mit dem Amt Scharzfeld vereinigt wurde. 1598 wurde Herzberg als Flecken bezeichnet. Stadtrechte erhielt der durch Verordnung des Preußischen Staatsministeriums am 25. Oktober 1929.

Wirtschaftswesen

Wegen seiner Wirtschaftskraft war Herzberg schon früh ein regionales Zentrum für sein Umland. Die Tuch- und Leinenproduktion war einst ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Herzberg. Im 18. und 19. Jahrhundert übten ständig rund 50 Personen das Leinewebergewerbe aus. Bedeutend war auch das Brauwesen. Das Brauprivileg erhielt der Ort 1569, ein größeres Brauhaus entstand 1581. Der Ort hatte schon früh städtische Merkmale, dominierend war aber die Land- und Forstwirtschaft. 1614 zählte Herzberg etwa 180 Hofstellen, 1766 waren es rund 300. Mehrere Mühlen, darunter Säge-, Papier-, Getreide- und Ölmühlen, nutzen die Wasserkraft des Mühlengrabens als Energiequelle. Am Mühlengraben gab es eine Wasserkunst, die das oberhalb gelegene Schloss mit Wasser versorgte. Die industrielle Produktion im 20. Jahrhundert beinhaltete die Herstellung von Eisen, Papier, Sprengstoff und Faserplatten sowie die Verarbeitung von Metall, Margarine und Kunstseide.

Waffenproduktion

Der bedeutendste Wirtschaftsfaktor war seit Anfang des 18. Jahrhunderts die Waffenproduktion. Das Kurfürstentum Hannover beschaffte sich zu dieser Zeit Waffen aus anderen Herrschaftsgebieten, wie Thüringen, und wollte nicht mehr abhängig sein. Dazu etablierte es in Herzberg 1732 eine Gewehrfabrik für die hannoversche Infanterie. Es wurden aber auch Jagdgewehre und Blankwaffen sowie Waffenzubehör hergestellt. Die Fabrik unter staatlicher Aufsicht gründete ein Hüttendirektor. Die Arbeiter kamen anfangs alle von außerhalb, da es diese spezialisierten Arbeitskräfte nicht im Ort gab. Das Material in Form von Roheisen stammte aus den Hüttenwerken im Harz. Die Fabrik entstand zunächst im Ortsteil Lonau an der Lonau, deren Wasser sie für Antriebsmühlen nutzte. 1740 wurde die Fabrik nach Herzberg verlegt. Eine Gewehrfabrik des Königreichs Hannover in Hannover-Linden wurde bereits 1738 nach Herzberg verlegt. Im 19. Jahrhundert hatte die Fabrik etwa 200 Beschäftigte. Die Bedeutung der Waffenfabrik wurde nach der Annexion des Königreichs durch Preußen ab 1866 geringer, da die preußischen Waffenunternehmen eine starke Konkurrenz waren.

Sprengstoffherstellung

Die Sprengstofffabrik entstand 1940 zur Produktion von Minen und Bomben. Die Dynamit AG Alfred Nobel errichtete die Munitionsanstalt nahe dem Ort und dem Schloss. Wegen der Gefährdung durften nicht mehr als 7.500 kg Sprengstoff gelagert werden. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs kam es in der Nacht zum 4. April 1945 zu einer Katastrophe. Zu diesem Zeitpunkt lagerten auf dem Grundstück etwa 40.0000 kg Sprengstoff und 8.000 Minen. Durch kleinere Detonationen entstand ein Brand, der während der Löscharbeiten der Feuerwehr zu einer gewaltigen Explosion führte. Neun Menschen wurden getötet. Sachschäden waren abgedeckte Dächer im Ort und auf dem Schloss. Die Ursache wurde nicht ermittelt, vermutet wurde Sabotage oder Fahrlässigkeit.


Links

Herzberg im Internet