Hoher Hagen

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Blick auf den Hohen Hagen

Der Hohe Hagen südlich von Dransfeld ist mit Abstand die höchste Erhebung der Dransfelder Gegend und gehört zum Naturpark Münden. Nach dem Haferberg (581 Meter), den beiden gleich hohen Steinbergen (Großer und Kleiner Steinberg; je 542 Meter hoch) und anderen Bergen im niedersächsischen Teil vom Kaufunger Wald bzw. Naturpark Münden zählt der Hohe Hagen zu den höchsten Bergen im Südzipfel des Bundeslands.



Geologie

Der Hohe Hagen ist einer der nördlichsten Vulkane in Deutschland. Er barg abbauwürdige Mengen vulkanischen Gesteines, das seinen Ursprung in der Tertiärzeit hat. Der Abbau von Basaltgestein am Hohen Hagen ist ab 1825/26 belegt. Bereits 1856 wurde der Steinbruch erweitert, in den 1920er Jahren setze die bedeutendste Zeit des Basaltabbaus ein. Der Abbau wurde 1971 eingestellt. Die Geschichte des Basaltbruchs ist seit Herbst 2004 durch einen Geologie- und Bergbaupfad erlebbar.

Geschichte

Im Rahmen der von Carl Friedrich Gauß zwischen 1818 und 1826 per Triangulation durchgeführten Landesvermessung des Königreichs Hannover (Gaußsche Landesaufnahme) nutzte Gauß den Hohen Hagen als einen Dreieckspunkt für sein „großes Dreieck“ Hoher Hagen–Brocken–Großer Inselsberg. Dieses Dreieck mit den Seitenlängen 68 km (Hoher Hagen – Brocken), 84 km (Hoher Hagen – Inselberg) und 106 km (Brocken – Inselberg) war Basis zur Verknüpfung zahlreicher regionaler Vermessungsdaten.

Haus Hoher Hagen

Ein ehemaliger Berggasthof, 1914 erbaut und 1982 nach längerem Leerstand dann als Schullandheim und Bildungsstätte in neuer Funktion wiederbelebt. Die Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule und das Otto-Hahn-Gymnasium in Göttingen nutzen das Haus für Unterrichtsprojekte und Klassenfahrten. Der Verein für außerschulische Bildung hat über lange Zeit Seminare zur antifaschichtischen Jugendarbeit, zu Geschichtsthemen, zu regenerative Energien und zum Kinderwaldprojekt veranstaltet. Das Haus vermietet seine Tagungsräume auch an externe Gruppen [www.haus-hoher-hagen.de].

Geologiepfad

„Afrika gegen Europa“, so bringt es der Geologie- und Bergbaulehrpfad auf dem Hohen Hagen auf den Punkt. Besucher des ehemaligen Basalttagebaus erfahren, dass sich die afrikanische Erdkrusten-Platte gegen die europäische presst. So türmten sich die Alpen auf. Die Hebungen, Dehnungen und Einengungen wirkten sich bis nach Dransfeld aus. Vor 14 Millionen Jahren wurde in Südniedersachsen und Nordhessen 1200 Grad heißes Gestein aus 60 Kilometer Tiefe nach oben gedrückt. Zu den 1000 aktiven Vulkanen, die damals die Region prägten, gehörten neben dem Hohen Hagen, auch der Steinberg in Meensen, die Bramburg in Adelebsen oder der Hohe Meißner bei Eschwege. Die Lava bildete nach dem Erkalten sechseckige Basaltsäulen. Das harte und verwitterungsresistente Gestein wurde ab Ende des 18. Jahrhunderts zum gefragten Rohstoff. Damals erlebte der Bau von Straßen einen rasanten Aufschwung. Anfangs wurden die Pflastersteine von so genannten Klipperern aufwändig mit der Hand hergestellt.

Mit dem Bau der Eisenbahnlinie Hannover – Kassel, die Dransfeld unmittelbar berührte, stieg der Basaltsteinbedarf derart an, dass der Bruch am Hohen Hagen 1856 erweitert wurde, berichtet eine der Schautafeln. Von 1900 bis 1914 betrieb Friedrich Hogreve den Steinbruch. Damals dauerte der Arbeitstag eines Hohenhägers, wie die 20 Hogreve-Beschäftigten genannt wurden, zehn Stunden. Die harten Jobs waren begehrt, weil sie eine sichere Existenzgrundlage boten. Mit schweren Hämmern, Hacken und Keilen brachen die Männer den Stein. Er wurde in Loren geschaufelt. Klipperer behauten die Steine. Fuhrleute transportierten die Ladungen zum Bahnhof. Auf Mechanisierung setzten die Kieswerke der Provinz Schleswig-Holstein, die das auf elf Hektar erweiterte Bruchgebiet auf dem Hohen Hagen 1924 für 20 Jahre pachteten. Damals entstand ein Elektrizitätswerk. Von 1925 an verband eine vier Kilometer lange Drahtseilbahn den Steinbruch mit dem Bahnhof. Als Leiter vor Ort fungierte ein Wegebau-Oberinspektor. Die Jahresproduktion erreichte zu Spitzenzeiten 500000 Tonnen Basalt. Das Aus für den Basaltsteinbau kam 1971. Bereits 1969 war die Drahtseilbahn abgebaut worden. Bis 1987 förderte das Werk noch Dransfelder Feinsande. Diese stammten von Ablagerungen eines tertiärzeitlichen Flachmeeres, das vor 28 Millionen Jahre Dransfeld bedeckte.

An diese Vorkommen erinnert heute ein großer Natursandkasten, der zu den Stationen des Geologie- pfads gehört. Insgesamt wurden dreieinhalb Millionen Kubikmeter Basalt und Sand auf dem Hohen Hagen abgebaut. Die einst 508 Meter hohe Kuppe ist mit heute 493,5 Metern Höhe die viert-höchste Erhebung Südniedersachsens. Die Renaturierung der Tagebaufläche, die an ihrem tiefsten Punkt 430 Meter über dem Meeresspiegel liegt, wurde durch die Ablagerung von 700 Kubikmetern Erdaushub beschleunigt, der beim Bau der ICE-Tunnel zwischen Göttingen und Kassel angefallen war. Hinzu kam später auch Erdaushub vom Bau der Göttinger Universitätsbibliothek.

Immer wieder gibt es im Stadtrat Dransfeld Bestrebungen, einen Naturelebnispfad auf dem Hohen Hagen anzulegen. Aus finanziellen Gründen hat man allerdings bisher Abstand genommen.