Hullersen

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Wappen von Hullersen

Hullersen ist ein Ort im Landkreis Northeim zwischen Harz und Solling. Er gehört zur Bierstadt Einbeck.


Personen und Organisationen

  • Ortsbürgermeister: Claus Krengel

Lexikonteil

Allgemein

  • Einwohner gesamt (Stand 01/2007): 378. Davon sind 199 Einwohner männlich. 179 Einwohner sind weiblich.
  • Geographische Lage: 9° 49' Länge, 51° 48' Breite.

Geschichte

Inmitten der »Einbecker Börde«, etwa eine halbe Wegstunde von Einbeck über den Butterberg nach Westen, liegt am flach abfallenden Südhang einer von Norden her bis dicht an die untere Ilme sich heranschiebenden Höhenschwelle das Dorf Hullersen. Schon zur Zeit Karls des Großen und seiner Söhne wird es unter dem Namen »Huldessun« erwähnt. In Urkunden und Akten späterer Zeitläufe erscheint es als »Huldersse«, »Huldershusen« und »Huldershausen«.

Ein für Hullersen bedeutungsvolles Ereignis fällt in das Jahr 1522. Damals begann, so berichtet der Chronist, der Pfarrer Ebbrecht aus Salzwedel, ein überaus gelehrter Mann, in der hiesigen Kirche unversehens das Heilige Abendmahl in beiderlei Gestalt zu reichen, wider das Papsttum zu predigen und mit seinem Küster Franz Grevendeich Psalmen und Lieder in deutscher Sprache zu singen. Die Leute aus Hullersen und Kohnsen waren bestürzt und erregt über diese plötzlichen protestantischen Neuerungen in ihren Gottesdiensten, und da ihr Pfarrherr von seinem Unternehmen nicht abließ, enthielten sie sich aller weiteren Teilnahme am Gottesdienst. Sie konnten unter anderem dem Manne die öffentlich vorgetragene Meinung nicht verzeihen, daß das Läuten der Kirchenglocke in Ungewitterzeiten keineswegs den Donner vertreiben könne, sondern daß es nur eine Erinnerung und Anreizung zum Gebet sei.

Desto fleißiger wurde Ebbrechts Kirche von den Bürgern Einbecks besucht, die hier fanden, was sie in den eigenen Mauern vergebens suchten. An allen Sonn- und Feiertagen strömte viel Volks, Männer und Weiber, in hellen Haufen nach Hullersen, um die evangelische Predigt zu hören und sich an dem Sakrament in seiner ursprünglichen Gestalt zu erquicken. Und sehr bald war die Bewegung so stark, daß man sie nicht anders als mit Gewalt zu unterdrücken vermochte. Die geistlichen Herren in Einbeck hielten sich hierzu besonders verpflichtet, weil dem dortigen Stifte Beatae Mariae Virginis das Patronat über die Hullerser Kirche und dem Stift St. Alexandri dasjenige über die Filialkirche in Kohnsen zustand.

Sie verklagten den neuerungssüchtigen Priester auf dem Amte Hunnesrück und brachten es glücklich dahin, daß Ebbrecht unversehens überfallen, nach dem Hunnesrück geschleppt und auf jener Burgfeste gefangengesetzt wurde. Nur zwei Männer aus Hullersen haben es weiter mit Ebbrecht gehalten: der Müller Tilo Wolff und Hans Buckhage. Sie taten ihrem ehemaligen Pfarrherrn, da er gefangengesetzt war, heimlich und öffentlich Handreichungen. Deshalb wurde der erste seiner Mühle entsetzt, der andere des Landes verwiesen. Ebbrecht mußte zwar bald wieder freigelassen werden, wurde aber ebenfalls seines Amtes enthoben. Damit fanden die reformatorischen Bestrebungen des Hullerser Pfarrherrn, welche die ersten im ganzen Grubenhagener Gebiet waren, ein schnelles Ende.

Seit alten Zeiten bestand in Hullersen eine Herrschaftliche Mühle, die auch für die Bewohner der sogenannten Bergseite des Amtes Grubenhagen, wie z. B. Vardeilsen und Rengershausen, von Bedeutung war. Nach den familiengeschichtlichen Nachrichten der Familie Crome war im 19. Jahrhundert Johann Friedrich Crome - ein Nachfahre des Pastors Johann Bernhard Crome, dessen lebensgroßes Ölgemälde die Kirche schmückt - Besitzer der Hullerser Mühle, und aus den im Einbecker Stadtarchiv befindlichen Jurisdiktionsakten geht hervor, daß die Mühle danach dem Mühlenmeister Strodt gehörte. Im Jahre 1885 verkaufte sie der Mühlenmeister Steinhoff an den Fabrikanten Düsenberg, den Besitzer der Juliusmühle. Düsenberg machte aus der Mahl- und Ölmühle die sogenannte Pappmühle.

Leider erwies es sich, daß das Unternehmen der Pappmühle nicht krisenfest war, als die Herstellungskosten mit den Verkaufspreisen damals nicht Schritt halten konnten. An einem Sonntag im April 1895 brach in der Pappmühle ein Feuer aus und machte dem Unternehmen ein frühes Ende. Dadurch verloren etwa 25 Menschen ihre Arbeitsstätte.

Die 6 alten Vollmeierhöfe lagen ehemals alle dicht bei der Kirche. Zu jedem Hofe gehörten mindestens 5 Hufen (150 Morgen) Land. Jeder Vollmeier hatte in der Gemeindeversammlung 4 Stimmen. Auf der Höhe des Kirchberges lagen der Frickesche Hof, die beiden Harrigfeldschen Höfe und der Götzenhof, unterhalb der Kirche am Fluß der Traupen- und der Papenhof. Der Frickesche Hof, unmittelbar über dem Mühlenkanal, besteht heute nicht mehr.

Unmittelbar hinter der Kirche lag der eine Harrigfeldsche Hof, heute in Hatopschem Besitz, ihm schräg gegenüber der zweite gleichen Namens. Er steht heute ebenfalls nicht mehr. An seiner Stelle ist am Südufer der Ilme der Lindenhof entstanden, der heute noch in Harriefeldschem Besitz ist. Der dicht bei den Harrigfeldschen Höfen oberhalb der Kirche gelegene Götzenhof gehörte ehemals zu den zahlreichen Besitzungen des Götz von Olenhusen; daher sein Name.

Durch Pacht und Kauf kam er später in verschiedene Hände, unter anderem in den Besitz eines Bankiers namens Wertheim in Braunschweig. Heute befindet sich der Hof im Besitz der Familie Schmidtmann. Der Traupesche Hof lag und liegt noch heute unterhalb der Kirche nach Südosten dicht an der Ilme und befindet sich noch im Besitz der Familie Traupe. Der Papenhof, unmittelbar unter dem Pfarrhause gelegen, wo der Mühlenkanal wieder in die Ilme mündet, ist seit 1650 im Besitz der Familie gleichen Namens.

Die Hullerser Flur umschließt heute eine Gesamtfläche von 393 Hektar. Davon werden 362 Hektar landwirtschaftlich genutzt, 24 ha. entfallen auf Wasser, Wege und Eisenbahngelände, 7 ha. nehmen Gebäude und Hofräume ein. Außerdem liegen eine Reihe hinzuerworbener Ackerstücke auf der Flur der Nachbargemeinden. Im Jahre 1868 wurde die Hullerser Feldmark verkoppelt.

Hullersen ist seinem äußeren Erscheinungsbild und der Mentalität des größten Teiles seiner alteingesessenen Bewohner nach ein reines Bauerndorf. Die Landwirtschaft gibt ihm sein Gepräge. Wenn auch ein Teil seiner Bewohner - meist sind es die zugezogenen Evakuierten und Flüchtlinge des zweiten Weltkrieges - außerhalb Hullersens, vor allem in der Juliusmühle und im nahen Einbeck, anderen Berufen nachgehen, so hat das Dorf dadurch doch kaum von seinem ländlichen Charakter eingebüßt.

Vor dem letzten Krieg zählte man in Hullersen durchschnittlich 280 Einwohner. Während und nach dem Kriege stieg die Einwohnerzahl durch die Einquartierung Ausgebombter und Evakuierter und durch den Zustrom der Flüchtlinge auf 580 an. Im Jahre 1949 zählte man unter 578 Ortseinwohnern 85 Umquartierte und 224 Flüchtlinge.

Die Chronik der Hullerser Schule beginnt mit dem Jahre 1906, denn bis dahin besuchten die Hullerser Kinder die Schule in Kohnsen. Zwar besagt eine Nachricht aus dem 18. Jahrhundert in der Hullerser Kirchenchronik, dass damals zu Hullersen auch ein Pfarrwitwenhaus von der Gemeinde erbaut, und, da zur Zeit keine Witwe vorhanden, ein Schulmeister von dem Generalsuperintendenten Knorr dahin gesetzt sei, der gedachtes Witwenhaus bewohnen und die Kinder in Hullersen informieren solle. Aber dennoch befand sich, wie an gleicher Stelle weiter berichtet wird, die Hauptschule nicht in Hullersen, sondern in Kohnsen. Anscheinend sind nur die kleinen Kinder, besonders im Winter, wenn der Schulweg nach Kohnsen für sie zu anstrengend war, hier im Ort notdürftig unterrichtet worden.

  • Quelle: Werner Edel.

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